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20.02.2013
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Porsche-Sammler Magnus Walker

911-Freunde müsst ihr sein

Aus Los Angeles berichtet
DutchmanPhotos / Maurice van den Tillaard

Mit Mode Geld verdienen, es in Immobilien investieren und dann so viele Porsche kaufen, wie man will - was sich anhört wie ein Traum, ist das Leben von Magnus Walker. Der Brite kann eine der spektakulärsten 911er-Sammlungen der USA vorweisen. Ein Besuch im Porsche-Himmel.

Downtown Los Angeles, an einem verregneten Februarmorgen um halb acht. Die Straßen liegen wie ausgestorben da, in den Pfützen schillert Öl, von den Häuserwänden bröckelt der Putz. Früher galt die Gegend als gefährlich, inzwischen ist sie wieder angesagt. Hollywood hat die riesigen Lagerhäuser als Studios entdeckt.

Magnus Walker sieht aus, als wäre er irgendwo im Übergang zwischen den beiden Epochen hängengeblieben: Zotteliger Bart, Dreadlocks bis zu den Hüften, die Arme voller Tattoos und abgetragene Klamotten - er ist eine Art Hippie-Rocker, falls es so etwas gibt. Magnus Walker ist aber - man sollte sich eben nie von Äußerlichkeiten täuschen lassen - vor allem äußerst wohlhabend. Dem Mittvierziger gehört die halbe Gegend hier. Er lässt das rostige Metalltor einer Lagerhalle aufschwingen. Dahinter parkt eine der spektakulärsten Porsche-Sammlungen an der amerikanischen Westküste.

Rund ein Dutzend 911er stehen dort in einer Mischung aus Garage und Wohnzimmer, in jedem Winkel des Areals finden sich weitere 911er in unterschiedlichsten Verfassungen: vom rostigen Teileträger bis zum startklar vollgetankten Rennwagen.

Egal, in welchem Zustand sie sich befinden, eines eint alle Autos hier: Es sind ausschließlich Typen der ersten Generation des Porsche 911, die 1963 auf der IAA präsentiert wurde und 1964 in den Handel kam. Für Walker ist der erste Neunelfer der Beste, und auf dieser Sichtweise gründet seine Sammelleidenschaft. "Irgendwann habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich aus dieser Serie jeden Jahrgang einmal haben muss - von 1964 bis 1973."

Noch sucht Walker den letzten 911er der ersten Generation

Inzwischen ist es schon ziemlich voll in seinem Auto-Apartment, doch sein Ziel hat Walker noch nicht erreicht. Ausgerechnet das jüngste Auto fehlt noch, dabei sollte das doch am leichtesten zu finden sein. Immerhin ist die schwierigste Aufgabe bereits gelöst, nämlich ein Modell aus dem Baujahr 1964 aufzutreiben. "Von denen wurden 232 gebaut, und von lediglich 59 weiß man sicher, dass sie überlebt haben", sagt Walker. "Ich habe verdammt lange gesucht, bis ich so einen in der Garage hatte." Es ist ein graues Coupé, das gerade unter einer weißen Plane überwintert.

Die Porsche-Leidenschaft packte Walker schon, als er noch ein kleiner Junge war. Sein Vater nahm ihn damals, 1977, auf die Motorshow nach London mit, und dort sah Magnus Walker erstmals einen Porsche 911. In seiner Heimatstadt Sheffield habe man so ein Auto quasi nie zu Gesicht bekommen, erzählt er. Walker weiß noch genau, dass es ein weißer Turbo im Martini-Look war, tags darauf hing ein Poster mit dem Auto über seinem Bett. Er schrieb sogar einen Brief nach Zuffenhausen, in dem er sich um einen Job als Nachwuchs-Designer bewarb.

Später jobbte er einen Sommer lang in einem Ferienlager in den USA, um Geld für das erste Auto zu verdienen. Er blieb in Amerika hängen, verkaufte fortan spezielle Mode für Musiker. Seine Gewinne investierte er in Immobilien in Downtown L.A., die damals zu Spottpreisen zu haben waren. 1994 konnte sich Walker erstmals den Traum von einem eigenen Porsche erfüllen. Es war ein 74er-Modell. "Immerhin, damit war ein Anfang war gemacht", sagt Walker und man erkennt selbst unter seinem dichten Rauschebart ein zufriedenes Lächeln. Weil das Geschäft brummte - "von Alice Cooper bis Madonna haben wir alle eingekleidet", berichtet Walker - wuchs der Porsche-Bestand stetig.

Der Outlaw unter den Porsche-Sammlern

Ob es nun 40 oder mehr Modelle waren, die er seither kaufte, weiß er gar nicht so genau. Es ist auch schwer, den Überblick zu behalten, wenn man in einem mehrere tausend Quadratmeter großen Loft-Areal logiert, das tatsächlich einen ganzen Straßenzug einnimmt. Viele der Immobilien sind fast stetig an die Filmindustrie vermietet, so dass Walker über mehr Geld verfügt, als er für sein Porsche-Faible überhaupt ausgeben kann. Und Platz genug für die Autos gibt es obendrein.

Walker weiß, dass er so gar nicht ins Bild vom klassischen Autosammler passt und er pflegt sein Outlaw-Image umso sorgfältiger. Aufgetakelte High-Society-Events wie der Oldtimer-Concours in Pebble Beach zum Beispiel interessieren ihn ohnehin nicht besonders. Zumal Walker sein zotteliges Auftreten mittlerweile zu einer Geschäftsidee kultiviert hat: die aktuelle Modekollektion mit zahlreichen Porsche-Motiven trägt den Titel "Urban Outlaw".

Die Autos sind inzwischen mehr als nur ein Hobby. Je mehr Wirbel es im Internet um seine Person gab, desto mehr Porsche-Enthusiasten meldeten sich bei dem Briten in Los Angeles und fragten nach einem von ihm aufgebauten Neunelfer, den sie kaufen wollten. "Irgendwie ist mir meine Leidenschaft ein wenig über den Kopf gewachsen", räumt Walker ein.

Erlaubt ist, was den Spaß mit dem Auto steigert

Auf Bestellung arbeitet er zwar noch nicht, doch er verkauft manche Typen durchaus. "Wenn ein Auto fertig ist und es einem anderen gefällt, dann kann er ihn haben. Ich kann mir ja jederzeit einen neuen Wagen aufbauen und ihn noch besser machen", sagt Walker.

Während er bei seinem eigenen Ur-911er stolz ist auf dessen tadellosen, völlig unverbastelten Zustand, nimmt es Walker bei anderen Modellen mit der Originalität nicht so genau. "Ich arbeite nicht mit Wattestäbchen und weißen Handschuhen, sondern will Autos, mit denen man nachher auch richtig fahren kann." Also werden die Sechszylinder-Boxermotoren durchaus auch getunt, die Türgriffe zur vermeintlichen Gewichtseinsparung perforiert oder ein eigens entwickelter Heckdeckel auf die Karosserie gesetzt, der wohl besser zum 356er gepasst hätte. Porsche-Puristen schütteln bei so etwas den Kopf, Walker juckt das nicht. Sein Credo lautet: "Alles, was du mit einem Porsche machst, ist in Ordnung - so lange du Spaß mit dem Auto hast."

Auf den Brief übrigens, den Walker als Kind an Porsche abgeschickt hatte, bekam er sogar eine Antwort. Ein freundlicher Mensch beim Sportwagenbauer schrieb ihm damals, er solle sich gerne wieder melden, wenn er etwas älter geworden sei. "Jetzt bin ich alt genug", sagt Walker. Dafür gibt es ein anderes Problem: "Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wo der Brief aus Stuttgart geblieben ist."

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
1. sollte Magnus Walker..
aldamann 20.02.2013
...mal zu Besuch in meiner deutschen Kleinstadt sein, würden ihn unsere uniformierten Schutzpolizisten mit 100%iger Sicher heit festnehmen, wenn er sich auch nur in der Nähe eines Porsches aufhalten würde.
...mal zu Besuch in meiner deutschen Kleinstadt sein, würden ihn unsere uniformierten Schutzpolizisten mit 100%iger Sicher heit festnehmen, wenn er sich auch nur in der Nähe eines Porsches aufhalten würde.
2. Das sensationelle Video dazu.....
nuvolari 20.02.2013
heißt auf Youtube : "The outlaw, the trailer.".....muß man gesehen haben als Autofan
heißt auf Youtube : "The outlaw, the trailer.".....muß man gesehen haben als Autofan
3. Cool,
fort-perfect 20.02.2013
der Typ sieht aus wie der letzte Heckenpenner und darf mit den schicksten Spielzeugen für grosse Jungen rumhantieren.... Ein Typ wie Walker hätte hier in Deutschland keine Chance, spätestens beim ersten Bankbesuch wäre [...]
Zitat von sysopDutchmanPhotos / Maurice van den TillaardMit Mode Geld verdienen, es in Immobilien investieren und dann so viele Porsche kaufen, wie man will - was sich anhört, wie ein Traum, ist das Leben von Magnus Walker. Der Brite kann eine der spektakulärsten 911er-Sammlungen der USA vorweisen. Ein Besuch im Porsche-Himmel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ein-besuch-bei-porsche-sammler-magnus-walker-in-los-angeles-a-883149.html
der Typ sieht aus wie der letzte Heckenpenner und darf mit den schicksten Spielzeugen für grosse Jungen rumhantieren.... Ein Typ wie Walker hätte hier in Deutschland keine Chance, spätestens beim ersten Bankbesuch wäre der vom erstbesten Bankazubi vor die Tür gekehrt worden, egal wie sein "Businessplan" ausgesehen hätte. Solche Karrieren funktionieren scheinbar doch eher im "gelobten" Land der Kapitalisten.....
4. Ich freue mich
ratxi 20.02.2013
"Alles, was Du mit einem Porsche machst, ist in Ordnung - so lange du Spaß mit dem Auto hast." Fernab von irgendeinem Sammel-"Wahn" frönt er einfach seiner Leidenschaft und man sieht man Walker an, [...]
Zitat von sysopDutchmanPhotos / Maurice van den TillaardMit Mode Geld verdienen, es in Immobilien investieren und dann so viele Porsche kaufen, wie man will - was sich anhört, wie ein Traum, ist das Leben von Magnus Walker. Der Brite kann eine der spektakulärsten 911er-Sammlungen der USA vorweisen. Ein Besuch im Porsche-Himmel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ein-besuch-bei-porsche-sammler-magnus-walker-in-los-angeles-a-883149.html
"Alles, was Du mit einem Porsche machst, ist in Ordnung - so lange du Spaß mit dem Auto hast." Fernab von irgendeinem Sammel-"Wahn" frönt er einfach seiner Leidenschaft und man sieht man Walker an, dass er sympathisch ist und sein Leben wirklich LEBT. Ich freue mich, dass es solche Menschen gibt.
5. Einer fehlt noch ...
Teami 20.02.2013
... versteh ich jetzt nicht. Da geht man einmal auf eine der gängigen Automobilplattformen und macht ein paar Einstellungen in den Suche-Informationen und dann findet man sowas doch ganz zügig und bei Preisen von ... bis [...]
Zitat von sysopDutchmanPhotos / Maurice van den TillaardMit Mode Geld verdienen, es in Immobilien investieren und dann so viele Porsche kaufen, wie man will - was sich anhört, wie ein Traum, ist das Leben von Magnus Walker. Der Brite kann eine der spektakulärsten 911er-Sammlungen der USA vorweisen. Ein Besuch im Porsche-Himmel. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ein-besuch-bei-porsche-sammler-magnus-walker-in-los-angeles-a-883149.html
... versteh ich jetzt nicht. Da geht man einmal auf eine der gängigen Automobilplattformen und macht ein paar Einstellungen in den Suche-Informationen und dann findet man sowas doch ganz zügig und bei Preisen von ... bis ... Sollte ihm vielleicht mal jemand erklären :)

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