Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

General Motors stellt Elektroauto ein

Das hat Amerika nicht gevolt

Der Chevrolet Volt sollte General Motors zum Elektroautopionier machen. Nun stellt der US-Konzern das Modell ein, das Amerika polarisiert hat.

GM
Nachruf auf eine Technik-Ikone von und
Donnerstag, 29.11.2018   21:34 Uhr

General Motors (GM) will sparen, knapp sechs Milliarden Dollar. Dafür streicht der Konzern rund 15.000 Stellen und sechs Modelle. Darunter ist eines, das wie kein anderes für den Aufbruch des Unternehmens in die Zukunft stand - aber auch für dessen halbherzige Umsetzung: das Elektroauto Chevrolet Volt.

Gerade für einen US-Konzern war der 2007 erstmals präsentierte Wagen eine kleine Revolution. Batterieantrieb statt der sonst oft üblichen Achtzylinder, verpackt in einer recht kompakten Karosserie, Motto: Jeder kann sich ändern.

Diese Veränderung war in Detroit damals dringend nötig. GM stand angesichts eines Verlusts von mehr als 30 Milliarden Dollar und steigender Ölpreise vor riesigen Problemen. Auf der Detroiter Autoshow 2007 präsentierte GM dann den Volt als echte Überraschung. Ein derart ausgereiftes Konzept für ein viertüriges E-Auto suchte seinesgleichen.

Der Volt war eine schnelle Antwort auf Tesla. Die Kalifornier hatten nur ein Jahr zuvor den Roadster gezeigt, der als Ursprung einer neuen Generation von Elektroautos galt. Die Erwartungen an den Volt waren von Anfang an hoch. 45.000 Stück wollte Chevrolet im Jahr verkaufen.

Die Begeisterung währte jedoch nur kurz, und bald hatte es GM mit dem Volt nicht mehr eilig. Zwar war die endgültige Version bereits 2008 fertig, zum 100. Geburtstag des GM-Konzerns. Bis Kunden das Auto kaufen konnten, sollte es aber noch dauern. Der Konzern meldete zwischenzeitlich Insolvenz an. Steigende Benzinpreise und die Finanzkrise hatten die Verkaufszahlen einbrechen lassen. Das warf die Pläne mit dem Volt durcheinander.

Fotostrecke

Chevrolet Volt wird eingestellt: Aufstieg und Fall eines Elektroautos

Schließlich rettete der Staat den Konzern und damit auch den Chevrolet Volt. Der kam 2010 doch auf den Markt, immer noch mit großem Vorsprung vor vielen Konkurrenten: Die E-Versionen von Golf, Smart oder auch der BMW i3 waren noch Zukunftsmusik, und so zählte der staubige GM-Konzern plötzlich zur automobilen Avantgarde.

Mit dem kompakten Nissan Leaf gab es nur einen wirklichen Konkurrenten im Elektrosegment. Mitsubishis i-Miev war zu klein und der Tesla Roadster viel zu teuer, um als direkter Wettbewerber zu gelten. Zudem waren diese drei Fahrzeuge als reine E-Autos konzipiert - anders als der Volt mit seiner einzigartigen Technik.

Im Chevy arbeiteten zunächst zwei Elektromotoren mit 150 PS und 75 PS, ein Lithium-Ionen-Akku mit 17,1 Kilowattstunden Kapazität und ein 1,4-Liter-Benzinmotor mit 86 PS. Was rückblickend wie ein herkömmlicher Plug-In-Hybrid erscheint, war 2010 eine Ikone des technischen Fortschritts in der Autobranche. Ein Fahrzeug, das die tägliche Strecke bis zur Arbeit oder zum Einkaufen ausschließlich elektrisch zurücklegt, aber im Bedarfsfall durch Zuschalten des Verbrennungsmotors eine Reichweite von rund 500 Kilometern hat.

Rechte Scharfmacher arbeiteten sich am Volt ab

GM selbst bewarb den Volt damals als Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerung, das bis zu 56 Kilometer elektrisch fahren konnte - wie gemacht für viele Pendler in den USA. Dabei konnte der Fahrer per Knopfdruck entscheiden, wann der Elektromotor und wann der Verbrenner für Vortrieb sorgt. Im "Hold-Modus" übernahm der Benzinmotor und man konnte die Energie aus der Batterie für spätere Fahrten, beispielsweise in der Stadt oder in Umweltzonen, sparen.

Das linksliberale Amerika begrüßte den Volt als späten Versuch, endlich etwas gegen den Klimawandel zu tun. GM richtete sich in der Werbung gezielt an Progressive - zum Beispiel in einer Anzeige, in der sich der Volt als elektrisch "outete" - wie ein Homosexueller.

Rechte Scharfmacher fühlten sich vom Volt hingegen provoziert. "Er wird zu jeder Menge Scheidungen führen", prophezeite Moderator Neil Cavuto. Schließlich würden Ehepaare darüber streiten, wer vergessen habe, das Auto nachts aufzuladen.

GM schuf weitere Probleme selbst: 2011 ging ein Wagen nach einem Crashtest in Flammen auf. All dies schadete der Popularität des Volt schwer. In den USA verkaufte er sich innerhalb von neun Jahren und zwei Generationen insgesamt nur 157.081-mal - im Schnitt rund 17.500 pro Jahr, weit entfernt vom ursprünglichen Ziel von 45.000.

Als Opel Ampera floppte der Wagen vollends

Der Feuerunfall hatte auch für die Einführung des Autos in Europa Folgen. Opel musste die Auslieferung des baugleichen Modells Ampera in Deutschland verschieben.

In Rüsselsheim galt der Wagen zunächst ebenfalls als Hoffnungsträger nach der großen Autokrise. Etwa 12.000 umweltbewusste Kunden würden sich pro Jahr für einen Ampera entscheiden, hofften die Vertriebsmanager. "Wir könnten aber auch noch mehr verkaufen", prahlte der damalige Chef Karl-Friedrich Stracke.

Tatsächlich lief es noch viel schlechter als in den USA. Im ersten vollen Zulassungsjahr 2012 verkauften die Rüsselsheimer 828 Amperas, danach wurden es stetig weniger. Dass es um das Auto nicht gut stand, deutete GM-Vizechef Steve Girsky bereits 2013 am Rande des Autosalons in Genf an: "Alle europäischen Regierungen haben immer gesagt, 'Wir wollen E-Autos, wir wollen E-Autos!' Jetzt haben wir eines gebaut, und keiner kauft es!"

Fotostrecke

Sparplan von GM: Diese Modelle werden eingestellt

GM handelte zu halbherzig

Ein weiterer Grund für den Misserfolg war vermutlich der hohe Preis. Die erste Generation des Volt kostete in den USA bei Einführung 39.700 Dollar, der Opel Ampera 43.000 Euro. Zu diesem Preis bekam man auch sparsame Dieselautos, die größer und luxuriöser waren - oder sogar ein reines Elektroauto. Der Nissan Leaf war beispielsweise einige Tausend Euro billiger.

Zudem bekam der Ampera Konkurrenz aus dem eigenen Konzern: Mutterkonzern GM beschloss, auch das Original, den Chevrolet Volt, auf dem deutschen Markt anzubieten.

Auch so kam der Elektropionier nicht aus der Nische, weil GM erneut halbherzig vorging. Den Volt gab es in Deutschland anfangs nur bei zehn von 350 Chevrolet-Händlern. Das Problem: Sie mussten die Investitionen für Ladesäulen und die Schulung der Servicemitarbeiter für Elektroantriebe selbst zahlen.

So bleibt vom Chevrolet Volt die Erinnerung an ein innovatives Fahrzeugkonzept, mit dem General Motors zum Elektroautopionier hätte aufsteigen können - wenn der Konzern das Fahrzeug meistens nicht so lustlos vermarktet hätte. Für E-Auto-Fans bleibt der Trost, dass GM die eingesparten sechs Milliarden zum Teil in die Entwicklung neuer Elektroautos investieren möchte. Vielleicht nutzt GM ja diese Chance.

insgesamt 30 Beiträge
viethto 29.11.2018
1. Super Auto
Da ist in der Fotostrecke aber einiges durcheinandergegangen. Schwestermodell des Volt ist der Ampera, Schwestermodell des Volt 2 aber keineswegs der Ampera-e. Der gehört vielmehr zum Bolt, der Volt 2 wurde nie als Opel [...]
Da ist in der Fotostrecke aber einiges durcheinandergegangen. Schwestermodell des Volt ist der Ampera, Schwestermodell des Volt 2 aber keineswegs der Ampera-e. Der gehört vielmehr zum Bolt, der Volt 2 wurde nie als Opel verkauft. Schade eigentlich, denn er ist beeindruckend alltagstauglich, leise und bequem. Noch mehr als der Ampera, der mir alltäglicher Begleiter ist.
AntiGravEinheit 29.11.2018
2.
Bei den Bildern ist hier und da im Kommentar etwas durcheinander gekommen. Da wird der Volt plötzlich mal als Bolt bezeichnet, welcher aber der BEV, also ein ganz anderes Auto ist. Und dann soll der weiterentwickelte Volt, der [...]
Bei den Bildern ist hier und da im Kommentar etwas durcheinander gekommen. Da wird der Volt plötzlich mal als Bolt bezeichnet, welcher aber der BEV, also ein ganz anderes Auto ist. Und dann soll der weiterentwickelte Volt, der übrigens Volt II heißt, in Deutschland der Ampera-E sein. Nein, denn Bolt = Ampera-E. Den Volt II gibt es in Europa nicht auf normalem Weg.
Falsche Küste 29.11.2018
3. Irreführung
Tolle Irreführung im Titel. Der Volt ist doch kein Elektroauto, sondern ein Hybride. Außerdem ist der Benzinmotor kein richtiger Motor, sondern ein Generator, der lediglich die Batterie auflädt, aber den Wagen nicht direkt [...]
Tolle Irreführung im Titel. Der Volt ist doch kein Elektroauto, sondern ein Hybride. Außerdem ist der Benzinmotor kein richtiger Motor, sondern ein Generator, der lediglich die Batterie auflädt, aber den Wagen nicht direkt antreibt. Und dann noch die erwähnten Schludrigkeiten mit den Bildunterschriften. Anfangs hatte der Volt auch keine so große Batterie wie heute, sondern kam rein elektrisch nur etwa 40 Meilen weit.
Andreas-Schindler 29.11.2018
4. Den Opel Ampera gab es nur in geringen Stückzahlen
Es gibt genug Artikel über den Opel Ampera und Kunden die gerne dieses Auto gekauft hätten. Wen der Händler nicht Nein gesagt hätte. Den Ampera gab es nur in begrenzter Stückzahl und das Teilweise nur auf Leasing. Jetzt zu [...]
Es gibt genug Artikel über den Opel Ampera und Kunden die gerne dieses Auto gekauft hätten. Wen der Händler nicht Nein gesagt hätte. Den Ampera gab es nur in begrenzter Stückzahl und das Teilweise nur auf Leasing. Jetzt zu Jammer das der Kunde diese Autos nicht wollte stimmt so nicht. Das Problem lag auch bei GM.
r.bauer3000 29.11.2018
5. Nicht der erste (Fehl-)versuch
https://de.m.wikipedia.org/wiki/General_Motors_EV1
https://de.m.wikipedia.org/wiki/General_Motors_EV1

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP