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23.01.2013
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Autogramm Subaru Forester

Raubein auf Abwegen

Von
Subaru

Mit dem neuen Forester legt Subaru Widerspruch gegen aktuelle Automobiltrends ein: Hartplastikinterieur, permanenter Allradantrieb, große Karosserie und kein downgesizter Motor. Der ruppige Japaner ist kein weichgespülter Lifestyle-SUV, sondern glänzt vor allem abseits der Straße.

Der erste Eindruck: Mann, ist der groß geworden. Eigentlich hatte man den Forester als aufgebockten Geländekombi in Erinnerung, doch die vierte Generation der Baureihe legt in jeder Dimension ein paar Zentimeter zu und wird so zu einem ausgewachsenen Geländewagen. Und zwar zu einem, der aufrecht und wuchtig aus der Masse der modernen, geduckt-gerundeten SUVs hervorragt.

Das sagt der Hersteller: Produktmanager Peter Bellinghausen lobt den Forester als Erfolgsmodell im deutschen Verkaufsprogramm des japanischen Herstellers; denn es ist der meistverkaufte Subaru bislang. In Zahlen: Während der vergangenen 15 Jahre wurden hierzulande 58.000 Exemplare verkauft. Das zeigt auch, dass Subaru mit einem Marktanteil von 0,2 Prozent ein kleiner Importeur ist und noch hinter Herstellern wie Suzuki, Land Rover und sogar Porsche rangiert.

Dass der Forester gegen den Trend nicht kompakter, sondern sogar größer wird, erklärt sich aus dem aktuellen Modellangebot. Denn mit dem Kompakt-SUV XV gibt es seit kurzer Zeit ein neues, kleineres Modell mit Offroad-Optik. Daher musste der Forester nun zulegen.

Das ist uns aufgefallen: Feld, Wald und Wiese - wo man mit schicker aufgemachten Konkurrenten wie Honda CR-V oder Mazda CX-5 gar nicht gern unterwegs ist, fühlt sich der Forester so richtig zu Hause. Dieses Auto trägt immer Wanderstiefel.

Im neuen Modell kommt zum schon traditionellen, serienmäßigen Allradantrieb ein sogenannter X-Mode hinzu. Drückt man die entsprechende Taste in der Mittelkonsole, wird nicht nur die Bergan- und -abfahrhilfe aktiviert, sondern die Elektronik stellt sich zudem auf schweres Terrain ein und garantiert stets die maximale Traktion.

Im Gegenzug fühlt man sich im Forester auf der Straße nicht ganz so gut aufgehoben, weil die Lenkung etwas weich und das Fahrwerk ziemlich unbestimmt ist. Aber im Gelände trumpft das Auto auf. Es fährt auch dort noch problemlos weiter, wo nur noch land- und forstwirtschaftlicher Verkehr erlaubt ist. Da ist es nur logisch, dass die meisten Subaru-Kunden einen grünen Janker in der Garderobe und eine Flinte im Schrank haben, Jäger und Förster zählen zur Stammklientel der Marke.

Die dürften sich auch am rustikalen Interieur freuen. Und am Platzangebot, denn der Wagen bietet auch innen spürbar mehr Raum, die Rückbank taugt für zwei Erwachsene und der Kofferraum fasst respektable 505 Liter. Optisch sieht der Forester innen so schlicht und simpel aus, als wäre er ein Nutzfahrzeug - oder müsste jede Woche ausgekärchert werden. Billiges Hartplastik, wohin man schaut. Dazu gibt es grob gerasterte Grafiken in der Cockpitanzeige, zu kurze Sitze mit zu wenig Seitenhalt und kaum Assistenzsysteme. Wäre da nicht der kunterbunte und gestochen scharfe Monitor oben in der Mittelkonsole, könnte das Innenleben problemlos auch aus den späten achtziger Jahren stammen.

Das muss man wissen: Der neue Forester kommt Ende März zu Preisen ab 28.900 Euro in den Handel. Unter der Motorhaube bleibt es eigenwillig, denn es stehen ausschließlich Boxeraggregate zur Wahl. Zudem rüsten die Japaner gegen den Trend ordentlich auf. "Wir haben endlich wieder einen Turbo", freut sich Produktmanager Bellinghausen mit Blick auf das Spitzenmodell. Während bei der Konkurrenz die Turbotechnik Teil des Downsizing-Pakets ist, belässt es Subaru bei zwei Liter Hubraum und kitzelt die Leistung des Vierzylindermotors so auf 240 PS.

Zwar geht irgendwo in den Eingeweiden gefühlt ein Fünftel der Leistung verloren, und man taxiert den Output der Maschine nach der ersten Testfahrt auf ungefähr 200 PS. Doch der Boxer klingt kernig, mag hohe Drehzahlen und geht so beherzt zur Sache, dass selbst die stufenlose Automatik den Fahrspaß nicht verderben kann. Im Gegenteil: Flott über einen Feldweg, zügig über die Landstraße und mit Karacho durch den Dreck - da fühlt man sich fast ein bisschen wie einer der Rallye-Stars, die mit Subaru im WRC-Auto groß geworden sind. Immerhin hängt man mit einem Sprintwert von 7,5 Sekunden und 221 km/h Spitze so manchen VW Tiguan ab.

Dass der Turbomotor dabei schon auf dem Prüfstand 8,5 und in der Praxis nie weniger als zehn Liter braucht, darf einen in diesem Fall nicht wundern. Wer sparen möchte, für den sind auch ein zwei Liter großer Boxerbenziner ohne Turbo mit 150 PS sowie ein gleich großer Dieselmotor mit 147 PS im Angebot.

Das werden wir nicht vergessen: Die elektrische Heckklappe des Forester. Die ist zwar eigentlich eine schöne Sache und zeugt davon, dass die Marke doch nicht alle Trends ignoriert. Doch bewegt sie sich so nervtötend langsam, dass man vor dem Einladen der Einkäufe fast schon die Parkuhr nachfüttern muss. Vielleicht ist es ganz gut, dass sich Subaru ansonsten fern hält von Assistenzsystemen.

Forum

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insgesamt 26 Beiträge
1. .
lokilli 23.01.2013
ganz schön ambitionierter preis für ein auto, das laut beschreibung auch nur das zu können scheint wie ein lada niva. der ist innen auch in den 80ern stehen geblieben aber kommt mit allen wettern und geländen zurecht.
ganz schön ambitionierter preis für ein auto, das laut beschreibung auch nur das zu können scheint wie ein lada niva. der ist innen auch in den 80ern stehen geblieben aber kommt mit allen wettern und geländen zurecht.
2. Zufrieden?
huettenfreak 23.01.2013
Sind Subaru-Kunden eigentlich immer noch die "zufriedensten Autofahrer"? Dann ist der Preis wohl gerechtfertigt. Das Cockpit sieht von der Anmutung her irgendwie nach Skoda/VW aus, ist also auch nicht schlechter als bei [...]
Sind Subaru-Kunden eigentlich immer noch die "zufriedensten Autofahrer"? Dann ist der Preis wohl gerechtfertigt. Das Cockpit sieht von der Anmutung her irgendwie nach Skoda/VW aus, ist also auch nicht schlechter als bei Tiguan, Yeti und Co..
3. Ein solcher Allradler
Jobuch 23.01.2013
braucht weder Alu-Räder noch eine Plastik-Abdeckung auf dem Motor. Alles Tribute an ein Publikum, das es nicht mehr gewohnt ist, ein Auto auf Stahlfelgen und einem sichtbaren Motor zu sehen.
braucht weder Alu-Räder noch eine Plastik-Abdeckung auf dem Motor. Alles Tribute an ein Publikum, das es nicht mehr gewohnt ist, ein Auto auf Stahlfelgen und einem sichtbaren Motor zu sehen.
4. Vom Spezialisten?
jalu-2008 23.01.2013
Der Autor besitzt also die Fähigkeit zur Beurteilung, dass bei 240 PS mit Turboaufladung ein Fünftel der Leistung vorloren geht, und er den Output nur noch auf 200 PS taxiert, und das bei stufenloser Automatik? Respekt! [...]
Der Autor besitzt also die Fähigkeit zur Beurteilung, dass bei 240 PS mit Turboaufladung ein Fünftel der Leistung vorloren geht, und er den Output nur noch auf 200 PS taxiert, und das bei stufenloser Automatik? Respekt! Unter welchen Bedingungen und bei welcher Drehzahl wurde dieser Eindruck denn gewonnen? Die 240 PS werden irgendwo bei über 5000 Umdrehungen erreicht, wann benötigt man die genau? Ab 200 km/h auf der Autobahn? Weniger Respekt verdient der Autor für seine Rechenkünste in der Mathematik. 240 PS minus einem Fünftel gibt keine 200 PS, da geht es um ein Sechstel.
5. Emotion
ChrisQa 23.01.2013
Nicht aufregen, es ist ein 'Grünweg'. :-) Schön, dass es mal wieder einen richtigen Geländewagen gibt. Sowas kaufen sich nur Leute die es brauchen und keine SUV-Angeber. Die Subaru-Boxer haben vor allem ein traumhaftes [...]
Zitat von jalu-2008Der Autor besitzt also die Fähigkeit zur Beurteilung, dass bei 240 PS mit Turboaufladung ein Fünftel der Leistung vorloren geht, und er den Output nur noch auf 200 PS taxiert, und das bei stufenloser Automatik? Respekt! Unter welchen Bedingungen und bei welcher Drehzahl wurde dieser Eindruck denn gewonnen? Die 240 PS werden irgendwo bei über 5000 Umdrehungen erreicht, wann benötigt man die genau? Ab 200 km/h auf der Autobahn? Weniger Respekt verdient der Autor für seine Rechenkünste in der Mathematik. 240 PS minus einem Fünftel gibt keine 200 PS, da geht es um ein Sechstel.
Nicht aufregen, es ist ein 'Grünweg'. :-) Schön, dass es mal wieder einen richtigen Geländewagen gibt. Sowas kaufen sich nur Leute die es brauchen und keine SUV-Angeber. Die Subaru-Boxer haben vor allem ein traumhaftes Drehmoment und darauf kommt's im Acker eher an als auf Höchstleistung.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Subaru
Typ: Forester
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Boxer-Direkteinspritzer mit Turbo
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 240 PS (177 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 7,5 s
Höchstgeschw.: 221 km/h
Verbrauch (ECE): 8,5 Liter
CO2-Ausstoß: 197 g/km
Kofferraum: 505 Liter
umgebaut: 1.577 Liter
Preis: 39.900 EUR

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