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Auto

Vierte Generation der A-Klasse

A wie Ausrufezeichen

In der Mercedes-Hierarchie rangiert die A-Klasse weit hinter der S-Klasse, bisher zumindest. Mit der neuen Generation des Kompaktwagens gerät das System ins Wanken.

Daimler
Von
Freitag, 02.02.2018   19:38 Uhr

"Hey Mercedes ", sagt Werner Preuschoff zu seinem Dienstwagen. Dass er sein Auto begrüßt wie eine Freundin, liegt nicht an einem pathologisch-innigen Verhältnis zum Auto, sondern ist jobbedingt. Preuschoff gehört bei Mercedes zu den Projektleitern für das neue Bedienkonzept MBUX (Mercedes-Benz User Experience).

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Premiere Mercedes A-Klasse: Endlich bald knopflos

Mit diesem neuen Erlebnis will der Autokonzern mit den Hightech-Konzernen aus dem Silicon Valley gleichziehen. Das Kommando "Hey Mercedes" spielt dabei eine Schlüsselrolle. So, wie man beim iPhone Siri oder bei Amazon Alexa aktiviert, startet man mit dem Befehl eine Sprachsteuerung, wie es sie im Auto bislang noch nicht gegeben hat. Man muss keine Kommandos mehr aufsagen, sondern plaudert munter drauf los - und bekommt immer die passende Antwort. Egal ob man nach dem Wetter in Paris fragt oder einfach nur die Sitzheizung anschalten möchte. Selbst E-Mails oder Kurznachrichten diktiert man mit dem virtuellen Assistenten genauso schnell und gut wie mit Siri & Co. Mit jedem Befehl lernt das Auto den Fahrer besser kennen und schränkt die Auswahl für das nächste Mal entsprechend ein - oder erfüllt sogar immer mehr Wünsche im vorauseilenden Gehorsam.

Zum ersten Mal führt Mercedes eine bedeutende Technologie nicht ganz oben in der S-Klasse ein, sondern beim kleinsten Modell der Marke, der A-Klasse. Andere Hersteller wie beispielsweise Ford verfolgen diese Strategie schon länger, um jüngere Zielgruppen für Autos zu begeistern, die für sie finanziell erreichbar sind. Die neue MBUX mit Sprachsteuerung soll zum Highlight der A-Klasse werden, die in diesem Frühjahr in die vierte Generation geht.

Die Ingenieure verbesserten das Fahrverhalten

Im Innenraum empfängt den Fahrer nun ein digitales Cockpit. Die insgesamt bald einen Meter breite Tablet-Wand braucht keine lästige Hutze mehr, sondern steht völlig frei auf dem Armaturenbrett. Auch ein Touchscreen hält endlich Einzug. Wem es irgendwann die Sprache verschlägt - warum auch immer -, der kann auch nach Lust und Laune den Bildschirm drücken.

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Cockpit in der A-Klasse

Auch beim Komfort muss sich die A-Klasse nicht vor dem Top-Modell S-Klasse verstecken. Mercedes bietet für das Einstiegsmodell klimatisierte Massagesitze an, eine fein inszenierte LED-Beleuchtung in mehreren Dutzend Farben und ein umfangreiches Sicherheitspaket: Mit einem Heer von aktiven Assistenzsystemen soll der Griff zum Lenkrad nahezu überflüssig werden. Dass es trotzdem noch ein weiter Weg ist zum Roboterauto, zeigte zuletzt eine Statistik der kalifornischen Verkehrsbehörde, welche die Fahrereingriffe bei selbstfahrenden Versuchsautos auswies.

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Hinterleuchtete Ausströmer der Klimaanlage

Das Fahrverhalten wurde mit drei Zentimetern mehr Radstand und einer breiteren Spur verbessert, die Passagiere bekommen mehr Platz im Innenraum und knapp 30 Liter mehr Kofferraum. Weil die Karosseriesäulenverkleidung jetzt ein wenig schlanker ist, kann der Fahrer endlich auch zur Seite und nach hinten etwas sehen.

Nicht immer hatte Mercedes mit der A-Klasse ein glückliches Händchen

Für die neue Plattform, die künftig außer der B-Klasse, den GLA und den CLA auch eine A-Klasse-Limousine sowie einen zweiten kleinen Geländewagen tragen soll, gibt es eine komplett neue Motorengeneration - darunter einen 1,4 Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung und 163 PS im A200 und einen 2,0-Liter mit 225 PS für den A250. Wie bisher ist die A-Klasse ein Fronttriebler mit der Option auf Allrad, es gibt Schaltgetriebe mit sechs oder eine Doppelkupplung mit sieben Gängen, und neuerdings sind ausnahmslos alle Motoren - auch die Benziner - mit einem Partikelfilter ausgestattet. Ab dem 1. September des Jahres gilt eine Filterpflicht für alle Neuwagen.

Für den Konzern hat die A-Klasse in der Vergangenheit nicht nur Gutes bewirkt. In der ersten Generation machte das Auto Schlagzeilen, weil es beim Elchtest umkippte. Später entwickelte es sich zum Rentnerauto. Doch mittlerweile - spätestens mit Einführung der dritten Generation - sei der Konzern mit dem Einstiegsmodell auf Kurs, glaubt Franz-Rudolf Esch, Direktor des Instituts für Marken- und Kommunikationsforschung der EBS Universität: "Das Auto spricht eine junge Zielgruppe an, verjüngt die Marke und setzt mit seiner Designsprache ein Ausrufezeichen, das sich mittlerweile durch alle Modellreihen zieht."

Nicht zuletzt in der A-Klasse sieht Esch den Grund für das Wachstum der Marke und die Rückkehr an die Zulassungsspitze im Premium-Segment. Diese Entwicklung werde sich mit dem neuen Modell fortsetzen, ist Esch überzeugt und hält es für richtig, dass die Infotainment-Innovationen am unteren statt am oberen Ende der Modellpalette Einzug halten. "Man muss bei den Autos für eine junge Generation das einbauen, was diese Digital Natives erwarten," sagt Esch: Sie wollten ständig vernetzt und erreichbar sein und machen ihre Kaufentscheidung eher davon abhängig als von der Motorleistung.

MBUX kommt auch in der S-Klasse

Aber lässt die A-Klasse das Topmodell S-Klasse damit nicht alt aussehen? Nein, meint Esch. Mercedes gehe geschickt auf die unterschiedlichen Zielgruppenbedürfnisse ein. Lange allerdings wird man auch in der S-Klasse nicht mehr an Schaltern fingern müssen. Denn so, wie Ausstattungen früher von der Oberklasse sukzessive in kleinere Modelle eingeführt wurden, will Mercedes seine neue MBUX jetzt schnell "bottom-up" ausrollen, sagt Projektleiter Preuschoff . "Bis 2020 gibt es das in all unseren Autos."

insgesamt 160 Beiträge
Speedwing 02.02.2018
1. ....und braucht wieder kein Mensch
Man sollte sich mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren und den Fahrer nicht durch unnötigen Schnickschnack ablenken. Beide Händen gehören ans Lenkrad und der Blick auf die Straße und nur dahin, dann passieren auch wieder [...]
Man sollte sich mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren und den Fahrer nicht durch unnötigen Schnickschnack ablenken. Beide Händen gehören ans Lenkrad und der Blick auf die Straße und nur dahin, dann passieren auch wieder weniger Unfälle, mehr fällt mir dazu nicht mehr außer das Mercedes früher mal gut war...und vor allem ehrlich!
MisterD 02.02.2018
2. Endlich mit Touchscreen?
Touchscreen sind die lebensgefährlichste Erfindung im Automobilbau, die es jemals gegeben hat. Selbst das Wechseln des Radiosenders wird damit auf der Autobahn zum sekundenlangen Blindflug, Telefonkontakte mal gar nicht erwähnt. [...]
Touchscreen sind die lebensgefährlichste Erfindung im Automobilbau, die es jemals gegeben hat. Selbst das Wechseln des Radiosenders wird damit auf der Autobahn zum sekundenlangen Blindflug, Telefonkontakte mal gar nicht erwähnt. Schade, dass sich Daimler nun von der in der Premiumklasse üblichen Menüführung mittels Drehcontroller verabschiedet... Spracheingabe gerne, aber Touchscreens haben in keinem PKW was verloren. Wo ist da eigentlich der Unterschied zum Smartphone, das ich während der Fahrt nicht bedienen darf?
at.engel 02.02.2018
3.
So ein "altmodischer" Schalter hat halt immer noch ein paar Vorteile: Man muss nicht hinsehen, um ihn zu bedienen. Und man muss nicht permanent mit seinem Wagen quasseln... ganz zu schweigen davon, wenn man dann auch [...]
So ein "altmodischer" Schalter hat halt immer noch ein paar Vorteile: Man muss nicht hinsehen, um ihn zu bedienen. Und man muss nicht permanent mit seinem Wagen quasseln... ganz zu schweigen davon, wenn man dann auch noch parallel dazu irgendwelche Mails beantworten will und man gleichzeitig auf dem Rücksitz mit den Kindern reden möchte. Und abgesehen davon, hätte ich auch keine Lust mit jemanden mitzufahren, der permanent mit seinem Wagen redet. Aber ich bin natürlich auch gar kein potentieller Kunde...
leidernein 02.02.2018
4. @2
Gar keiner. Der Unterschied ist, das Automobilhersteller der Politik diktiert haben, das uneingeschränkte Handyverbot am Steuer zu erhalten, damit ihre teuren Extras salonfähig sind.
Gar keiner. Der Unterschied ist, das Automobilhersteller der Politik diktiert haben, das uneingeschränkte Handyverbot am Steuer zu erhalten, damit ihre teuren Extras salonfähig sind.
upalatus 02.02.2018
5.
Das freistehende cockpit ist optisch sehr schön gelungen, weil einfache Form, nicht fett; wenn das Teil teilbar konstruiert wär, könnt die rechte Hälfte/rechtes Drittel herausnehmbar mobil genutzt werden.... . Irgendwie macht [...]
Das freistehende cockpit ist optisch sehr schön gelungen, weil einfache Form, nicht fett; wenn das Teil teilbar konstruiert wär, könnt die rechte Hälfte/rechtes Drittel herausnehmbar mobil genutzt werden.... . Irgendwie macht sich die Ahnung breit, dass solcherlei 'Funktionsmodule' inklusive Schaltkulisse sich mal nach Benutzung clean in die Interieuroberfläche verdrücken, beim Einsteigen autom. wieder 'hochfahren'. Dagegenstehende Bowdenzüge oder Hebelverbindungen gibts ja nicht mehr. Die blauilluminierten Lüfterdüsen sind dagegen Überkandidel. Anstatt dem Aufwand hätt ich lieber endlich ein Zwei-Tassen-Kaffeemodul.

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