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Auto

Fehlende Beschleunigungsangabe

Verbraucherschützer werfen Tesla irreführende Werbung vor

Der US-Elektroautohersteller Tesla bietet eine abgespeckte Basisausstattung des Model S an, deren Fahrleistungen wenig transparent sind. Verbraucherschützer sprechen nun von "irreführender Werbung".

DPA

Tesla Model S - neue Typen des Elektrofahrzeugs vor der Firmenzentrale in Palo Alto, Kalifornien.

Donnerstag, 26.04.2018   16:48 Uhr

Wenn Jugendliche "chill mal" sagen, dann meinen sie: Nicht so hektisch, mach' mal langsam. Und das mit dem "Langsammachen" trifft in gewisser auch auf das Tesla Model S 75D zu, das Basismodell der Elektroauto-Baureihe des kalifornischen Herstellers. Denn: Das Auto mit der Grundausstattung fährt nur im so genannten chill-mode - also mit abgespeckter Agilität, wie die Zeitschrift "Auto Bild" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet.

An sich wäre das gar kein Problem - wenn es auf der Tesla-Webseite klar kommuniziert würde. Genau das aber ist nicht der Fall. Wer sich über das Modell S 75D informieren will, findet dort folgende Angabe zum Beschleunigungsvermögen des Fahrzeugs: "4,4 Sek. 0-100 km/h (gilt nicht für Basiskonfiguration ohne Komfort-Paket)".

Das klingt nebulös. Und es ist verwirrend, denn im gleichen Datenkasten, der beispielsweise auch die Reichweite (490 km) und die Höchstgeschwindigkeit (225 km/h) enthält, steht ganz unten der Preis: 69.019 Euro. So teuer ist das Grundmodell, das eben nicht in 4,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt. Sondern diese Spurtstärke stellt sich erst ein, wenn das "Komfort-Paket" geordert wird, was unter anderem eine Leistungssteigerung umfasst und 13.101 Euro kostet.

Das Tesla überhaupt ein Basismodell mit abgeschwächter Leistung anbietet, hat mit der Elektroauto-Förderprämie der Bundesregierung zu tun. Denn die gilt nur für Fahrzeuge, die weniger als 60.000 Euro netto kosten. Das Tesla Model S Basisauto kommt mit 69.019 Euro (netto also 58.000 Euro) gerade so unter diese Preisgrenze - ist damit förderungswürdig und steht deshalb auf der insgesamt 159 Autos umfassenden Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

Es geht nicht um ein paar Sekunden, es geht um Transparenz

Im Grunde ist es natürlich ziemlich unerheblich, ob ein luxuriöses Elektroauto in 4,4, in 6,4 oder in 8,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigt. Erheblich ist aber durchaus, wenn der Anschein erweckt wird, es würde in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen, es jedoch gar nicht dazu in der Lage ist. Es stellt sich dann das ungute Gefühl ein, dass Kunden ausgetrickst oder zumindest so lange wie möglich im Unklaren gelassen werden sollen. Eine Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bei Tesla, wie schnell das Model-S-Basismodells denn nun von 0 auf 100 km/h beschleunigen kann, blieb ergebnislos. "Dazu möchten wir keine Angaben machen", sagte eine Unternehmenssprecherin.

"Auto Bild" zitiert den Sprecher des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Gregor Kolbe, zu dieser Intransparenz: "Möchten Kunden den Basis-Tesla erwerben, kaufen sie die Katze im Sack. Verlässliche Angaben zu Leistung und Beschleunigung sucht man vergebens." Und der Geschäftsführer der Wettbewerbszentrale, Andreas Ottofülling, erklärt im gleichen Artikel: "Wenn die Beschleunigungsangabe '4,4 Sek. 0-100 km/h' nicht tatsächlich bei dem beworbenen Tesla erreicht wird, dann ist das irreführende Werbung."

jüp

insgesamt 59 Beiträge
C.Rainers 26.04.2018
1. Die einen betrügen beim Abgas
die anderen mogeln beim Basispreis,damit Käufer die mal eben 100k€ für ein Auto ausgeben Förderprämie bekommen. Tesla wird immer unsympathischer. Raffkes im grünen Gewand? Robin Hood aber nicht, der jätenden Reichen [...]
die anderen mogeln beim Basispreis,damit Käufer die mal eben 100k€ für ein Auto ausgeben Förderprämie bekommen. Tesla wird immer unsympathischer. Raffkes im grünen Gewand? Robin Hood aber nicht, der jätenden Reichen genommen
Nordstadtbewohner 26.04.2018
2. Fehler passieren
Ich denke, Tesla wird dieses Versehen schnell korrigieren. Da wird sicherlich einfach nur etwas vergessen worden sein. Aus solchen Missgeschicken heraus böse Absichten zu unterstellen, das halte ich für falsch und fahrlässig. [...]
Ich denke, Tesla wird dieses Versehen schnell korrigieren. Da wird sicherlich einfach nur etwas vergessen worden sein. Aus solchen Missgeschicken heraus böse Absichten zu unterstellen, das halte ich für falsch und fahrlässig. Die Neider, die sich auf alles, was erfolgreiche Menschen wie Musk, Tesla und Co erschaffen haben, stürzen, wird es natürlich freuen. Wie traurig!
P.T. 26.04.2018
3. Die Trickser sitzen, wie so häufig...
...auf der (durch Lobbyismus beeinflussten) Regierungsseite, sonst wäre eine solch willkürliche Fördergrenze bis EUR 60.000 nicht entstanden. Der Dieselskandal lässt grüßen... Schlimm ist allerdings wenn der Staat sich immer [...]
...auf der (durch Lobbyismus beeinflussten) Regierungsseite, sonst wäre eine solch willkürliche Fördergrenze bis EUR 60.000 nicht entstanden. Der Dieselskandal lässt grüßen... Schlimm ist allerdings wenn der Staat sich immer mehr zum größten Trickbetrüger an seinen Bürgern entwickelt: kalte Progression, Doppelversteuerung von Renten, Soli, undurchsichtiges Steuersystem etc. Dafür wandert jedoch auf der anderen Seite schnell "eine Milliarde zusätzlich" innerhalb eines Tages nach Syrien in einen völlig intransparenten Hilfsfond. Alles kein Problem, denn es geht uns ja doch wirklich sooo gut!
jasper366 26.04.2018
4.
Irgendwo muß man ja eine Grenze ziehen und wenn 'man' E-Mobilität fördern will, so ist es ja sinnvoll(er) die Fahrzeuge bzw. Käufergruppe zu fördern die die breite Masse darstellt. Wer 60.000 € (netto!!) und mehr für [...]
Zitat von P.T....auf der (durch Lobbyismus beeinflussten) Regierungsseite, sonst wäre eine solch willkürliche Fördergrenze bis EUR 60.000 nicht entstanden. Der Dieselskandal lässt grüßen... Schlimm ist allerdings wenn der Staat sich immer mehr zum größten Trickbetrüger an seinen Bürgern entwickelt: kalte Progression, Doppelversteuerung von Renten, Soli, undurchsichtiges Steuersystem etc. Dafür wandert jedoch auf der anderen Seite schnell "eine Milliarde zusätzlich" innerhalb eines Tages nach Syrien in einen völlig intransparenten Hilfsfond. Alles kein Problem, denn es geht uns ja doch wirklich sooo gut!
Irgendwo muß man ja eine Grenze ziehen und wenn 'man' E-Mobilität fördern will, so ist es ja sinnvoll(er) die Fahrzeuge bzw. Käufergruppe zu fördern die die breite Masse darstellt. Wer 60.000 € (netto!!) und mehr für ein Fahrzeug ausgibt muß da ja nicht unbedingt gefördert werden.
DerHerrMustermann 26.04.2018
5. Zweierlei Maß
Interessant wie hier gleich Solidaritätsbekundungen gegenüber Tesla hochploppen. Natürlich kann Messias Musk nicht betrogen haben. War bestimmt ein Versehen. Ginge es in diesem Bericht um einen deutschen Autohersteller, würden [...]
Interessant wie hier gleich Solidaritätsbekundungen gegenüber Tesla hochploppen. Natürlich kann Messias Musk nicht betrogen haben. War bestimmt ein Versehen. Ginge es in diesem Bericht um einen deutschen Autohersteller, würden die selben Leute mit Schaum vor dem Mund gegen die böse Automafia schimpfen. Aber Tesla ist natürlich grundsätzlich immer unschuldig.

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