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Mobilität

Tesla-Konkurrent Byton

Außen Auto, innen Smartphone

Ein Smartphone auf Rädern wollen gerade viele Autohersteller bauen - aber keiner kommt dem so nahe wie Byton. Aber können die Chinesen auch einlösen, was sie bei der Premiere auf der CES versprochen haben?

BYTON
Aus Las Vegas berichtet
Mittwoch, 10.01.2018   17:06 Uhr

In Las Vegas gibt es auch abseits der Spieltische ein Gesetz der Serie, und Carsten Breitfeld will es brechen. Immer wieder wurden dort in den letzten Jahren im Rahmen der Elektronikfachmesse CES spektakuläre Studien futuristischer Flitzer gezeigt, die anschließend auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung verschwanden. Erst im vergangenen Jahr präsentierte die chinesische Neugründung Faraday ein spektakuläres Elektro-Konzeptauto namens Future, von dem man seitdem nur noch wenig gehört hat.

Dieses Jahr nun zieht Breitfeld in Las Vegas das Tuch von einem Auto und ruft damit gleich eine neue Marke ins Leben: Byton. Breitfeld, der früher bei BMW gearbeitet hat und dort als Vater des i8 gilt, hat zusammen mit seinem ehemaligen BMW-Kollegen Daniel Kirchert die Future Mobility Company gegründet und will nun mit innovativen Konzepten die etablierten Hersteller angreifen.

Vieles von dem, was Breitfeld und sein Kompagnon sagen und tun, weist trotzdem frappierende Parallelen mit Faraday Future auf. Auch wenn das erste Modell der neuen Marke kein Superluxus-Modell mit den Fahrleistungen eines Ferrari ist, sondern eher ein Auto in der Größe des X5 zum Preis eines gut ausgestatteten X3 wird. Die Ankündigung, die etablierten Hersteller und auch Tesla ins Visier nehmen zu wollen - ist bekannt. Das neue Auto, ein Smartphone auf Rädern - auch schon zum x-ten Mal gehört.

Statt Schaltern ein Touchscreen im Lenkrad

Doch immerhin ist bei letzterem Versprechen schon bei der ersten Präsentation viel mehr Substanz dahinter als sonst üblich: Gegen das Bedienkonzept des Byton wirken andere aktuelle Neuwagen wie Oldtimer. Statt Schaltern gibt es einen Touchscreen im Lenkrad und dahinter den größten Bildschirm, der bislang in einem Auto eingebaut wurde: 1,25 Meter breit und 25 Zentimeter hoch überspannt er das gesamte Armaturenbrett.

"Den hatten wir schon vor unserem geistigen Auge, als wir die Marke gegründet haben und noch gar kein Auto hatten", erinnert sich Breitfeld an die Genese dieses Cinemascope-Cockpits samt Touch-, Sprach und Gestensteuerung. Ohne diesen Bildschirm würde es auch übrigens heute kein Auto geben. "Denn dieses Erlebnis ist es, was den Byton von der Konkurrenz wirklich abhebt", ist Kirchert überzeugt.

Dafür musste er allerdings reichlich Klinken putzen. Die üblichen Autozulieferer haben bei seiner Idee eines Mega-Touchscreens sofort abgewunken und behauptet, dass so ein Bildschirm nicht umzusetzen sei. Am Ende ist dann der weltgrößte Hersteller von Smartphone- und Notebook-Displays, BOE, eingesprungen und war sogar deutlich schneller, freuen sich Breitfeld und Kirchner.

Das kann nicht schaden, denn die beiden haben einen ambitionierten Zeitplan. Der Geländewagen soll in 18 Monaten aus einer Fabrik in China rollen, die heute noch nicht einmal im Rohbau steht. Sie werde in der ersten Phase eine Produktionskapazität von 100.000 Autos pro Jahr haben, sagt Breitfeld. Bis 2020 soll das Maximum von 300.000 Autos pro Jahr erreicht werden. Dann soll der Geländewagen auch nicht mehr nur in China, sondern auch in Europa und Amerika verkauft werden und es parallel auch noch eine Limousine und einen Siebensitzer geben.

Preisvorstellung: deutlich unter 40.000 Euro

Bei allen Parallelen zu anderen Offensiven aus Fernost gibt es doch auch ein paar Dinge, die Byton unterscheiden. So habe Byton nicht nur ungewöhnlich lange mit Informationen gespart für ein Start-up, das Geld einsammeln muss. Außerdem tritt die Marke, auch jetzt bei ihrer Präsentation in Las Vegas, viel dezenter auf und spuckt nicht ganz so große Töne.

Das gilt auch für das Auto selbst. Weder ist das Messemodell mit 350 kW Leistung und 520 Kilometern Reichweite Akku überzogen angetrieben, noch ist es unbezahlbar teuer. Deutlich unter 40.000 Euro nennt Breitfeld als Preis-Zielgröße für die Serienfertigung mit nur einer angetriebenen Achse, 250 kW und einem für 400 Kilometer zurechtgestutzten Akku.

Vor allem aber gehen die beiden ehemaligen BMW-Manager das Abenteuer etwas nüchterner und vielleicht besonnener an, als andere Manager vor ihnen. "Wir haben eine Plattform entwickelt, aus der wir drei Modelle mit einem gewissen Gleichteilgrad ableiten. Und beim Fahrzeug lassen wir uns auf keine Spielereien wie etwa ein besonderes Türenkonzept ein. So behalten wir die Kosten und vor allem den Aufwand im Griff", sagt Breitfeld.

Zwar profitiert die Byton-Mannschaft von ihrer Erfahrung bei etablierten Autoherstellern. Doch mussten sie viel davon auch abschütteln, damit ihr Plan überhaupt aufgehen konnte, sagt Breitfeld. Bei BMW oder Mercedes hätte es so ein Auto nie gegeben, ist er überzeugt. Das Design, den Antrieb, das Fahrwerk - all das traut er den Stammspielern natürlich auch zu. Doch die User-Experience rund um den riesigen Bildschirm hätte sich da niemand getraut.

Breitfeld hat dafür eine einfache Begründung: "Manchmal kann Erfahrung auch ein Hindernis sein", ist er überzeugt. Denn mit der einschlägigen Erfahrung sehe man früher Grenzen und laufe Gefahr, diese für unüberwindbar zu halten. Doch wer keine Grenzen sehe, der laufe einfach los und sei schon drüber hinweg, eher er es überhaupt bemerkt hat.

insgesamt 77 Beiträge
dipl.inge83 10.01.2018
1. Ah ja.
Von 0 auf 300k Fzge. p.a. innerhalb von 2 Jahren? Aussagen von Laien für Laien (schöne Grüße an Elon M.). Von Personen die aus der Branche kommen hätte ich mehr Verstand erwartet, oder jemand will nur Investorengelder [...]
Von 0 auf 300k Fzge. p.a. innerhalb von 2 Jahren? Aussagen von Laien für Laien (schöne Grüße an Elon M.). Von Personen die aus der Branche kommen hätte ich mehr Verstand erwartet, oder jemand will nur Investorengelder abgreifen. Wer mal erlebt hat was alles ineinander greifen muss damit heutzutage funktionsfähige Autos entwickelt UND in Großserie produziert werden können, kann über solche Aussagen nur laut lachen, vollkommen unabhängig davon wie der Antrieb konzipiert ist und wie groß die Monitore sind. Aber klar, die gesamten Hersteller weltweit, und insbesondere deren Zulieferer (!), schlafen alle noch auf Bäumen. Gute N8.
chrismuc2011 10.01.2018
2.
Also mir gefällt er sehr gut. Dezentes Styling, kein Haufischmaul ala Lexus oder Audi, schönes schlichtes Heck, nur der i3 Kinick im dritten Fenster hätte man sich sparen können. Es fehlt jetzt eigentlich nur noch verschiedene [...]
Also mir gefällt er sehr gut. Dezentes Styling, kein Haufischmaul ala Lexus oder Audi, schönes schlichtes Heck, nur der i3 Kinick im dritten Fenster hätte man sich sparen können. Es fehlt jetzt eigentlich nur noch verschiedene Armaturen Versionen, ähnlich der OBD Software, die erhältlich ist, wo man Armaturen selbst konsigurieren, bzw. stylen kann. Und wenn das Fahrzeug wirklich realisiert werden sollte, bitte auf Sicht auch an eine Brenstoffzellenversion denken. Mir wäre ja eine Kombiversion am Liebsten, aber der Markt ist wohl zu klein. Naheliegend wäre ja auch eine Cabrioversion, das wäre dann wohl das erste Cabrio mit e-Antrieb weltweit. Sicherlich herrscht dann bessere Luft im Auto als bei Diesel Cabrios.
upalatus 10.01.2018
3.
Das Lenkrad wird wohl sehr bei der Beschäftigung mit den dicken Mediaelementen im Weg sein. Denn wer soll sonst die features nutzen als die eine Nase, die heute überlicherweise im Fahrzeug sitzt. Es gibt doch heute schon [...]
Das Lenkrad wird wohl sehr bei der Beschäftigung mit den dicken Mediaelementen im Weg sein. Denn wer soll sonst die features nutzen als die eine Nase, die heute überlicherweise im Fahrzeug sitzt. Es gibt doch heute schon flexible dünne Bildschirme. Ersetze man die Frontscheibe (als Zukaufoption auch die restlichen Seitenscheiben) damit, und lasse sich die Umgebung in Echtzeit 'draufspiegeln'. Und wie man heut Photos/Filme in vielerlei Art manipulieren kann/reduzieren/ergänzen/verschönern/etc kann, geht das hier sicher auch. Oder man abonniert gleich die liebliche Fahrt Nr.3278 Typ Bergblick, damit man auf dem täglichen Weg zur Arbeit nicht mehr landschaftliche Ödnis, doofe Verkehrsteilnehmer und irgendwann mal die herumstelzenden Kampfroboter ansichtig werden muss. Das Aussenhautdesign könnten sich die Hersteller konsequenterweis dann zwar sparen; sie ist beim Byton aber recht gut gelungen.
sandiro 10.01.2018
4. Konkurrenz
Na super, bin gespannt. Aber auch auf die Herstellung notwendiger Batterien in dieser Größenordnung. So wirkt es genauso überzogen wie alle anderen bisherigen Vorstellungen. Nur mit 350 kW ist es wirklich nicht [...]
Na super, bin gespannt. Aber auch auf die Herstellung notwendiger Batterien in dieser Größenordnung. So wirkt es genauso überzogen wie alle anderen bisherigen Vorstellungen. Nur mit 350 kW ist es wirklich nicht übermotorisiert. Oh Gott wie komme ich da los mit meinen 75 Ps aus meiner Garage. Ich denke ich bin ganz schön kriminell nicht schon lange mit über 300 kW zu fahren - zum Supermarkt.
sabaro4711 10.01.2018
5. I think my pig pipes
Ich werde wohl nie verstehen, was andere Leute so toll daran finden, mit einer rollenden Sendestation durch die Gegend zu fahren, die allen bekannten (oder unbekannten/unerwünschten) Institutionen mitteilt, wo ich mich gerade [...]
Ich werde wohl nie verstehen, was andere Leute so toll daran finden, mit einer rollenden Sendestation durch die Gegend zu fahren, die allen bekannten (oder unbekannten/unerwünschten) Institutionen mitteilt, wo ich mich gerade befinde oder das Jahr über befunden habe. Oder wollen nur die Konzerne und zwangsweise dahin führen? Mal abgesehen davon, dass die ganzen Spielsachen teuer in der Reparatur sind. Wo jetzt schon fast keiner mehr bei den modernen Kisten selber eine Birne in Scheinwerfer wechseln kann und jede Dorfwerkstatt bei dem Computer-Schnickschnack nur noch an den Hersteller weiweisen kann/muss.
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