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Mobilität

Steuerrabatt

Für wen sich ein Elektroauto als Dienstwagen lohnt

Die Bundesregierung senkt die Steuern für umweltfreundliche Dienstwagen um die Hälfte. Lohnt sich das Elektroauto auf Firmenkosten? Die Fakten im Überblick.

DPA

Parkplatz vor einer Ladesäule für E-Autos

Von und
Mittwoch, 01.08.2018   14:08 Uhr

Wie funktioniert die Förderung?

Die Bundesregierung gewährt Nutzern von umweltfreundlichen Dienstwagen ein milliardenschweres Steuergeschenk: Der geldwerte Vorteil, also der Betrag, den die Fahrer eines Dienstwagens als Zuschlag auf ihr Gehalt versteuern müssen, wird bei Plug-in-Hybriden und E-Autos halbiert. Das steht in dem Gesetzestext, der SPIEGEL ONLINE vorliegt und nun vom Kabinett verabschiedet wurde. Eine Zustimmung des Bundesrates steht noch aus.

Das gilt sowohl bei der Abrechnung über ein Fahrtenbuch, als auch bei der Pauschalisierungsmethode, hier wird monatlich ein Prozent des Listenpreises versteuert. In Zukunft wird nur noch der halbe Listenpreis als Berechnungsgrundlage herangezogen, dadurch halbiert sich der zu versteuernde Betrag.

Diese Maßnahme kostet den Staat im Zeitraum von 2019 bis 2021 schätzungsweise knapp zwei Milliarden Euro. Fahrzeuge, die davor oder bis 2023 zugelassen werden, erhalten eine Minderung abhängig von der jeweiligen Batteriekapazität.

Bei welchen Autos ist das besonders attraktiv?

Am interessantesten ist die neue Berechnung bei E-Autos, deren Bruttolistenpreis nah an dem eines vergleichbaren Verbrenners liegt, zum Beispiel beim VW Golf: Bei einer TDI-Variante muss der Nutzer rund 320 Euro pro Monat versteuern, beim E-Golf dagegen nur bei 142 Euro.

Je höher der Listenpreis ausfällt, desto höher ist auch der eingesparte Betrag. So müssen beispielsweise Fahrer eines Tesla-Model S P100D rund 660 Euro im Monat weniger versteuern. Diese Unterschiede erhöhen sich aufgrund des progressiven Steuersatzes außerdem mit steigendem Einkommen - Besserverdiener hätten also mehr von diesem Steuergeschenk.

Warum macht die Bundesregierung das?

Der Abgasskandal setzt die große Koalition unter Druck. In manchen Innenstädten ist die Luft immer noch stärker mit Stickoxiden belastet als erlaubt - auch wegen zu dreckiger Autos. Deshalb hat die EU-Kommission Deutschland verklagt. Emissionsarme Fahrzeuge könnten das Problem entschärfen.

Die Bundesrepublik hinkt zudem den für 2020 selbstgesteckten Klimazielen hinterher, bis dahin sollen 40 Prozent Kohlendioxid (CO2) im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Auch der Ausstoß von CO2 lässt sich mit Stromfahrzeugen senken - besonders, wenn für Herstellung und Fahren Ökostrom verwendet wird. Dessen Anteil wächst in Deutschland.

Mit dem Gesetz verfolgt Berlin auch industriepolitische Motive. Deutsche Autohersteller sollen bei Elektroautos eine führende Rolle einnehmen. Ohne Verkaufserfolge auf dem Heimatmarkt wird das kaum klappen. Die Bundesregierung will, dass bis 2020 eine Million solcher Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Anfang Januar 2018 waren aber erst knapp 100.000 Elektroautos zugelassen (inklusive Plug-in-Hybriden).

Wo ist der Haken?

Es ist keinesfalls sicher, dass Autofahrer von ihrem Arbeitgeber bald massenweise Elektro-Dienstwagen bekommen. Aus Sicht der Chefs und der Fahrer muss das Auto genauso gut geeignet sein wie ein Wagen mit Verbrennungsmotor - finanzielle Vorteile hin oder her. Eine geringe Reichweite des Autos, lange Lieferzeiten und zu wenig Stromzapfsäulen würden in vielen Fällen gegen einen Elektro-Dienstwagen sprechen.

"In ländlichen Regionen ohne entsprechende Ladeinfrastruktur werden Elektroautos keine Option sein", sagt der Deutschlandchef des Leasing-Dienstleisters Arval, Marcus Schulz. "Auf Langstrecken ist und bleibt der Diesel die einzige sinnvolle Option." Am ehesten räumt Schulz Plug-in-Hybriden Chancen bei Dienstwagen-Fahrern und Flottenmanagern ein, da ein Verbrennungsmotor ihre Reichweite verlängert.

Ein Boom dieser Fahrzeuge könnte dem klimapolitischen Ziel der Steuervergünstigung jedoch zuwiderlaufen. Die Halter haben kaum einen Anreiz, umweltfreundlich mit Strom zu fahren - auch das Benzin zahlt ja der Arbeitgeber. Aufgrund einer ähnlichen Dienstwagenregel in den Niederlanden legten sich Autofahrer vor einigen Jahren tausendfach Plug-in-Hybride zu, fuhren diese aber überwiegend mit Benzin oder Diesel.

"Mit Verkehrswende oder Klimaschutz hat das nichts zu tun", erklärte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Paus. Die Bundesregierung solle stattdessen die Besteuerung aller Dienstwagen grundlegend ökologisch reformieren, so Paus weiter.

Wer profitiert davon?

Entfaltet das Steuergeschenk seine erwünschte Wirkung, würden zunächst Fans von Elektroautos profitieren. Überzeugen sie ihren Arbeitgeber, ein solches Fahrzeug anzuschaffen, zahlen sie deutlich weniger Steuern als für ein vergleichbares Auto mit reinem Verbrennungsmotor. Dabei gilt: Je teurer das Auto, desto größer die Ersparnis.

Auch die Autoindustrie darf sich freuen. Ihre oft nicht ganz billigen E-Wagen fänden mehr Käufer. Das hilft den Herstellern, ihre Klimaziele zu erreichen. Bis 2021 dürfen Autos in Europa im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Reine Elektroautos zählen dabei mit 0 Gramm, Plug-in-Hybride kommen oft deutlich unter 50 Gramm.

insgesamt 78 Beiträge
RalfBukowski 01.08.2018
1. Solange...
...in diese Rechnungen die blödsinnigen Plugin-Hybride mit aufgenommen werden, bleibt das alles Unsinn, zumindest vom Umweltgedanken her. Da werden dann nämlich gerade die großen (und teuren) Hybrid-SUVs bevorteilt. Und mir [...]
...in diese Rechnungen die blödsinnigen Plugin-Hybride mit aufgenommen werden, bleibt das alles Unsinn, zumindest vom Umweltgedanken her. Da werden dann nämlich gerade die großen (und teuren) Hybrid-SUVs bevorteilt. Und mir soll keiner erzählen, dass der Anzugträger abends den Stecker irgendwo einstöpselt, um am nächsten Tag mal ein (kleines) Stück rein elektrisch/emissionsfrei fahren zu können... Wenn der Elektromotor genutzt werden sollte, dann um irgendwen auszubeschleunigen.
triptychon5zehn 01.08.2018
2. Wenn es so einfach wäre.
Es gibt nur nicht genug Akkumulatoren um den Bedarf zu decken...die Forschung in der Richtung wurde leider nie vorangetrieben und kam erst seit dem Siegeszug der Smartphones auf Touren. Eine Lösung für Batterienknappheit gibt es [...]
Es gibt nur nicht genug Akkumulatoren um den Bedarf zu decken...die Forschung in der Richtung wurde leider nie vorangetrieben und kam erst seit dem Siegeszug der Smartphones auf Touren. Eine Lösung für Batterienknappheit gibt es bisher aber nicht und umweltfreundlich oder nachhaltig sind alle Lösungen bisher auch nicht. Genauso wenig übrigens wie Elektroautos, wenn diese niciht mit Strom aus nachwachsenden Rohstoffen "betankt" werden (was die Regierung allerdings nicht weiter interessieren dürfte). Das Konzept "eigenes Auto" hat ausgedient, Elektroautos bezeichnen den Übergang zu etwas neuem/alten. Mal sehen wann es soweit ist.
w.a.groening 01.08.2018
3. Ich könnte schreien!
Wäre es für die zu erreichenden Ziele nicht sinnvoller die Euro 5 Diesel mit den erforderlichen Umrüstungen zu fördern, natürlich mit finanziellen Beitrag der Autohersteller? Nun wieder die großen teuren Fahrzeuge!! Schade, [...]
Wäre es für die zu erreichenden Ziele nicht sinnvoller die Euro 5 Diesel mit den erforderlichen Umrüstungen zu fördern, natürlich mit finanziellen Beitrag der Autohersteller? Nun wieder die großen teuren Fahrzeuge!! Schade, aber vielleicht hilft ja noch der Bundesrat für die Korrektur, hoffentlich!
isp 01.08.2018
4. Vorteil: nur Abgase in der Innenstadt und Subvention für Autobauer
Für die Klimawende bringen E-Autos in der Tat gar nichts solange auch nur ein kleiner Teil des Stroms konventionell erzeugt wird. Weil jede zusätzliche kwh eben konventionell erzeugt wird. Trotzdem werde ich meine PV in [...]
Für die Klimawende bringen E-Autos in der Tat gar nichts solange auch nur ein kleiner Teil des Stroms konventionell erzeugt wird. Weil jede zusätzliche kwh eben konventionell erzeugt wird. Trotzdem werde ich meine PV in ein paar Jahren, wenn die Subvention ausläuft, für eine eigene E-Tankstelle nutzen. Dann wird Eigenverbrauch von Sonnenstrom Gewinn bringen. Aber nicht fürs Klima - da ist es egal.
je_pense 01.08.2018
5. Gute Idee!
Die Idee an sich ist sehr gut, hierdurch wird der E-Autoanteil an den zugelassenen KFZ schnell gesteigert. Jedoch hat die Sache einen Haken: Da der Chef bei den Hybriden dennoch den Sprit bezahlt wird sich am Fahrverhalten der [...]
Die Idee an sich ist sehr gut, hierdurch wird der E-Autoanteil an den zugelassenen KFZ schnell gesteigert. Jedoch hat die Sache einen Haken: Da der Chef bei den Hybriden dennoch den Sprit bezahlt wird sich am Fahrverhalten der Dienstwagennutzer bei Hybriden wahrscheinlich nicht ändern. Hinsichtlich des CO2 Ausstoß bringt diese Regelung nur auf dem Papier etwas.

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