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Mobilität

Neue Abgasnorm

Autokäufer nutzen Umweltprämie kaum für saubere Diesel

Dieselautos der neusten Abgasnorm sind vor Fahrverboten halbwegs sicher. Trotzdem haben sich nach SPIEGEL-Informationen ältere, schmutzigere Fahrzeuge zuletzt noch immer deutlich besser verkauft.

DPA

Straßenverkehr in Stuttgart

Von
Freitag, 14.09.2018   18:09 Uhr

Nach der Einführung strengerer Abgasnormen für Diesel-Pkw (Euro 6d-temp) im September vergangenen Jahres sind die Zulassungszahlen für saubere Diesel nur langsam gestiegen. Von allen zwischen September 2017 und August 2018 zugelassenen Diesel-Fahrzeugen erfüllte nur Bruchteil die neue Norm - etwa 40.000 Stück.

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Damit dürfte ein Großteil der von Herstellern für eingetauschte Alt-Diesel gewährten Umweltprämie in Fahrzeuge mit hohem Abgasausstoß geflossen sein. Diese Prämie hatte die Autoindustrie im Rahmen des so genannten Diesel-Gipfels im Sommer 2017 gegenüber der Politik angekündigt und anschließend in Form hoher Rabatte gewährt.

Grenzwerte müssen auf der Straße eingehalten werden

Bei der Euro-6d-Norm müssen die Grenzwerte etwa für Stickoxide nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch unter realen Fahrbedingungen auf der Straße eingehalten werden. Nur Besitzer von Fahrzeugen, die diese Norm erfüllen, sind relativ sicher, von Fahrverboten auch in Zukunft verschont zu bleiben.

Die Norm Euro 6d-temp gilt seit 2017 nur für neue Autotypen und vom September 2019 an für alle neuen verkauften Diesel-Autos. Sie ist etwas milder als Euro 6d. Diese gilt von 2020 an für neue Typen und von 2021 an für alle Modelle.

"Märchen vom sauberen Diesel"

Etwa 12.000 der zwischen September 2017 und August 2018 zugelassenen sauberen Diesel stammen von Volvo, etwas mehr als 9000 von BMW. Von der Marke VW, die den Dieselskandal mit ihrer Betrugssoftware auslöste, stammen gerade einmal 2000 saubere Diesel-Autos.

Für den Grünen-Verkehrsexperten Oliver Krischer sind die von der Bundesregierung erhobenen Zahlen ein weiterer Beleg für das "Märchen vom sauberen Diesel". Die Luft in den Innenstädten durch Verkaufsanreize für neue Autos sauber machen zu wollen, so wie es Autoindustrie und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) suggerierten, "verkommt angesichts dieser Zahlen zu einem schlechten Witz", urteilt Krischer. Fahrverbote in den Innenstädten würden so nicht verhindert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Zeitraum, auf den sich die Zulassungszahlen bezogen, falsch angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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insgesamt 68 Beiträge
dirkcoe 14.09.2018
1. Scheuer ist komplett unfähig
Wie der Dobrindt vor ihm, ist auch der Scheuer eine peinliche Fehlbesetzung. Beide faselten seit dem lächerlichen Diesel Gipfel - in gemeinsamem Unverstand mit Desaster Merkel, es werde keine Fahrverbote geben. Es gibt sie und es [...]
Wie der Dobrindt vor ihm, ist auch der Scheuer eine peinliche Fehlbesetzung. Beide faselten seit dem lächerlichen Diesel Gipfel - in gemeinsamem Unverstand mit Desaster Merkel, es werde keine Fahrverbote geben. Es gibt sie und es werden noch sehr viel werden. In Bayern ist die Verzweiflung schon so groß, dass Personen Beugehaft riskieren, um bis zur Bayernwahl weiter lügen zu können. Auch in München wird es ein Fahrverbot geben. Sagt das heute jemand laut genug, findet sich die CSU in der Opposition wieder. Es ist erbärmlich, wie Merkel und Scheuer die Bürger Verarschen.
three-horses 14.09.2018
2. Ein Tag schlechter.
Warum soll man sich Heute ein Auto sauber, kaufen, dass Morgen ein Stinker ist? Das billige Auto von Gestern ist halt gerade nur das ein Tag schlechter, dann gleich. Eine e-Care fuer 15 Mille und echt billig gebaut, waere schoen. [...]
Warum soll man sich Heute ein Auto sauber, kaufen, dass Morgen ein Stinker ist? Das billige Auto von Gestern ist halt gerade nur das ein Tag schlechter, dann gleich. Eine e-Care fuer 15 Mille und echt billig gebaut, waere schoen. Tja waere.
schnittkerandre 14.09.2018
3.
Der Hambacher Forst wird gerodet, um dreckigen Strom herzustellen und ich soll mir ein sauberes Auto kaufen? Das ist echt der Brüller.
Der Hambacher Forst wird gerodet, um dreckigen Strom herzustellen und ich soll mir ein sauberes Auto kaufen? Das ist echt der Brüller.
Mertrager 14.09.2018
4. Risiko
Bei dieser Regierung blecht der Bürger sowieso reichlich. Und es gibt das Risiko, dasz ein neues Auto kurz drauf ein altes ist, wenn die Regierung es will. Dieser Regierung traut man jede Schändlichkeit zu, deshalb also erst ein [...]
Bei dieser Regierung blecht der Bürger sowieso reichlich. Und es gibt das Risiko, dasz ein neues Auto kurz drauf ein altes ist, wenn die Regierung es will. Dieser Regierung traut man jede Schändlichkeit zu, deshalb also erst ein neues Auto, wenn es gar nicht mehr anders geht.
mantrid 14.09.2018
5. Großstadtproblem
Für Menschen, die mit dem Auto selten oder gar nicht in Großstädte fahren, ist das Thema nicht relevant. Warum etliche tausend Euro mehr für etwas ausgeben, das für einen völlig sinnlos ist? Und selbst wenn man z.B. in [...]
Für Menschen, die mit dem Auto selten oder gar nicht in Großstädte fahren, ist das Thema nicht relevant. Warum etliche tausend Euro mehr für etwas ausgeben, das für einen völlig sinnlos ist? Und selbst wenn man z.B. in Hamburg wohnt. Wegen Fahrverbot in zwei Straßen lohnt der Mehraufwand nicht. Das Problem trifft in Deutschland eine kleine Minderheit. Das scheint Politikern nicht klar zu sein. Aber so erklärt sich auch so ein Komplett-Schwachsinn, wie das Wechsel-Kennzeichen.

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