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26.02.2013
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Autogramm Renault Clio Grandtour

Große Klappe, viel dahinter

Von
Renault

Außen kompakt, innen viel Platz - diesen Anspruch erfüllen kleine Kombis. Der jüngste Typ dieser Klasse ist der Renault Clio Grandtour. Der Wagen wurde schicker und billiger als das Vorgängermodell - und wartet mit cleveren Apps auf.

Der erste Eindruck: Trés chic! Wir haben den Clio als Langweiler in Erinnerung, beim Anblick des neuen Renault Clio Grandtour bekommt man geradezu Herzklopfen. Geschickt haben die Designer den Schwung des Fünftürers auf die Kombivariante übertragen. Auch innen ist das Auto optisch gelungen - und beweist Mut zur Farbe.

Das sagt der Hersteller: Produktmanagerin Nadine Belting weiß, dass kleine Kombimodelle in Deutschland nur eine winzige Nische bedienen. "Im vergangenen Jahr wurden in diesem Segment gerade einmal 40.000 Autos verkauft", räumt sie ein. Das Vorgängermodell von Renault hatte daran einen Anteil von etwa zehn Prozent. "Mit dem neuen Modell wollen wir diesen Prozentsatz ordentlich ausbauen", sagt Belting. Konkurrenzfabrikate wie Skoda Fabia Combi oder Seat Ibiza ST sollen vor allem durch ein flotteres, verführerischeres Design abgehängt werden. Selten sei ein derart praktisches Auto so hübsch geraten, wirbt Nadine Belting für den neuen Wagen.

Das ist uns aufgefallen: Frisch und fröhlich - so empfängt der neue Clio die Passagiere. Egal wie trist und grau das Wetter ist, kaum sitzt man vor dem zum Beispiel in knalligem Rot oder auch tiefblau gehaltenem Armaturenbrett mit der im Stil eines Tablet-Computers eingefassten Mittelkonsole und greift zum Lenkrad mit den lackierten Speichen, kommt Freude auf. Von einem Sparkurs, der sonst oft das Innenleben solcher Kleinwagen bestimmt, bemerkt man hier nichts.

So munter wie das Design ist auch der Motor. Aus 1,5 Litern Hubraum holt der Diesel des Testwagens 90 PS und 220 Nm, mit denen man zügig durch die Landschaft schnürt. Allerdings würde dem Getriebe ein sechster Gang gut zu Gesicht stehen, wobei der Wagen auch mit antiquiertem Fünfgang-Räderwerk auf einen Normverbrauch von vorbildlichen 3,6 Litern kommt. Und auch etwas mehr Schallschutz könnte nicht schaden. Doch der Vierzylinder hängt gut am Gas, dreht beim Überholen bereitwillig und spontan hoch und wirkt alles in allem dynamischer, als es die Zahlen auf dem Datenblatt vermuten lassen.

Mit dem Kombimodell führt Renault außerdem für alle Clio-Modelle das neue Infotainment-System R-Link ein. Neben der Internetanbindung gehört zu dem System auch ein eigener App-Store. Dort gibt es bislang - zum Teil sogar kostenlos - rund 50 kleine Programme, die einem den Autofahreralltag erleichtern oder die Wartezeit im Stau verkürzen sollen. Das Angebot reicht vom E-Mail-Vorleser über ein Nachrichtenportal, einen Verbrauchstrainer bis hin zum persönlichen Horoskop. Selbst der Motor lässt sich online tunen - zumindest akustisch. Denn mit der App "R Sound Effect" reicht ein Knopfdruck, dann dröhnt, passend zur Drehzahl, ein fetter V8-Motor oder spaciger Ufo-Sound aus den Boxen.

Das muss man wissen: Der Kombi ist gut 20 Zentimeter länger als der Fünftürer und bietet bei nun 4,27 Meter Länge entsprechend mehr Platz. Statt 300 fasst der Kofferraum hier 443 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf 1380 Liter vergrößern. Das sind rund hundert Liter mehr als beim Vorgängermodell, aber nicht ganz so viel wie beim Skoda Fabia Combi (480-1460 Liter). Dazu kommt im Renault ein 85 Liter großes Fach unterhalb des Ladebodens. Wem die normale Ladelänge von 1,62 Metern nicht genügt, der kann auch noch den Beifahrersitz flachlegen und so zum Beispiel Schrankwandbretter von knapp 2,50 Metern transportieren.

Wie den normalen Clio gibt es auch den Grandtour zunächst mit vier Motorisierungen. Zwei Benziner mit 74 und 90 PS und zwei Dieseln, die aus 1,5 Litern 75 oder 90 PS schöpfen, stehen zur Wahl. Weil der Kombi genau wie der Fünftürer um mehr als einen Zentner leichter wurde und serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik bestückt ist, geht der Verbrauch um bis zu 20 Prozent zurück. Die Diesel schlucken beide mit 3,6 Liter je 100 Kilometer, die Verbrauchswerte der Benziner liegen zwischen 4,5 und 5,5 Liter.

Der Verkauf des Clio Grandtour beginnt Anfang April zu Preisen ab 13.800 Euro. Das sind genau 1000 Euro mehr als beim Fünftürer - aber 400 Euro weniger als beim Vorgängerauto.

Das werden wir nicht vergessen: Das Erschrecken beim Blick auf die Ladekante des Kombi. Die ist zwar so niedrig, dass man die Koffer ohne Kraftakt in den Wagen wuchten kann. Doch in den besseren Ausstattungsvarianten besteht sie aus einer glänzende Kunststoffplanke, die wirkt, wie mit schwarzem Klavierlack überzogen. Das sieht klasse aus, aber sicher nur ganz kurz. Zumindest an dieser Stelle des Autos wäre weniger mehr gewesen.

Forum

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insgesamt 73 Beiträge
1. Schießschartendesign
wolf_xl 26.02.2013
...Designer, die solche mehr oder weniger sinnlosen Schießscharten statt richtiger Fenster in die Autos bauen, sollten mindesten zwei- drei Stunden mit 'nem sog. Aging-Anzug durch den dichten Stadtverkehr und enge Gassen geschickt [...]
...Designer, die solche mehr oder weniger sinnlosen Schießscharten statt richtiger Fenster in die Autos bauen, sollten mindesten zwei- drei Stunden mit 'nem sog. Aging-Anzug durch den dichten Stadtverkehr und enge Gassen geschickt werden... Oder ist es vielleicht Absicht, um später teure Assistenzsysteme zu verkaufen???
2. Nur ein Liter Tankinhalt?
spf2000 26.02.2013
Ich frage mich, wieso bei der Tankanzeige nirgens mehr die Liter draufstehen, sondern wie hier 1....0. Könnte natürlich sein, daß die Tanks so krumm und schief sind, daß mit der klassischen Schwimmermessung die Skala *sehr* [...]
Ich frage mich, wieso bei der Tankanzeige nirgens mehr die Liter draufstehen, sondern wie hier 1....0. Könnte natürlich sein, daß die Tanks so krumm und schief sind, daß mit der klassischen Schwimmermessung die Skala *sehr* verzerrt sein müsste. Andererseits ist das Ganze eh nur ein Stromsignal, und das sollte man doch mit einfachsten Mitteln in eine lineare Skala umrechnen können. Naja, genauso wie es keine Öltemperatur oder Wassertemperaturanzeige gibt, will man den Fahrer lieber nicht mit Fakten belasten. Oder man möchte den echten Verbrauch (Beim Vergleich mit dem Tageskilometerzähler) lieber durch die geschönten Werte aus dem Bordcomputer ersetzen.
3. grrrrrrrr
vipix 26.02.2013
Apps, die brauch ich nicht. Ich fahr ein Auto, kein smart phon
Apps, die brauch ich nicht. Ich fahr ein Auto, kein smart phon
4.
Stäffelesrutscher 26.02.2013
Und außerdem sieht die Karre aus, als ob sich ein Elefant auf die hintere Dachpartie gesetzt hätte, worauf im Gegenzug das Blech vom Kotflügel hochgequollen ist. Die Einschätzung des Herrn Grünweg »Gelungene Form: [...]
Zitat von wolf_xl...Designer, die solche mehr oder weniger sinnlosen Schießscharten statt richtiger Fenster in die Autos bauen, sollten mindesten zwei- drei Stunden mit 'nem sog. Aging-Anzug durch den dichten Stadtverkehr und enge Gassen geschickt werden... Oder ist es vielleicht Absicht, um später teure Assistenzsysteme zu verkaufen???
Und außerdem sieht die Karre aus, als ob sich ein Elefant auf die hintere Dachpartie gesetzt hätte, worauf im Gegenzug das Blech vom Kotflügel hochgequollen ist. Die Einschätzung des Herrn Grünweg »Gelungene Form: Kombi-Modelle sind immer ein Kompromiss zwischen maximaler Innenraumgröße und einem wenigstens einigermaßen ansehnlichen Äußeren. Beim Clio Grandtour ist dieser Kompromiss geglückt.« kann ich überhaupt nicht teilen. Ein Kombi sieht von der Seite oder schräg hinten so aus: Datei:Volvo 740GLT Kombi rear 20080130.jpg (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Volvo_740GLT_Kombi_rear_20080130.jpg&filetimestamp=20080130221916) File:Opel Kadett Kombi rear 20080224.jpg - Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Opel_Kadett_Kombi_rear_20080224.jpg) File:Ford Mondeo I Turnier 20090308 rear.jpg - Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ford_Mondeo_I_Turnier_20090308_rear.jpg) File:Mercedes E-Klasse T-Modell rear 20100123.jpg - Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mercedes_E-Klasse_T-Modell_rear_20100123.jpg)
5. Genau ! Leider !
quark@mailinator.com 26.02.2013
Ganz meine Meinung. Der Grund ist wohl, daß die Vorschrift besagt, daß die Kofferraumgröße bei Kombis nur bis zur Fensterkante gemessen werden darf ... so daß die Hersteller diese Kante nun immer weiter nach oben legen. [...]
Zitat von wolf_xl...Designer, die solche mehr oder weniger sinnlosen Schießscharten statt richtiger Fenster in die Autos bauen, sollten mindesten zwei- drei Stunden mit 'nem sog. Aging-Anzug durch den dichten Stadtverkehr und enge Gassen geschickt werden... Oder ist es vielleicht Absicht, um später teure Assistenzsysteme zu verkaufen???
Ganz meine Meinung. Der Grund ist wohl, daß die Vorschrift besagt, daß die Kofferraumgröße bei Kombis nur bis zur Fensterkante gemessen werden darf ... so daß die Hersteller diese Kante nun immer weiter nach oben legen. Wenn's stimmt kann ich nur sagen - Idioten alle zusammen :-(. Was mich auch stört, ist, daß immer Ladevolumen zugunsten des dusseligen Designs geopfert wird. Ich brauch' kein Auto, das "dynamisch" aussieht, sondern Platz um was Sperriges reinzupacken, sonst nehm' ich 'ne Limousine. Dieses dauernde Gekäse der Journallie in Bezug "langweiliges Design" sollten die Hersteller ignorieren, wenn's um Kombis geht. Das sind NUTZfahrzeuge.

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Fahrzeugschein

Hersteller: Renault
Typ: Clio Grandtour (2013)
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.461 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 220 Nm
Von 0 auf 100: 11,7 s
Höchstgeschw.: 178 km/h
Verbrauch (ECE): 3,6 Liter
CO2-Ausstoß: 93 g/km
Kofferraum: 443 Liter
umgebaut: 1.380 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 18 (TK) / 19 (VK)
Preis: 19.100 EUR

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