Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Flixbus

Erste elektrische Fernbuslinie der Welt startet

Wer künftig in einen neuen Flixbus steigt, darf keine Angst vorm Liegenbleiben haben: Ab April schickt das Unternehmen die ersten vollelektrischen Busse auf die Reise, deren Batterien aber oft nur für kleinere Strecken reichen.

DPA

Zwei Fernbusse.

Dienstag, 13.03.2018   18:00 Uhr

Immer mehr Fernbusse sind auf europäischen Autobahnen unterwegs, angetrieben werden sie aber bisher fast ausschließlich von Dieselmotoren. Das soll sich nun ändern, der deutsche Anbieter Flixbus testet ab Ende April E-Fernbusse im Linienverkehr. Die Strecke von Paris nach Amiens wird so zur ersten vollelektrischen Fernbuslinie der Welt. Die Strecke scheint wie gemacht für einen E-Reisebus: Einmal sind die nötigen Ladestationen bereits vorhanden - und mit einer Distanz von rund 150 Kilometern zwischen den beiden Städten kann sie auch von vollelektrischen Bussen mit einer Akkuladung zurückgelegt werden.

In Deutschland sollen E-Fernbusse des Unternehmens dagegen erst ab Sommer unterwegs sein, auf einer bisher nicht näher bestimmten Linie zwischen Baden-Württemberg und Hessen. Anders als in Frankreich fehlen hierzulande bisher die nötigen Ladestationen. Doch nicht nur die Infrastruktur ist in Frankreich bereits vorhanden, dort gingen auch die Genehmigungsprozesse schneller vonstatten, erklärte eine Flixbus-Sprecherin.

Die Busse kommen aus China

Bei den nötigen Bussen sieht es in Deutschland ebenfalls schlecht aus. Zwar stammen 80 Prozent der Flixbus-Flotte von deutschen Herstellern, doch die haben laut Flixbus keine passenden E-Busse im Programm. Stattdessen kommen nun chinesische Busse zum Einsatz. In Frankreich das Modell Yutong ICe 12m mit 53 Sitzplätzen und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, in Deutschland das Modell C9 von BYD. Es bietet 40 Menschen Platz und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h.

Beide Busse werden von einer Lithium-Eisenphosphatbatterie angetrieben, deren Ladezeit zwischen drei und vier Stunden beträgt. Ihre Reichweite ist bisher noch gering und liegt bei nur 200 Kilometern, bei Flixbus hofft man jedoch auf neue Entwicklungen in der Batterietechnik, die die Reichweite bald erhöhen werden.

Gleichzeitig sind die E-Busse auch relativ teuer: Ihr Anschaffungspreis ist laut Flixbus doppelt so hoch wie der eines entsprechenden Diesels. Trotzdem lohne sich der Einsatz der E-Busse, so Bernd Heid, Leiter des Nutzfahrzeugbereichs bei der Unternehmensberatung McKinsey: "Der höhere Kaufpreis wird über einen Kostenvorteil pro gefahrenem Kilometer wieder eingefahren, da elektrische Energie günstiger ist als Diesel. Außerdem hat ein E-Bus deutlich reduzierte Wartungskosten beim Antriebsstrang." Und auch die Preise solcher Busse werden in Zukunft deutlich sinken, da die Stückzahlen weiter steigen werden, so Heid.

E-Busse bisher vor allem im Nahverkehr

Bei deutschen Herstellern sucht man vergleichbare elektrische Reisebusse bislang vergeblich. Zwar präsentierte Daimler vor Kurzem seinen ersten serienreifen E-Bus für den Nahverkehr, allerdings nur, um bei der Premiere wiederholt von den Vorzügen des Dieselantriebs zu schwärmen. Die Produktion des Citaro E-Cell soll Ende 2018 beginnen. "Wir bringen unseren Elektrobus so zügig wie möglich auf die Straße", erklärte der Chef der Bussparte, Hartmut Schick: "Mit Daimler Buses beginnt nun ganz konkret das Zeitalter der Elektromobilität."

Ein Zeitalter, das in China schon vor einiger Zeit begonnen hat: Seit Ende 2017 ist beispielsweise die Busflotte der Zehnmillionenstadt Shenzhen komplett elektrisch, 16.359 Busse sind dort im Einsatz. Auch immer mehr deutsche Städte wollen auf lokal emissionsfreie Busse setzen, so planen die Hamburger Verkehrsbetriebe die Anschaffung von 60 emissionsfreien Bussen ab 2019. Die deutschen Hersteller scheint die Nachfrage nicht zu interessieren. So erklärte Daimlers Bus-Chef Schick, man werde sehen, wie sich die Nachfrage beim vollelektrischen Citaro entwickelt, und abhängig davon die Produktion hochfahren.

Das große Angebot an E-Bussen in China habe vor allem politische Gründe, so Unternehmensberater Heid. Zwar führe die staatliche Förderung der E-Busse zur Etablierung einer höheren Produktion. "Das ist allerdings ein temporäres Thema, in diesem Produktsegment werden sich auch Firmen aus anderen Ländern ohne diese Förderung etablieren", so Heid: Denn die Kerntechnologie der Busse wie Batterien und E-Motor würden von etablierten Zulieferern hergestellt.

Brennstoffzelle als Alternative für die Langstrecke

Batteriebusse sind momentan gefragt, bei Fernbussen ist jedoch auch die Brennstoffzelle eine Alternative zum klassischen Diesel. Sie lohne sich vor allem auf langen Strecken mit kurzen Standzeiten, so Heid: "Trotzdem werden wir zunächst auch auf der Langstrecke Batteriebusse sehen, da diese Technik der Brennstoffzelle momentan noch sieben bis zehn Jahre voraus ist."

Auf Strecken wie von Paris nach Amiens wollen Firmen wie Flixbus zunächst Erfahrung im Umgang mit der neuen Technologie sammeln, denn vollelektrische Busse stellen die Betreiber vor ganz neue Herausforderungen, erklärt Heid: "Einen Dieselbus kann man tanken, wenn die Routenplanung nicht passt; einen E-Bus müsste man dagegen abschleppen. Hier müssen die Betreiber erst lernen, wie man mit dem neuen System umgeht."

insgesamt 94 Beiträge
hrboedefeld 13.03.2018
1. Nahverkehr
Im städtischen Nahverkehr könnten mit Induktionsspulen im Boden der Haltestellen alle Probleme beseitigt werden. Nur scheuen alle Städte Deutschlands die Anfangs-Investition. Bleibt wohl ein weiteres Stück Technik, was sicher [...]
Im städtischen Nahverkehr könnten mit Induktionsspulen im Boden der Haltestellen alle Probleme beseitigt werden. Nur scheuen alle Städte Deutschlands die Anfangs-Investition. Bleibt wohl ein weiteres Stück Technik, was sicher demnächst in China perfektioniert wird, da wir zu behäbig sind dafür...
Sandbänker 13.03.2018
2. Tolle Idee
Und dann wechselt man auf den 1000 Kilometern zwischen Paris und Berlin halt 3-4 mal die Pferde.
Und dann wechselt man auf den 1000 Kilometern zwischen Paris und Berlin halt 3-4 mal die Pferde.
stefanmargraf 13.03.2018
3. Der Punkt ist der Strompreis
Der ist in Frankreich 50% niedriger als bei uns, wegen Atomkraft. Hier dagegen ist infolge Umverteilung und Subventionen der Strompreis so hoch, dass das E-Auto nicht lohnt. Damit blockiert die Öko-Stromerzeugung den [...]
Der ist in Frankreich 50% niedriger als bei uns, wegen Atomkraft. Hier dagegen ist infolge Umverteilung und Subventionen der Strompreis so hoch, dass das E-Auto nicht lohnt. Damit blockiert die Öko-Stromerzeugung den Öko-Verkehr. Wie immer steht sich Deutschland selbst im Weg.
karl-felix 13.03.2018
4. Ja
der Vorsprung Chinas ist schon beeindruckend. Da sieht man , was politischer Wille bewegen kann. Sprachlos machen mich die Grössenunterschiede. Da ist für Deutsche eine Busflotte von 60 Fahrzeugen in der 3. grössten Stadt [...]
der Vorsprung Chinas ist schon beeindruckend. Da sieht man , was politischer Wille bewegen kann. Sprachlos machen mich die Grössenunterschiede. Da ist für Deutsche eine Busflotte von 60 Fahrzeugen in der 3. grössten Stadt des Landes nicht machbar, während die Chinesen in einer einzigen Stadt über 16.000 Elektrobusse fahren lassen . Wirklich atemberaubend und nicht nur hinsichtlich der E-Busse . dieses hier fand ich vor Jahren : www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/Chinas-erste-Solarstadt-stellt-sich-in-der-Schweiz-vor/story/26114009 Schade dass insbesondere die Merkel-Kabinette hinsichtlich der Elektroenergie einfach nicht in die Puschen kamen . Am Lebensalter der verknöcherten Ministerriege kann das nicht gelegen haben , wie man am Beispiel China sieht. Fortschritt findet im Kopf statt.
vitalik 13.03.2018
5.
Von den riesigen Nachteilen der Induktionstechnologie haben Sie wohl noch nie gehört oder?
Zitat von hrboedefeldIm städtischen Nahverkehr könnten mit Induktionsspulen im Boden der Haltestellen alle Probleme beseitigt werden. Nur scheuen alle Städte Deutschlands die Anfangs-Investition. Bleibt wohl ein weiteres Stück Technik, was sicher demnächst in China perfektioniert wird, da wir zu behäbig sind dafür...
Von den riesigen Nachteilen der Induktionstechnologie haben Sie wohl noch nie gehört oder?

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP