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25.02.2013
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Autogramm Toyota RAV4

Ende Gelände

Von
Toyota

Vor zwanzig Jahren erfand der Toyota RAV4 sozusagen das Kompakt-SUV-Segment, lange bevor irgendjemand diesen Begriff kannte. Die neue, vierte Generation steht für einen Wandel des Modells: Weg mit allen Offroad-Ambitionen - hin zu mehr Familienfreundlichkeit.

Der erste Eindruck: Der hat doch ein Rad ab! Tapfer trug der Toyota RAV4 als einer der letzten Allradler das Ersatzrad außen an der Heckklappe. Ab April ist das vorbei, die vierte Generation des Autos verzichtet auf den Offroad-Orden am Heck. "Weniger Geländewagen, mehr Familienkutsche" ist das Motto des neuen, deutlich gewachsenen Modells.

Das sagt der Hersteller: Toyota feiert den RAV4 als Mutter aller sportlichen Geländewagen. Denn als die Baureihe vor beinahe 20 Jahren in den Handel kam (seither wurden mehr als vier Millionen RAV4-Exemplare verkauft), war er einer der ersten Allradler mit selbsttragender Karosserie und Einzelradaufhängung. "Mittlerweile haben wir viele Nachahmer und Wettbewerber", sagt Toyota-Deutschlandchef Ulrich Selzer und verweist auf fast zwei Dutzend Konkurrenten vom VW Tiguan bis zum Mazda CX-5. "In dieser Situation ist auch ein Trendsetter kein Selbstläufer mehr."

Um auch künftig vom Wachstum im SUV-Segment zu profitieren, haben die Japaner intensiv die Wünsche der Kunden erforscht. Wochenlang wurden RAV4-Fahrer in Europa, Asien und Amerika befragt und begleitet. Die zentrale Erkenntnis: "Die Mehrheit nutzte das Auto als Familienfahrzeug und wünschte sich mehr Platz und Praktikabilität", sagt Projektleiter Hiroshi Hiroshima. Das erkläre, so Hiroshima, weshalb der RAV4 in fast jeder Dimension deutlich zugelegt hat. Und weshalb die Hecktür mit dem außen befestigten Rad einer praktischeren Klappe weichen musste, die nun auf Wunsch sogar elektrisch aufschwingt.

Das ist uns aufgefallen: Wie riesig einem der RAV4 erscheint, wenn man erst einmal eingestiegen ist. Während das Auto von außen noch als halbwegs handlich durchgeht, ist der Innenraum der Kompaktklasse längst entwachsen. Vor allem auf der Rückbank haben die Mitfahrer jetzt mehr Platz als viele Chefs in ihrer Chauffeurslimousine. Und der Kofferraum sticht mit 547 Litern so manchen Kombi aus - dabei sind die 100 Extra-Liter im Tiefparterre unter dem Ladeboden noch gar nicht mitgerechnet.

Was dagegen kaum auffällt, ist die neue Sportlichkeit, die auch der um ein paar Zentimeter tiefer gelegte Allradler ausstrahlen soll. "Unsere Autos sollen wieder mehr Spaß machen", hat Firmenchef Akio Toyoda postuliert. Also wurde für den RAV4 ein "Integriertes Fahrdynamiksystem" entwickelt, das unter anderem über eine Sporttaste verfügt. Wird sie gedrückt, steigt die Empfindlichkeit der elektrischen Lenkung und zudem wird die Antriebskraft automatisch so zwischen den Achsen verteilt, dass der RAV4 mit mehr Traktion am Heck leichter ums Eck kommt.

Das funktioniert allerdings nur in der Theorie. In der Praxis nämlich verdirbt das übervorsichtig ausgelegte Stabilitätsprogramm den Spaß schon wieder, ehe er überhaupt begonnen hat. Selbst bei entspannter Landstraßenfahrt mit 70 Sachen flackert die Kontrollleuchte im Cockpit wie eine Kerze im Wind und die Reifen wimmern ein Klagelied.

So lange man lediglich Auto fährt, um anzukommen, ist das kein Problem. Denn der neue RAV 4 ist die ideale Familienkutsche - komfortabel abgestimmt, mit einem leichtgängigen Getriebe, das man quasi aus dem Handgelenk heraus bedient, und dazu sehr wendig. Doch wer zwischendurch auch mal aus purem Spaß ins Steuer greifen möchte, sitzt im Toyota falsch.

Was beim Fahren kaum rüberkommt, klappt beim Design schon etwas besser. Der RAV4 sieht nämlich etwas schnittiger aus als früher.

Das muss man wissen: Der neue RAV4 steht ab dem 13. April beim Händler und kostet in der Basisversion 26.650 Euro - rund 2000 Euro mehr als das Vorgängermodell. Dafür gibt es ab Werk sieben Airbags, Klima- und Musikanlage und überhaupt mehr Auto. War der erste RAV4 noch ein Dreitürer mit 3,69 Meter Länge, misst das neue Auto 4,57 Meter.

Neben einem 2,0 Liter großen Benziner mit 151 PS, serienmäßigem Allradantrieb und einem Durchschnittsverbrauch von 7,2 Litern bieten die Japaner zwei Dieselmotorisierungen an. Einen 2,2-Liter mit 150 PS (Durchschnittsverbrauch 5,6 Liter) und einen neuen 2,0-Liter mit 124 PS. Zwar rechnen sie für den stärkeren Motor mit dem größeren Verkaufsanteil, doch macht der kleinere Diesel die bessere Figur.

Die Maschine läuft nicht nur kultivierter und ruhiger, sondern wirkt auch kaum schwächer. Der Selbstzünder harmoniert gut mit dem knackigen Getriebe, tritt jenseits von 1500 Touren kräftig an und gerät auch auf der Autobahn nicht so schnell aus der Puste. Außerdem ist er der einzige Motor, der ohne Allradantrieb, dafür aber mit Start-Stopp-Automatik ausgeliefert wird; das drückt den Durchschnittsverbrauch auf knapp unter fünf Liter.

Zwar engagiert sich weltweit kein anderer Hersteller so stark für den Hybridantrieb wie Toyota, doch ausgerechnet im Wachstumssegment SUV haben die Japaner bislang keinen Teilzeitstromer in petto. Generell gibt es zum Generationswechsel wenig neue Technik für den RAV4: Während die Konkurrenz Abstandswarner, Einparkroboter und automatische Bremssysteme feilbietet, feiert Toyota einen Fernlichtassistenten sowie einen Spurhalte- und -wechsel-Assistenten als Innovation.

Das werden wir nicht vergessen: Die vielen Widersprüche, die in dem Auto stecken. Das weiche Kunstleder im Cockpit und das peinliche Karbon-Imitat in der Mittelkonsole; das brillante Navi-Display und die pixelige Grafik des Bordcomputers; die elektrische Hecklappe und der manuell einzustellende Fahrersitz; der Sportmodus des Fahrdynamik-Systems und das fast schon panische Stabilitätsprogramm; der Hybrid-Hype und der Einsatz eines neuen Dieselmotors. Robert Lembke hätte an diesem Auto seine wahre Freude gehabt. Denn seine Standardfrage "Was bin ich?" lässt sich hier nur schwer beantworten.

Forum

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insgesamt 41 Beiträge
1.
thanks-top-info 25.02.2013
Toyota baut wohl weiterhin langlebige Autos, was dem Autor wohl völlig egal ist, denn er ist wohl ohnehin im firmengeleasten unterwegs. """Während die Konkurrenz Abstandswarner, Einparkroboter und automatische [...]
Toyota baut wohl weiterhin langlebige Autos, was dem Autor wohl völlig egal ist, denn er ist wohl ohnehin im firmengeleasten unterwegs. """Während die Konkurrenz Abstandswarner, Einparkroboter und automatische Bremssysteme feilbietet, feiert Toyota einen Fernlichtassistenten sowie einen Spurhalte- und -wechsel-Assistenten als Innovation""" So blöde ist doch nun kaum jemand, das er mit seinem hartverdienten eigenem Geld im Alltag kaum wichtige elektronische Spielereien erwirbt, die dann natürlich in wenigen Jahren diverse Ausfälle produzieren. Es gibt doch einen Grund, warum das Zeug eingebaut wird... das rechnet sich doch
2.
acitapple 25.02.2013
oh je, wie sieht der denn aus ? designmäßig geht der neue rav glatt als kia durch. das mit dem hybrid ist aber eine durchaus berechtigte frage - gerade bei toyota. müssen toyotas eigentlich immer noch alle 15tkm in die werkstatt ? [...]
oh je, wie sieht der denn aus ? designmäßig geht der neue rav glatt als kia durch. das mit dem hybrid ist aber eine durchaus berechtigte frage - gerade bei toyota. müssen toyotas eigentlich immer noch alle 15tkm in die werkstatt ? das ist für mich immer noch ein k.o.-kriterium.
3.
thanks-top-info 25.02.2013
ich fahre ja immer nur Wagen, die erprobt sind, und die ich selber reparieren kann. Nun aber wurden mir zwei neuere Firmenwagen aufgeleast, -VW Touran, irgendwann waren im Regen die beiden ele. Seitenfester offen. Auch die [...]
ich fahre ja immer nur Wagen, die erprobt sind, und die ich selber reparieren kann. Nun aber wurden mir zwei neuere Firmenwagen aufgeleast, -VW Touran, irgendwann waren im Regen die beiden ele. Seitenfester offen. Auch die Motorsteuerung erinnerte mich an E-mobile. Dann Opel Zaphira, der blieb bei 160kmh einfach für 30 Min stehen, Totalausfall. Im SPON gabs vor Wochen einen guten Artikel zum starken Preisverfall bei Neuwagen. Privatleute lesen SPON und sie interessieren sich nicht für Spurassistenten usw. Warum bemängelt der Autor, das der neue RAV nicht mit dem ihm gewohnten Spielereien daher kommt?
4. ach nee
vipix 25.02.2013
Abstandswarner, Einparkroboter, muss das denn sein? Einparken muss man doch noch selber koennen und bin ich wach kenne ich auch meinen Abstand. Nur weil es sowas gibt muss es doch nicht drin sein
Abstandswarner, Einparkroboter, muss das denn sein? Einparken muss man doch noch selber koennen und bin ich wach kenne ich auch meinen Abstand. Nur weil es sowas gibt muss es doch nicht drin sein
5. mal schauen ...
the_rover 25.02.2013
... wann der erste Forist hier gegen spritsaufende Geländewagen hetzt. Übrigens haben echte Geländewagen das Ersatzrad auf der Motorhaube, und nicht an der Hecktür! ;-)
... wann der erste Forist hier gegen spritsaufende Geländewagen hetzt. Übrigens haben echte Geländewagen das Ersatzrad auf der Motorhaube, und nicht an der Hecktür! ;-)

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Fahrzeugschein

Hersteller: Toyota
Typ: RAV4
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.231 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW)
Drehmoment: 340 Nm
Von 0 auf 100: 9,6 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 147 g/km
Kofferraum: 547 Liter
umgebaut: 1.746 Liter
Preis: 31.850 EUR

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