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Auto

Neuer Porsche Panamera

Reichenbeschleuniger

Über den ersten Panamera wurde gelacht. Jetzt hat Porsche den Nachfolger vorgestellt und lacht selbst: Weil der schnelle Viertürer der Konkurrenz zeigt, was eine moderne Luxus-Limousine ist.

Porsche/ Right Light Media/ Manuel Hollenbach
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Mittwoch, 29.06.2016   14:22 Uhr

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Blick auf Dinge im Laufe der Zeit ändert. Als der erste Porsche Panamera auf den Markt kam, waren die Leute weniger von der Tatsache entsetzt, dass Porsche eine viertürige Limousine baute, als davon, wie sie aussah. Dieser fette Hintern, was war das denn?

Am Dienstag hat Porsche den neuen Porsche Panamera in Berlin vorgestellt. Der von Porsche-Fans "Walbuckel" getaufte Hintern ist weg, Geschichte. Und auf einmal denkt man: Schade eigentlich.

Der neue Panamera sieht schick aus. Man könnte auch sagen: gefällig. Statt in Form eines Walbuckels fällt die Dachlinie nach hinten eher wie die des 911 ab, sanft geschwungen. Überraschend ist eigentlich, dass Porsche vom ersten Panamera trotz seines Aussehens 150.000 Stück verkauft hat. Mit dem geglätteten Look des Nachfolgers dürfte die Quote noch steigen.

Der Panamera ist erst der Anfang

"Porsche hat mit dem Panamera auf Anhieb den Weg ins Limousinen-Segment geschafft und eine Basis für weitere Expansionen gelegt", urteilt Henner Lehne vom Analysten IHS. "Das wird sich in den kommenden Jahren noch bezahlt machen." Den Erfolg wollen die Zuffenhausener nämlich offensichtlich ausbauen: Ein Kombi namens Panamera Shooting Break ist fest eingeplant, zudem hält sich das Gerücht über eine kleinere Limousine "Pajun" hartnäckig.

Die zweite Generation des Panamera, die bis auf das Porsche-Wappen kaum mehr ein Bauteil des Vorgängers nutzt, könnte das gesamte Segment, vor allem aber die Luxuslimousinen im eigenen Konzerngefüge stark beeinflussen. Der Panamera II, der im November zu Preisen ab zunächst 113.027 Euro in den Handel kommt und auf einer neuen Plattform steht, zeigt in vielen Disziplinen, wie eine innovative Luxuslimousine auszusehen hat.

Weltpremiere des neuen Panamera in Berlin

Foto: Tom Grünweg

Am wenigsten allerdings bei den klassischen Porsche-Tugenden. Natürlich ist der Panamera II wieder etwas schneller und stärker als sein Vorgänger. Und er schafft die Runde auf der Nordschleife in 7:38 Minuten und damit so schnell wie ein 911 GT3 der Generation 997. Doch im Grunde ist das genau wie die achtstufige Doppelkupplung alles nur Evolution, für die Porsche-Chef Blume am Premierenabend in Berlin kaum mehr als eine Fußnote übrig hat.

Motoren von Gestern, Cockpit von Morgen

Die eigentliche Revolution findet im Innenraum statt - mit einem völlig neuen Anzeige- und Bedienkonzept: "Advanced Cockpit" heißt die Landschaft aus hochauflösenden Displays, Touchscreens und berührungsempfindlichen Konsolen, die Konkurrenzmodelle und ihre Bedienkonzepte gefühlt zurückwirft in die Steinzeit. Das Cinemascope-Cockpit der S-Klasse, die Uhrensammlung im Siebener oder Audi A8 - ja selbst das riesige Tesla-Tablet sehen dagegen irgendwie oldfashioned aus.

Porsche/ Right Light Media/ Manuel Hollenbach

Auf den Schirm! Großzügige Display-Landschaft im neuen Panamera

Wo die Bedienung sonst eher eine Last ist, bekommt man im Panamera bei der ersten Sitzprobe so viel Lust am Rumfummeln, dass man gar nicht mehr aussteigen möchte. Selbst zwischen den beiden Sitzen im Fond haben die Entwickler eine digitale Spielkonsole eingebaut. Nur in zwei Punkten bleiben sich die Schwaben eisern treu: Zwischen all den Displays prangt wie schon beim Ur-Porsche 356 in der Mitte der Instrumente und natürlich analog ein riesiger Drehzahlmesser. Und das Zündschloss sitzt wie eh und je links vom Lenkrad.

Die Karosserie haben die Schwaben erstmals komplett aus Aluminium gefertigt und damit mehr als 70 Kilo gespart. Beim Gesamtgewicht merkt man davon allerdings wenig, weil Ausstattung und Sicherheitsfeatures das Gewicht wieder in die Höhe getrieben haben. Für die Materialwahl hat Porsche tief in die Tasche gegriffen, sagt Blume: "Wir haben allein im Werk Leipzig 500 Millionen Euro investiert und im letzten Jahr zudem einen eigenen Werkzeugbau gekauft." Deshalb soll das Panamera-Beispiel Schule machen: "Alle künftigen Porsche-Modelle werden zu mindestens 90 Prozent aus Aluminium bestehen."

So innovativ Aufbau und Ausstattung, so altbacken ist der Antrieb, auch wenn alle Motoren neu sind und deshalb im besten Fall einen Liter weniger verbrauchen. Los geht es mit einem V6-Benziner von 2,9 Litern Hubraum und 440 PS im Panamera 4S und einem vier Liter großen V8-Motor mit 550 PS und einem Spitzentempo von 306 km/h im Panamera Turbo.

Wow, ein Diesel!

Der in jeder Hinsicht spannendste Motor ist aber der Diesel. Zum einen, weil der vom Audi SQ7 übernommene und für Porsche adaptierte Vier-Liter-V8 mit 422 PS und 850 N auf 285 km/h kommt und damit zum schnellsten Serien-Selbstzünder wird. Vor allem aber, weil es ihn überhaupt gibt: Angesichts des VW-Diesel-Skandals, von dem auch Porsche betroffen ist, hätte es niemanden gewundert, wenn der Ölbrenner kurzerhand ausgemustert worden wäre. "Das stand nie zur Debatte", sagt Blume und schwört einen Treueeid auf den Diesel, als hätte es #Dieselgate nie gegeben: "In vielen Ländern ist er für die CO2-Vorgaben unerlässlich und in wichtigen Märkten wie den USA wird er wegen seiner immensen Reichweite geschätzt." In Wahrheit werden in den traditionell eher Diesel-skeptischen USA vor allem die Hybridmodelle punkten, von denen Porsche immerhin zwei angekündigt hat: einen in Kombination mit dem V6 zum Sparen und einen mit V8-Motor zum Spurten.

In Punkto Fahrwerk gibt es Feintuning in Form einer neuen Luftfederung mit drei Kammern pro Rad, einem weiterentwickelten Torque Vectoring und wie im 911 Turbo eine Hinterradlenkung. So weit, so erwartbar. Interessanter ist der Ausbau der Assistenzsysteme. Immerhin war es der heutige VW-Chef Matthias Müller, der in seiner Zeit als Porsche-Chef das autonome Fahren für Quatsch erklärt hatte - zumindest für eine Marke wie Porsche.

Und er fährt doch - selbst

Nun ist Müller weg und es gibt allerlei digitalen Firlefanz an Bord des neuen Panamera, zum Beispiel den InnoDrive, der mit Navigationsdaten, Radar- und Kamerasensoren drei Kilometer weit vorausschaut und das Auto automatisch auf die bevorstehende Strecke einstellt. Während das noch zur Idealvorstellung eines professionellen Co-Piloten passt, müssen sich Porsche-Fahrer mit dem Stau-Assistenten so ganz langsam ans autonome Fahren gewöhnen. Denn zumindest bis Tempo 60 bremst und beschleunigt die Elektronik nicht nur, sondern greift auch ins Lenkrad.

Wenn man sich das alles so anschaut, wirkt der neue Panamera tatsächlich wie der Aufbruch in eine neue Ära für Porsche. Und der alte Panamera, obwohl er noch gar nicht so alt ist, scheint von Gestern, auf eine charmante Art. Gerade weil er auf eine störrische Art traditionell und mit seinem Buckel auch ein echter Individualist war. Dass man sowas mal schreiben würde …

insgesamt 90 Beiträge
rambo2012 29.06.2016
1. Innenausstattung
Bild 7: -Klavierlack (FIngerabdrücke, zerkratzt leicht, staubanfällig) -Knöpfe ohne haptisches Feedback -> ganz schlecht
Bild 7: -Klavierlack (FIngerabdrücke, zerkratzt leicht, staubanfällig) -Knöpfe ohne haptisches Feedback -> ganz schlecht
2cv 29.06.2016
2. (M)ein grösstes Problem...
(M)ein grösstes Problem...ist - mal wieder - dass auf der ach so hochgelobten Mittelkonsolen-Bedienung keine haptisch fühlbaren Knöpfe zu fühlen sind, sondern man hinschauen muss, welchen Knopf man drückt, und mal wieder [...]
(M)ein grösstes Problem...ist - mal wieder - dass auf der ach so hochgelobten Mittelkonsolen-Bedienung keine haptisch fühlbaren Knöpfe zu fühlen sind, sondern man hinschauen muss, welchen Knopf man drückt, und mal wieder einige mehr Meter im absoluten Blindflug verbringen will. Nach dem, was ich sehe, sind keine Knopfmulden zu sehen. Eigentlich müsste die Versicherungswirtschaft eine Innenraumkamera installieren, die auf den Fahrer gerichtet ist, und die letzten 20 Sekunden vor Unfall registriert, um zu sehen, wie sehr dieser abgelenkt war...
nici_d 29.06.2016
3. Typisch Porsche
Porsche macht alles richtig. Nur ein _Zündschloss_ ist so was von oldfashioned, zumal der Diesel ja gar keine Zündung hat.
Porsche macht alles richtig. Nur ein _Zündschloss_ ist so was von oldfashioned, zumal der Diesel ja gar keine Zündung hat.
bamdaschmu 29.06.2016
4.
Porsche, egal welcher, ist und bleibt ein platter Käfer.
Porsche, egal welcher, ist und bleibt ein platter Käfer.
Crawfish71 29.06.2016
5. Shooting BRAKE
Beim Hantieren mit einer Fremdsprache ist erhöhte Vorsicht geboten, ein "break" ist etwas anders als ein "brake", auch wenn sie identisch ausgesprochen werden. "Shooting break" wäre so etwas wie ein [...]
Beim Hantieren mit einer Fremdsprache ist erhöhte Vorsicht geboten, ein "break" ist etwas anders als ein "brake", auch wenn sie identisch ausgesprochen werden. "Shooting break" wäre so etwas wie ein Pause, in der man rumballern geht. https://en.wikipedia.org/wiki/Shooting-brake
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