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Verkehrssicherheit

EU will Fahrassistenzsysteme für Neuwagen zur Pflicht machen

Hightechsysteme im Auto können Unfälle verhindern. Ausgerüstet sind damit bislang aber oft nur teure Mittel- und Oberklassemodelle. Das will die EU ändern - und strebt eine schnelle Entscheidung an.

DPA/ NEWS5

Verkehrsunfall auf der A3 bei dem ein Lastwagenfahrer auf ein Stauende aufgefahren war.

Donnerstag, 17.05.2018   16:36 Uhr

Um die Zahl von Verkehrstoten und Verletzten im Straßenverkehr zu senken, sollen Neuwagen nach dem Willen der EU-Kommission künftig verpflichtend mit fortschrittlichen Sicherheitssystemen wie Notbrems- und Spurhalteassistent oder Fußgänger- und Radfahrererkennung für Lastkraftwagen ausgestattet werden. Für Lkw sind außerdem verpflichtende Reifendruck-Messsysteme vorgesehen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.

Die EU-Kommission will damit die Zahl der Verkehrstoten in Europa reduzieren, die aus ihrer Sicht nach wie vor zu hoch ist. Im vergangenen Jahr starben 25.300 Menschen auf Europas Straßen, in den Jahren zuvor sah es ähnlich aus. Die Behörde hatte ursprünglich das Ziel gesetzt, die Zahl zwischen 2010 und 2020 zu halbieren. Es gilt mittlerweile als sehr unwahrscheinlich, dass dies erreicht wird.

Um diese Fahrassistenzsysteme geht es unter anderem

Automatisches Notbremssystem
Ein Notbremssystem erkennt mithilfe verschiedener Sensoren Gefahrensituationen, wie zum Beispiel einen zu geringen Sicherheitsabstand. Der Auffahrwarner misst per Kamera oder Radarsensor den Abstand und die Geschwindigkeitsdifferenz. Der Fahrer wird bei kritischen Situationen zunächst gewarnt, reagiert er nicht, bremst das Auto selbstständig ab, um einen Unfall zu verhindern. Bremst der Fahrer nicht stark genug, veranlasst der Notbremsassistent einen stärkeren Bremsvorgang.
Spurhalteassistent
Spurhalteassistenten erkennen per Kamera oder Infrarotsensor die Fahrbahnmarkierungen und warnen den Fahrer, bevor das Auto die Spur unbeabsichtigt verlässt. Das geschieht mit einem akustischen Signal und Vibrieren des Sitzes oder Lenkrades. Das System stört jedoch nicht bei einem beabsichtigten Spurwechsel. Aktive Lenkbewegungen, zum Beispiel bei einem Ausweichmanöver, oder ein gesetzter Blinker deaktivieren das System kurzzeitig.
Tempoassistent
Dieser Fahrassistent soll bei der Einhaltung von Tempolimits helfen. Kameras erfassen und erkennen die entsprechenden Schilder und werten bei manchen Systemen auch GPS-Daten aus. Fährt das Auto zu schnell, drosselt der Tempoassistent die Geschwindigkeit. Manche Systeme passen die Geschwindigkeit zusätzlich an den Streckenverlauf und Kurvenradien an. Bisher kann der Fahrer den Assistenten jedoch außer Kraft setzen, indem er erneut Gas gibt.

"90 Prozent der Verkehrsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen", sagte EU-Kommissarin Elzbieta Bienkowska. "Die neuen verpflichtenden Sicherheitsvorgaben werden die Zahl der Unfälle reduzieren und den Weg für eine fahrerlose Zukunft des vernetzten und automatisierten Fahrens bereiten."

Vorschlag könnte ab 2019 umgesetzt werden

Über die Umsetzung des Vorschlags der Kommission wird jetzt im EU-Parlament und anschließend im Europäischen Rat diskutiert. Ziel sei es, laut einer Sprecherin der EU-Kommission, den Beschluss über verpflichtende Assistenzsysteme in Neuwagen bis zum Mai 2019 zu fassen.

Insgesamt umfasst der Vorschlag 15 Sicherheitssysteme für Pkw und Lkw. Er ist Teil eines großangelegten Strategiepapiers der Kommission, die Europa weltweit zu einem Vorreiter für vollautomatisierte und vernetzte Mobilitätssysteme machen will. Mit der Strategie werde eine neue Ebene der Zusammenarbeit zwischen den Verkehrsteilnehmern angestrebt, die den Verkehr sicherer, sauberer und preiswerter machen soll.

cfr/ene/dpa

insgesamt 73 Beiträge
shotaro_kaneda 17.05.2018
1.
Und wer muss die Assistenzsysteme bezahlen? Der Kunde. Das macht die ohnehin schon teuren Neuwagen (auch in den unteren Klassen) noch teurer und die Gebrauchtfahrzeuge gleich mit.
Und wer muss die Assistenzsysteme bezahlen? Der Kunde. Das macht die ohnehin schon teuren Neuwagen (auch in den unteren Klassen) noch teurer und die Gebrauchtfahrzeuge gleich mit.
quark2@mailinator.com 17.05.2018
2.
Ja klar ... und was kostet dann ein kleiner Zusammenstoß ? Die ganzen Sensoren kosten irres Geld. Ein Bekannter hat mit seinem Infinity ne kleinere Kollision gehabt. Die "Stoßstange" war nicht der Rede wert, aber die [...]
Ja klar ... und was kostet dann ein kleiner Zusammenstoß ? Die ganzen Sensoren kosten irres Geld. Ein Bekannter hat mit seinem Infinity ne kleinere Kollision gehabt. Die "Stoßstange" war nicht der Rede wert, aber die Sensoren kosteten dann 5.000,- EUR. Das geht doch hier nicht mehr darum, Leben zu retten, sondern um Industriepolitik. Und ich warte noch drauf, daß dann die Autos liegen bleiben, nur weil einer der 1000 Sensoren den Geist aufgibt. Diese ständige Verdongelung der ganzen Umwelt nervt mich grenzwertig. Dabei entwickle ich Elektronik beruflich. Aber überall was mit Strom, ist einfach kein natürliches Habitat, finde ich. Diese irre Komplexität, die wir uns da zusammenbauen, macht alles anfällig und teilweise kaum noch berechenbar.
MiBod 17.05.2018
3. Das einzige mit Qualität in Brüssel
ist offensichtlich der Industrie- Lobbyismus. In Zeiten, wo verschiedene Nebenstrecken im deutschen Bahnnetz kein (nach vernünftigen Ermessen) ausreichendes Signal- und Sicherungssystem haben hören sich diese Brüsseseler [...]
ist offensichtlich der Industrie- Lobbyismus. In Zeiten, wo verschiedene Nebenstrecken im deutschen Bahnnetz kein (nach vernünftigen Ermessen) ausreichendes Signal- und Sicherungssystem haben hören sich diese Brüsseseler Exzesse etwas bizarr an.
53er 17.05.2018
4. Die meisten aktuellen Assistenzsysteme
haben nur eine Auswirkung, sie lenken immer häufiger vom Verkehrsgeschehen ab. Warum sollten dann Stand heute Assistenzsysteme zur Pflichtausrüstung werden? Sie arbeiten zur Zeit noch unzuverlässig und taugen eher zum Spielzeug [...]
haben nur eine Auswirkung, sie lenken immer häufiger vom Verkehrsgeschehen ab. Warum sollten dann Stand heute Assistenzsysteme zur Pflichtausrüstung werden? Sie arbeiten zur Zeit noch unzuverlässig und taugen eher zum Spielzeug für Autofahrer.
chirook 17.05.2018
5.
Da muss man hoffen, dass die EU den Herstellern auch hier auf die Finger schaut. Denn wirklich teuer sind solche Systeme nicht, in der Produktion vermutlich keine 100 Euro. Und da es sich hier um Systeme handelt, welche [...]
Zitat von shotaro_kanedaUnd wer muss die Assistenzsysteme bezahlen? Der Kunde. Das macht die ohnehin schon teuren Neuwagen (auch in den unteren Klassen) noch teurer und die Gebrauchtfahrzeuge gleich mit.
Da muss man hoffen, dass die EU den Herstellern auch hier auf die Finger schaut. Denn wirklich teuer sind solche Systeme nicht, in der Produktion vermutlich keine 100 Euro. Und da es sich hier um Systeme handelt, welche wirklich Menschenleben retten können, finde ich es durchaus gerechtfertigt, wenn die EU die Hersteller dazu verpflichtet, diese ohne großen Aufpreis standardmäßig zu verbauen.

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