Lade Daten...
06.02.2013
Schrift:
-
+

Kältemittel-Streit

Daimler, BMW und Audi verlassen Expertengruppe

Von und
imago

Klimaanzeige im Auto: Das Kältemittel R1234yf sorgt weiter für Streit

Nächste Stufe im Streit um das Kältemittel R1234yf: Die Hersteller Daimler, BMW und Audi haben die Expertengruppe des Weltverbands der Automobilingenieure verlassen - aus Protest gegen deren Testverfahren.

Der Daimler-Konzern bleibt im Streit um das Kältemittel R1234yf auf Konfrontationskurs. Nun hat das Stuttgarter Unternehmen die Expertengruppe des Weltverbands der Automobilingenieure (SAE) verlassen. Der Grund: Die Schwaben sind nicht mit den Verfahren einverstanden, mit denen der SAE eine Risikoanalyse des umstrittenen Kältemittels durchführt. "In der Arbeitsgruppe werden zu viele Annahmen gesetzt, die statistisch nicht untermauert sind. Die Ergebnisse werden dadurch verwässert. Deshalb haben wir beschlossen, das Gremium zu verlassen", sagte ein Daimler-Sprecher zur "Automobilwoche" und bestätigte dies gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Auch bei Audi und BMW wird das Analyseverfahren der SAE-Gruppe kritisiert. Die SAE habe keine weiteren eigenen Tests gemacht, sondern nur Fehlerbaum-Analysen und empirische Untersuchungen durchgeführt, so der Vorwurf. "Dabei haben die Untersuchungen bei Daimler gezeigt, dass R1234yf unter extremen Bedingungen in Brand geraten kann", sagt ein Audi-Sprecher. Deshalb werde man die SAE-Expertengruppe ebenfalls verlassen.

Ein BMW-Sprecher sagte: "Wir werden aus der Arbeitsgemeinschaft austreten, weil wir die Tests nicht für hinreichend halten, um den sicheren Einsatz des Kältemittels in unseren Fahrzeugen vollständig beurteilen zu können." Die Bayern nahmen in der Expertengruppe eine Beobachterrolle ein.

Anders als Mercedes stehen Audi und BMW nicht unter Zeitdruck, weil sie keine Modelle auf dem Markt haben, bei denen die Frage nach dem Kältemittel eine Rolle spielt.

Laut einer EU-Richtlinie müssen Fahrzeuge, deren Typgenehmigung nach dem 1.1.2011 erteilt wurde, mit dem Kältemittel R1234yf ausgestattet sein. Es soll die bisher verwendete Substanz R134a ersetzen, weil diese extrem klimaschädlich ist. Im September 2012 gab Daimler jedoch die Ergebnisse eigens entwickelter Tests bekannt: Demnach könne R1234yf bei einem Unfall austreten und sich entzünden. Zudem könne dabei giftige Flusssäure entstehen.

"Wir machen keine Trockenübungen"

Klarheit über den Umgang mit R1234yf erhoffen sich viele Hersteller von Tests, die derzeit vom Verband der Automobilindustrie (VDA) durchgeführt werden. "Unsere Untersuchungen laufen derzeit noch", sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Laut seinen Angaben befinden sich mehrere Modelle verschiedener Hersteller, darunter auch von Audi und Daimler, im VDA-Testlauf. "Dabei werden echte Autos unter realistischen Bedingungen getestet, sagt Rotter und fügt hinzu: "Wir machen keine Trockenübungen." Wann die Ergebnisse vorliegen werden, lasse sich noch nicht abschätzen.

Gegenüber der EU unterstützt der VDA die Forderung von Daimler, für sechs Monate eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung von R134a zu erhalten. Während dieser Zeit soll nach dem Willen des Herstellers das alte Kältemittel weiter eingesetzt werden können. Dieses Moratorium fordert auch das Bundesverkehrsministerium. "Bislang hat die EU noch nicht auf unseren Antrag reagiert", sagte Daimler-Sprecher Matthias Brock zu SPIEGEL ONLINE.

Was sagt Ihr Autohersteller?

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
1. Warum nicht gleich CO2?
juergendi 06.02.2013
CO2 hat die gleichen Eigenschaften und ist vier mal weniger Klimaschädlich als R1234yf? Klar die Kosten sind höher, da der Druck in der Anlage höher sein müsste aber die Vorteile sind nicht von der Hand zu weißen. Nicht [...]
CO2 hat die gleichen Eigenschaften und ist vier mal weniger Klimaschädlich als R1234yf? Klar die Kosten sind höher, da der Druck in der Anlage höher sein müsste aber die Vorteile sind nicht von der Hand zu weißen. Nicht entflammbar, keine Konterminierung bei Austreten ...
2. --------
brux 06.02.2013
Peinlich, dass die Daimler-Ingenieure vergessen haben, dass bei einem Unfall auch der Kraftstoff des Wagens austreten kann. Und der ist schon von Natur aus brennbar. Offenbar gibt es bei Unfällen mit Mercedes-Autos so etwas wie [...]
Peinlich, dass die Daimler-Ingenieure vergessen haben, dass bei einem Unfall auch der Kraftstoff des Wagens austreten kann. Und der ist schon von Natur aus brennbar. Offenbar gibt es bei Unfällen mit Mercedes-Autos so etwas wie gutes und schlechtes Feuer.
3. das mit dem kraftstoff…
Wile_E_Coyote 06.02.2013
…ist so nicht ganz richtig. bei einem crash wird bei modernen autos der zuendstrom und die kraftstoffzufuhr unterbrochen. wenn jedoch der klimakompressor oder eine zuleitung reisst laeuft die sosse raus…
Zitat von bruxPeinlich, dass die Daimler-Ingenieure vergessen haben, dass bei einem Unfall auch der Kraftstoff des Wagens austreten kann. Und der ist schon von Natur aus brennbar. Offenbar gibt es bei Unfällen mit Mercedes-Autos so etwas wie gutes und schlechtes Feuer.
…ist so nicht ganz richtig. bei einem crash wird bei modernen autos der zuendstrom und die kraftstoffzufuhr unterbrochen. wenn jedoch der klimakompressor oder eine zuleitung reisst laeuft die sosse raus…
4.
kennymccormick 06.02.2013
Es geht nicht einfach nur um Feuer... Mit diesem tollen Kältemittel kann Flussäure entstehen, und muss man nur mal googeln, was da so passieren kann. Ein Teufelszeug!
Es geht nicht einfach nur um Feuer... Mit diesem tollen Kältemittel kann Flussäure entstehen, und muss man nur mal googeln, was da so passieren kann. Ein Teufelszeug!
5. Na endlich tut sich was
petzi 06.02.2013
Ist doch unglaublich mit welcher Hartnäckigkeit die Typen, die hier das große Geschäft gewittert haben, immer noch versuchen diese Chemiebombe im Kfz unterzubringen. Es geht nur ums Geld, und sonst nichts. Dabei wäre eine CO2 [...]
Ist doch unglaublich mit welcher Hartnäckigkeit die Typen, die hier das große Geschäft gewittert haben, immer noch versuchen diese Chemiebombe im Kfz unterzubringen. Es geht nur ums Geld, und sonst nichts. Dabei wäre eine CO2 Klimaanlage nur 20 Euro pro Fhzg teurer gewesen. Wozu also der ganze Aufriss und das Risiko? Um 20 Mücken zu sparen?

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter RSS
alles zum Thema Autoindustrie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten