01.02.2013
Autogramm Kia Sorento
Frisch renoviert!
Von Tom GrünwegDer erste Eindruck: Groß und gefällig - den neuen Kia Sorento kann man zwischen Mercedes M-Klasse und Audi Q5 parken, als gehöre er in die Riege der Hochpreis-SUVs. Dass er deutlich billiger ist, sieht man ihm nicht an.
Das sagt der Hersteller: Martin van Vugt, der Chef von Kia in Deutschland, hält den Sorento für einen wichtigen Markenbotschafter. "Dieses Auto war für Kia ein Schlüsselmodell, weil die Marke bis dahin vor allem als Hersteller kleinerer Fahrzeuge wahrgenommen wurde. Mit der Einführung des ersten Sorento 2002 begann sich das zu ändern." Der stattliche SUV habe Tausende neuer Kunden zu Kia gebracht. "Deren Feedback haben Designer und Entwickler stark berücksichtigt", sagt van Vugt. "Das Resultat ist mehr als bloße Kosmetik. Dieser Sorento ist ein neues Kia-Modell und ein großer Schritt vorwärts für den Wagen."
Das ist uns aufgefallen: Wie nobel es im Sorento zugeht. Lack- und Lederoberflächen, wohin man schaut, Displays und Grafiken so brillant wie auf einem Smartphone. Und für fast jeden Handgriff steht ein elektrischer Helfer parat - so kommen die Koreaner auch bei Interieur und Ausstattung der deutschen Konkurrenz erheblich näher.
Allerdings hat diese Aufrüstung auch Schattenseiten. Das Lenkrad zum Beispiel ist mit so vielen Knöpfen überladen, dass man sich erst einmal ein paar Tage eingewöhnen muss, bis man den Bordcomputer korrekt bedient oder beispielsweise den gewünschten Radiosender zügig findet. Außerdem ist die Ausstattung dann doch nicht komplett, denn Extras wie eine elektrisch betätigte Kofferraumklappe oder eine automatische Handbremse sind gar nicht im Angebot.
Bemerkenswert ist aber das üppige Platzangebot des Fünftürers. Man sitzt bequem, kann es im Fond auch als Erwachsener auf langen Strecken gut aushalten und verfügt über einen Kofferraum, der locker das Gepäck für einen dreiwöchigen Familienurlaub schlucken dürfte. Auf Wunsch liefert Kia den Wagen auch mit einer dritten Sitzbank aus (Aufpreis 900 Euro), allerdings nur das Modell mit dem 2,2-Liter-Dieselmotor.
So sehr sich die Autobauer aus Fernost um den Aufstieg in die Oberliga bemühen - beim Fahren wird der Unterschied zu Mercedes und Co. dann doch deutlich. Man reist auch im Sorento komfortabel, und mit der auf Knopfdruck verstellbaren Lenkunterstützung lässt sich der Wagen im Sportmodus auch einigermaßen stramm um die Kurven zirkeln, was die Reifen häufig mit lautstarkem Quietschen quittieren.
Doch das sogenannte Premium-Segment wurde von den entsprechenden Herstellern zum Sinnbild großer und starker Motorisierungen stilisiert. Ob das nun sinnvoll oder nachhaltig ist, sei dahingestellt. Fakt ist: In dieser Disziplin kann der Kia nicht mitreden. So gibt es ausschließlich Vierzylinder-Motorisierungen, etwa den 2,2-Liter Diesel, der 197 PS entwickelt und maximal 437 Nm Drehmoment mobilisiert. Das reicht vollkommen, um locker im Verkehr mitzuschwimmen, aber bei 190 km/h Höchstgeschwindigkeit ist Schluss - beeindrucken kann man damit niemanden.
Das muss man wissen: Nicht einmal vier Jahre nach dem Debüt hat Kia den Sorento so gründlich erneuert, dass man eigentlich von einem Generationswechsel sprechen könnte. Denn unter der stark retuschierten Karosserie steckt eine neue Plattform, die vom Schwestermodell Hyundai Santa Fe übernommen wird und die den Sorento um rund hundert Kilogramm leichter macht. Dass Kia dennoch von einem Facelift spricht, geschieht vor allem mit Rücksicht auf die bisherigen Kunden. "Die hätten sonst das ungute Gefühl, ein altes Auto zu fahren", heißt es bei Kia.
Angeboten wird der Sorento außer mit dem bereits erwähnten Selbstzünder noch mit einem 2,4 Liter großen Benziner, der auf Direkteinspritzung umgestellt wurde und nun 192 PS leistet. Die Preise für den Benziner beginnen bei 29.990 Euro, der Diesel startet bei 32.290 Euro - in beiden Fällen allerdings nur mit Frontantrieb. Der Allradantrieb kostet jeweils 1500 Euro Aufpreis, für weitere 1250 Euro gibt es eine Sechsgang-Automatik. Je nach Motor-, Antrieb und Getriebe-Konfiguration schwankt der Normverbrauch erheblich, im günstigsten Fall sind es 5,8 Liter Diesel je 100 Kilometer, das durstigste Modell schluckt 9,1 Liter Benzin je 100 Kilometer.
Das werden wir nicht vergessen: Die nervtötende Begrüßungsmelodie beim Anlassen und das Gebimmel der Bordelektronik zum Abschied. Ein bisschen Höflichkeit hat zwar noch nie geschadet und in diesem Fall soll vermutlich die "Willkommen-zu-Hause"-Atmosphäre der Nobelmodelle imitiert werden. Doch der synthetische Sound klingt nicht nach Premium, sondern eher penetrant.

