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22.01.2013
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Durchfallerquote bei der Führerscheinprüfung

Autoclub wirft Fahrlehrern Abzocke vor

DPA

Der ACE kritisiert Fahrlehrer: "Sie spekulieren auf eine hohe Durchfallerquote"

Fast jeder dritte Fahrschüler fällt laut einer Studie des Autoclub Europa beim ersten Versuch durch die Führerscheinprüfung. Schuld daran sind nach Ansicht des ACE aber nicht allein die Prüflinge, sondern auch die geldgierigen Ausbilder.

Goslar - Jedes Jahr fallen in Deutschland Hunderttausende durch die Führerscheinprüfung. Der Autoclub Europa ACE macht dafür eine mangelhafte Vorbereitung in den Fahrschulen verantwortlich. Die Durchfallerquote von rund 30 Prozent sei jedenfalls kein Zeichen für eine hochqualifizierte Ausbildung, heißt es in einer Studie des ACE.

ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner erhebt schwere Vorwürfe: Es komme der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang zwischen der hohen Durchfallerquote und der schlechten Ertragslage gebe, unter der viele Fahrschulen angesichts der demografischen Entwicklung leiden. "Sie spekulieren auf eine hohe Durchfallerquote, um anschließend zusätzliche Fahrstunden abrechnen zu können."

Dem widersprach die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Hauptursache für Fehler in der Fahrprüfung sei die hohe Nervosität der Prüflinge, sagte der Vorsitzende Gerhard von Bressensdorf. Die Folge: "Sie fahren zu schnell, missachten Vorfahrtsregelungen oder machen Fehler beim Einparken." Häufig gäben Fahrlehrer auch dem Drängen von Fahrschülern nach und meldeten sie zu früh zur Prüfung an.

In seiner Studie beruft sich der ACE auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Demnach sind im Jahr 2011 bundesweit knapp 28 Prozent der Fahrschüler mindestens einmal durch die Führerscheinprüfung gefallen.

Dabei gibt es der Untersuchung zufolge große regionale Unterschiede. Die niedrigste Durchfallerquote bei Führerscheinprüfungen hatte Hessen (22,14 Prozent) gefolgt von Niedersachsen (24,87) und Schleswig-Holstein (25,13 Prozent). In Thüringen und Sachsen dagegen fielen mehr als 36 Prozent der Aspiranten durch die Prüfung, in Sachsen-Anhalt sogar gut 38 Prozent.

Der ACE rät Führerscheinaspiranten, Fahrschulen nicht unbedingt nach vermeintlichen Billigpreisen auszusuchen. Entscheidend sei eher eine hohe Quote bestandener Prüfungen, sagt Sprecher Hillgärtner.

Fahranfänger sollen mehr lernen

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie ist kein Zufall, denn am Mittwoch wird in Goslar der Verkehrsgerichtstag eröffnet. Bei der Tagung, zu der rund 1900 Verkehrsexperten zusammenkommen, ist eine Verbesserung der Fahrausbildung ein zentrales Thema.

Im Vorfeld der Veranstaltung fordert der Autoclub ADAC, dass ein mehrstufiges Modell der Fahrausbildung eingeführt wird. "Wir brauchen eine gesetzlich vorgeschriebene Ausweitung der Lernphase", sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Denn Fahranfänger seien weiterhin die am stärksten unfallgefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern.

"Viele Fahranfänger überschätzen ihr Können", sagt Chiellino. Dieses "trügerische Sicherheitsgefühl" sei die Ursache dafür, dass sie in den ersten Monaten nach der bestandenen Fahrprüfung überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursachen.

Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) setzt sich für eine zweiphasige Ausbildung der Fahranfänger ein. Zur zweiten Phase sollten neben dem verbindlichen Fahrsicherheitstraining sogenannte Feedback-Fahrten gehören. Dabei sollen junge Fahrer von erfahrenen Begleitern Rückmeldungen über das erhalten, was sie können - und vor allem über das, was sie nicht beherrschen.

Als Vorbild könne Österreich dienen, sagt Verkehrspsychologe Chiellino. "Dort werden junge Fahrer auch nach Erhalt der Fahrerlaubnis weiter gezielt unterstützt". Sie müssen unter Aufsicht ihr fahrerisches Können vorführen und an Fahrsicherheitstrainings teilnehmen. "Die Anfänger sollen dabei lernen, ihr Können richtig einzuschätzen, und erkennen, wo Grenzen liegen."

ACE sorgt sich über drohende Kosten

Der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) plädiert ebenfalls für eine "obligatorische Lernzeitverlängerung". Es müsse ein umfassendes Konzept zur Ausbildung und Betreuung von Fahranfängern erarbeitet werden, sagte DVR-Präsident Walter Eichendorf.

Der ACE steht den Mehrphasenmodellen dagegen skeptisch gegenüber. Schon jetzt seien für theoretische und praktische Pkw-Prüfung zusammen bis zu 1800 Euro fällig, gibt Sprecher Hillgärtner zu bedenken. Für die vielen Führerschein-Aspiranten, die durch die Prüfung rasseln, werde es vielfach deutlich teurer. "Statt Fahrschülern weitere gebührenpflichtige Ausbildungsstufen aufzuerlegen, sollten zuerst die pädagogischen Misserfolge im herrschenden System beseitigt werden", sagt Hillgärtner.

ADAC-Experte Chiellino verweist dagegen auf das österreichische Vorbild. Dort verteuere sich die Fahrausbildung durch die verbindliche zweite Stufe insgesamt nur um etwa 150 bis 200 Euro. Dafür seien die Unfallzahlen bei Fahranfängern deutlich rückläufig.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 148 Beiträge
1. Die Lösung ist ganz einfach
elecherc 22.01.2013
Die Durchfallquote jeder Fahrschule muss ganz offiziell bekanntgegeben werden (Aushang an der Eingangstür, Internet).
Die Durchfallquote jeder Fahrschule muss ganz offiziell bekanntgegeben werden (Aushang an der Eingangstür, Internet).
2. Wundert mich nicht
j.vantast 22.01.2013
Wenn ich die Fahrschulautos so auf den Strassen sehe wundert mich das nicht. Da fahren Fahrschüler auf der Autobahn 100km/h bei zulässigen 80km/h ohne dass der Fahrlehrer eingreift. Geblinkt wird auch nicht, Markierungen werden [...]
Wenn ich die Fahrschulautos so auf den Strassen sehe wundert mich das nicht. Da fahren Fahrschüler auf der Autobahn 100km/h bei zulässigen 80km/h ohne dass der Fahrlehrer eingreift. Geblinkt wird auch nicht, Markierungen werden missachtet etc. Der Fahrlehrer meines Sohnes hat während der Fahrstunden lieber mit seiner Freundin telefoniert als darauf zu achten was der Fahrschüler macht. Das mögen vielleicht Ausnahmen sein, aber das kann es ja wohl nicht sein.
3. Was soll daran neu sein?
widower+2 22.01.2013
Auch vor 30 oder 40 Jahren fiel schon im Durchschnitt jeder Dritte durch die Fahrprüfung. Und was sollen die Fahrschulen davon haben? Die Durchfallquote spricht doch eher dafür, dass sie ihre Schüler zu früh zur Prüfung [...]
Auch vor 30 oder 40 Jahren fiel schon im Durchschnitt jeder Dritte durch die Fahrprüfung. Und was sollen die Fahrschulen davon haben? Die Durchfallquote spricht doch eher dafür, dass sie ihre Schüler zu früh zur Prüfung anmelden. Da die Prüfungsgebühr nicht an die Fahrschule geht, kann es der Fahrschule herzlich egal sein, ob der Fahrschüler vor oder nach der ersten Fahrprüfung noch 5 Stunden mehr macht.
4. Bei der ersten Prüfung bestanden
DonCarlos 22.01.2013
Mein Fahrlehrer meinte damals ich brauche noch 3 zusätzliche Stunden bis zur Prüfung und die habe ich dann bestanden. Es gab natürlich schon damals die Geiz-ist-geil-Fraktion. Die hat trotz Warnung der Fahrlehrer nur die [...]
Mein Fahrlehrer meinte damals ich brauche noch 3 zusätzliche Stunden bis zur Prüfung und die habe ich dann bestanden. Es gab natürlich schon damals die Geiz-ist-geil-Fraktion. Die hat trotz Warnung der Fahrlehrer nur die erforderlichen Anzahl von Stunden gemacht. Einige haben damit geprahlt, manche waren ziemlich ruhig. Mal ging es gut und mal nicht... so 50:50 war die Schätzung meines Fahrlehrers für die, die sich zu früh haben prüfen lassen.
5.
z_beeblebrox 22.01.2013
Wäre mir bzgl. den Ausnahmen nicht so sicher, denn ich kannte a) einen Fahrlehrer, der ununterbrochen Kirschschnapspralinen fraß b) einen Fahrlehrer, der alle seine Fahrschülerinnen gerne begrapschte - heute würde man so [...]
Zitat von j.vantastWenn ich die Fahrschulautos so auf den Strassen sehe wundert mich das nicht. Da fahren Fahrschüler auf der Autobahn 100km/h bei zulässigen 80km/h ohne dass der Fahrlehrer eingreift. Geblinkt wird auch nicht, Markierungen werden missachtet etc. Der Fahrlehrer meines Sohnes hat während der Fahrstunden lieber mit seiner Freundin telefoniert als darauf zu achten was der Fahrschüler macht. Das mögen vielleicht Ausnahmen sein, aber das kann es ja wohl nicht sein.
Wäre mir bzgl. den Ausnahmen nicht so sicher, denn ich kannte a) einen Fahrlehrer, der ununterbrochen Kirschschnapspralinen fraß b) einen Fahrlehrer, der alle seine Fahrschülerinnen gerne begrapschte - heute würde man so etwas sexuelle Belästigung nennen. c) einen Fahrlehrer, dem irgendwie alles recht war, egal was man tat. Meines Erachtens kann sich die Automobilindustrie die Blinker eh einsparen. Blinken tut doch kaum einer noch. Lässt sich tagtäglich im Straßenverkehr nachvollziehen. Apropos Straßenverkehr: Früher hielt die Polizei noch Fahrradfahrer ohne ausreichende Belechtung an - selbst am hellichten Tage! Heute fahren u.a. Mountainbiker komplett OHNE irgend eine Lichtanlage montiert zu haben, selbst in der dunkelsten Nacht munter herum, ohne dass es der Polizei groß stört.
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