Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Pilotprojekt

Rabatte für reuige Raser in Belgien

Belgien prüft derzeit eine Methode, mit der verurteilte Raser nachträglich ihre Strafe abmildern können. Das Prinzip: Wer sich beim Autofahren mit einer Blackbox überwachen lässt, bekommt einen Rabatt.

DPA

Ein mit einem Radargerät ausgestattetes Streifenfahrzeug

Freitag, 04.05.2018   16:18 Uhr

In einem Pilotprojekt in Belgien können Raser ab Sommer ihre Strafen abmildern oder sogar umgehen, wenn sie sich bereit erklären, ihr Fahrverhalten über eine Blackbox im Auto aufzeichnen zu lassen. Der kleine Kasten, der im Auto untergebracht wird, zeichnet die Fahrweise der freiwilligen Probanden auf und überwacht, ob der Fahrer einsichtig und mit einer defensiven Fahrweise unterwegs ist.

Dafür erfasst der Minicomputer in Echtzeit Verkehrsdaten wie Geschwindigkeit und Position des Fahrzeugs. An dem Projekt könnten Menschen teilnehmen, die bereits wegen zu hohem Tempo verurteilt wurden, sagt der Sprecher des verantwortlichen Vias-Instituts für Verkehrssicherheit, Benoît Godart. Das Gerät koste rund 250 Euro. Dem Bericht zufolge können Teilnehmer des Pilotprojektes die eingeforderten Geldbußen nicht nur senken, sondern Sanktionen bei angemessener Fahrweise sogar umgehen.

Versicherungen locken mit Rabatten

Blackboxen gibt es auch schon in Deutschland. Bußgelder mildern kann man hierzulande damit dennoch nicht. Vielmehr locken einige Kfz-Versicherungen mit besseren Tarifen, wenn man über die kleinen schwarzen Kästen das Fahrverhalten überwachen lässt. Bei diesen sogenannten Telematik-Tarifen richtet sich die Höhe der Versicherungsbeiträge nach der Fahrweise des Pkw-Halters. Je entspannter und umsichtiger die Fahrt, desto günstiger die Versicherung.

Ein Modell, dass auch in Belgien auf Interesse stößt. Laut einer Umfrage des belgischen Versicherungs-Verbands Assuralia hätten rund die Hälfte aller Autofahrer in Belgien kein Problem mit einer eingebauten Black Box, die sämtliche Fahrdaten aufzeichnet - sofern dadurch die Versicherung günstiger würde.

cfr/dpa

insgesamt 11 Beiträge
murksdoc 04.05.2018
1. Nichts von alledem
Die Black Box kann nicht entscheiden, wer "defensiv" oder "offensiv" fährt. Sie kann nur messen, ob das Fahrzeug sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält.
Die Black Box kann nicht entscheiden, wer "defensiv" oder "offensiv" fährt. Sie kann nur messen, ob das Fahrzeug sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält.
dasfred 04.05.2018
2. Bei entsprechend hohen Geldbußen
die sich meiner Meinung nach auch am Einkommen orientieren sollen, kann diese Idee auch sicher viele deutsche Raser zu einem neuen bewussten Fahrverhalten bringen.
die sich meiner Meinung nach auch am Einkommen orientieren sollen, kann diese Idee auch sicher viele deutsche Raser zu einem neuen bewussten Fahrverhalten bringen.
Flari 04.05.2018
3.
Über positive und negative Beschleunigungswerte, ebenso über die Kurvengeschwindigkeiten und ruhige/hektische Fahrmanöver kann man selbstverständlich Rückschlüsse darauf ziehen, ob der Fahrer defensiv, oder offensiv [...]
Zitat von murksdocDie Black Box kann nicht entscheiden, wer "defensiv" oder "offensiv" fährt. Sie kann nur messen, ob das Fahrzeug sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält.
Über positive und negative Beschleunigungswerte, ebenso über die Kurvengeschwindigkeiten und ruhige/hektische Fahrmanöver kann man selbstverständlich Rückschlüsse darauf ziehen, ob der Fahrer defensiv, oder offensiv fährt.
murksdoc 04.05.2018
4. @Flari
Sie haben mich nicht verstanden. Es geht darum, daß die Box nicht weiss, wer am Steuer sitzt.
Sie haben mich nicht verstanden. Es geht darum, daß die Box nicht weiss, wer am Steuer sitzt.
brux 04.05.2018
5. Gelbien
Ich habe 20 Jahre in Belgien gelebt und bin kein einziges Mal kontrolliert worden. Dass man zum Essen reichlich trinkt und dann mit dem Auto nach Hause fährt, ist die Norm. Die Polizei schaut gezielt weg. An jeder Brüsseler [...]
Ich habe 20 Jahre in Belgien gelebt und bin kein einziges Mal kontrolliert worden. Dass man zum Essen reichlich trinkt und dann mit dem Auto nach Hause fährt, ist die Norm. Die Polizei schaut gezielt weg. An jeder Brüsseler Kreuzung reichen 2 Minuten um Dutzende Kraftfahrer zu sehen, die nicht angeschnallt sind oder die telefonieren. Dass etwa 30% der Autos gar nicht versichert sind, ist auch bekannt. Und es ist ebenso allgemein bekannt, dass in Wallonien die Blitzerkameras nicht angeschaltet sind. In Flandern schon und wegen der etwas komplizierten Grenze, vor allem südlich von Brüssel, muss man schon etwas Ortskenntnis haben. Die andere belgische Eigenart ist, dass die Polizei keine Strafen direkt einziehen darf. Es muss erst ein Brief geschrieben werden. Den ficht man an, denn die Gerichte sind total überlastet und stellen so ziemlich alle Verfahren wegen Geringfügigkeit irgendwann ein. Meistens kommt der Brief aber gar nicht, denn der Polizei ist der Papierkram zu lästig. Das ganze Konzept ist also eher gaga.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP