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Mobilität

Autogas LPG

Gas brummt

Das Vertrauen in den Dieselmotor sinkt. Diskussionen um Stickoxide und Feinstaub verunsichern viele Autofahrer. Eine interessante Alternative zu herkömmlichen Kraftstoffen: Flüssiggas.

Opel
Von Michael Specht
Donnerstag, 17.08.2017   06:03 Uhr

Für Camper und Griller gehört Flüssiggas seit Langem zum Alltag. Der praktische Energieträger, abgefüllt in großen Metallflaschen, spendet Wärme in Wohnwagen und macht Feuer unterm Fleisch. In ländlichen Gebieten dient LPG (Liquefied Petroleum Gas) oft auch als Energielieferant fürs Haus. Natürlich lassen sich auch Autos damit antreiben. Gut 450.000 mit Flüssiggas betriebene Fahrzeuge sind in Deutschland bereits unterwegs. Und im Zuge der derzeitigen Diesel-Diskussionen scheinen Autofahrer vermehrt diese Alternative ins Kalkül zu ziehen. Im ersten Halbjahr stieg laut Deutschem Verband Flüssiggas (DVFG) die Zahl der neu zugelassenen Autogas-Fahrzeuge um 38,2 Prozent an, was in absoluten Zahlen allerdings nur einem Anstieg von 1557 auf 2154 entspricht.

Doch wer weiß? Vielleicht steht Autogas vor einem Comeback? LPG besteht aus Propan oder Butan und fällt bei der Verarbeitung von Rohöl an. Es gilt in der Branche als Alternativkraftstoff Nummer eins. Dies sagt zumindest Rainer Scharr, Vorsitzender des DVFG. Tendenz: weiter steigend. Experten rechnen damit, dass die Skepsis gegenüber dem Dieselantrieb vorerst bleiben wird und dem Autogas in die Hände spielt. Shell hat die Chancen für Gasfahrzeuge in einer Studie analysiert. Im günstigsten Szenario könnte der Bestand im Jahr 2040 auf rund sechs Millionen angewachsen sein, darunter 1,7 Millionen LPG-Autos. Insgesamt hätten Gasautos dann einen Anteil von etwa 15 Prozent am Pkw-Gesamtbestand.

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Autogas LPG: Gib Gas!

Was macht Autogas so reizvoll? Es kostet weniger als 60 Cent pro Liter und verbrennt deutlich sauberer als Benzin oder Diesel. Es entsteht kein Ruß. Stickoxide sinken gegenüber einem Benziner um 20 und im Vergleich zu einem Dieselmotor um mehr als 95 Prozent. Eventuelle Fahrverbote in den Innenstädten, wie sie Dieselautos betreffen könnten, sollten damit für den Autogas-Fahrer nicht mehr relevant sein.

Europaweit gibt es mehr als 40.000 Tankstellen

Weiterer Vorteil: Das Tankstellennetz ist deutlich besser ausgebaut als beispielsweise beim Erdgas. Derzeit existieren rund 6700 Zapfsäulen in Deutschland, was bedeutet, dass mehr als jede zweite Tankstelle LPG anbietet. Erdgas-Autofahrer können davon nur träumen.

Das sind die Unterschiede zwischen Erdgas und Autogas

Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas): Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan und wird aus fossilen Lagerstätten gewonnen. Im Auto kommt es meist in Serienfahrzeugen zum Einsatz, da die Umrüstkosten deutlich höher sind als bei Autogas und selten lohnen. Gespeichert wird der Kraftstoff unter hohem Druck gasförmig(200 bis 240 bar). Erdgas kann in hoch verdichtenden Benzin-Direkteinspritzern genutzt werden und verbrennt gegenüber Benzin mit zirka 25 Prozent weniger CO2-Ausstoß.

Autogas (LPG, Liquefied Petroleum Gas): Autogas besteht aus einem Propan/Butan-Gemisch. Es entsteht als Abfallprodukt bei der Benzinherstellung und lagert im Tank des Autos in flüssiger Form. Nur wenige Autohersteller bieten LPG-Fahrzeuge ab Werk an. Die meisten Autos, die im Verkehr unterwegs sind, wurden in Werkstätten umgerüstet. Möglich ist das für jeden Pkw mit Verbrennungsmotor. Der CO2-Vorteil im Vergleich zum Benziner fällt mit ca. 15 Prozent etwas schwächer aus als beim Erdgasantrieb.

Ihnen stehen nur etwa 900 Zapfsäulen zur Verfügung. Weil vor allem im östlichen Europa LPG weit verbreitet ist, sollten auch Auslandsfahrten kein Problem darstellen. Insgesamt kann europaweit an mehr als 40.000 Stationen Autogas gezapft werden. Und Bedenken, mit einem LPG-Auto nicht mehr in Tiefgaragen parken zu dürfen, sind seit mehr als 20 Jahren aus der Welt. An Stammtischen halten sich diese Thesen immer noch hartnäckig.

Doch es gibt auch einige Nachteile. Aufgrund der geringeren spezifischen Dichte und des entsprechend geringeren Energieinhalts gegenüber Benzin sinkt beim Autogas die Motorleistung etwas und der Verbrauch steigt um 15 bis 20 Prozent an, was den Kostenvorteil etwas aufzehrt. Hinzu kommt eine leicht reduzierte Reichweite, da nach dem Umbau der Gastank meist in der Reserveradmulde (Radmuldentank) Platz finden muss und entsprechend wenige Liter (je nach Fahrzeuggröße 40 bis 60 Liter) hineinpassen. Außerdem schreibt der Gesetzgeber vor, dass Gastanks nur mit bis zu 80 Prozent befüllt werden dürfen. Größere Tanks, etwa zylindrische, müssten im Kofferraum untergebracht werden und schränken das Ladevolumen ein.

Ein weiteres Manko: Die Auswahl an Neufahrzeugen mit LPG-Antrieb ist sehr begrenzt. Es sind hauptsächlich Ford, Opel und die Renault-Tochter Dacia, die Autogas-Modelle in ihrem Portfolio haben. Volkswagen konzentriert sich mittlerweile lieber auf Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas). "Erdgas kann in hoch verdichtenden Benzin-Direkteinspritzern genutzt werden und verbrennt gegenüber Benzin mit zirka 25 Prozent weniger CO2-Ausstoß", so ein VW-Unternehmenssprecher.

Nachrüstungen statt Modelle ab Werk

Für den Autogas-Interessenten bleibt somit meist nur die nachträgliche Umrüstung durch zertifizierte Händler. Der Umbau kann so gut wie an allen Benzinern vorgenommen werden, egal, ob Drei-, Vier-, Fünf-, Sechs- oder Achtzylinder. "Wir haben viele Kunden mit amerikanischen Fahrzeugen", sagt ein Mitarbeiter des Hamburger Umrüsters Aarland-Rosenkranz (A&R), "und selbst Besitzer einer Mercedes S-Klasse lassen bei uns auf Autogas umrüsten." Die Preise für Umbauten reichen von 1200 bis 2600 Euro. Da stellt sich natürlich sofort die Frage: Lohnt sich ein solcher Umbau überhaupt? Es ist, wie meist, eine simple Rechnung. Wer viel fährt, hat die Investitionen schneller wieder drin. Bei 14.000 Kilometern pro Jahr spart das LPG-Auto rund 650 Euro (siehe z.B. autogasrechner.de), der Umbau wäre selbst bei einer Investition von 2500 Euro also nach weniger als vier Jahren wieder eingefahren. Deutlich länger zieht sich das beim Erdgas hin, weil hier die Umbaukosten, unter anderem wegen der aufwendigen Hochdrucktanks, erheblich teurer sind.

Theoretisch wäre es sogar möglich, Dieselmotoren auf Autogas umzurüsten, was besonders für gewerbliche Kunden (Lieferdienste, Handwerker etc.) interessant sein könnte, die auch zukünftig in Innenstädten fahren müssen. Allerdings ist es technisch nicht zu realisieren, die Dieselverbrennung komplett zu stoppen. Stattdessen kommt es zu einer gleichzeitigen Nutzung von Diesel und LPG. Der Fachmann spricht von Diesel-Blend-Verfahren. Laut EKO Gas, ein Spezialist für Autogas-Umrüstungen, ergibt sich dabei eine Einsparung beim Diesel von zirka 40 Prozent. Nachteile: Die Umrüstung ist mit rund 4000 Euro erheblich teurer als beim Benziner. Und da, wie Autogas, auch der Dieselkraftstoff bereits steuerlich subventioniert ist, dauert die Amortisationszeit länger. EKO Gas kommt daher zu dem Fazit, dass eine Umrüstung erst ab einem Leicht-Lkw (zum Beispiel Mercedes Sprinter, VW Crafter) wirtschaftlich Sinn ergibt.

Interessant für Firmen und Flottenbetreiber könnte auch die Errichtung einer eigenen Zapfanlage (Kosten: rund 6000 Euro) sein. Werden dann größere Mengen an Autogas abgenommen, reduziert sich der Literpreis auf 40 bis 45 Cent, was eine Vergünstigung von rund 30 Prozent gegenüber etablierten Tankstellenbetreibern bedeutet.

Dennoch sollten alle Autofahrer, die mit einer Anschaffung eines LPG- oder CNG-Fahrzeugs liebäugeln, bedenken, dass der Steuervorteil für Autogas und Erdgas in Zukunft gestrichen wird. Für Autogas gilt, dass ab 2018 bis Ende 2022 die Begünstigung jedes Jahr um 20 Prozent abgeschmolzen wird. Ab 2023 fällt also der reguläre Steuersatz an. Autogas genießt derzeit einen Steuervorteil von 15 Cent je Liter. Die Steuervorteile für Erdgas wurden bis 2024 voll verlängert, bis 2026 werden dann auch diese sukzessive reduziert.

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass VW sich vor etwa 15 Jahren von der LPG-Technologie verabschiedet hat. Richtig ist, dass VW heute keine neuen Modelle mehr mit LPG-Technik anbietet, sondern sich bei Gasautos auf CNG-Modelle konzentriert. Auch die Zahl der von Shell angenommenen LPG-Autos im Jahr 2040 haben wir im Text korrigiert.

insgesamt 283 Beiträge
vhn 17.08.2017
1. Steuerliche Förderung
Das Thema fehlt leider im Artikel. Diese sollte 2018 beendet werden. Wurde jedoch noch einmal verlängert. Für wie lange weiß man nicht. Es ist jedoch perspektivisch mit einem Ende der steuerlichen Begünstigung von LPG zu [...]
Das Thema fehlt leider im Artikel. Diese sollte 2018 beendet werden. Wurde jedoch noch einmal verlängert. Für wie lange weiß man nicht. Es ist jedoch perspektivisch mit einem Ende der steuerlichen Begünstigung von LPG zu rechnen.
wolle0601 17.08.2017
2. Sehr nett
Diskussionen verunsichern Autofahrer. Soso. Man könnte auch sagen, die von den Medien veranstaltete Kampagne verunsichert Autofahrer. Nach der Energiewende jetzt der nächste Fall, wo Hysterie dazu führt, zig Milliarden für [...]
Diskussionen verunsichern Autofahrer. Soso. Man könnte auch sagen, die von den Medien veranstaltete Kampagne verunsichert Autofahrer. Nach der Energiewende jetzt der nächste Fall, wo Hysterie dazu führt, zig Milliarden für eine noch nicht reife Technologie zu verbrennen (Elektro) oder Autofahrer in teure Umrüstungen zu treiben, die letztlich genauso Sackgassen sein können. Technologie hat nun mal längere Zykluszeiten als Politik oder Medienhypes.
Jotrocken 17.08.2017
3. LPG unbeliebt
Aus irgendeinem Grund mögen Deutsche kein LPG. Vielleicht, weil alleine der Begriff "Gas" eine dunkle Vergangenheit hier hat. In den Niederlanden wird prozentual viel mehr LPG gefahren. Nunja, mir egal - ich habe [...]
Aus irgendeinem Grund mögen Deutsche kein LPG. Vielleicht, weil alleine der Begriff "Gas" eine dunkle Vergangenheit hier hat. In den Niederlanden wird prozentual viel mehr LPG gefahren. Nunja, mir egal - ich habe ausschließlich gute Erfahrungen gesammelt, was Sicherheit, Wartung, Kosten, Tankstellennetz etc. angeht.
ctwalt 17.08.2017
4. Nix da
die alte Karre wird gefahren, bis sie auseinanderfällt! Die Bundesregierung wird auch hier in einigen Jahren einen Weg finden, die Fahrer dieser Fahrzeuge abzukassieren. Wetten ?
die alte Karre wird gefahren, bis sie auseinanderfällt! Die Bundesregierung wird auch hier in einigen Jahren einen Weg finden, die Fahrer dieser Fahrzeuge abzukassieren. Wetten ?
ma_we 17.08.2017
5. Großer Nachteil: Adaptergefrickel
Da hat der Autor aber noch einen großen Nachteil bei LPG/Autogas vergessen. Das Gefrickel und herumhantieren mit den unterschiedlichen Adaptern. Und wenn das Ding nicht richtig drauf sitzt, geht das Gas daneben. Außerdem muss [...]
Da hat der Autor aber noch einen großen Nachteil bei LPG/Autogas vergessen. Das Gefrickel und herumhantieren mit den unterschiedlichen Adaptern. Und wenn das Ding nicht richtig drauf sitzt, geht das Gas daneben. Außerdem muss man einen Totmannschalter während des Tankvorgangs gedrückt halten, ob Hand oder Fuß - es nervt trotzdem jedesmal gewaltig. Guter Tipp. Vorher richtig informieren und neutral und sich das mal anschauen. Ich habs aufgegeben.

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Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?

Reiner Elektroantrieb
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Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
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Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
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