Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Audi e-tron

Jetzt gibt's die volle Ladung

Nach Tesla und Jaguar bringt nun auch Audi ein Elektro-SUV. Kann der e-tron den Rückstand wettmachen? Der Test.

Foto: Audi
Von
Donnerstag, 11.10.2018   18:05 Uhr

Der erste Eindruck: Für den ersten Audi einer neuen Ära sieht der e-tron vergleichsweise vertraut aus. Lediglich der ungewöhnliche Grill und die imitierten Kühlrippen rund um die Batterie im Wagenboden weisen auf den Elektroantrieb hin.

Das sagt der Hersteller: Wir wollen nicht die Ersten, sondern die Besten sein - so hat Audis Interimschef Bram Schot bei der Weltpremiere in San Francisco sinngemäß die Verspätung entschuldigt. Im Vergleich zur Konkurrenz ist Audi mit seinem ersten Elektroauto spät dran, Tesla und Jaguar haben längst vergleichbare Modelle auf dem Markt. Bei der Vorstellung des e-tron vor wenigen Wochen wurde der alte Markenslogan "Vorsprung durch Technik" oft bemüht, der sich bei dem Neuen erst auf den zweiten Blick erschließt. Vorsprung, so argumentieren die Entwickler, äußere sich nicht in der Batteriekapazität oder den Fahrleistungen, sondern in den Finessen, mit denen aus den gewählten Akkus und Antrieben die meisten Kilometer und der größte Fahrspaß herausgekitzelt werden kann. "Und da haben wir uns einiges einfallen lassen", sagt Tobias Greiner aus der Entwicklungsmannschaft.

Der e-tron markiere aber für Audi nicht nur den Beginn der Aufholjagd. "Sondern wir geben damit das Startsignal für eine elektrische Offensive und bringen bis 2025 insgesamt zwölf reine E-Fahrzeuge."

Das ist uns aufgefallen: Nicht nur außen wirkt der e-tron auf den ersten Blick vertraut. Auch innen findet man sich auf Anhieb zurecht. Denn im Grunde nutzt das Akku-Auto Architektur und Ambiente aktueller Modelle wie des Q8: Es gibt die gleichen digitalen Instrumente, die gleichen Touchscreens und genau wie in den konventionellen Audis der Oberklasse ansonsten vergleichsweise wenig Schalter. Neu ist nur der Wählhebel für die Fahrtrichtung, bei dem sich Designchef Marc Lichte nach eigenem Bekunden von Raumschiffen in Science Fiction-Filmen hat inspirieren lassen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Audi e-tron - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dafür ändert sich allerdings die Raumordnung im e-tron ein wenig: In der ersten Reihe gibt es jetzt ein riesiges Staufach, wo früher mal das Getriebe war. Die Hinterbänkler bekommen mehr Platz für ihre Füße, weil diese nicht mehr am hohen Kardantunnel konventioneller Quattros hängen bleiben. Trotz des riesigen Akkus im Wagenboden bietet der e-tron reichlich Platz fürs Gepäck: Denn zu den 600 Litern im Heck kommen noch einmal 60 Liter, die Audi vorne gefunden hat, weil E-Motor und Elektronik weniger Platz brauchen als ein Verbrenner.

Fotostrecke

Audi e-tron: Inspiriert vom Raumschiff

Wenn man jedoch den Startknopf drückt, die 408 PS und 664 Nm der beiden E-Motoren erwachen, zischt der Wagen erstaunlich eilig davon - trotz der stolzen 2,5 Tonnen. Spätestens dann ist es vorbei mit den Parallelen zu den anderen Audi-Modellen. Denn so seidig und still spurten nicht einmal die Plug-in-Hybriden, von den Verbrennern ganz zu schweigen.

Im elektrischen Fahren unterscheidet sich der e-tron aber nicht nur von allen anderen Audi-Modellen, sondern auch von der direkten Konkurrenz. So haben die Bayern zum Beispiel Elektromotoren eingebaut, deren Innenleben mit einer Flüssigkeit gekühlt wird, damit man nicht nur einmal, sondern immer wieder voll beschleunigen kann, ohne dass der Wagen irgendwann in den Notlauf zurückfällt, wie beispielsweise ein Tesla. Sie haben gleich sieben Fahrprofile programmiert. Diese reichen von "Offroad" mit mehr Traktion und fünf Zentimetern zusätzlicher Bodenfreiheit in der serienmäßigen Luftfederung bis "Dynamic" mit einem um drei Zentimeter abgesenkten Schwerpunkt.

Zugunsten eines nervenkitzelnden Driftwinkels kann erstmals bei einem Elektroauto das Fahrstabilitätsprogramm ESP komplett deaktiviert werden. Und sie haben ein intelligentes Bremspedal eingebaut, das so lange wie irgend möglich auf die Schubumkehr des Generators setzt und die mechanische Bremse erst als Ultima Ratio nutzt. Zwar haben die Ingenieure darüber das von vielen Elektro-Enthusiasten so geschätzte One-Pedal-Fahren irgendwie vergessen. Dabei kann der Wagen allein durch Lupfen des Gasfußes abgebremst werden. Dafür sind die drei am Lenkrad wählbaren Rekuperationsstufen aber alle viel zu schwach.

Die mögliche Reichweite soll mit den 95 kWh-Akkukapazität selbst im strengen WLTP-Zyklus bei "deutlich mehr als 400 Kilometern" liegen, versprechen die Audi-Entwickler. Weil man trotzdem irgendwann mal Strom zapfen muss, sorgen die Ingenieure beim leidigen Stopp an der Ladesäule immerhin für ein Augenzwinkern. Die Tankklappe beim e-tron öffnet elektrisch.

Das muss man wissen: Gebaut wird der e-tron in Brüssel, allein aus Europa gibt es laut Audi bereits mehr als 10.000 Vorbestellungen. Die Auslieferung in Deutschland soll noch im Dezember starten. Die Preise beginnen bei 79.900 Euro und anders als bei den Verbrennern gibt es für den Antrieb nur eine Konfiguration: Der Akku hat immer 95 kWh, die beiden Motoren immer 408 PS, mit denen er in 5,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigt. Bei 200 km/h wird der Wagen elektronisch abgeregelt. (Wie er damit im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet, lesen sie hier).

Viel Aufwand betreibt Audi für das Laden - sowohl bei der Technik, mit einem oder zwei 11 kW-Ladegeräten an Bord und der Option auf eine Schnellladung an den 150 kW-Säulen. Zudem bietet der Hersteller eine Kundenkarte für immerhin 80 Prozent der etwa 65.000 Ladesäulen in Europa an.

Audi

Videokameras statt Rückspiegel

Das werden wir nicht vergessen: Die Videokameras, die beim e-tron auf Wunsch die Außenspiegel ersetzten. Durch den geringeren Luftwiderstand gewinnt der e-tron allein dadurch bis zu 35 Kilometer Reichweite. Mit dem ersten Einsatz dieser Technik in Großserie fährt der e-tron tatsächlich voraus und liefert so buchstäblich einen neuen Blick auf die Konkurrenz.

Hersteller: Audi
Typ: e-tron
Karosserie: SUV
Motor: zwei Elektromotoren
Leistung: 408 PS (300 kW)
Drehmoment (E-Motor): 664 Nm
Von 0 auf 100: 5,7 s
Höchstgeschw.: 200 km/h
Kraftstoff: Strom
Kofferraum: 660 Liter
umgebaut: 1.725 Liter
Preis: 79.900 EUR
insgesamt 103 Beiträge
steingärtner 11.10.2018
1. Neuer Dauergag ?
Die Klappe zum Tanken öffnet elektrisch. Es sei denn, der Akku ist leer.
Die Klappe zum Tanken öffnet elektrisch. Es sei denn, der Akku ist leer.
toll_er 11.10.2018
2. Adios Tesla
Damit ist der Anfang von Teslas Ende eingeläutet, Dank Tesla kam die e-Mobilität in Schwung, jetzt bauen die Platzhirsche richtige Autos mit Akku. Und für die Tankklappe gibt es bestimmt Ende kleine Notstromversorgung im Audi. [...]
Damit ist der Anfang von Teslas Ende eingeläutet, Dank Tesla kam die e-Mobilität in Schwung, jetzt bauen die Platzhirsche richtige Autos mit Akku. Und für die Tankklappe gibt es bestimmt Ende kleine Notstromversorgung im Audi. Oder halt... Einen Schlüssel.
Seifert 11.10.2018
3.
Mit rund 80k€ d e r Beitrag zur Massenmobilität!
Mit rund 80k€ d e r Beitrag zur Massenmobilität!
wo_st 11.10.2018
4. Wie?
Nur Ignoranten können die Bremsfunktion des Gaspedals vergessen. Es gab mal Vorsprung durch Technik bei Audi, aber das ist lange vorbei.
Nur Ignoranten können die Bremsfunktion des Gaspedals vergessen. Es gab mal Vorsprung durch Technik bei Audi, aber das ist lange vorbei.
iasi 11.10.2018
5. aha - und das ist nun das Öko-Auto der Zukunft
Wir schonen also die Umwelt, indem wir mit sehr viel Leistung sehr schwere Autos gegen den Windwiderstand ankämpfen lassen. Sehr vernünftig und zukunfstweisend. Pech für die kommenden Generationen. Aber was soll´s, denn: Mir [...]
Wir schonen also die Umwelt, indem wir mit sehr viel Leistung sehr schwere Autos gegen den Windwiderstand ankämpfen lassen. Sehr vernünftig und zukunfstweisend. Pech für die kommenden Generationen. Aber was soll´s, denn: Mir reicht´s no ´naus.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP