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Tesla trickste offenbar, um Kunden Förderprämien zu verschaffen

Für Tesla-Autos gibt es keine E-Auto-Prämie mehr. Denn laut Recherchen von "Auto Bild" hat der Autohersteller ein Basisauto beworben, das es so gar nicht gibt.

DPA

Tesla Model S-Autos vor der Zentrale in Palo Alto, Kalifornien

Donnerstag, 30.11.2017   19:22 Uhr

Der Autohersteller Tesla ist von der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge gestrichen worden. Dies geht aus einem Dokument hervor, das vom zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) am Donnerstag veröffentlicht wurde. Anlass ist der Verdacht, der amerikanische Elektropionier könne die Förderprämie zu Unrecht kassiert haben. Dies sei Ergebnis einer Prüfung, die seit Juli laufe, sagte ein Bafa-Sprecher. Das Fachmagazin "Auto Bild" hatte darüber berichtet.

Bei der Neuzulassung eines rein elektrisch betriebenen Fahrzeugs können Autofahrer einen Umweltbonus in Höhe von 4000 Euro beantragen. Den Betrag zahlen je zur Hälfte der Staat und die Autohersteller. Allerdings sind nur Fahrzeuge förderungswürdig, deren Basismodell nicht teurer als 60.000 Euro netto ist. Ist dieses Kriterium erfüllt, erhalten auch teurere Versionen des gleichen Modells den staatlichen Zuschuss.

Das ist beim Model S 75D von Tesla der Fall. Wichtige technische Extras wie Rückfahrkamera, Spurhalteassistent und Parksensoren fehlen dann aber. Diese lassen sich als Komfortpaket für 13.101 Euro brutto dazu bestellen - angeblich optional. Doch laut "Auto Bild"-Recherchen gibt es das Model S 75D ohne diese Extras gar nicht zu kaufen. Ein Tesla-Kundenberater soll das einem anonymen Testkäufer telefonisch sogar bestätigt haben. Beim Basismodell gehe es einzig darum, "den Umweltbonus mitzunehmen", heißt es in einer Mitteilung von "Auto Bild".

Tesla hat zu den Vorwürfen Stellung bezogen

Tesla weist die Vorwürfe zurück. "Jeder in Deutschland kann ein Tesla Model S in der Basisversion ohne Komfortpaket bestellen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Solche Fahrzeuge wurden auch an Kunden ausgeliefert. Wenn ein Verkäufer einem Kunden mitgeteilt haben sollte, die Basisversion des Model S werde nicht ohne Komfortpaket verkauft, ist das falsch und entspricht auch nicht unseren Vorgaben". Tesla werde den Fall untersuchen und wenn nötig, Maßnahmen ergreifen.

Seit Start der Kaufprämie habe es 1274 Anträge für Tesla-Fahrzeuge auf Auszahlung gegeben. Davon seien 834 bewilligt und 648 ausgezahlt worden. Laut Bafa werde nun untersucht, ob der Staatsanteil an den bereits ausgezahlten Prämien zurückgefordert werde. Insgesamt hat es bisher rund 42.250 Anträge auf Förderung von E-Autos und Hybridfahrzeugen gegeben.

Mehr zum Thema: Lesen Sie hier einen Report über den umstrittenen Tesla-Chef

mhu/hej

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