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Mobilität

Neuer Porsche 911

Elfer-Evolution

Porsche bereitet den Start des neuen 911 vor. In der Vergangenheit hat der Sportwagenhersteller die Fans oft mit großen Technikbrüchen geschockt. Diesmal nicht - dafür gibt es Mikrofone in den Radhäusern.

Porsche
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Donnerstag, 11.10.2018   00:12 Uhr

Es hat ein bisschen was von einem Agenten-Thriller, wenn August Achleitners Arbeitstag beginnt. Noch im Morgengrauen huschen er und seine Kollegen in die Tiefgarage ihres Hotels in San Francisco, steigen in getarnte Autos und machen sich auf den Weg in die kalifornischen Bergketten.

Achleitner ist in geheimer Mission unterwegs. Der Porsche-Mann ist verantwortlich für den 911 und dreht kurz vor der Weltpremiere Ende November in den USA die letzten Testrunden mit der neuen Generation des Sportwagens, die intern als Baureihe 992 geführt wird. Im Frühjahr soll sie in den Handel kommen.

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Porsche 911: Ganz schön geladen - aber ohne Strom

Solche sogenannten Erlkönige haben auf PS-Fans immer eine hohe Anziehungskraft. Doch kaum irgendwo giert die Fangemeinde so sehr nach Information und Indiskretion wie beim Porsche 911. Schließlich gilt er als der Sportwagen schlechthin und hat deshalb einen besonders großen, interessierten und kritischen Freundeskreis. Traditionell begleiten die Elfer-Freunde Neuerungen mit ausgeprägter Skepsis. Das war 1998 so, als Porsche seine Motoren von Luft auf Wasserkühlung umgestellt hat, und das war 2015 so, als die Saugmotoren plötzlich auch in den Grundvarianten durch aufgeladene Triebwerke mit Turbos ersetzt wurden.

911-Fans haben wohl einen Sportwagen unter Strom erwartet

Entsprechend groß ist jetzt auch die Nervosität vor der Premiere der Generation 992. Nachdem Porsche rund um das Projekt Mission E die Elektrifizierung konsequenter vorantreibt als viele andere Hersteller, haben die meisten 911-Fans wohl auch einen Sportwagen unter Strom erwartet.

Porsche

Baureihenleiter August Achleitner

Doch wenn man Achleitner und seine Truppe aus der Tiefgarage kommen sieht oder besser hört, klingt das nach vertrautem Boxer-Brüllen und nicht nach dem Sound of Silence. Ein paar wenige mag das enttäuschen, die meisten aber beruhigen: Der Revolution lässt auf sich warten und Porsche belässt es noch einmal bei einer Evolution: Der neue Elfer sieht deshalb zumindest unter der Tarnfolie im Groben und Ganzen nicht nur aus wie der alte und kommt dem Original dank tiefer ausgeformten Kotflügeln sogar wieder ein bisschen näher. Er klingt und vor allem fährt er auch so. Im Heck steckt das 3,0-Liter große Aggregat aus dem Vorgänger - nur dass es natürlich ein bisschen optimiert wurde. So zwingt die neue Schadstoffnorm Porsche zum ersten Mal dazu, einen Partikelfilter zu nutzen, neuerdings wird der Motor mit einem acht- statt siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe kombiniert.

Die Revolution ist allerdings nur aufgeschoben. Die Architektur des neuen Elfers sei sehr wohl auf eine Elektrifizierung ausgelegt, sagt Achleitner während der Testfahrt. Nur sei er mit den Akkus bislang nicht zufrieden. Seine Kollegen bei Panamera oder Cayenne hätten keine Probleme mit den Batterien, weil ihre Autos genügend Platz bieten und ein paar Pfunde mehr oder weniger kaum ins Gewicht fallen. "Doch unter dem Blech des Elfers ist es eng, und bei einem Sportwagen zählt jedes Kilo", sagt Achleitner.

Angenehmeres Fahrgefühl im Alltag

Frühestes in drei, vier Jahren, wenn die erste große Modellpflege ansteht, rechnet der Projektleiter deshalb mit einer Plug-in-Version - und anschließend mit der üblichen Kritik konservativer Kunden. Aber die kann ihn eigentlich kalt lassen, sagt Andreas Bippes, der im Internet das Porsche-Forum PFF betreibt: "Genauso schnell, wie die Fangemeinde aufbraust, so schnell beruhigt sie sich auch wieder. Und so laut sie vorher alle schimpfen, so laut ist der Jubel nach der ersten Testfahrt."

Wenn die Motoren die alten sind und sich das Design nicht groß ändert, was haben Achleitner und seine Kollegen sonst getan? "Wir haben die Fahrbarkeit verbessert", sagt der Projektleiter und verspricht sowohl mehr Sportlichkeit als auch Alltagstauglichkeit. Für das eine Extrem steht eine überarbeitete Lenkung zur Verfügung, die noch präziser ist und einem ein noch besseres Gefühl für die Straße gibt, außerdem besitzt der Elfer ein neu abgestimmtes Fahrwerk und eine Mischbereifung, die hinten größer ist als vorn. So kann der Elfer hinten seine Kraft besser auf die Straße bringen und vorne lässt er sich leichter lenken.

Für das angenehme Fahrgefühl im Alltag stehen zum Beispiel eine noch bessere Entkopplung des Motors von der Kabine und der verhaltene Einsatz von Assistenzsystemen. Zwar sieht Achleitner wenig Sinn darin, dem Fahrer ausgerechnet in einem Sportwagen das Steuer aus der Hand zu nehmen. Doch zumindest bei der Spurführung und der Wahrung des Mindestabstands wird man jetzt elektronisch unterstützt.

Mikrofone in den Radkästen

Zudem hat Porsche noch ein völlig neues Assistenzsystem entwickelt, das den Fahrer vor Wasser auf der Straße warnt. "Viel Leistung, breite Reifen und wenig Grip sind eine gefährliche Kombination", sagt Achleitner. Damit auch unerfahrene Porsche-Kunden da nicht buchstäblich ins Schwimmen kommen, lauschen Mikrofone in die Radkästen und erkennen, ob Spritzwasser gegen die Verkleidung prasselt. Dann warnen sie nicht nur den Fahrer, sondern ändern gleich auch die Programmierung verschiedener Sicherheitssysteme, darunter das Fahrstabilitätsprogramm ESP.

Zumindest in der Theorie soll das so sein. In der Praxis ist das eines der wenigen Details, das Achleitner und seine Kollegen auf ihrer geheimen Mission in Kalifornien nicht ausprobieren können. Weil dafür einfach das Wetter zu gut ist. Aber bald geht es zurück nach Deutschland, und der nächste Herbstregen kommt bestimmt.

insgesamt 99 Beiträge
gutmensch-mit-hirn 11.10.2018
1. Antennen am Heck?
Ich dachte eigentlich, die Zeiten von Drahtantennen am Heck wären vorbei. Aber auf den Fotos sieht man sie wieder. Sind das spezielle Antennen, welche nur die Testfahzeuge benötigen, braucht man so etwas noch in „Gods own [...]
Ich dachte eigentlich, die Zeiten von Drahtantennen am Heck wären vorbei. Aber auf den Fotos sieht man sie wieder. Sind das spezielle Antennen, welche nur die Testfahzeuge benötigen, braucht man so etwas noch in „Gods own country“ oder kommen Drahtantennen in Zeiten von DAB tatsächlich zurück?
geotie 11.10.2018
2.
Also wenn Porsche das nicht getestet haben sollte, dass mit dem Regenwasser, den Mikrophonen und die Umschaltung auf die Sicherheit, dann tun die mir leid. Ich gehe mal davon aus, dass alles auf Herz und Nieren getestet wurde und [...]
Also wenn Porsche das nicht getestet haben sollte, dass mit dem Regenwasser, den Mikrophonen und die Umschaltung auf die Sicherheit, dann tun die mir leid. Ich gehe mal davon aus, dass alles auf Herz und Nieren getestet wurde und nichts dem Zufall überlassen wurde. Bei den Preisen sollte man das schon von Porsche erwarten!
robinlott 11.10.2018
3.
Seine alte Eleganz hat der 911 schon lange verloren. Außerdem gehört Porsche zum VW- Konzern.
Seine alte Eleganz hat der 911 schon lange verloren. Außerdem gehört Porsche zum VW- Konzern.
galrie-ae 11.10.2018
4. 911er
Evolution? ein 911er hat 6 Zylinder, ist luftgekühlt und kommt ohne elektronischen Schnick Schnack aus. Alles andere sind Seifenkisten aus dem Golfregal Gleiches gilt für alle anderen "Porsche": VWs mit [...]
Evolution? ein 911er hat 6 Zylinder, ist luftgekühlt und kommt ohne elektronischen Schnick Schnack aus. Alles andere sind Seifenkisten aus dem Golfregal Gleiches gilt für alle anderen "Porsche": VWs mit Porsche Emblem . . .
DerBlicker 11.10.2018
5. so ein Auto wäre unverkäuflich
Niemand würde für 100 000 Euro einen technischen Oldtimer kaufen. Nein, der Porsche 911 ist nur erfolgreich, weil er immer mit der Zeit ging. Den 911 wird es irgendwann auch als E-Auto geben. Autos mit antiquierter Technik [...]
Zitat von galrie-aeEvolution? ein 911er hat 6 Zylinder, ist luftgekühlt und kommt ohne elektronischen Schnick Schnack aus. Alles andere sind Seifenkisten aus dem Golfregal Gleiches gilt für alle anderen "Porsche": VWs mit Porsche Emblem . . .
Niemand würde für 100 000 Euro einen technischen Oldtimer kaufen. Nein, der Porsche 911 ist nur erfolgreich, weil er immer mit der Zeit ging. Den 911 wird es irgendwann auch als E-Auto geben. Autos mit antiquierter Technik sind unverkäuflich.

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