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Auto

Smart-Trailer-Parking

Rangieren mit der Fingerspitze

Rangieren mit einem Anhänger ist für Laien ein Alptraum: Nach links lenken bedeutet eine Bewegung nach rechts und umgekehrt. Ein neues System macht jetzt auch Ungeübte zu perfekten Einparkern mit Hänger.

Foto: ZF Lenksysteme
Von Jürgen Pander
Mittwoch, 07.08.2013   14:22 Uhr

Rote Hütchen markieren ein großes U auf dem Asphalt, und exakt dort hinein wird gerade ein Anhänger geschoben. Prompt möchte man dem Fahrer im schwarzen 5er BMW, der den Hänger am Haken hat, zu seiner zentimetergenauen Rückwärtsfahrt gratulieren - doch das Auto ist menschenleer. Gesteuert wurde das Gespann von einem neuen System, das der Hersteller ZF Lenksysteme aus Schwäbisch Gmünd "Smart Trailer Parking" nennt.

Was auf den ersten Blick wie Zauberei wirkt, ist tatsächlich die clevere Kombination bekannter Komponenten. Im Zugfahrzeug zum Beispiel sind eine elektronische Lenkung sowie ein Automatikgetriebe vonnöten, dann muss die Anhängerkupplung mit einem Knickwinkel-Sensor ausgestattet sein, und schließlich braucht man noch ein Smartphone oder einen Tabletcomputer mit der entsprechenden Steuersoftware, also der "Smart Trailer Parking"-App. Der Rest ist ganz einfach: Man macht nur noch einen Finger auf dem Touchscreen krumm, schon bewegt sich das Gespann in der gewünschten Weise vor oder zurück.

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Smart-Trailer-Parking: Fingerübung
Der Reiz des Systems liegt darin, dass der Fahrer des Gespanns aussteigen und sich mit dem Smartphone genau dort positionieren kann, wo er den besten Überblick auf die Rangiersituation hat. Dann berührt er auf dem Bildschirm das Symbol des Anhängers, und schon setzt sich das Gespann mit der vorher ausgewählten Geschwindigkeit - maximal 2 km/h sind möglich - in Bewegung. Leichte Bewegungen nach links oder rechts auf dem Touchscreen lassen den Anhänger, Pferdetrailer oder Wohnwagen in die entsprechende Richtung rollen. Wird der Finger vom Bildschirm genommen, bleibt die Fuhre sofort stehen; möchte man noch einmal nach vorn fahren, muss lediglich das Pkw-Symbol auf dem Monitor angetippt und entsprechend bewegt werden.

Das ungewohnte Lenkverhalten beim Rückwärtsfahren, die schlechte Sicht nach hinten oder eventuell auch missverständliche Signale eines Einweisers - das alles muss einen mit dem neuen System nicht mehr schrecken. Allerdings befindet sich die Technik derzeit noch in einem Vorserienstadium. Sobald ein Pkw-Hersteller Interesse zeige, heißt es bei ZF Lenksysteme, könne man das System in zwei bis drei Jahren zur Serienreife bringen. Rechtlich gebe es übrigens keine Hürden mehr, heißt es beim Zulieferer. Denn autonomes Fahren sei bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h inzwischen erlaubt.

insgesamt 20 Beiträge
ctwalt 07.08.2013
1. Super Idee
Wer nicht rückwärts mit Hänger einparken kann, muss es üben. Auch mit 2km/h lassen sich schon teure Schäden anrichten, wer haftet dann?
Wer nicht rückwärts mit Hänger einparken kann, muss es üben. Auch mit 2km/h lassen sich schon teure Schäden anrichten, wer haftet dann?
Gegengleich 07.08.2013
2. optional
Besser wäre, man würde rangieren mit Hänger obligatorisch in der Fahrschule lehren/lernen.
Besser wäre, man würde rangieren mit Hänger obligatorisch in der Fahrschule lehren/lernen.
jasper366 07.08.2013
3.
Steht doch im Artikel, letzter Satz. Wenn 'autonomes' Fahren rechtlich bis 10 km/h erlaubt ist (z.B. auch automatisches einparken), dann haftet im Schadensfalle automatisch die KFZ Haftpflichtversicherung.
Zitat von GegengleichBesser wäre, man würde rangieren mit Hänger obligatorisch in der Fahrschule lehren/lernen.
Steht doch im Artikel, letzter Satz. Wenn 'autonomes' Fahren rechtlich bis 10 km/h erlaubt ist (z.B. auch automatisches einparken), dann haftet im Schadensfalle automatisch die KFZ Haftpflichtversicherung.
kpb47 07.08.2013
4. Was ist daran neu?
Schon seit zig Jahren sind viele Anhänger, besonders Wohnwagen, mit Movern ausgestattet. So wird der Anhänger ohne Zugfahrzeug dahin ferngesteuert, wo er hin soll. Diese Rangierhilfen sind schon für weniger als 1000 € zu haben [...]
Schon seit zig Jahren sind viele Anhänger, besonders Wohnwagen, mit Movern ausgestattet. So wird der Anhänger ohne Zugfahrzeug dahin ferngesteuert, wo er hin soll. Diese Rangierhilfen sind schon für weniger als 1000 € zu haben und damit sicher weit billiger als das ZF-System.
sp66 07.08.2013
5. autonomes fahren-derzeit noch verboten, ansonsten aber nicht schlecht
Komplett autonomes Fahren ist nicht erlaubt. Erlaubt ist assistiertes Fahren. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wie beim Einparken darf ein Fahrzeug durchaus selbst lenken (siehe ECE-R79). Der Fahrer muss aber immer dabei sein [...]
Komplett autonomes Fahren ist nicht erlaubt. Erlaubt ist assistiertes Fahren. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wie beim Einparken darf ein Fahrzeug durchaus selbst lenken (siehe ECE-R79). Der Fahrer muss aber immer dabei sein und das System übersteuern und abbrechen können. Wenn der Fahrer nicht mehr im Fahrzeug ist, wie hier gesehen, darf das System derzeit nicht auf die öffentliche Straße (Wiener Weltabkommen). Sofern die "Zügel des Kutschers/Führers" drahtlos werden, befindet man sich im rechtlichen Neuland, dass erstmal noch geregelt werden muss. Wiener Weltabkommen, Wiener Straßenverkehrskonvention : Art. 8 Führer 1. Jedes Fahrzeug und miteinander verbundene Fahrzeuge müssen, wenn sie in Bewegung sind, einen Führer haben. 2. Es wird empfohlen, in den innerstaatlichen Rechtsvorschriften vorzusehen, dass Zug-, Saum- und Reittiere und, ausser in Gebieten, die an ihrem Zugang besonders gekennzeichnet sind, Vieh, einzeln oder in Herden, einen Führer haben müssen. 3. Jeder Führer muss die erforderlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften haben und körperlich und geistig in der Lage sein zu führen. 4. Jeder Führer eines Kraftfahrzeugs muss die für die Führung des Fahrzeugs erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten haben; diese Bestimmung bildet jedoch kein Hindernis für den Fahrunterricht nach den innerstaatlichen Rechtsvorschriften. 5. Jeder Führer muss dauernd sein Fahrzeug beherrschen oder seine Tiere führen können. 6.1 Der Führer eines Fahrzeugs muss alle anderen Tätigkeiten als das Führen seines Fahrzeugs vermeiden. Die innerstaatlichen Rechtsvorschriften sollten Bestimmungen zur Benutzung von Telefonen durch die Fahrzeugführer vorsehen. In jedem Fall müssen sie die Benutzung von Telefonen ohne Freisprecheinrichtung durch Führer eines sich in Bewegung befindlichen Motorfahrzeugs oder Motorfahrrads verbieten.

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