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Mobilität

Lego-Bugatti

Rolling Stones

Den mehrere Millionen Euro teuren Supersportwagen Bugatti Chiron gibt es jetzt auch als Lego-Bausatz. Ein Highend-Klötzchen-Puzzle aus insgesamt 3599 Teilen. Für ein weiteres Element fehlte der Humor.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Dienstag, 12.06.2018   04:20 Uhr

"Wir hätten schon gern 3600 Einzelteile gehabt", sagt Lego-Designer Aurelien Rouffiange, "doch das Auto war mit 3599 Teilen einfach fertig." Er habe dann vorgeschlagen, berichtet der 33-Jährige, noch ein Croissant, das es im Lego-Sortiment als fertiges Einzelteil gibt, ins Handschuhfach zu legen: Es wäre Teil 3600 gewesen. Doch die Idee wurde verworfen. Mit einem Bugatti Chiron macht man keine Witze, auch nicht, wenn es sich um ein Spielzeugmodell handelt und wenn es eine charmante, zur französischen Herkunft des Supersportwagens passende Pointe gewesen wäre.

Jetzt sind es also 3599 Einzelteile, aus denen ambitionierte Bastler den Bugatti Chiron im Maßstab 1:8 zusammensetzen können. Lego-Mann Rouffiange, der im Lauf der eineinhalbjährigen Entwicklungszeit den Wagen "ungefähr 50 bis 70 Mal" zusammenbaute, schafft das nach eigenen Angaben inzwischen in rund sechs Stunden. "Ich würde aber jedem empfehlen, sich viel mehr Zeit zu lassen, um das Entstehen des Autos zu genießen", sagt er. Der Lohn der Fummelei: Ein 56 Zentimeter langes, 25 Zentimeter breites und 14 Zentimeter hohes Modell des Bugatti Chiron.

370 Euro kostet der Bausatz, der in einem schick gestalteten Karton inklusive zweibändiger Anleitung in den Lego-Läden steht. Es ist das aktuell teuerste Produkt des Lego-Technic-Sortiments. "Und es ist das komplexeste", sagt Rouffiange. Natürlich funktioniert die Lenkung, Türen und Hauben lassen sich öffnen, der Heckflügel kann aufgestellt werden, und auch das Fahrwerk ist dem Original nachempfunden. Ebenso der W16-Motor im Heck, bei dem im Modell die Zylinderköpfe fehlen, sodass man die Bewegungen der 16 gelben Kolben sieht, wenn man das Auto rollt - oder an der Kurbelwelle dreht. Die wiederum mündet in ein Getriebe, dessen acht Gänge sich per Wippen am Lenkrad durchschalten lassen.

Ein Auto für Schreibtisch oder Vitrine

In insgesamt 970 Abschnitten führt die Bauanleitung zum fertigen Auto. Natürlich ist das kein Kinderspielzeug, sondern eher etwas für Erwachsene. Offiziell empfiehlt Lego den Bausatz ab einem Alter von 16 Jahren. "Es sind vor allem Sammler, die so ein Auto bauen und es sich dann auf den Schreibtisch oder in eine Vitrine stellen", sagt Lego-Designer Rouffiange. Wobei vor allem das Bauen selbst die eigentliche Attraktion ist. Unter anderem deshalb, weil sich die einzelnen Abschnitte an jenen der originalen Bugatti-Chiron-Fertigung orientieren. So werden etwa Vorderwagen, Kabine und Heck zunächst separat zusammengestöpselt, ehe die drei Teile dann in der sogenannten Hochzeit miteinander verbunden werden. Rouffiange: "Wir haben uns das in der Bugatti-Manufaktur in Molsheim angesehen und dann fürs Modell nachempfunden."

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Lego-Bugatti: Blaues Steinchen-Wunder

Das Verblüffende an dem zweifarbigen (french racing blue und bleu royal) Lego-Bausatz ist, dass fast alle Teile, aus denen das Modell besteht, zum Teil seit Jahrzehnten im Lego-Programm vorhanden sind. Etwa die acht Glasbausteine, aus denen die charakteristischen Scheinwerfer bestehen oder auch das schwarze Bauteil im Kühlergrill. Lediglich fünf Teile mussten neu entworfen werden - drei davon für das Getriebe, dann die Bremssättel und die vier Räder. Wobei die Räder die einzigen Neuteile sein werden, die exklusiv dem Bugatti-Modell vorbehalten sind. Die anderen Steinchen werden künftig auch in anderen Lego-Kreationen zum Einsatz kommen.

Sichtbarkeit für Bugatti, Exklusivität für Lego

Für Lego und Bugatti ist der Chiron aus Klötzchen nicht einfach nur ein Spielzeug, das wurde schon dadurch klar, dass bei der Vorstellung des neuen Bausatzes im Lego-House im dänischen Billund Bugatti-Präsident Stephan Winkelmann und Lego-Vorstandschef Niels B. Christiansen anwesend waren. Winkelmann sagte, für Bugatti seien drei Aspekte bei derartigen Projekten entscheidend: "Sie müssen die Sichtbarkeit Bugattis steigern, es muss ein vernünftiges Geschäftsmodell zugrunde liegen und sie dürfen unseren starken Markenwerte nicht verwässern." Lego-Chef Christiansen erklärte, er liebe Autos und "schnelle Autos ganz besonders". Insofern sei der Bugatti-Chiron-Bausatz durchaus eine Herzensangelegenheit für ihn.

Für beide Marken scheint die Kooperation also fruchtbar zu sein. Wie man hört, rechnet Lego noch in diesem Jahr mit einem Absatz von rund 200.000 Bugatti-Chiron-Bausätzen weltweit. Zudem ist es wohl so, dass sich Thomas Kirk Kristiansen, Chef des Lego-Verwaltungsrates und damit Oberhaupt des Familienunternehmens in vierter Generation, einen Bugatti Chiron bestellt hat. Die Wartezeit auf das große Auto verkürzt er sich womöglich mit dem Zusammenbau des etwas kleineren Lego-Modells. Ein Croissant fürs Handschuhfach zu besorgen, dürfte für ihn kein Problem sein.

insgesamt 30 Beiträge
zappomat 12.06.2018
1.
Das Produkt ist völlig überteuert und wird wie einige andere verfehlte Lego-Technik-Modelle der letzten Zeit auch schon vielfach im Netz kritisiert. Oder auch schlicht verrissen und das offensichtlich zu Recht. Als Sammlerobjekt [...]
Das Produkt ist völlig überteuert und wird wie einige andere verfehlte Lego-Technik-Modelle der letzten Zeit auch schon vielfach im Netz kritisiert. Oder auch schlicht verrissen und das offensichtlich zu Recht. Als Sammlerobjekt ebenso wie als Technikmodell nur höchst bedingt tauglich. Leider wie das Original ein überteuerter Anachronismus.
ExigeCup260 12.06.2018
2. Technik-Modell?
Leider ist es kein echtes Technik-Modell. Man hat es noch nicht einmal geschafft, den W16-Motor richtig darzustellen - 370 Euro sind vollkommen überzogen für so eine primitive Technikdarstellung. Besser man hätte es in der [...]
Leider ist es kein echtes Technik-Modell. Man hat es noch nicht einmal geschafft, den W16-Motor richtig darzustellen - 370 Euro sind vollkommen überzogen für so eine primitive Technikdarstellung. Besser man hätte es in der Reihe Creator platziert.
held_der_arbeit! 12.06.2018
3. Schöner als das Original
Das Lego Modell sieht durch den zwangsläufig kantigeren Look und die zumindest nach Augenmaß längere Front- und Heckpartie deutlich wuchtiger und aggressiver aus. Dagegen wirkt das Original mit seinen weichen Linien und der [...]
Das Lego Modell sieht durch den zwangsläufig kantigeren Look und die zumindest nach Augenmaß längere Front- und Heckpartie deutlich wuchtiger und aggressiver aus. Dagegen wirkt das Original mit seinen weichen Linien und der kurzen Schnauze sehr brav, fast langweilig. Wäre doch schön mal einen echten Sportwagen in diesem Design zu sehen.
5b- 12.06.2018
4. Rolling Bricks
Legosteine sind in Englischen keine „stones“ sondern „bricks.“ Darüberhinaus ist dieser Legobausatz umstritten da er als Lego-Technik vermarktet wird obwohl er eher in „Creators“ passt. Normalerweise gilt für [...]
Legosteine sind in Englischen keine „stones“ sondern „bricks.“ Darüberhinaus ist dieser Legobausatz umstritten da er als Lego-Technik vermarktet wird obwohl er eher in „Creators“ passt. Normalerweise gilt für Technik-Bausätze, dass man die Technik im Betrieb sehen kann.
henson999 12.06.2018
5. Ganz übel
Für Sammler ist das Teil wirklich nichts. Die Technik-Funktionen sind im Vergleich zu anderen Sets wirklich arm. Der Motor ist ein V8, wie er auch im Porsche Modell verbaut war und da haben sie einfach rechts und links ein paar [...]
Für Sammler ist das Teil wirklich nichts. Die Technik-Funktionen sind im Vergleich zu anderen Sets wirklich arm. Der Motor ist ein V8, wie er auch im Porsche Modell verbaut war und da haben sie einfach rechts und links ein paar Zylinder drangepappt. Die Türen wackeln so sehr, das man Angst hat, die fallen direkt ab und für den Teilewert ist es gerade mal 100 Euro zu teuer. Die Zielgruppe sind sicherlich nicht die "normalen" Lego Sammler sondern Ersttäter, die einfach mal das "teuerste Modell" haben wollen.

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