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06.02.2013
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Dreiste Stadtbeamte

Plötzlich Falschparkerin

YouTube

Videobeweis von Hila Ben-Baruch: "Wusste nicht, ob ich weinen oder schreien soll"

Eine Studentin parkt ihr Auto ordnungsgemäß, trotzdem wird es abgeschleppt - weil Stadtarbeiter kurzerhand um den Wagen herum ein Parkverbot pinselten. Diese Geschichte hat sich in Tel Aviv tatsächlich zugetragen. Glück für die Studentin, dass sie ein Beweisvideo ergattern konnte.

Hila Ben-Baruch war völlig fassungslos. Wo die Studentin aus Tel Aviv eben noch ordnungsgemäß ihr Auto abgestellt hatte, war ein paar Stunden später plötzlich ein Behindertenparkplatz eingezeichnet - und der Wagen verschwunden. Ein Anruf bei der Stadtbehörde brachte Ben-Haruch noch mehr in Rage, denn dort erklärte man ihr, das Auto sei abgeschleppt worden. Wegen Falschparkens.

Mehrere israelische Zeitungen haben über die haarsträubende Geschichte von Ben-Baruch berichtet, und mittlerweile hat sich sogar der Bürgermeister von Tel Aviv bei ihr entschuldigt. Denn es gibt einen Videobeweis dafür, dass die Studentin korrekt parkte. Schaut man sich den Clip an, traut man seinen Augen kaum.

Er zeigt, wie Stadtangestellte am Wagen von Ben-Baruch auftauchen und um das Auto herum eine Parkbegrenzung samt der Kennzeichnung für einen Behindertenparkplatz auf den Asphalt malen. Als ob das nicht verblüffend genug ist, fährt kurz darauf der Abschleppdienst vor und lädt das - nun widerrechtlich geparkte - Fahrzeug auf. (Video auf YouTube ansehen)

Laut der Zeitung "The Times of Israel" schreibt Hila Ben-Baruch auf ihrem Facebook-Account, das Video sei von einer Sicherheitskamera aufgezeichnet worden, und die Betreiberfirma habe es ihr ausgehändigt. Denn für die Studentin ging es um eine Stange Geld: Die vermeintliche Parksünderin hätte insgesamt rund 270 Euro Bußgeld an die Stadtbehörde überweisen sollen.

Glück für die Studentin, dass sie ihre Unschuld beweisen konnte. "Als ich das Video gesehen habe, wusste ich nicht ob ich weinen oder schreien soll", wird sie von "The Times of Israel" zitiert. Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai und sein Stellvertreter Asaf Zamir haben sich bei ihr bereits entschuldigt und zugesichert, die Bußgeldforderung fallenzulassen.

Dass die Stadtarbeiter den Behindertenparkplatz eingezeichnet haben, obwohl ein Auto dort stand, sei den Angaben Zamirs zufolge in Ordnung gewesen. Bloß hätten sie dann der Verkehrsbehörde melden müssen, dass der Wagen ordnungsgemäß stehe und nicht abgeschleppt werden dürfe. Für die Studentin ist der Fall aber noch nicht abgeschlossen: Sie überlegt sich, rechtliche Schritte gegen die Behörde einzuleiten.

Auch in Deutschland kann übrigens jeden Autofahrer das Schicksal von Ben-Baruch ereilen. Wird beispielsweise eine Tagesbaustelle eingerichtet und ein Parkplatz kurzfristig ungültig, kann ein dort parkendes Fahrzeug abgeschleppt werden. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Hamburg teilte auf Anfrage von Spiegel Online mit, dass in diesem Fall die sogenannte Nachschaupflicht gelte: Demnach müssen sich Autofahrer laut einem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts spätestens nach vier Tagen davon vergewissern, ob ihr Auto noch zulässig parkt.

rom/cst

Forum

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insgesamt 33 Beiträge
1. Das geht auch hierzulande
condor99 06.02.2013
nicht umsonst gibt es da einschlägige Urteile Parkverbot: Oh Schreck, der Wagen ist weg! | Verkehrsrecht (http://www.anwalt.de/rechtstipps/parkverbot-oh-schreck-der-wagen-ist-weg_003684.html)
nicht umsonst gibt es da einschlägige Urteile Parkverbot: Oh Schreck, der Wagen ist weg! | Verkehrsrecht (http://www.anwalt.de/rechtstipps/parkverbot-oh-schreck-der-wagen-ist-weg_003684.html)
2.
Mr. Comment 06.02.2013
Ist mir so ähnlich auch schon passiert, nur zum Glück ohne Abschleppen, sondern nur mit Strafzettel.
Zitat von condor99nicht umsonst gibt es da einschlägige Urteile Parkverbot: Oh Schreck, der Wagen ist weg! | Verkehrsrecht (http://www.anwalt.de/rechtstipps/parkverbot-oh-schreck-der-wagen-ist-weg_003684.html)
Ist mir so ähnlich auch schon passiert, nur zum Glück ohne Abschleppen, sondern nur mit Strafzettel.
3. optional
großonkel 06.02.2013
Die Israelis sind einfach ein lustiges Volk! Nur schade, dass Ephraim Kishon nicht mehr lebt und dieses Video gesehen hat.
Die Israelis sind einfach ein lustiges Volk! Nur schade, dass Ephraim Kishon nicht mehr lebt und dieses Video gesehen hat.
4.
loeweneule 06.02.2013
In dieser Beziehung geschieht wohl überall viel Irsinn. Vor ein paar Jahren, hatte ich einen Strafzettel, obwohl die Parkzeit noch nicht abgelaufen war. Als ich mich umschaute sah ich, daß auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz [...]
In dieser Beziehung geschieht wohl überall viel Irsinn. Vor ein paar Jahren, hatte ich einen Strafzettel, obwohl die Parkzeit noch nicht abgelaufen war. Als ich mich umschaute sah ich, daß auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz alle ca. 25 Autos einen ebensolchen Strafzettel hinter dem Scheibenwischer geklemmt hatten. Da hatte irgendein "Kontrollorgan" wohl komplett durchgedreht.
5. Nachschaupflicht
fjr 06.02.2013
Ob vier Tage nicht einfach zu knapp sind, würde ich im Zweifelsfall vom EuGH bestätigen lassen. Aber ein Auto kurzfristig, also innerhalb weniger Stunden nach dem Abstellen, abzuschleppen ist schlicht dreist. Dafür auch noch [...]
Ob vier Tage nicht einfach zu knapp sind, würde ich im Zweifelsfall vom EuGH bestätigen lassen. Aber ein Auto kurzfristig, also innerhalb weniger Stunden nach dem Abstellen, abzuschleppen ist schlicht dreist. Dafür auch noch Gebühren zu verlangen ist m.E. "Nötigung im Amt". Wenn es einen wichtigen Grund gibt, z.B. ein Wasserrohrbruch etc, mag ja ein Umsetzen auf einen Parkplatz in der Nähe (

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