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25.01.2013
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Autogramm Nissan Juke Nismo

Lustloses Vorspiel

Von
Nissan

In Japan genießt der Nissan-Haustuner Nismo Kultstatus, fast noch mehr als hierzulande AMG oder die M GmbH. Jetzt kommen die von Nismo aufgebrezelten Modelle auch nach Europa. Doch der erste Abgesandte mit dem klangvollen Beinamen, der Juke Nismo, ist eine Enttäuschung.

Der erste Eindruck: Hier kommt ein Grenzgänger mit Kriegsbemalung. Als wäre der unorthodox gestylte Nissan Juke nicht schon auffällig genug, trägt die Tuning-Version Nismo noch dicker auf. Mit breiteren Schürzen an Front und Heck, riesigem Lufteinlass, LED-Nebelscheinwerfer-Schlitzen und roten Zierstreifen, roten Außenspiegelkappen sowie einem weißen Rallye-Streifen.

Das sagt der Hersteller: Nissan will mit dem Juke Nismo gegen Autos wie den Mini John Cooper Works oder den Citroën DS3 Racing antreten. Zugleich soll der Muskelzwerg der Tuning-Tochterfirma Nismo den Weg auf den europäischen Markt bereiten. Denn es wird eine Reihe weiterer Nismo-Modelle folgen, zum Beispiel eine Power-Version des Sportwagens 370 Z. Die Marke Nissan soll aufgepeppt werden, damit dabei nicht jeder automatisch an den Kleinwagen Micra denkt.

In der japanischen Tuning-Szene hat Nismo, ein Akronym aus Nissan und Motorsport, einen guten Klang, der Laden ist Legende. Zum jährlichen Nismo-Festival treffen sich regelmäßig mehrere zehntausend Fans. Das Unternehmen startete 1964 als Kleinserienhersteller mit einem Rennwagenumbau des Nissan Skyline GTR, zwei Jahre später wurde es von Nissan übernommen. Inzwischen bündelt Nismo alle sportlichen Aktivitäten der Marke und verkauft Zubehör und Umrüstungen für die Serienmodelle.

Das ist uns aufgefallen: Wie zurückhaltend Nissan das Tuning-Modell im Innenraum gestaltet hat. Außer den etwas stärker konturierten Sitzen, den roten Ziernähten und dem Sportlenkrad mit Alcantara am Kranz verweist kaum etwas auf die Kraftkur. Andererseits ist das irgendwie konsequent, denn der lediglich marginal modifizierte 1,6-Liter-Direkteinspritzer ist eine Enttäuschung.

Nicht falsch verstehen: Das Auto fährt gut, ist stramm und sportlich abgestimmt und macht Spaß in schnellen Kurven. Und wenn der Vierzylinder-Direkteinspritzer (200 PS, maximal 250 Nm Drehmoment) das Turboloch hinter sich gelassen hat, wird es jenseits von 3500 Touren durchaus rasant. Schließlich rennt der Juke in 7,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 215 km/h. Doch weil schon das bisherige Juke-Topmodell 190 PS und 240 Nm erreicht, sind die Unterschiede gering; bei der Höchstgeschwindigkeit liegen beide Autos sogar gleichauf.

Das fällt umso deutlicher auf, weil Nissan auch beim Soundtuning geradezu zaghaft vorging. Man muss sich schon direkt vor die neuen Auspuff-Endrohre stellen, wenn man das etwas wütendere Knurren des Kleinwagens heraushören will. Dabei hätten die Japaner mit dem aberwitzigen Juke R, der für rund 500.000 Euro mit dem Antrieb des GT-R bestückt wird, durchaus eine Vorlage für ein ernstzunehmendes Tuning-Modell.

Während die Antriebstechnik hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist die Elektronik viel weiter. Weil das Auto vor allem die Generation Playstation ansprechen soll, gibt es ein paar hübsche Spielereien. So sieht man auf dem Monitor, wie die Fliehkräfte am Auto zerren, und auch, welchen Druck der Turbolader gerade erzeugt.

In Zukunft werden - zum Beispiel auf einem iPad mini - noch viel mehr Fahrzeugdaten angezeigt, die dann sogar auf eine Homepage der Nismo-Fahrer hochgeladen werden können. So, wie man auch im Spiel "Gran Turismo" online gegen andere Fahrer antreten kann, lassen sich dann auch die realen Fahrwerte virtuell verteilen und vergleichen - ein nettes Gimmick, wenn man Autofahren per Computerspiel gelernt hat.

Das muss man wissen: Der Juke Nismo kommt Mitte Februar in den Handel. 26.400 Euro kostet das Auto mit Frontantrieb und Sechsgang-Schaltgetriebe, der Sportaufschlag fällt mit 2330 Euro also vergleichsweise bescheiden aus. Wer Allradantrieb und eine stufenlose Automatik möchte, muss 3000 Euro aufzahlen. So bestückt sinkt die Höchstgeschwindigkeit allerdings auf 200 km/h. Der Spritverbrauch übrigens liegt je nach Ausführung bei 6,9 oder 7,4 Liter je 100 Kilometer - das ist identisch mit dem ungetunten Grundmodell.

Dass der kleine Kraftmeier kein großer Wurf wurde und eher ein Produkt des Marketings als der Motorsportleidenschaft ist, wissen wohl auch die deutschen Nissan-Manager. Und so kalkulieren sie bei den erwarteten 12.600 Juke-Verkäufen in diesem Jahr gerade einmal 210 Nismo-Modelle mit ein.

Weil das nicht alles sein kann, gab es im Rahmenprogramm der Nismo-Präsention eine weitere Evolutionsstufe des Juke zum Ausprobieren. Dieses Auto verfügt über weitere zehn Prozent mehr Leistung (218 PS), ein härteres Fahrwerk und einen satteren Sound. Es soll voraussichtlich im Herbst ins Angebot aufgenommen werden.

Das werden wir nicht vergessen: Die Enttäuschung nach der ersten Testfahrt. Werkstuning ist ja schön und gut, preisliche Zurückhaltung auch. Doch nominell stark, aber nicht sportlich, und auffällig, aber nicht aufregend - damit wirkt der Juke wie koffeinfreier Kaffee.

Wenn das Serienmodell schon 190 PS hat und die richtig gut gelungene 218 PS-Version vor der Tür steht - warum hat sich Nissan dann die jetzt vorgestellte Variante nicht einfach gespart? Nismo wartet jetzt schon fast 50 Jahre auf den Start in Europa, da wäre es auf ein paar Monate mehr auch nicht mehr angekommen.

Forum

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insgesamt 26 Beiträge
1. Muss sein
emantsol 25.01.2013
Ich finde, der Markt braucht solche Autos. Schon allein, damit man sich am geschmackvollen eigenen Auto noch mehr erfreuen kann! ;-)
Ich finde, der Markt braucht solche Autos. Schon allein, damit man sich am geschmackvollen eigenen Auto noch mehr erfreuen kann! ;-)
2. Schade
Rinax 25.01.2013
...schade ich war mit meinem Octavia bei MTM und habe jetzt 250 PS das heißt für rund 1000 Euro ganze 50 PS mehr, da ist das hier schon relativ bescheiden und wird Tuningmäßg keine Akzente setzen. Schade drum, wäre der Juke [...]
...schade ich war mit meinem Octavia bei MTM und habe jetzt 250 PS das heißt für rund 1000 Euro ganze 50 PS mehr, da ist das hier schon relativ bescheiden und wird Tuningmäßg keine Akzente setzen. Schade drum, wäre der Juke Nismo wirklich eine Granate mit 250 und mehr PS, wäre er durchaus eine Option für mich, wenn mein Octavia dann nichtmehr wil.
3. Is ja peinlich ...
gerdkonz 25.01.2013
... wer sich da reinsetzt hat schon verloren! Vielleicht wird man es ihn/ihr nicht merken lassen, aber als ein bisschen dumm wird man dann mindestens gelten. Viel Spass ihr ;-0 ... Euer Gerd
... wer sich da reinsetzt hat schon verloren! Vielleicht wird man es ihn/ihr nicht merken lassen, aber als ein bisschen dumm wird man dann mindestens gelten. Viel Spass ihr ;-0 ... Euer Gerd
4. Joke!
Theoline 25.01.2013
Der müsste doch eher Nissan J"o"ke heißen. Ich habe selten so ein häßliches Ausot gesehen! Ein aufgeblasener Szuzuki Swift (oder wie diese Reiskocher sonst heißen:-)
Der müsste doch eher Nissan J"o"ke heißen. Ich habe selten so ein häßliches Ausot gesehen! Ein aufgeblasener Szuzuki Swift (oder wie diese Reiskocher sonst heißen:-)
5. riesiger Lufeinlass?
zick-zack 25.01.2013
Wo soll denn der riesige Lufteinlass sein? Kann keinen sehen!
Wo soll denn der riesige Lufteinlass sein? Kann keinen sehen!

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Fahrzeugschein

Hersteller: Nissan
Typ: Juke Nismo
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Direkteinspritzer
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.618 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 7,8 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 159 g/km
Kofferraum: 251 Liter
umgebaut: 830 Liter
Preis: 26.400 EUR

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