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Auto

Kontrolle der Herstellerangaben

EU-Kommission will Verbrauchsmessgeräte in allen Autos vorschreiben

Brüssel will die Abgasschummelei der Autohersteller endgültig unterbinden: Ab 2020 soll der Einbau von Spritmessgeräten in allen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen Pflicht werden.

DPA

Zapfhahn einer Tankstelle in Hamburg

Von , Brüssel
Dienstag, 21.11.2017   11:02 Uhr

Brüssel will die Überwachung der Autoindustrie abermals verschärfen: Die EU-Kommission plant, den Spritverbrauch von Autos und leichten Nutzfahrzeugen künftig direkt zu kontrollieren. Nach Informationen des SPIEGEL will sie den Einbau von Spritverbrauchsmessgeräten in allen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ab Januar 2020 vorschreiben.

In einem Expertengremium der EU wurde die Einführung der Verbrauchsmessgeräte bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr bereits mehrfach besprochen. Mehrere Mitgliedstaaten hätten sich positiv zu der Idee geäußert, heißt es aus der EU-Kommission.

Hintergrund ist, dass zwischen den Verbrauchsangaben der Hersteller und der Realität eine massive Lücke klafft. Laut einer Studie der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) verbrauchen Neuwagen im Schnitt rund 42 Prozent mehr Sprit als vom Hersteller angegeben. 2013 hatte die Diskrepanz noch bei 25 Prozent gelegen.

"Klares Bild" der Situation auf der Straße

Zwar soll ein neues Testverfahren namens WLTP ("Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure") Besserung bringen. Doch auch diese Methode, die seit September gilt, würde die Diskrepanz zwischen Herstellerangabe und Realität lediglich halbieren, wie die ICCT-Experten glauben.

Die Kommission will mit den Spritverbrauchsmessgeräten nun wenigstens sicherstellen, dass die realen Verbrauchswerte sich nicht erneut von den Herstellerangaben entfernen. Die Geräte sollen laut aktueller Planung ab dem 1. Januar 2020 bei allen neuzugelassenen Fahrzeugtypen und ein Jahr später dann bei allen Neuwagen vorgeschrieben sein. "Die Hersteller haben in der Vergangenheit gelernt, die Tests zu manipulieren", sagte eine Kommissionsbeamtin. "Wir müssen aufpassen, dass das beim WLTP-Verfahren nicht wieder passiert."

Die Verbrauchsmessgeräte hätten zudem einen weiteren Effekt: Sie ermöglichten auch die Kontrolle der Kohlendioxid-Emissionen. "Der Spritverbrauch ist direkt an den CO2-Ausstoß gekoppelt", so die Kommissionsbeamtin. Die Messgeräte würden ein "klares Bild" der Situation auf der Straße erlauben.

Kommission gibt eine Art Rabatt auf neue WLTP-Werte

Damit hätte die Kommission ein wirksames Mittel in der Hand, die Einhaltung der CO2-Grenzwerte zu kontrollieren - denn das dürfte für die Autohersteller künftig immer schwieriger werden. Erst Anfang November hat die Kommission neue Grenzwerte für den CO2-Ausstoß von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen festgelegt. Bis zum Jahr 2025 soll demnach jeder Hersteller die CO2-Emissionen seiner Flotte um 15 Prozent senken, bis 2030 dann um 30 Prozent - jeweils im Vergleich zum Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer im Jahr 2021.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Einführung des WLTP-Testverfahrens zu einem sprunghaften Anstieg des offiziellen Verbrauchs führen wird. Bei Opel etwa soll der 1,0-Liter-Ecotec-Benzinmotor nach dem alten NEFZ-Verfahren im Mittel 4,3 bis 4,4 Liter schlucken. Nach der WLTP-Methode sind es dagegen mindestens 4,8 Liter. Allerdings gibt die Kommission den Herstellern deswegen eine Art Rabatt auf die neuen WLTP-Werte. Experten gehen davon aus, dass der Referenzwert eher 119 statt 95 Gramm CO2 pro Kilometer sein wird.

Die Kommission will die Mitgliedstaaten im Frühjahr 2018 über den Messgeräte-Vorschlag abstimmen lassen. Anschließend soll er vom Rat der zuständigen Minister und vom EU-Parlament geprüft werden. Die endgültige Annahme soll noch vor Ende 2018 erfolgen.

Einbau des Messgeräts - Kosten von einem Euro pro Auto

Die Kosten für die Hersteller sollen überschaubar bleiben. Zwar wird heute schon an Bord der Fahrzeuge der Kraftstoffverbrauch gemessen, doch weder sind diese Daten Dritten zugänglich noch hinsichtlich ihrer Informationsqualität standardisiert. Der Einbau des Messgeräts würde nach Angaben der EU-Kommission nur etwa einen Euro pro Auto kosten. Diese Schätzung basiere auf einer Bewertung kalifornischer Behörden. Dort seien die Messgeräte bereits ab 2019 vorgeschrieben.

insgesamt 268 Beiträge
kuac 21.11.2017
1.
Auch so ein Messgerät können die Autobauer mit einer versteckten Software manipulieren.
Auch so ein Messgerät können die Autobauer mit einer versteckten Software manipulieren.
warum_nicht? 21.11.2017
2.
Das sieht doch eher nach Totalüberwachung aus, schliesslich könnte man den Verbrauch mittels eines realitätsnahen Tests durch ein unabhängiges Institut ermitteln, statt in JEDES Auto ein Messgerät einzubauen. Für den [...]
Das sieht doch eher nach Totalüberwachung aus, schliesslich könnte man den Verbrauch mittels eines realitätsnahen Tests durch ein unabhängiges Institut ermitteln, statt in JEDES Auto ein Messgerät einzubauen. Für den Autofahrer hat das Gerät keinen Zusatznutzen, der kann seinen Verbrauch schon immer durch simplen Dreisatz ermitteln. Der nächste Schritt wird die Besteuerung nach Fahrverhalten sein.
schorsch_69 21.11.2017
3. Och Joh!
Solche Anzeigen gibt es doch schon zuhauf. Selbst mein BMW von 91' hat schon eine und die ist sogar weitgehend genau. Was da bei heutigen Kfz allerdings so angezeigt wird, korreliert allerdings eher wenig mit den realen [...]
Solche Anzeigen gibt es doch schon zuhauf. Selbst mein BMW von 91' hat schon eine und die ist sogar weitgehend genau. Was da bei heutigen Kfz allerdings so angezeigt wird, korreliert allerdings eher wenig mit den realen Tankquittungen in Bezug auf die zurück gelegte Strecke!
neurobi 21.11.2017
4.
Gerüchteweise gibt es noch Autos ohne Bordcomputer mit Verbrauchsanzeige, vermutlich in der Preisklasse unter 10000 Euro.
Gerüchteweise gibt es noch Autos ohne Bordcomputer mit Verbrauchsanzeige, vermutlich in der Preisklasse unter 10000 Euro.
MartinJenne 21.11.2017
5. Taschenrechner!
Mir platzt die Hutschnur: das kriege ich mit nem Taschenrechner auch hin. Und warum bitteschön soll nun wieder der Verbraucher dafür bezahlen, daß die Autoindustrie bescheisst? Auch wenn es nur ein Euro sein sollte (was ich [...]
Mir platzt die Hutschnur: das kriege ich mit nem Taschenrechner auch hin. Und warum bitteschön soll nun wieder der Verbraucher dafür bezahlen, daß die Autoindustrie bescheisst? Auch wenn es nur ein Euro sein sollte (was ich nicht recht glauben kann). Wie wäre es mit einem Gesetz, daß dazu verpflichtet, den Verbrauch realistisch anzugeben, und wenn er im Schnitt mehr als 5% drüber ist, kostet das den Hersteller richtig Geld. In anderen Bereichen geht das doch auch.

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