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Fahrtüchtigkeit bei Senioren

"Probleme offen und ehrlich ansprechen"

Immer wieder verursachen ältere Autofahrer schwere Unfälle. Aber wie teilt man den eigenen Eltern oder Großeltern mit, dass sie den Führerschein besser abgeben?

DPA

Eine Rentnerin am Steuer eines Autos

Ein Interview von
Montag, 14.05.2018   18:16 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Frau Wahn, ein 81-Jähriger ist in Brandenburg in eine Gruppe Radfahrer gerast, solche Unfälle werfen immer wieder die Frage nach der Fahrtüchtigkeit älterer Menschen auf. Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland keine gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung der Fahreignung älterer Menschen. Was sind Indikatoren dafür, dass man altersbedingt nicht mehr fahrtüchtig ist? Bemerkt man das selber überhaupt?

Nina Wahn: Vor allem Sehprobleme sind ein Warnsignal, aber auch sich häufende kleine oder Beinaheunfälle. Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten ist sehr unterschiedlich, grundsätzlich kann ein zunehmendes Gefühl der Unsicherheit aber ein erstes Anzeichen fehlender Fahrtüchtigkeit sein. Senioren sollten außerdem bei der Umstellung von Medikationen oder der Einnahme verschiedener Medikamente mit dem Hausarzt auch übers Autofahren sprechen. Aber auch eine Fahrstunde oder ein Fitnesstest können helfen, die eigenen Fähigkeiten besser einschätzen zu können.

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Oft sind es Familienangehörige, denen auffällt, dass die Verwandten nicht mehr so flüssig fahren wie früher. Wie kann ich als Kind meine Eltern auf eine mögliche Fahruntüchtigkeit ansprechen?

Wahn: Viele Senioren kompensieren altersbedingte Leistungseinbußen gut durch ihre hohe Fahrerfahrung oder eine angepasste Fahrweise. Details fallen einem oft erst auf, wenn man mit den betroffenen Verwandten im Auto mitfährt. Gibt es Auffälligkeiten, sollte man möglichst früh mit den Betroffenen reden und das Gespräch nicht aufschieben. Falls Emotionen und Sorgen das Gespräch bestimmen, kann es hilfreich sein, eine neutrale Person hinzuzuziehen, zum Beispiel einen Fahrlehrer oder den Hausarzt. So eine neutrale Instanz kann helfen, Gefühle aus dem Gespräch herauszuhalten.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es so etwas wie einen Gesprächsleitfaden für dieses heikle Thema?

Wahn: Es gibt hier keine Standards. Die Gesundheit, aber auch die Familiensituation und die vorhandenen Alternativen zum Auto sind bei allen Menschen unterschiedlich. Bei solchen kritischen Gesprächen hilft eine offene und ehrliche Ansprache - sie muss aber frei von Vorwürfen sein.

SPIEGEL ONLINE: Welche Ängste sind mit der Abgabe des Führerscheins verbunden?

Wahn: Mobilität ist Teil der Selbstbestimmung. Ein Verlust der Mobilität bedeutet den Verlust der Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, wann ich wo sein möchte. Gerade deshalb ist es wichtig, Alternativen wie den öffentlichen Nahverkehr oder Ruf- oder Familientaxen bereits zu kennen und dadurch auch akzeptieren zu können.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann ich solchen Ängsten als Kind oder Angehöriger am besten begegnen?

Wahn: Indem man die Optionen aufzeigt und die Betroffenen unterstützt. Sei es durch gemeinsames Üben einer Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr oder durch Zusagen der Familie. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Enkel oder die Enkelin von der Fahrerfahrung der Großeltern profitiert und dafür den Angehörigen regelmäßig zu Terminen fährt. Dadurch sammeln sie Fahrpraxis und die Großeltern sind mobil, ohne selbst fahren zu müssen. Hier sind aber Sicherheit und Zuverlässigkeit sehr wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Modelle oder Initiativen, die Senioren den Umstieg erleichtern könnten oder bei denen sie ihre Fahrtüchtigkeit prüfen können, z.B. spezielle Fahrsicherheitskurse?

Wahn: Es gibt spezielle Kurse für ältere Kraftfahrer. Die sollen das Fahrverhalten verbessern und den Teilnehmern Rückmeldung zu ihrem Fahrverhalten geben. Dabei findet eine Fahrstunde in der gewohnten Umgebung mit dem eigenen Auto statt, in der ein speziell ausgebildeter Fahrlehrer mögliche Schwachstellen aufzeigt und hilft, geeignete Strategien zu finden, um diese Schwächen auszugleichen. An solchen Programmen des ADAC nahmen im letzten Jahr mehr als 3000 ältere Autofahrende teil.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Senioren haben denn einen Führerschein? Und ist die Unfallhäufigkeit in dieser Altersgruppe höher, oder sind die Folgen nur gravierender?

Wahn: Leider werden die Zahlen zur Fahrerlaubnis erst seit 1999 zentral erfasst, weshalb die Zahl der Führerscheininhaber ab 65 Jahren deutlich unterschätzt wird. Menschen ab 65 Jahren machen etwa 21 Prozent an unserer Bevölkerung aus, jedoch nur etwa 15 Prozent der Hauptverursacher bei Pkw-Unfällen mit Personenschaden. Tatsächlich sind Senioren im Straßenverkehr eher gefährdet, als selbst Gefährder zu sein. 2016 machten sie über 30 Prozent der im Straßenverkehr Getöteten aus, insbesondere als ungeschützte Radfahrende oder Fußgänger sind sie aufgrund der erhöhten Verletzlichkeit besonders gefährdet.

SPIEGEL ONLINE: Wird sich diese Frage durch das autonome Fahren in Zukunft nicht mehr stellen?

Wahn: Fahrerassistenzsysteme können heute schon helfen, motorische Defizite auszugleichen und das Fahren sicherer zu machen. Autonome Fahrzeuge wären ein großer Gewinn an Eigenständigkeit, nicht nur für ältere Menschen, sondern für alle Personen, die derzeit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, unabhängig vom Alter. Sie könnten durch selbstfahrende Autos frei entscheiden, wann sie wo sein wollen, ohne auf einen Führerschein angewiesen zu sein.

Video: Senioren am Steuer

Foto: SPIEGEL TV
insgesamt 216 Beiträge
karldhammer 14.05.2018
1. Ich bin Jahrgang 49
und seit meinem achtzehnten Lebensjahr im Besitz der Klassen 1+3, seit 1973 der Klasse 2; letztere habe ich 2010 nicht mehr erneuert, da ich sie wirklich nicht mehr brauche und ich auch nicht mehr auf so einen Bock steigen [...]
und seit meinem achtzehnten Lebensjahr im Besitz der Klassen 1+3, seit 1973 der Klasse 2; letztere habe ich 2010 nicht mehr erneuert, da ich sie wirklich nicht mehr brauche und ich auch nicht mehr auf so einen Bock steigen möchte. Soweit- so gut, aber sollte mal so ein Fahrlehrer mir zeigen wollen, wie man Auto fährt, okay - dann zeige ich ihm mal was Querbeschleunigung ist.
Ragnar the Bold 14.05.2018
2.
ohne eine Diskussion Fahrrad gegen Auto aufmachen zu wollen, eine Sache die hilft -unabhängig vom Alter- die Einstellung abzulegen das das Auto das einzige Mittel für Mobilität ist. Dies sollte sich am besten lange bevor man [...]
ohne eine Diskussion Fahrrad gegen Auto aufmachen zu wollen, eine Sache die hilft -unabhängig vom Alter- die Einstellung abzulegen das das Auto das einzige Mittel für Mobilität ist. Dies sollte sich am besten lange bevor man nicht mehr autofahren kann einstellen, dann ist die Akzeptanz auch höher
maicher 14.05.2018
3. Fahrtuechtigkeit
Das ist ja schlimm, man, da muss man aufpassen das es nicht noch mehr wird. Man sollte das Fahren ja nun nur noch juengeren Fahrern ueberlassen, die verursachen ja fast keine Unfaelle und wenn die mal durch die Stadt rasen um zu [...]
Das ist ja schlimm, man, da muss man aufpassen das es nicht noch mehr wird. Man sollte das Fahren ja nun nur noch juengeren Fahrern ueberlassen, die verursachen ja fast keine Unfaelle und wenn die mal durch die Stadt rasen um zu sehen wehr schneller ist und da dann jemand zu Tode bringen ist das ja nur eine verlaesliche Suende.
herbert 14.05.2018
4. Bitte mal eine Statistik bringen Unfälle durch Jugendliche Halbstarke
mit dem Auto und die der Senioren !!! Die paar Unfälle von Senioren im Jahr jetzt hochpeitschen um wieder irre typisch deutsche Gesetze zu bringen mit Fahrverbote ist völlig daneben. Die Leute die meinen sie müssten die [...]
mit dem Auto und die der Senioren !!! Die paar Unfälle von Senioren im Jahr jetzt hochpeitschen um wieder irre typisch deutsche Gesetze zu bringen mit Fahrverbote ist völlig daneben. Die Leute die meinen sie müssten die Senioren an die Kette legen, sollten sich erst einmal mit durchgeknallten Jugendlichen im Geschwindigkeitsrausch beschäftigen und davon gibt es reichlich !
BettyB. 14.05.2018
5. Wie soll man das verstehen?
Senioren sind stärker gefährdet, als sie gefährden. Das mag so sein. Deshalb aber die Führerscheininhaber nicht zu überprüfen, das grenzt an Beteiligung durch fahrlässiges Verhalten. Alleir Hinweis auf die kleinere [...]
Senioren sind stärker gefährdet, als sie gefährden. Das mag so sein. Deshalb aber die Führerscheininhaber nicht zu überprüfen, das grenzt an Beteiligung durch fahrlässiges Verhalten. Alleir Hinweis auf die kleinere Gefährdung im Auto ist in diesem Zusammenhang schon eine Zumutung, selbst wenn man bedenkt, dass auf dem Fahrrad fahrende Senioren im Vergleich zu sie mit ihren Autos anfahrende Seniorenwahrlich einen Vorteil haben.

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