Schrift:
Ansicht Home:
Auto

Führerscheinprüfung

Auswendiglernen reicht nicht mehr

Fahrschüler fallen immer öfter durch die Führerscheinprüfung, 2017 erwischte es in der Theorie 36,8 Prozent. Das liegt jedoch nicht an den Schülern, erklärt der Fahrlehrer Dieter Quentin.

DPA

Ein Fahrlehrer erklärt eine Notrufsäule

Ein Interview von
Freitag, 04.05.2018   17:28 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Herr Quentin, zum fünften Mal in Folge sind 2017 mehr Fahrschüler durch die Prüfung gefallen als im Vorjahr, woran liegt das?

Dieter Quentin: Da muss man zwischen der theoretischen und der praktischen Prüfung unterscheiden. Die Theorieprüfung läuft heute elektronisch ab, nicht mehr auf Papier, und ist dadurch deutlich schwieriger geworden. Es gibt zum Beispiel Filmsequenzen, in denen eine komplexe Verkehrssituation gezeigt wird, zu der Sie dann Fragen beantworten müssen. Das hat es vor zehn Jahren noch nicht gegeben, da hat man zur Not die Fragen und Antworten auswendig gelernt. Das geht heute nicht mehr, heute ist jede Frage und jeder Prüfungsbogen anders.

SPIEGEL ONLINE: Haben moderne Technologien wie beispielsweise Parkassistenten auch Einfluss auf die Ergebnisse der praktischen Prüfung?

Quentin: Nein, niemand besteht die praktische Prüfung, weil er nicht einparken kann und das Auto das inzwischen selbst erledigen kann. Die Gründe fürs Durchfallen sind klassische Verkehrssituationen wie eine nicht beachtete Vorfahrt, das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit oder ein Radfahrer, der nicht gesehen wurde. Da hat die moderne Technik noch keinen entscheidenden Einfluss. Der Straßenverkehr ist heute dichter und komplexer und dadurch für Fahrschüler schwerer zu meistern.

SPIEGEL ONLINE: Wer fällt denn am häufigsten durch?

Quentin: Wer einen ausländischen Führerschein umschreiben will und dafür nochmal eine theoretische und praktische Prüfung ablegen muss, fällt am ehesten durch. Es gab rund 120.000 Prüfungen bei Inhabern ausländischer Führerscheine, dabei haben 47.000 Bewerber nicht bestanden. Dieser Anteil ist bei deutschsprachigen Bewerbern nicht zu verzeichnen. Jüngere Fahrschüler für das begleitete Fahren mit 17 Jahren bestehen dagegen besonders oft, ihre Prüfungsergebnisse sind deutlich besser als die der älteren.

Im Video: Abgewürgt! Fahranfänger geben Gas

Foto: SPIEGEL TV

SPIEGEL ONLINE: Wieso haben es die sogenannten Umschreiber so schwer?

Quentin: Das hängt mit Ausbildungs- und Prüfungssituation in den Heimatländern zusammen. Deshalb müssen Inhaber von Führerscheinen aus Ländern wie beispielsweise Russland, Syrien und dem Iran hierzulande eine theoretische und praktische Prüfung ablegen, um einen deutschen Führerschein zu erhalten. Aber sie müssen vorher keine Fahrstunden nehmen oder am Theorieunterricht teilnehmen. Der Verkehr ist in diesen Ländern aber teilweise nur schwer mit dem in Deutschland vergleichbar. Die Umschreiber haben es deshalb schwerer, wir würden uns hier verpflichtende Fahrstunden wünschen.

SPIEGEL ONLINE: Da geht es aber auch ums Geschäft...

Quentin: Ja, es geht aber auch um Verkehrssicherheit. Uns wird oft vorgeworfen, Geschäftemacherei zu betreiben, auch wenn Fahrlehrer nochmal eine zusätzliche Fahrstunde vor der praktischen Prüfung empfehlen, dabei kostet eine Fahrstunde mehr nur rund ein Drittel der Gebühr für eine praktischen Prüfung. Da sollte man den Fahrlehrer nicht zur Prüfung drängen, sondern warten, bis er der Ansicht ist, dass man die Prüfung auch bestehen kann.

SPIEGEL ONLINE: Beim Führerschein der Klasse B fallen die meisten Bewerber durch, woran liegt das?

Quentin: Das ist meistens die erste Fahrerlaubnis, die erworben wird. In der Regel sind Führerscheine für Motorräder oder Lkw Erweiterungen, da haben die Bewerber schon Verkehrserfahrung, deshalb sind die Quoten dort geringer.

SPIEGEL ONLINE: Sind Fahrprüfungen nicht zu sehr vom subjektiven Eindruck des Prüfers abhängig?

Quentin: Da würde ich ganz klar widersprechen. Es gibt klare Rechtsvorschriften für die Prüfungen und die Prüfungen laufen auch sehr einheitlich ab. Natürlich prüfen dort Menschen, die Dinge unterschiedlich wahrnehmen, aber wir haben eine hohe Gleichmäßigkeit bei den Fahrprüfungen.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht auch ein gutes Geschäftsmodell, mehr Leute durchfallen zu lassen?

Quentin: Nein, Sie verdienen als Fahrlehrer eher Geld, wenn Sie mit möglichst wenig Aufwand viele Schüler durchschleusen, als mit Stammkunden, die eine sehr hohe Anzahl von Fahrstunden brauchen. Und auch für die Prüforganisationen ist das nicht wirklich ein Geschäft, die Gebühren werden ja vom Bundesverkehrsministerium festgelegt.

SPIEGEL ONLINE: Was muss man tun, um die Fahrprüfung auf jeden Fall zu bestehen?

Quentin: Sich optimal vorbereiten, das heißt auch am Theorieunterricht teilnehmen, aufmerksam zuhören und zu Hause die Fragen durcharbeiten. Dann sollte auch die elektronische Theorieprüfung problemlos klappen, in der Praxis ist die Durchfallquote ohnehin geringer. Aber Pech kann man bei allen Prüfungen haben, auch beim Führerschein.

insgesamt 73 Beiträge
david-ritz 04.05.2018
1. Geldmacherei
Die Neuerungen der Fahrerlaubnis seit den alten Klassen sind schon Geldmacherei .... Trägt es wirklich zur Verkehrssicherheit bei das man heute für quasi alles eine Erweiterung machen muss ? Warum muss man für einen [...]
Die Neuerungen der Fahrerlaubnis seit den alten Klassen sind schon Geldmacherei .... Trägt es wirklich zur Verkehrssicherheit bei das man heute für quasi alles eine Erweiterung machen muss ? Warum muss man für einen Anhängerschein eine komplette Prüfung ablegen , wenn es für den b96 reicht dies bei einem Fahrlehrer abzulegen ? BE ist für Anhänger bis 3,5 t. B96 das Gesamtgewicht aus zugmaschine und Anhänger bis 4,2 t .. wo liegt da bitte der Unterschied . Das man für ein Krad einen gesondert machen muss macht Sinn . Aber warum muss jemand der einst einen A1 gemacht hat den A Führerschein extra machen ? A1 Maschinen fahren auch bis 200 km/h , wo ist da der Sinn ? A1 Maschinen sind nach kW begrenzt nicht nach Geschwindigkeit .... wer kommt auf so etwas ? Warum darf jede Omi mit einem klasse 3 Führerschein jeglichen Anhänger ,inklusive LKW bis 7,5 t fahren ? Oder anders gefragt , war bei den alten Führerscheinen tatsächlich die Unfallquote so viel höher ?
Phil2302 04.05.2018
2. Falsche Gründe
Meine Frau hat vorherige Woche erst ihre Theorie abgelegt, und ihrer Meinung nach sind die Videos die leichtesten Aufgaben der ganzen Prüfung. Sie hat natürlich im ersten Versuch bestanden. Hier eine Erwähnung einer anderen [...]
Meine Frau hat vorherige Woche erst ihre Theorie abgelegt, und ihrer Meinung nach sind die Videos die leichtesten Aufgaben der ganzen Prüfung. Sie hat natürlich im ersten Versuch bestanden. Hier eine Erwähnung einer anderen Zeitung, die hier kein Platz fand: "Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Führerscheinprüfung. Laut dem Fahrlehrerverband liege das vor allem am gestiegenen Anteil nicht-deutschsprachiger Fahranwärter." Und wenn man sich so anschaut, wie wenig das Auswendiglernen in der Schule heute noch geübt wird, tja, dann darf man sich nicht wundern.
dr. kaos 04.05.2018
3. Die Filmchen....
... in den Lern-Apps sind aber teilweise auch ziemlich heftig. Ein Kollege bereitet sich auf die C-Prüfung vor. Zeigt mir ein Filmchen, den er zweimal falsch beantwortet hat und versteht die richtige Lösung nicht. Ich bin [...]
... in den Lern-Apps sind aber teilweise auch ziemlich heftig. Ein Kollege bereitet sich auf die C-Prüfung vor. Zeigt mir ein Filmchen, den er zweimal falsch beantwortet hat und versteht die richtige Lösung nicht. Ich bin erfahrener Kraftfahrer mir fast 40 Jahre Fahrpraxis. Ich bin auch nicht draufgekommen. Sie fahren auf einer 3 spurigen Autobahn, überholen einen LKW, als plötzlich zwei Fahrzeuge vor Ihnen rechts ranfahren und den Warnblinker setzen. Was tun Sie? a) Link ausscheren und vorbeifahren b) langsamer fahren c) rechts ranfahren. b) und c) sind richtig. Denn ganz am Ende des Films nur für Sekundenbruchteile zu sehen ist ein Geisterfahrer. So eine Frage ist in meinen Augen praxisfremd, zudem optisch ungenügend aufbereitet. Wir haben den Film etwa 8 mal angeschaut bis ich durch Nachdenken (nicht durch beobachten des Films) draufgekommen bin und wir uns das Ganze _unter der Lupe_ angeschaut haben. Wer solche Fragen in einer Prüfung stellt, dem unterstelle ich bewusste Irreführung des Probanden und darf sich nicht wundern, wenn über 30% durchfallen. Wenn's da NICHT 'ums Geschäft' (des TÜV) geht, wann dann?
bertibob 04.05.2018
4. theorie einfacher als früher..
habe vor ~ 1 Jahr meinen Führerschein gemacht und mittlerweile können alle Fragen (und videos) vorab online gelernt werden. Das von mir genutzte system konnte automatisch falsche antworten speichern bzw man konnte Fragen [...]
habe vor ~ 1 Jahr meinen Führerschein gemacht und mittlerweile können alle Fragen (und videos) vorab online gelernt werden. Das von mir genutzte system konnte automatisch falsche antworten speichern bzw man konnte Fragen markieren. Früher musste man umständlich ohne ende papierboegen ausfüllen und mit der schablone kontrollieren. Habe die Prüfung in 5 Mins mit 0 fehlern bestanden.
hileute 04.05.2018
5. Also ehrlich gesagt reicht es für die theoretische Prüfung locker aus auswendig zu lernen
zumindest die Filmchen, das sind ja nur etwa 30 oder 40 Stück sollte man schon auswendig können, da man sonst häufig die Situation nicht so wahrnimmt wie sie gedacht ist. Bei 30 % der fragen sollte man sich etwas reinarbeiten, [...]
zumindest die Filmchen, das sind ja nur etwa 30 oder 40 Stück sollte man schon auswendig können, da man sonst häufig die Situation nicht so wahrnimmt wie sie gedacht ist. Bei 30 % der fragen sollte man sich etwas reinarbeiten, der Rest ist selbsterklärend. Sowieso wundert mich das, von meinen Freunden war ich mit 3 Fehlerpunkten fast der schlechteste, die meisten hatten gar keinen. Die Praxisprüfung ist schon deutlich schwerer, da kann ich die Durchfallquoten schon nachvollziehen, da reicht ja schon ne Kleinigkeit das man durchfällt

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP