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Mobilität

Elektroautovermietung

Und es hat Zoom gemacht

Wer ein E-Auto kaufen will, sollte es vorher im Alltag ausprobieren. Mehrere Anbieter haben sich auf die Vermietung von E-Fahrzeugen spezialisiert. Manche ihrer Kunden wollen den Wagen gleich behalten.

EAV Stuttgart
Von Jürgen Pander
Freitag, 27.07.2018   04:35 Uhr

Natürlich lässt sich stundenlang über Elektroautos diskutieren. Über Drehmoment und Wirkungsgrad, den CO2-Ausstoß bei der Akkuherstellung, die Ladeinfrastruktur, die Reichweite, den hiesigen Strommix und darüber, ob das denn überhaupt "richtige" Autos sind. Und wenn dann alle Vorurteile ausgetauscht sind, ist man keinen Schritt weiter. Ein anderer Ansatz wäre daher: mal stunden- oder besser noch tage- oder wochenlang ein Elektroauto zu fahren, es zu laden, es normal im Alltag zu nutzen. Praxis statt Theorie also - und das geht inzwischen leichter als man meint.

"Wir verstehen uns als Türöffner für Elektromobilität", sagt Stefan Moeller, 42, Mitinhaber der auf Elektrofahrzeuge spezialisierten Autovermietung nextmove in Leipzig. Ende 2016 gründete Moeller gemeinsam mit einem Kompagnon die Firma, damals noch unter dem Namen Strominator, mit zwei Elektro-Kleinwagen vom Typ Renault ZOE. Inzwischen - nach dem Zusammenschluss mit dem thüringischen E-Auto-Vermieter CYX und der Namensänderung in nextmove - verleiht das Unternehmen 180 Fahrzeuge an bislang sieben Standorten in Deutschland. Der Fuhrpark besteht ausschließlich aus Elektroautos, von Renault ZOE bis BMW i3, von Nissan Leaf bis Hyundai Ioniq, von Opel Ampera E bis Renault Kangoo ZE - und natürlich die Tesla-Typen Model S und Model X.

Mal ein Gag, mal ernsthafter Test, mal Geschäftsmodell

Die Kunden, berichtet Moeller, teilten sich in drei Gruppen: "Da gibt es jene, die sich mal einen Tesla für eine Hochzeit oder als Geschenk mieten. Dann gibt es etliche Privatleute, die über den Kauf eines Elektroautos nachdenken, vorher jedoch ausprobieren wollen, ob es zu ihrem Nutzungsverhalten passt. Und dann gibt es Gewerbekunden, die erst einmal risikolos Elektrofahrzeuge für ihre Firma testen wollen und unsere Langzeit-Mietangebote nutzen." Je nach Modell kostet ein E-Auto übers Wochenende ab etwa 200 Euro, für eine Woche ab 350 und für einen Monat ab 750 Euro.

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Elektroautovermietung: Einmal Probestromern

Klassische Mietwagenkunden, die auf die Schnelle ein Auto benötigen und gleich loswollen, klopfen nur selten bei nextmove an. Allein deshalb, weil es bei einem Elektrowagen eben nicht mit einer Unterschrift und der Schlüsselübergabe getan ist. "Die Kunden erhalten bei uns eine gründliche Einweisung", sagt Moeller. Entsprechend reibungslos funktioniert dann die Nutzung. Erst zweimal sei es passiert, dass Kunden mit leerem Akku liegengeblieben seien. "Und das hatte damit zu tun, dass diese Kunden bewusst mal ausprobieren wollten, wie weit sie denn nun wirklich kommen."

Elektromobilität risikolos ausprobieren

"Bei uns gab es noch nie einen Liegenbleiber", berichtet Robin Engelhardt von der Stuttgarter Elektroautovermietung EAV. Eventuell hat das auch damit zu tun, dass das Unternehmen noch ganz am Anfang steht, mit bislang fünf Tesla-Modellen sowie einem Renault ZOE. Reine E-Auto-Vermietungen sind derzeit noch eine Seltenheit, doch das könnte sich rasch ändern, wenn man den Erfahrungen Engelhardts folgt. Die Autos seien "sehr gefragt", häufig würden die Kunden die ursprünglich vereinbarten Mietzeiträume verlängern. Und mindestens zehn EAV-Kunden, so Engelhardt, "haben sich nach den Erfahrungen mit einem unserer Mietwagen ein Elektroauto gekauft." So umgehen sie die normalerweise recht langen Lieferzeiten für Elektroautos, denn bei uns erhalten sie den Wagen kurzfristig."

Auch Moeller hält das jeweilige Nutzungsszenario, für das ein Fahrzeug gesucht werde, für das ausschlaggebende Kriterium, ob ein Elektroauto generell infrage kommt. Und dann gebe es ja auch noch große Unterschiede zwischen den einzelnen E-Auto-Modellen. Kurz gesagt: Versuch macht klug. Darauf basiert letztlich die Geschäftsidee von nextmove.

Kurzfristig mal ein Elektroauto fahren, das bietet auch das Daimler-Carsharing-Unternehmen Car2go. In Stuttgart (550 Elektro-Smart), Madrid (500) und Amsterdam (350) ist die Firma mit rein elektrischen Fahrzeugflotten vertreten, bis Ende 2019 sollen weitere 400 Elektro-Smarts in Hamburg dazukommen. Elektrische Fahrerfahrungen können Carsharing-Kunden also, zumindest an einigen Standorten, durchaus sammeln. Den elektrischen Mobilitätsalltag - Ladesäule suchen, Ladekabel anschließen, Reichweitenplanung - lernt man bei solchen Kurzzeitfahrten eher nicht kennen.

Wie lassen sich E-Auto-Erfahrungen sammeln?

Dass Autovermietungen durchaus ein Faktor sein können für eine weitere Verbreitung von Elektrofahrzeugen, das sieht auch der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands e.V. (BAV) so. Allerdings, so ein Verbandssprecher, müssten die großen Unternehmen der Branche dazu "mit einer erheblichen öffentlichen Förderung überredet werden", denn Elektromobilität sei derzeit noch erklärungsbedürftig, kompliziert und störanfällig. Erich Sixt, 73, Gründer der gleichnamigen Autovermietung, geht sogar noch weiter, indem er unlängst verkündete: "Ich glaube nicht an E-Autos, das ist politisch ein schwerer Fehler."

SIXT

Elektroflotte der Autovermietung Sixt auf Sylt

Dennoch ist Sixt - anders als beispielsweise Hertz oder Europcar - eine der großen Autovermietungen, die Elektrofahrzeuge an gut 30 Mietstationen bereithält. Auf Sylt etwa stellte Sixt erst vor wenigen Wochen eine Elektroflotte aus BMW i3 und i8 (kein reiner Elektro-, sondern ein Hybridsportwagen) in Dienst, um "umweltbewusste Premium-Mobilität" zu forcieren. Ab 39 Euro kann man dann einen Tag herumstromern auf der Nordseeinsel, auf der es immerhin mehr als 20 Ladestationen gibt.

Eventuell wird es dort in den kommenden Wochen etwas enger als sonst, denn seit Anfang Juni bietet auch Daimler 25 Elektroautos auf der Insel an. Ein Tag mit einem Smart EQ kostet 65 Euro, ein Tag mit der elektrischen Mercedes B-Klasse 69 Euro. Eine Art verkaufsfördernde Maßnahme unter Sylturlaubern, die womöglich über ein elektrisch angetriebenes Drittauto nachdenken. Deutlich bodenständiger geht es etwas weiter südlich zu, auf Pellworm. Dort bietet die Firma Hornkamp einige Elektro-Zweisitzer vom Typ Renault Twizy für abgasfreie Inselerkundungen an.

Auch wenn man aus einem touristischen E-Ausflug keine Rückschlüsse ziehen kann, ob ein Elektroauto in den persönlichen Mobilitätsalltag passen würde: Das spezielle Elektro-Fahrgefühl kann man auf jeden Fall erleben. Auch das ist schon sehr viel mehr, als nur darüber zu reden.

insgesamt 60 Beiträge
stefan.p1 27.07.2018
1. Auf jeden Fall ein guter Absatz
denn es kommen bei dem praktischen Gebrauch der E-Mobile doch einige Probleme auf, die so vorher nicht auf der Tagesordnung standen. Aktuell ist es die große Hitze die den Batterien wohl Probleme bereiten. Umgekehrt sind Akkus [...]
denn es kommen bei dem praktischen Gebrauch der E-Mobile doch einige Probleme auf, die so vorher nicht auf der Tagesordnung standen. Aktuell ist es die große Hitze die den Batterien wohl Probleme bereiten. Umgekehrt sind Akkus wohl auch bei niedrigen Temperaturen (u 0 Grad) nicht so Leistungsfähig wie propagiert.
fatherted98 27.07.2018
2. Wenn...
...dem tatsächlich so ist....verstehe ich die niedrigen Zulassungszahlen nicht. Klar ist es eine Lust so ein Auto zu fahren....habe ich selbst schon gemacht....leise, mit Vollautomatik....einfach schön und bequem zu [...]
...dem tatsächlich so ist....verstehe ich die niedrigen Zulassungszahlen nicht. Klar ist es eine Lust so ein Auto zu fahren....habe ich selbst schon gemacht....leise, mit Vollautomatik....einfach schön und bequem zu fahren....nur die Nachteile überwiegen weiterhin.
kenterziege 27.07.2018
3. Die Wärme macht den Batterien erhebt nichts.....
Das Problem zur Zeit ist die Klimatisierung eines E-Autos. Bei den augenblicklichen Temperaturen "zieht" eine Klimaanlage locker 2 kW. Das zehrt an der Batterie. Ist im Winter bei Kälte umgekehrt genau so.
Zitat von stefan.p1denn es kommen bei dem praktischen Gebrauch der E-Mobile doch einige Probleme auf, die so vorher nicht auf der Tagesordnung standen. Aktuell ist es die große Hitze die den Batterien wohl Probleme bereiten. Umgekehrt sind Akkus wohl auch bei niedrigen Temperaturen (u 0 Grad) nicht so Leistungsfähig wie propagiert.
Das Problem zur Zeit ist die Klimatisierung eines E-Autos. Bei den augenblicklichen Temperaturen "zieht" eine Klimaanlage locker 2 kW. Das zehrt an der Batterie. Ist im Winter bei Kälte umgekehrt genau so.
dancar 27.07.2018
4. BMW I3s ist schon cool
bin gestern beim Kollegen im BMW I3s mitgefahren; ist schon sehr cool, da man an der Ampel 99% aller PKWs beim Beschleunigen abhängt. Der schießt los wie eine Rakete. Und Innenraum und Cockpit mit den Auswahlmöglichkeiten an [...]
bin gestern beim Kollegen im BMW I3s mitgefahren; ist schon sehr cool, da man an der Ampel 99% aller PKWs beim Beschleunigen abhängt. Der schießt los wie eine Rakete. Und Innenraum und Cockpit mit den Auswahlmöglichkeiten an Fahrstufen und die Ruhe an der Ampel sind klasse. Nur müsste das Fahrzeug € 20.000 günstiger als der aktuelle Preis von € 45.000 sein, dann wäre es auf jeden Fall eine Überlegung wert.
manicmecanic 27.07.2018
5. Vorurteile ?
Alleine diese Art berechtigte Mängel zu benennen disqualifiziert den Schreiber schon.Fakten sind also Vorurteile,ahja.
Alleine diese Art berechtigte Mängel zu benennen disqualifiziert den Schreiber schon.Fakten sind also Vorurteile,ahja.

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