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Mobilität

Reaktionen auf Manipulationen bei Audi

Autohersteller "verspielen Ruf der deutschen Industrie"

Die erneute Abgasmanipulation bei Audi sorgt für Wut und Frustration, vor allem in der Politik und bei wichtigen Kunden. Das scheint den Hersteller jedoch nicht wirklich zu interessieren.

REUTERS

Arbeiter im Audi-Werk Györ.

Mittwoch, 09.05.2018   12:59 Uhr

Die Abgasmanipulationen bei Dieselautos schaden nach Ansicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze nicht nur der Automobilbranche, sondern großen Teilen der Wirtschaft. "Mit derlei Manipulationen verspielen die Autohersteller auch den guten Ruf der deutschen Industrie als Treiber fortschrittlicher Technik", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Anlass für Schulzes Äußerungen war ein Bericht des SPIEGEL über erneute Abgasmanipulationen bei Audi. In Modellen des aktuellen A6 und A7 soll eine weitere Betrugssoftware verbaut sein. Das Unternehmen gestand auf Anfrage ein, "vor gut einer Woche eine Unregelmäßigkeit entdeckt und sie am vergangenen Freitag dem KBA mitgeteilt" zu haben, so ein Sprecher.

Bei den betroffenen Modellen handelt es sich um aktuelle Fahrzeuge der A6 und A7 Baureihe mit 271 PS Dieselmotor.

Dass auch bei neuen Modellen wie dem Audi A6 und A7 Manipulationssoftware gefunden wurde, bezeichnete Schulze als "absolut empörend" und forderte rechtliche Konsequenzen: "Für die Autoindustrie müssen dieselben Regeln gelten wie für jeden anderen auch: Wer betrügt, bekommt es mit dem Rechtsstaat zu tun."

Audi verweist auf die Behörden

Bei Audi will man den Ärger um 60.000 zusätzliche Dieselfahrzeuge mit womöglich unzulässiger Abschalteinrichtung schnell hinter sich bringen. Man habe "eine kurzfristige Lösung in Form eines Software-Updates erarbeitet", sagte Vorstandschef Rupert Stadler auf der Hauptversammlung in Ingolstadt.

Diese stelle man in Kürze dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) zur Freigabe vor und befinde sich in enger Abstimmung mit den Behörden. Audi habe laut Stadler aus der Abgasaffäre gelernt. Integrität stehe jetzt "ganz oben: also moralisch und rechtlich einwandfreies Verhalten". Stadler gilt durch den Abgasskandal als angezählt.

Probleme mit gewerblichen Kunden drohen

Die Dieselvarianten der Modelle A6 und A7 sind beliebte Dienstwagen - aber nur, solange sie nicht von möglichen Fahrverboten betroffen sind. "Alleine der Verdacht im Zusammenhang mit einem Euro 6-Diesel wird aber für weitere Unruhe sorgen", erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement, Marc-Oliver Penzing. Bisher sind Euro 6-Diesel von bevorstehenden Fahrverboten ausgenommen und dürfen auch bei schlechter Luft weiterhin in die Innenstädte fahren.

"Eine Manipulation, um eine vermeintliche Serviceverbesserung aus Kundensicht zu erreichen, wäre ein Bärendienst für gewerbliche wie für private Kunden", so Penzing weiter.

Die betroffenen Fahrzeuge sind mit einem sogenannten SCR-Katalysator zur Reinigung der Stickoxide ausgestattet. Dieser benötigt für eine reibungslose Funktion Harnstoff (Markenname: AdBlue), der in einem zusätzlichen Tank untergebracht ist. Der Harnstoff wird in den Abgasstrom eingespritzt und sorgt dafür, dass die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt werden. Damit der Kunde nicht selber Harnstoff nachfüllen muss, sondern erst die Werkstatt beim nächsten Service, hat Audi die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit lange, bevor sie zur Neige geht, stark gedrosselt. In der Zeit, da die Zufuhr von Harnstoff abgeregelt ist, funktioniert der SCR-Katalysator zur Reinigung von Stickoxiden im Abgas nicht oder nur extrem eingeschränkt. Das giftige Gas entweicht in hohen Konzentrationen aus dem Auspuff.

Fuhrparkmanager sind wichtige Kunden für Hersteller wie Audi, sie steuern den Einsatz von Flotten bei großen Unternehmen, gerade bei Diesel-Neuzulassungen ist ihr Anteil deutlich höher als der privater Käufer.

ene/dpa/rtr

insgesamt 104 Beiträge
vox veritas 09.05.2018
1.
Kommen diese Abschaltvorrichtungen eigentlich immer von dem gleichen Zulieferer oder sind das Eigenentwicklungen der jeweiliger Automobilhersteller?
Kommen diese Abschaltvorrichtungen eigentlich immer von dem gleichen Zulieferer oder sind das Eigenentwicklungen der jeweiliger Automobilhersteller?
ardbeg17 09.05.2018
2. hmmm...
in den Nachrichten klang es gestern anders, als das, was Herr Traufetter verbreitet. Nämlich, dass es sich um bereits länger in der Untersuchung befindliche Modelle handelt und Audi diese Manipulation dem KBA gemeldet hat. Also [...]
in den Nachrichten klang es gestern anders, als das, was Herr Traufetter verbreitet. Nämlich, dass es sich um bereits länger in der Untersuchung befindliche Modelle handelt und Audi diese Manipulation dem KBA gemeldet hat. Also nichts neues. Wie die praktische Auswirkung ist, dürfte der Herr Traufetter und auch alle, die ihm ungeprüft glauben, nicht wissen. Mit der Behauptung, die Tanks seien nur 7l groß und würden bis zur nächsten Inspektion gestreckt, lag er auch daneben. Die Glaubwürdigkeit dieser Berichte ist so hoch wie die einer Aussage von Herrn Stadler. Höchstens.
Andreas-Schindler 09.05.2018
3. In dem Konzern gibt es wohl keine Führung
Seit über 2 Jahren Ärgert sich der Konzern mit so was rum und keine Ende ist in Sicht. Was machen die da bloß? Können die Software Entwickler da machen was sie wollen? Haben die da schon Fertige Programmpakete in der Schublade [...]
Seit über 2 Jahren Ärgert sich der Konzern mit so was rum und keine Ende ist in Sicht. Was machen die da bloß? Können die Software Entwickler da machen was sie wollen? Haben die da schon Fertige Programmpakete in der Schublade die mal jemand vor 20 Jahren geschrieben hat und nun erst in die Autos per App dazu kommen? Anscheinend weiß da keiner was die Software macht und man ist immer wieder überrascht was letztlich dabei raus kommt.
urbanism 09.05.2018
4. Pakt mit dem Teufel
solange Konzerne mit schützender Hand der Bundesregierung die Bürger betrügen können warum sollte sich etwas ändern. Die Bundesregierung hat sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen und dass ist jetzt das Resultat. Die [...]
solange Konzerne mit schützender Hand der Bundesregierung die Bürger betrügen können warum sollte sich etwas ändern. Die Bundesregierung hat sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen und dass ist jetzt das Resultat. Die Regierung sollte endlich aufwachen und Konzerne genauso wie alle anderen Kriminellen für Ihre Betrügereien juristisch zur Rechenschaft ziehen. Alles andere wird von den Konzernen als Schwäche des Systems, schamlos ausgenutzt.
Susi64 09.05.2018
5. Tatsachen sind
weil Adblue für die Abgasreinigung benötigt wird, bedarf es eines Tanks dafür. Wenn der Adblue-Stand einen gewissen Wert unterschreitet, dann wird die Zufuhr an Adblue gedrosselt um länger fahren zu können. Dies ist bei der [...]
weil Adblue für die Abgasreinigung benötigt wird, bedarf es eines Tanks dafür. Wenn der Adblue-Stand einen gewissen Wert unterschreitet, dann wird die Zufuhr an Adblue gedrosselt um länger fahren zu können. Dies ist bei der Zulassung der entsprechenden Modelle auch so benannt worden. Es ist jetzt Sache des KFB zu entscheiden, ob es zulässig ist oder nicht. Ohne eine derartige Drosselung muss entweder ohne Adblue gefahren werden oder das Fahrzeug kann überhaupt nicht mehr fahren, bleibt liegen und muss abgeschleppt werden. Technisch möglich wäre eine Warnung, dass Adblue bald zu Ende ist (wie beim Benzin oder Diesel auch) und das eine Tankstelle oder Werkstatt aufzusuchen ist, um Adblue nachzutanken. Eine betrügerische Absicht liegt hier nicht vor. Ob eine derartige Manipulation (und in welchem Umfang) zulässig ist, müssen die Gremien entscheiden, die für die Zulassung der Fahrzeuge zuständig sind.

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