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Mobilität

Abgasskandal

Audi räumt Fälschung von Fahrgestellnummern ein

Audi hat jahrelang Fahrgestellnummern von Testautos gefälscht und so die Aufklärung des Abgasskandals in Korea behindert. Die Vorgänge wurden offenbar von Deutschland aus gesteuert.

Getty Images/ Bloomberg

Audi A3 bei Abgasprüfung in Südkorea

Montag, 08.10.2018   14:48 Uhr

Audi hat für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht. Die Volkswagen-Tochter habe Abgasvorschriften nicht einhalten können, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) aus einem internen Audi-Prüfbericht. Das Unternehmen habe sich mit falschen Angaben die Zulassung von Autotypen erschlichen.

Ein Audi-Sprecher bestätigte dem SPIEGEL die Informationen. Es habe sich um eine "Folgestraftat" gehandelt. Zunächst hätten Mitarbeiter des Unternehmens Emissionswerte gefälscht. Um die Nachprüfung zu erschweren, seien Testfahrzeugen falsche Fahrgestellnummern zugeordnet worden.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt bereits seit einigen Monaten in der Sache gegen Audi, und zwar wegen Betrugsverdachts, wie die "Süddeutsche" weiter berichtet. Im Visier der Ermittler sind drei Audi-Beschäftigte; darunter seien keine heutigen oder früheren Vorstandsmitglieder. Es handele sich aber um leitende Angestellte, sagte der Audi-Sprecher.

Schadstoffwerte und Kraftstoffverbrauch betroffen

In Südkorea haben Gerichte bereits Urteile zu dem Fall gesprochen. Auch personelle Maßnahmen seien die Folge gewesen, wie Audi bestätigte. Das Unternehmen habe die Verfehlungen "selbst aufgedeckt". Der lokale Dienstleister, der für die Marken des Konzerns in Korea tätig war, sei ausgetauscht worden.

Gesteuert wurden die Vorgänge indes offenbar aus Deutschland. Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm hätten die Testprotokolle manipuliert, schreibt die SZ.

Betroffen waren dem Bericht zufolge Schadstoffwerte und Kraftstoffverbrauch. Testdaten und Kilometerzahlen der betreffenden Autos seien manipuliert worden, um vorzutäuschen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. In 18 Fällen sei eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden. Die Unterlagen seien dann nach Südkorea geschickt worden.

Audi informierte Staatsanwaltschaft nicht

Die Dokumente, die zu dem neuen Ermittlungsverfahren führten, waren den Strafverfolgern laut Bericht bei einer Razzia wegen der Abgasaffäre im März 2017 in der Ingolstädter Audi-Zentrale in die Hände gefallen. Von sich aus habe die VW-Tochter die Ermittler nicht eingeschaltet. "Audi hat die Staatsanwaltschaft nicht informiert", teilte die Behörde der Zeitung auf Anfrage mit.

Der Prüfbericht der Audi-Revision zu Südkorea trägt der "SZ" zufolge das Datum 14. Juli 2016. Auf dem Verteiler des Berichts stand demnach an erster Stelle der ehemalige Vorstandschef Rupert Stadler, gefolgt von weiteren Managern.

nis/afp

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