Schrift:
Ansicht Home:
Mobilität

Prototyp Noah

Dieses Auto soll sich komplett recyceln lassen

Das Auto heißt Noah, doch Arche wäre der passendere Name. Denn in gewisser Weise soll dieser Prototyp die ganze Welt retten.

TU Ecomotive, Eindhoven
Von Jürgen Pander
Samstag, 12.05.2018   17:52 Uhr

Noah wiegt nur 350 Kilo, besteht aus Hightech-Materialien und ist das erste Auto weltweit, das sich vollständig recyceln lässt. Entworfen und konzipiert wurde der Stadtwagen von Studenten der TU/ecomotive im holländischen Eindhoven. Im Sommer soll er auf einer Art Europatournee in sieben großen Städten vorgestellt werden. "Und bis Ende des Jahres wollen wir das Projekt so weit vorantreiben, dass Noah eine Straßenzulassung erhält", sagt Cas Verstappen, der Sprecher von TU/ecomotive.

Ansätze zu recyclingfähigen Autos gab es schon mehrere. In größerem Stil verwirklicht wurden sie noch nie. Hier und da bauen Autohersteller Dämmmatten aus Kokosfasern oder Sitzpolsterungen aus Bananenschalen ein - das war's aber auch schon. Noah soll nach der Absicht seiner Erbauerinnen und Erbauer nun ein neuer Anstoß werden, das Thema Kreislaufwirtschaft ernsthafter umzusetzen. "Wir wollen zeigen, dass auch bei einem komplexen Produkt wie dem Auto der Materialkreislauf funktioniert", sagt Verstappen. Dass dieser Ansatz intelligent und ökonomisch sinnvoll ist, zeigen Reaktionen der Autoindustrie. Verstappen: "Wir wissen, dass viele Hersteller genau beobachten, was wir hier tun. Einige deutsche Automarken waren auch schon hier, unsere Materialien wecken großes Interesse."

Natürliche Materialien - elektrischer Antrieb

Das Chassis des Noah-Prototypen besteht aus einer Sandwichstruktur, die wiederum aus Flachsfasern und einem Kunststoff auf Zuckerbasis besteht. Ein Flachs-Verbundstoff bildet auch die Karosserie, die Scheiben sind aus dem Polycarbonat Lexan gefertigt, die Lederbezüge der Sitze aus den unteren Schichten von Tierhäuten, die normalerweise bei der Lederherstellung weggeworfen werden. Angetrieben wird der insgesamt 350 Kilogramm schwere Zweisitzer von einen Elektromotor der Firma Ashwood, als Stromspeicher kommen sechs jeweils zehn Kilogramm schwere Akkus der Firma Cleantron zum Einsatz.

TU Ecomotive, Eindhoven

Flachs-Verbundstoff für die Karosserie

Was an digitalen Instrumenten und an Vernetzungstechnologie im Auto verbaut ist, bezieht TU/ecomotive von "Herstellern, die das jeweils umweltverträglichste Produkt dieser Art produzieren", wie Verstappen sagt. Diese Systeme sollen Noah unter anderem fit machen für den Einsatz in Car-Sharing-Flotten. Das Auto ist als Stadt- und Kurzstreckenfahrzeug konzipiert, die E-Maschine leistet 15 Kilowatt (etwa 20 PS), beschleunigt auf rund 100 km/h und die Reichweite liegt bei etwa 240 Kilometern.

Der Rohstoffraubbau nimmt zu

Den Grund, warum das studentische Projekt ganz auf das Thema Materialkreislauf und Wiederverwertung fokussiert ist, erklärt Verstappen recht anschaulich. "Im vergangenen Jahr", sagt er, "lag der 'World Overshoot Day' so früh wie noch nie, er fiel auf den 2. August." Mit "World Overshoot Day" ist jener Tag gemeint, an dem die Menschheit jene Menge an Rohstoffen verbraucht hat, die binnen eines Jahres nachwachsen können; und 2017 war das bereits nach gut sieben Monaten der Fall. Die übrigen knapp fünf Monate wurde sozusagen auf Pump produziert und konsumiert. Dass dieser Raubbau nicht ewig so weitergehen kann, versteht sich von selbst. Zumal Bevölkerungswachstum, höherer Lebensstandard, Wirtschaftswachstum und eine höhere Lebenserwartung ihn immer weiter beschleunigen.

Fotostrecke

Recycling-Auto Noah: Kreislauf der Bauteile

"Recycling ist natürlich nicht der einzige Weg, aber es ist zumindest einer von mehreren möglichen Lösungsansätzen für dieses Problem. Und genau das ist der Sinn von Noah", sagt Verstappen. Ob sich die Autoindustrie tatsächlich für ein weitgehend recyclingfähiges Fahrzeug interessiert? "Wir hoffen es. Denn Noah beweist, dass es möglich ist."

insgesamt 40 Beiträge
hansa_vor 12.05.2018
1. Die Überschrift ist falsch
Im Artikel wird klar gesagt dass das Fahrzeug nicht komplett recyclebar ist.
Im Artikel wird klar gesagt dass das Fahrzeug nicht komplett recyclebar ist.
Raget 12.05.2018
2. Herzlichen Glückwunsch,
der Fiat Multipla hat seinen Meister gefunden.
der Fiat Multipla hat seinen Meister gefunden.
kenterziege 12.05.2018
3. Studenten dürfen das - sie müssen spinnen und ihrer Phantasie
....freien Lauf lassen. Schon der SMART sah aus, als wäre er von Studenten gebaut worden. Mit viel Geld hat Mercedes daraus ein halbwegs fahrbares Autochen gemacht. Beim Auto steht bei mir nicht das soziLverträgliche Ableben [...]
....freien Lauf lassen. Schon der SMART sah aus, als wäre er von Studenten gebaut worden. Mit viel Geld hat Mercedes daraus ein halbwegs fahrbares Autochen gemacht. Beim Auto steht bei mir nicht das soziLverträgliche Ableben im Focu, sondern Qualität, Robustheit, Leistung und Komfort. Wenn es dann auch noch locker 300.000 km hält dann ist es gut. Je länger ein Auto läuft, desto weniger muss es recycelt werden!
hermann_huber 12.05.2018
4. Kadett B
mein erstes Auto mit Bj 1972 liess sich auch komplett recyceln. Das war damals noch normal. Auch ohne Bezug auf die Bibel
mein erstes Auto mit Bj 1972 liess sich auch komplett recyceln. Das war damals noch normal. Auch ohne Bezug auf die Bibel
Lutz2344 12.05.2018
5. Design?
Also schön geht anders, vielleicht hätte man noch in einen Designer investieren sollen, ich hätte keine Lust jedesmal ausgelacht zu werden wenn ich mit diesem Auto auftauche...
Also schön geht anders, vielleicht hätte man noch in einen Designer investieren sollen, ich hätte keine Lust jedesmal ausgelacht zu werden wenn ich mit diesem Auto auftauche...

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP