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Mobilität

Abgase

So weit sind die Autohersteller von ihren Verbrauchszielen entfernt

In spätestens drei Jahren dürfen Neuwagen in der EU nur noch 95 Gramm CO2 ausstoßen, das entspricht einem Verbrauch von 4,1 Liter Benzin. Einer Studie zufolge drohen einige Hersteller, die Ziele zu verfehlen.

Ford
Von
Donnerstag, 12.07.2018   16:32 Uhr

Für die Autohersteller in Europa wird es langsam eng. In drei Jahren treten in der EU strengere CO2-Werte für Neuwagen in Kraft, aber noch keine Automarke erfüllt den vorgegebenen Wert schon heute. Eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT), der auch den VW-Abgasskandal maßgeblich mit aufdeckte, geht davon aus, dass Hersteller wie Toyota ihr Ziel locker erreichen werden. Auf andere Marken werden hingegen noch gewaltige Anstrengungen zukommen, die Werte rechtzeitig einzuhalten. Andernfalls drohen Strafen, die bis in die Milliardenhöhe gehen können.

Bis 2021 dürfen alle neu zugelassenen Pkw in der EU durchschnittlich maximal nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dies entspricht einem Verbrauch von 4,1 Liter Benzin, beziehungsweise 3,6 Liter Diesel. Die Grenzwerte der einzelnen Hersteller variieren und richten sich nach dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht eines Autobauers. So kommt es, dass der derzeitige Grenzwert von Daimler im Jahr

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Abgase: Die Hersteller im CO2-Check

2021 bei 103 Gramm liegt, der von Fiat Chrysler (FCA) hingegen nur bei 91 Gramm. Was am Ende zählt ist, dass alle in der EU zugelassenen Neuwagen durchschnittlich 95 Gramm CO2 ausstoßen.

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Die Erhebung der Wissenschaftler zeigt, wie weit die Hersteller derzeit noch von Ihren Zielen entfernt sind. "Bei den deutschen Premiumherstellern mache ich mir wenig Sorgen, da diese stark auf Plug-in-Hybride setzen", sagt Peter Mock vom ICCT. Modelle, die E- und Verbrennungsmotor kombinieren, haben derzeit große Vorteile bei der Verbrauchs- und Abgasmessung. Die dort ermittelten Werte entsprechen noch weniger der Realität als die von Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb.

Fiat Chrysler hat kein einziges E-Auto im Programm

Bei einigen ausländischen Herstellern sieht es bislang nicht so aus, als wäre die Erreichung des Grenzwertes überhaupt sicher. Der FCA-Konzern beispielsweise hat kein einziges Elektro- oder Hybridauto im Angebot, das zu einer Senkung des durchschnittlichen Flottenverbrauchs beitragen könnte. Mit einer Differenz von 29 Gramm ist der Autokonzern am weitesten vom Grenzwert für 2021 weg. Wie es um die anderen großen Hersteller steht, zeigt die Bildergalerie.

insgesamt 109 Beiträge
WhamO 12.07.2018
1.
Was ich immer noch nicht verstanden habe... Jeder Autobauer bietet doch verschiedene Motorisierungen an, von denen einige im Normverbrauch immer deutlich über dem Zielwert liegen werden. Was wird die Kunden daran hindern, zu [...]
Was ich immer noch nicht verstanden habe... Jeder Autobauer bietet doch verschiedene Motorisierungen an, von denen einige im Normverbrauch immer deutlich über dem Zielwert liegen werden. Was wird die Kunden daran hindern, zu viele von diesen Modellen zu kaufen, als dass der Autobauer über alle verkauften Autos den Durchschnitt erreichen kann? Soll der Autobauer sich ins eigene Flesich schneiden und die Stückzahl dieser Motorisierungen von vorneherein begrenzen? Damit würde er sich ins eigene Fleisch schneiden, und sicher eher die Strafzahlungen in Kauf nehmen... Also wie soll das ganze funktionieren?
LuPy2 12.07.2018
2. Wie die deutsche
Automobilindustrie die geforderten Messwerte erreichen wird, hat sie in den letzten Jahren gezeigt: Betrug auf dem Prüfstand. Wie wäre es, die Messung im laufenden Straßenverkehr unter Realbedingungen vorzuschreiben? Dabei [...]
Automobilindustrie die geforderten Messwerte erreichen wird, hat sie in den letzten Jahren gezeigt: Betrug auf dem Prüfstand. Wie wäre es, die Messung im laufenden Straßenverkehr unter Realbedingungen vorzuschreiben? Dabei bitte nicht die ersten 50 von 100 km unter Strom, sondern den Verbrauch für eine Tankfüllung und dann heruntergerechnet auf 100 km bzw. Ausstoß auf einen km angeben müssen. Über Jahrzehnte haben unsere AutokanzlerInnen die "Premiumhersteller" gepudert und beschützt vor der pösen Konkurrenz aus dem pösen Ausland. Das fällt ihnen hoffentlich bald auf die Füße!
vitalik 12.07.2018
3.
Die Aussage zu den Hybriden ist genial. Auf der einen Seite schafft man nur durch die Hybrid-Fahrzeuge die festgelegte Grenze zu erreichen und auf der anderen Seite sind die Hybrid-Fahrzeuge, diejenigen bei denen die Realen und [...]
Die Aussage zu den Hybriden ist genial. Auf der einen Seite schafft man nur durch die Hybrid-Fahrzeuge die festgelegte Grenze zu erreichen und auf der anderen Seite sind die Hybrid-Fahrzeuge, diejenigen bei denen die Realen und die gemessenen Werte am weitesten auseinander liegen. Mit anderen Worten erreicht man die EU Werte nur, wenn man noch mehr als heute betrügt. Da ist die Einführung der neuen Grenzwerte ja richtig sinnvoll. Am Ende ist der kleine Italiener mit einem reinen Sauger Motor besser für die Umwelt, als der Super aufgeladenen Hybridmotor der Premiumhersteller.
helmut.alt 12.07.2018
4. Das ganze Konzept geht an der Wirklichkeit vorbei,
denn die Fahrleistung des Einzelnen wird nicht berücksichtigt. Ein Sonntagsfahrer, der im Jahr 6000 km mit einem verbrauchsreichen Auto zurücklegt, produziert längst nicht so viel CO2 wie ein Handelsreisender, der mit einem [...]
denn die Fahrleistung des Einzelnen wird nicht berücksichtigt. Ein Sonntagsfahrer, der im Jahr 6000 km mit einem verbrauchsreichen Auto zurücklegt, produziert längst nicht so viel CO2 wie ein Handelsreisender, der mit einem sparsamen Auto im Jahr 60000 km fährt.
rockogranata 12.07.2018
5. Strafzahlungen werden im Kaufpreis eingerechnet
Die Strafzahlung wird vom Hersteller im Kaufpreis des Modells berücksichtigt. Bei BMW kann man das ganz interessant sehen: Nach Elektroprämie ist ein 5er ausstattungsbereinigt als 530e (Hybrid) etwas günstiger als der 530i [...]
Zitat von WhamOWas ich immer noch nicht verstanden habe... Jeder Autobauer bietet doch verschiedene Motorisierungen an, von denen einige im Normverbrauch immer deutlich über dem Zielwert liegen werden. Was wird die Kunden daran hindern, zu viele von diesen Modellen zu kaufen, als dass der Autobauer über alle verkauften Autos den Durchschnitt erreichen kann? Soll der Autobauer sich ins eigene Flesich schneiden und die Stückzahl dieser Motorisierungen von vorneherein begrenzen? Damit würde er sich ins eigene Fleisch schneiden, und sicher eher die Strafzahlungen in Kauf nehmen... Also wie soll das ganze funktionieren?
Die Strafzahlung wird vom Hersteller im Kaufpreis des Modells berücksichtigt. Bei BMW kann man das ganz interessant sehen: Nach Elektroprämie ist ein 5er ausstattungsbereinigt als 530e (Hybrid) etwas günstiger als der 530i (Benziner) und deutlich günstiger als der 530d (Diesel). Trotz der teuren Akku- und Elektrotechnik im Hybrid wird quasi kein Aufpreis fällig. Das hat sicherlich Lenkungsfunktion für viele Käufer. Bei Mercedes-Benz gab es eine ganze Weile besondere Leasing-Konditionen für Hybridkäufer mit teilweise negativen Zinsen. Konventionelle Motorisierungen haben diese Konditionen nicht bekommen. Dazu kommen die Steuervorteile für Autos mit geringem CO2-Ausstoß, so dass sich der finanzielle Vorteil durch Steuern, geringer Verbrauch, Prämien usw. beim erwähnten BMW über eine Nutzungsdauer von drei Jahren beim Hybrid auf einige tausend Euro summiert. Zwar sind die Hybride durch die Gestaltung der NEFZ-Verbrauchsmessung noch weiter von der Realität entfernt wie Diesel und Benziner, jedoch ist auch in der Realität auf der Straße der Verbrauchsvorteil deutlich nachvollziehbar, auch ohne Plug-In-Lademöglichkeit. Der Weg ist in meinen Augen richtig und man sollte auch nicht vergessen, dass die Hybridisierung der Autos noch nahezu am Anfang steht. Da wird noch viel kommen, genauso wie sich der Diesel seit Beginn seines Siegeszugs Anfang der 90er bis heute erheblich weiterentwickelt hat.

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