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Mobilität

Oldtimer-Image

Alte Liebe rostet doch

Die Zahl der Oldtimer in Deutschland steigt stetig. Weil sie so beliebt sind? Offenbar nicht - wie das Ergebnis einer Studie jetzt zeigt.

Daimler
Von Haiko Prengel
Freitag, 11.05.2018   04:44 Uhr

Oldtimer-Fahrer stoßen mit ihren Fahrzeugen auf weniger Begeisterung als früher. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Danach hat die Beliebtheit von alten Autos und Motorrädern in der deutschen Bevölkerung deutlich abgenommen.

So glaubt inzwischen mehr als jede Fünfte, dass Oldtimer die Umwelt verschmutzen. Auch die Überzeugung, dass automobile Klassiker viel Krach machen und das Oldtimer-Hobby vor allem ein Freizeitvertreib für Reiche sei, hat sich verfestigt.

Für die Untersuchung befragte das Institut für Demoskopie Allensbach rund 1400 Bürger, darunter gut 1000 Autofahrer. 42 Prozent gaben an, sich zu freuen, wenn sie einen Oldtimer auf der Straße sehen. 41 Prozent würden gerne einmal in einem Klassiker fahren. "Eigentlich ein tolles Ergebnis - wenn die Werte von 2015 nicht deutlich besser wären", resümieren die Forscher. Damals hatten sich noch über die Hälfte der Bürger (53 Prozent) gefreut, wenn sie im Straßenverkehr einem automobilen Veteranen begegneten.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Fahrverbote für besonders umweltschädliche Pkw sind die Studienergebnisse heikel. Denn Oldtimer-Fahrer genießen mit ihren oft katalysatorfreien Autos ein besonderes Privileg: Dank des H-Kennzeichens für historische Fahrzeuge dürfen sie auch mit Uralt-Verbrennern in die Umweltzonen der Städte einfahren und freuen sich überdies über einen gedeckelten, relativ niedrigen Kfz-Steuersatz von 191 Euro. Ob VW Käfer, Opel Kadett oder US-Straßenkreuzer: Seit Jahren schnellt die Zahl der Fahrzeuge mit H-Kennzeichen in die Höhe. Anfang 2018 gab es mit 422.213 Pkw einen neuen Höchststand, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilte. Dazu kamen über 2,3 Millionen Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen, darunter viele Klassiker.

Die Branche rund um die Klassiker wächst

Wie der Imageverlust der Oldtimer zu erklären ist, darüber rätseln die Allensbach-Forscher. Schon seit vielen Jahren sei in der Bevölkerung ein leicht zurückgehendes allgemeines Interesse an Autos und Motorrädern zu beobachten - und das, obwohl die Fahrzeugbestände laut Kraftfahrt-Bundesamt gleichzeitig stetig steigen. "Ein Grund für diesen schleichenden Interessenwandel ist die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen Fahrzeuge heute als Verkehrsmittel nutzen", heißt es. Menschen, für die Autos und Motorräder keine besondere Bedeutung mehr hätten, ließen sich auch schwerer für Oldtimer begeistern.

Dabei wächst die Branche rund um die Klassiker ständig. Seit Jahren boomt das Geschäft mit Old- und Youngtimern. Ob Messen, Auktionen oder Restaurationsaufträge für Fachwerkstätten: Es handelt sich um einen Milliardenmarkt mit weiterem Wachstumspotenzial, so das Allensbach-Institut. Obwohl der durchschnittliche Klassiker nach Angaben der Versicherungswirtschaft mit rund 20.000 Euro versichert sei und damit nicht höher zu Buche schlage als ein neuer Kompaktwagen, halte die Mehrheit der Deutschen Oldtimer für ein sehr teures Hobby, das sich nur gut Betuchte leisten könnten.

Diese Auffassung ist laut der Studie vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Berichterstattung in den Medien meist um besonders exotische und extrem teure Fahrzeuge drehe. "Auktionsergebnisse und Spekulationsgewinne mit 'Garagengold' spielen hier eine große Rolle." Diese einseitige Sichtweise verzerre das Bild und könne langfristig die Einstellung der Gesellschaft zu Oldtimern und ihren Besitzern "negativ beeinflussen".

insgesamt 94 Beiträge
dasfred 11.05.2018
1. Ich verstehe die Abneigung nicht
So viel Fahrzeuge, dass es zu nennenswerter Luftverschmutzung kommt, gibt es gar nicht. Ich bin eigendlich immer freudig überrascht, wenn ich mal wieder ein Fahrzeug sehe, dass mir noch aus jungen Jahren bekannt ist. Vielleicht [...]
So viel Fahrzeuge, dass es zu nennenswerter Luftverschmutzung kommt, gibt es gar nicht. Ich bin eigendlich immer freudig überrascht, wenn ich mal wieder ein Fahrzeug sehe, dass mir noch aus jungen Jahren bekannt ist. Vielleicht liegt es an der zunehmenden Wegwerfmentalität meiner Mitbürger. Es wird ja kaum noch etwas gepflegt und repariert, sondern lieber gleich neu gekauft. Was nicht auf der Höhe angesagter Mode ist, ist nicht mehr interessant.
emporda 11.05.2018
2. alt und primitiv
Ich hatte den Vorteil in den 70er und 80er Jahren viele der "Oldtimer" fahren zu müssen. Dabei zieigten sich folgende Punkte 1) die technische Ausstattung ist primitiv bis zur Schmerzgrenze. Die Scheibenwaschanlage [...]
Ich hatte den Vorteil in den 70er und 80er Jahren viele der "Oldtimer" fahren zu müssen. Dabei zieigten sich folgende Punkte 1) die technische Ausstattung ist primitiv bis zur Schmerzgrenze. Die Scheibenwaschanlage beim supertollen 300 SE Mercdes war ein Gummibalg, auf den man ständig treten musste 2) die Zuverlässigkeit ist miserabel, es ist laufend alles kaputt gegangen was nur denkbar ist. Mercedes hatte eine Aiutomatic mit schlechten Nuten für die Seegerringe. Hin und wieder sprang einer raus, man hatte 1 Gang weniger und einige 1000 DM Reparatur am Hals 3) der Verbrauch bei den Benzinern mit 14 - 22 Liter Super kann sich heute niemand mehr leisten Ich fahre einen EURO-6 Diesel mit 4,1 4,4 Liter/200 km, der geht die ersten 75.000 km nicht einmal in die Werkstatt. Öl und Filter mache ich selber, technische Probleme sind unbekannt
Papazaca 11.05.2018
3. So viel altes, so wenig aufregend
Von den 15 Oldtimern haben mir nur der VW-Bus, der Käfer und der Porsche gefallen. Vielleicht noch der Mercedes SL 107. Richtig aufregend fand ich die meisten vorgestellten Oldtimer jetzt nicht. Allein das Alter ist keine [...]
Von den 15 Oldtimern haben mir nur der VW-Bus, der Käfer und der Porsche gefallen. Vielleicht noch der Mercedes SL 107. Richtig aufregend fand ich die meisten vorgestellten Oldtimer jetzt nicht. Allein das Alter ist keine Garantie für das Außergewöhnliche. Bahnbrechendes Design wie vom Citroen DS oder vom Jaguar E ist eben selten und oft nicht alltagstauglich.
schlauchschelle 11.05.2018
4. Nachvollziehbar
Kann dem Bericht nur zustimmen, obwohl ich selbst 3x Alteisen besitze (2x H, 1x Saison). War am letzten WE mit einem davon unterwegs und muss sagen, dass mir viele Wagen mit H aufgefallen sind, allen voran 6 VW Käfer, aber auch 3 [...]
Kann dem Bericht nur zustimmen, obwohl ich selbst 3x Alteisen besitze (2x H, 1x Saison). War am letzten WE mit einem davon unterwegs und muss sagen, dass mir viele Wagen mit H aufgefallen sind, allen voran 6 VW Käfer, aber auch 3 MB /8. Und so ist es wie mit vielem: Wenn zuviel davon da ist, wird es uninteressant bzw. fad oder schlägt in das Gegenteil um. Was noch hinzu kommt: Viele Oldiebesitzer fahren z.T. seeehr defensiv. Kann ich vollkommen nachvollziehen: mit einem alten Wagen hat man i.d.R. nicht die Straßenlage moderner Autos, zudem schont es Material (und Nerven). Auch können viele Wagen, welche bis so Ende der 1970-er gebaut wurden, leistungsmäßig nur schwer mithalten. Demnach nervt es die Fahrer im Alltagsverkehr / Rushhour, wenn plötzlich ein "Hindernis mit 45PS und Chromstoßstangen" mit 70-80 da rumfährt. Habe ich schon öfter gehört von genervten Zeitgenossen. Was noch hinzukommt: In nahezu jeder TV-Serie, allen voran ARD / ZDF etc. sieht man die Protagonisten in Oldtimern herumfahren, so als wäre es das Natürlichste der Welt, und dann meist in hochpreisigen oder Luxuskaleschen wie Porsche, MB, BMW, immer öfter AUDI usw. Dann, wie im Bericht schon geschildert, liest / sieht man in der Presse auch immer nur hochpreisige Luxuswagen oder bei Rallyes / Veranstaltungen immer die gleichen wie VW Käfer, OPEL Kadett B & C, MB /8, Porsche, Ferrari usw. Kein Wunder, dass auch meine Nachbarin zu mir "Familie Neureich" sagt. Ich befürchte sowieso, dass, wenn es weiter bergauf geht mit den H-Zulassungen, die Kriterien massiv verschärft und die Steuern drastisch erhöht werden: Einfahrt in Umweltzone verboten je nach Wetterlage, Geräuschlimitierung, Zustand nicht unter 2Minus oder ähnlich, um zu vermeiden, dass irgendwann in jeder 3. Einfahrt ein Käfer, Golf I & II, Kadett B & C, MB /8, BMW 320i usw. usf. steht. Ganz ehrlich: Obwohl ich Oldies sehr mag, freue ich mich viel mehr, wenn mir, wie letztes WE, ein Mazda 323 aus den 1980-ern begegnet mit H, eine gesunde Patina aufweisend, als wenn mir ein Top-Restaurierter Käfer, Ferrari, MB etc. begegnet, denn gerade die Allerweltsjapaner sind nahezu ausgestorben...
bloedel123 11.05.2018
5. Immer mehr nur Geldanlage
Seit Beginn der Nullzinsphase wird der Oldtimer-Markt (wie der Immobilien-Markt) mit Geld überschwemmt und damit kommt das entsprechend unappetitliche Publikum. Die echten Liebhaber geraten in die Minderheit. Wenn schon die FAZ [...]
Seit Beginn der Nullzinsphase wird der Oldtimer-Markt (wie der Immobilien-Markt) mit Geld überschwemmt und damit kommt das entsprechend unappetitliche Publikum. Die echten Liebhaber geraten in die Minderheit. Wenn schon die FAZ regelmäßig über die Geldanlage "Oldtimer" berichtet...

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