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Mobilität

Staatsgelder für E-Autos

Keine Kohle für Stromer

Vollladen, bitte: Deutschlands Autobauer wollen Staatsgelder, um ihren Rückstand bei E-Auto-Entwicklung aufzuholen. Die Kanzlerin sollte ihnen keinen Cent geben - denn die Innovationsversprechen der Konzerne haben sich häufig als Luftnummer erwiesen.

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Kanzlerin Merkel bei der Eröffnung einer Elektrozapfsäule: Staatshilfe für Stromer

Ein Kommentar von
Donnerstag, 29.04.2010   11:41 Uhr

Wenn die Autobosse Norbert Reithofer, Dieter Zetsche und Martin Winterkorn am 3. Mai bei der Kanzlerin zum Elektroautogipfel vorfahren, dann werden sie mit einer Stimme sprechen und Angela Merkel ihr dringendes Anliegen vortragen: Das elektrifizierte Automobil der Zukunft, so werden sie argumentieren, können BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen nur dann bauen, wenn sie staatliche Unterstützung erhalten.

Wie bitte?

Einen Milliardenbetrag an Forschungszuschüssen wollen die Vorstandschefs der Kanzlerin abluchsen. Ihr Kernargument: Dem Autoland Deutschland muss die Neuerfindung des Pkw ein besonderes industriepolitisches Anliegen sein - um mit Toyota, Nissan oder General Motors in Sachen Elektromobilität mithalten zu können, sei ein nationaler Kraftakt erforderlich.

Mehr Umsatz als der Bundeshaushalt

Man muss kein Marktliberaler sein, um angesichts dieser Forderung Magenkrämpfe zu bekommen. Die deutschen Autobauer haben bereits den Hybridantrieb verschlafen, auch beim Elektroauto liegen sie nicht im vorderen Feld. Warum soll für diesen strategischen Patzer der Steuerzahler aufkommen?

Rechtzeitig zu antizipieren, wohin der Markt läuft und entsprechende Produkte zu entwickeln, ist schließlich eine der ureigensten Aufgaben von Unternehmen. Das gilt umso mehr, als es sich bei den Autofirmen nicht um Start-up-Butzen handelt. Immerhin generieren die Giganten zusammen in etwa so viel Jahresumsatz wie die Bundesregierung Steuern einnimmt.

Was die Forderung der Autokonzerne nicht nur dreist, sondern geradezu skandalös erscheinen lässt, ist der Umstand, dass sie bereits Fördergelder kassiert haben: 1992 bis 1996 unterstützte die Bundesregierung den Rügen-Versuch, bei dem Elektroautos wie der Golf Citystromer ausgiebig getestet wurden, mit einem Millionenbetrag. Zum Durchbruch des E-Mobils made in Germany hat es dennoch nicht gereicht. 15 Jahre später heißen die bei Elektroautos führenden Unternehmen Mitsubishi, Nissan und Tesla.

Versprochen, gebrochen

Sicherlich werden Zetsche und Co. Angela Merkel versprechen, dass diesmal alles besser wird. Vielleicht lassen sie sich sogar dazu hinreißen, konkrete Termine für den Verkaufsstart ihrer Elektrovehikel zu nennen. Die Kanzlerin sollte sich davon nicht beeindrucken lassen. Denn in der Vergangenheit haben die deutschen Hersteller selten geliefert.

Zwei Beispiele: Zusammen mit anderen europäischen Herstellern gelobten sie, den CO2-Ausstoß ihrer Flotte von 1998 bis 2008 auf 140 Gramm CO2 je Kilometer zu senken. Das Ziel wurde weit verfehlt. Und 2007 versprachen sie, keine klimaschädlichen Kühlstoffe mehr in ihren Klimaanlagen zu verbauen. Auch bei diesem Schwur wurden die Konzerne eidbrüchig.

Deshalb sollte die Bundesregierung den Herstellern diesmal keinen Cent geben.

Und wo wir gerade dabei sind: Auch der Plan für eine staatliche Koordinationsstelle zur Elektromobilität, die mit Dutzenden von Mitarbeitern Themen wie die Normierung von Ladekabeln bearbeiten soll, gehört in den Schredder.

Welche Standards sich durchsetzen, regelt der Markt. Bei Bedarf können sich die Autokonzerne sicherlich selbständig untereinander koordinieren - sie besitzen für so etwas nämlich eigene, ganz vorzüglich ausgestattete Gremien wie den Lobbyverband VDA. Und außerdem: Wann hat ein mit Beamten besetzter Koordinierungsstab je einer Innovation zum Durchbruch verholfen?

Das einzige, was den Autokonzernen in Sachen Elektromobilität Beine machen wird, sind letztlich kaufwillige Kunden. Wenn es eine hohe Nachfrage nach akkubetriebenen Fahrzeugen gibt, dann werden sich Stuttgart, München und Wolfsburg schon beeilen, entsprechende Produkte auf die Straße zu bringen. Dieser recht offensichtlichen Erkenntnis eingedenk fördern andere Länder wie die USA, Japan oder China deshalb auch den Absatz von Elektroautos - und nicht deren Entwicklung oder Herstellung.

Man könnte beispielsweise jedem Konsumenten, der ein Elektrofahrzeug erwirbt, einen Umweltbonus von 2500 Euro zahlen. Kommt Ihnen bekannt vor? Richtig, das Ganze hieß und kostete den deutschen Steuerzahler fünf Milliarden Euro. Gefördert wurden mit dem Geld allerdings keine Elektroautos, sondern Pkw mit herkömmlichem Verbrennungsmotor.

insgesamt 73 Beiträge
Luna125 29.04.2010
1. Was wollen DIE...???
GELD ? Wofür ? VW hatte schon sein Versuchsprojekt, Daimler hat den Smart und BMW verstromt den Mini. Die Nase vorn hat aber wohl die zum GM-Konzern gehörende Opel AG mit dem Volta oder Ampera. Die Technologie ist also [...]
GELD ? Wofür ? VW hatte schon sein Versuchsprojekt, Daimler hat den Smart und BMW verstromt den Mini. Die Nase vorn hat aber wohl die zum GM-Konzern gehörende Opel AG mit dem Volta oder Ampera. Die Technologie ist also vorhanden. Woran es fehlst sind Stückzahlen, die diese Kisten erschwinglich machen. So könnte man diese Vehikel also z.B. 5 oder 10 Jahre von der Kfz-Steuer befreien. Damit solte es aber genug sein. Wenn unsere so hochgelobte Autoindustrie nicht in der Lage ist, dann werden wir also bald chinesische Elektroautos kaufen. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln: Deutsche Firmen in einem "Hochtechnologieland" sind nicht in der Lage etwas auf die Beine zu stellen ? Dann sollten die sich besser ein anderes Betätigungsfeld suchen.
Methusalixchen 29.04.2010
2. Lieber Thomas Hillebrand, ...
... Sie haben zwar vollkommen und in jeder Silbe recht, aaaaber: Matthias Wissmann, der Ober-Auto-Lobbyist und VDA-Obermotz hat die Handynummer der FdJ-AgitProp-Sekretärin a. D. ...
... Sie haben zwar vollkommen und in jeder Silbe recht, aaaaber: Matthias Wissmann, der Ober-Auto-Lobbyist und VDA-Obermotz hat die Handynummer der FdJ-AgitProp-Sekretärin a. D. ...
Kurt aus Kienitz 29.04.2010
3. Unternehmen ./.. AG
"Rechtzeitig zu antizipieren, wohin der Markt läuft und entsprechende Produkte zu entwickeln, ist schließlich eine der ureigensten Aufgaben von Unternehmen." Die Autobosse bekommen ihren Boni nach der nächsten [...]
"Rechtzeitig zu antizipieren, wohin der Markt läuft und entsprechende Produkte zu entwickeln, ist schließlich eine der ureigensten Aufgaben von Unternehmen." Die Autobosse bekommen ihren Boni nach der nächsten Aktionärsversammlung, bei der sie entlastet werden. Geld in die Forschung zu stecken heißt weniger Umsatz, heißt weniger Ebit, heißt weniger Boni ... oder mache ich es mir zu einfach?
elwu 29.04.2010
4. Die Kanzlerin
wird auch hier subventionieren, wie schon bei der Solarförderung, der Abfuckprämie, den Griechen usw. Wie stets zu Lasten derer, die den ganzen Mist finanzieren: die (Reste) der Mittelschicht der Gesellschaft.
wird auch hier subventionieren, wie schon bei der Solarförderung, der Abfuckprämie, den Griechen usw. Wie stets zu Lasten derer, die den ganzen Mist finanzieren: die (Reste) der Mittelschicht der Gesellschaft.
the_flying_horse 29.04.2010
5. Apropo einfach
Nein, sie machen es sich nicht zu einfach - es ist so einfach. Apropo einfach: da kommt einem einfach nur das Kotz... jeder Konzern verlangt inzwischen für jeden Pups Staatsknete, die dann umgewandelt als Boni bei den [...]
Zitat von Kurt aus Kienitz"Rechtzeitig zu antizipieren, wohin der Markt läuft und entsprechende Produkte zu entwickeln, ist schließlich eine der ureigensten Aufgaben von Unternehmen." Die Autobosse bekommen ihren Boni nach der nächsten Aktionärsversammlung, bei der sie entlastet werden. Geld in die Forschung zu stecken heißt weniger Umsatz, heißt weniger Ebit, heißt weniger Boni ... oder mache ich es mir zu einfach?
Nein, sie machen es sich nicht zu einfach - es ist so einfach. Apropo einfach: da kommt einem einfach nur das Kotz... jeder Konzern verlangt inzwischen für jeden Pups Staatsknete, die dann umgewandelt als Boni bei den Großaktionären landet...
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Autos in Europa

Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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