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Mobilität

Eishobel im Test

Schlitterfahrt mit Monstrum

Glatteis? Blitzeis? Reifglätte? Für den Eishobel ein Kinderspiel. Die tonnenschwere Maschine besteht nicht nur jeden Schlittertest, sondern sorgt in den Eislauf-Arenen der Welt dafür, dass es noch glatter wird. SPIEGEL ONLINE war mit dem Koloss unterwegs.

Foto: SPIEGEL ONLINE
Von Jürgen Pander
Mittwoch, 02.02.2011   06:07 Uhr

Die letzten Schlittschuhläufer sind vom Eis, still liegt die Fläche in der Dunkelheit. 4300 Quadratmeter gefrorenes Wasser im Hamburger Park "Planten un Blomen", angeblich ist es die größte Freiluft-Kunsteisbahn Europas. Zweieinhalb Stunden Eislaufen kosten hier in der "Indoo Eisarena" 4,50 Euro. Doch wir sind nicht zum nächtlichen Kufenspaß hier, sondern für ein wahrhaft glattes Experiment: Was taugt eine Eismaschine, wenn man sie mal richtig in Fahrt bringt? Wie sind Beschleunigungsvermögen, Kurvenlage, Fahrkomfort? Und vor allem: Besteht das kolossale Trumm den so genannten Pinguin-Test?

Das Testfahrzeug auf dem spiegelglatten Untergrund ist eine Eisbearbeitungsmaschine des französischen Herstellers Dupon vom Typ Okay 3000 aus dem Jahr 1995. Ein 75 PS starker, 1,8 Liter großer VW-Motor treibt die vier kleinen Räder an, auf denen übrigens Spikes-Reifen von Pirelli aufgezogen sind. Es gibt einen 4000 Liter fassenden Wassertank und eine Art Kofferraum mit rund 2500 Liter Volumen für abgekratzte Schnee- und Eiskristalle. Einen Benzintank gibt es natürlich auch, denn pro Stunde gluckern etwa 12 bis 15 Liter Superbenzin in die Brennkammern.

Wer Eis machen möchte mit dem Gerät, sollte sich mit den dünnen Hebeln im Cockpit auskennen, mit denen die Hydraulik der Messer, Fräsen und Wischer betätigt wird. Das aber brauchen wir für unsere Testfahrt nicht. Um den Eishobel in Bewegung zu setzen, genügt es, am Knopf für die Gasannahme zu ziehen und das rechte Fußpedal zu treten - schon dröhnt der Okay 3000 vorwärts. Das linke Pedal ist zum Rückwärtsfahren, und das Lenkrad funktioniert wie bei jedem anderen Fahrzeug auch. Also los! Erstmal ein paar Kurven und Pirouetten drehen und sich an den Höllenlärm und die erfrischende Kälte in der nach unten offenen Plexiglaskabine gewöhnen.

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Eishobel im Test: Alles läuft glatt
Obwohl der Untergrund glashart und der Hobel knapp drei Tonnen schwer ist, fährt sich das Ding wie in Watte gepackt. Vergleichbar ist das Manövrieren des Eishobels mit dem eines Motorbootes. Lenkradbewegungen werden mit weich angesetzten, geschmeidigen Richtungsänderungen quittiert. Wer also mit diesem Gerät zentimetergenau spiegelblankes Eis herstellen will, braucht schon etwas Übung. Wir probieren es daher erstmal mit dem Pinguin-Test: Mit Höchstgeschwindigkeit wird mit dem orange-braunen Eishobel eine Reihe von Pinguin-Figuren, die sonst kleinen Kindern die ersten Schritte auf dem Eis erleichtern, anvisiert, um dann im allerletzten Moment ein Ausweichmanöver um die Tierfiguren herum aufs Eis zu zaubern. Kein Pinguin kommt zu Schaden, und der Eishobel lärmt nach dem Schlenker zufrieden weiter.

Dass alles glatt geht mit dem Eishobel, ist im Prinzip dem US-Amerikaner Frank J. Zamboni zu verdanken, der 1949 die erste Eisbearbeitungsmaschine überhaupt baute und 1953 in den USA zum Patent anmeldete. Heute gehört die Firma Zamboni zu dem knapp einem Dutzend Herstellern dieser Geräte weltweit. In Deutschland fertigt beispielsweise die Firma Icebear aus Osnabrück pro Jahr rund 50 große Maschinen für Eishockeyarenen, die pro Stück etwa 100.000 Euro kosten und von Elektromotoren angetrieben werden. "Mehr als drei Viertel unserer Kunden kommen aus Nordamerika. Früher dominierten da wuchtige Eismaschinen mit starken V8-Motoren , doch inzwischen achtet man auch dort sehr auf die Schadstoffbelastung in den Eishallen", sagt Icebear-Geschäftsführer Thomas Möllering.

Es gibt sogar Nobel-Eishobel mit Unterbodenbeleuchtung

Den Weltmarkt für große Eishobel, mit denen Eishockeyspielfelder oder große Eiskunstlaufflächen professionell aufbereitet werden, schätzt Möllering auf etwa 500 pro Jahr. Diese Geräte werden zum Beispiel auch von Herstellern wie Icecat (Finnland), Olympia (USA) oder Mulser (Italien) produziert. Darüber hinaus baut im südtiroler Pustertal die Firma Engo Eisbearbeitungsmobile, die von Kennern der Szene schonmal "als Ferrari der Branche" charakterisiert werden. Topmodell von Engo ist derzeit der Typ 230 Red Tiger, der unter anderem mit Chromfelgen, roter oder blauer Unterbodenbeleuchtung sowie beheiztem Sitz und "Heizungsdüsen im Fußbereich" bestellt werden kann und dann bis zu 150.000 Euro kostet.

Derartigen Luxus hat der Dupon Okay 3000, mit dem wir unterwegs waren, nicht zu bieten. Das Gerät ist ja auch keine Drittelpausenattraktion beim Eishockey, sondern eine Arbeitsmaschine, die mehrmals pro Tag für rund eine Stunde im Einsatz ist, um das Eis herzurichten. Und auch wenn die Fahrleistungen des Eishobels auf dem Papier eher dürftig wirken, 15 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ja nun wirklich nicht die Welt: Für das Manövrieren auf spiegelglatten Eis ist der Koloss absolut ausreichend motorisiert. An Spaß hinterm Steuer jedenfalls mangelt es nicht, wenn man mal buchstäblich drauflos hobeln darf.

insgesamt 10 Beiträge
klarseher 02.02.2011
1. Sehr schöner Artikel!
Endlich Mal kein Versuch der politischen Einflußnahme wider dem Willen des Volkes. Witer so!
Zitat von sysopGlatteis? Blitzeis? Reifglätte? Für den Eishobel ein Kinderspiel. Die tonnenschwere Maschine besteht nicht nur jeden Schlittertest, sondern sorgt in den Eislauf-Arenen der Welt dafür, dass es noch glatter wird. SPIEGEL ONLINE*war mit dem*Koloss unterwegs. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,742595,00.html
Endlich Mal kein Versuch der politischen Einflußnahme wider dem Willen des Volkes. Witer so!
barlog 02.02.2011
2.
Beeindruckende Erkenntnisse ! Wann kommt der Mähdrescherfahrbericht mit Maulwurfshügelausweichparcour ?
Beeindruckende Erkenntnisse ! Wann kommt der Mähdrescherfahrbericht mit Maulwurfshügelausweichparcour ?
einuntoter 02.02.2011
3. Sehr
beeindruckend, diese "Einsbearbeitungsmaschine". Die Kamera von meinem Handy macht übrigens weit bessere Bilder. Liebe Spon-Redaktion: Stattet Eure rasenden Reporter doch mal mit vernünftigen Kameras aus.
beeindruckend, diese "Einsbearbeitungsmaschine". Die Kamera von meinem Handy macht übrigens weit bessere Bilder. Liebe Spon-Redaktion: Stattet Eure rasenden Reporter doch mal mit vernünftigen Kameras aus.
Walther I. 02.02.2011
4. Solch Bericht st doch auch ganz nett,
besser als sich über das Politpersonal ärgern zu müssen. Aber ich hätte lieber einen Bericht über die Deutsche Maschine. Etwas mehr Nationalbewußtsein bitte! In Frankreich liest kein Mensch SPON.
besser als sich über das Politpersonal ärgern zu müssen. Aber ich hätte lieber einen Bericht über die Deutsche Maschine. Etwas mehr Nationalbewußtsein bitte! In Frankreich liest kein Mensch SPON.
lezel 02.02.2011
5. rettet dem Dativ!
Und zum Glück auch nicht wider dem Dativ. Viel zu viele Leute ignorieren dem einfach oder ersetzen ihm durch irgendwelchen anderen Fällen, denen man sowieso überall sieht! Gut, daß es Leuten wie Ihnen gibt. Heldenhaft [...]
Zitat von klarseherEndlich Mal kein Versuch der politischen Einflußnahme wider dem Willen des Volkes. Witer so!
Und zum Glück auch nicht wider dem Dativ. Viel zu viele Leute ignorieren dem einfach oder ersetzen ihm durch irgendwelchen anderen Fällen, denen man sowieso überall sieht! Gut, daß es Leuten wie Ihnen gibt. Heldenhaft unterstützen Sie nicht nur dem Dativ, sondern auch dem Volk seinem Willen.

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