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Mobilität

Die Tops des Auto-Ressorts 2017

Darauf fuhren wir ab

Die Mitarbeiter des Auto-Ressorts von SPIEGEL ONLINE haben ihre Favoriten des Jahres gewählt. Mit dabei: Ein SUV, den es in Deutschland nicht gibt, Lasten- und Hochräder sowie eine unwiderstehliche Fahrmaschine.

Alpine
Donnerstag, 28.12.2017   07:05 Uhr
Alpine

Alpine A110

Auch Wochen nach dem Testtermin mit der neuen Alpine A110 konnte ich das Fahrgefühl in dem neuen Sportwagen aus Frankreich noch genau abrufen. Weil es so ungewohnt war: Jenseits von brachialen Beschleunigungskräften, die beim Testen von Sportwagen ja in der Regel auftreten. Der Wagen, das ist das Konzept der Marke Alpine, ist ein absolutes Leichtgewicht: 1103 Kilogramm in der Ausstattung, die ich fuhr, die Basisausstattung wiegt sogar nur 1080 Kilogramm. Und so fährt sich der Wagen auch: Wieselflink flogen wir, die Alpine und ich, über die gewundenen Bergstraßen der Provence. Noch jetzt spüre ich, wie sehr ich in diesen Stunden mit dem Auto verwachsen bin.

Das Beste dabei: Weil sie so leicht ist, genügt der Alpine trotz absolut adäquater Beschleunigungswerte (von Null auf Hundert in 4,5 Sekunden) eine kleine Menge Sprit pro Hundert Kilometer: Im Mittel 6,1 Liter, das ergibt einen CO2-Ausstoß von lediglich 138 g/km, verschwindend wenig im Vergleich mit anderen Sportwagen. Rasant ohne Reue - diesem Traum kommt die A110 schon ziemlich nah.

von Michail Hengstenberg


Riese und Müller

Lastenrad Riese und Müller Packster 60

Für mich ist das Riese und Müller Packster 60 das Top-Modell des Jahres, weil es als Fahrrad das bessere Auto ist. Es fährt elektrisch, kommt dank eines Riemenantriebs fast ohne Wartung aus und transportiert Kühlschränke genauso lässig wie Kinder. Was es besser kann als ein Auto? Es verbrennt Kalorien statt Benzin, findet immer einen Parkplatz und ist das erste sympathische "Elterntaxi".

Trotz E-Antrieb besitzt es quasi eine automatische Geschwindigkeitskontrolle, die bei 25 km/h abregelt. Zugegeben, für ein Fahrrad ist das Packster mit etwas Ausstattung wie zum Beispiel einer Batterie für eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern, einem Kindersitz und einem Verdeck mit gut 6000 Euro kein Schnäppchen. Doch wer bekommt dafür schon das bessere Auto?

von Margret Hucko


PANDER

Hyundai Ioniq

Alle reden von intelligenten Plattformen, auf denen sich die unterschiedlichsten Antriebskonzepte rasch und rentabel fertigen lassen - doch konsequent umgesetzt hat so ein Konzept bislang nur Hyundai. Der koreanische Hersteller bietet die Modellreihe Ioniq, ein fünfsitziges Mittelklasseauto und knapp 4,50 Meter lang, mit drei unterschiedlichen Antrieben an. Die entscheidende Gemeinsamkeit aller drei Varianten: Allesamt sind sie elektrifiziert.

Es gibt den Ioniq als Hybridauto, als Plug-in-Hybrid und als reines Elektrofahrzeug. Für jeden Geschmack, jeden Einsatzzweck und jede vorhandene (oder besser: fehlende) Infrastruktur ist also etwas dabei. Schon der Einstieg in die elektrische Autowelt, der Hyundai Ioniq Hybrid, überzeugt in vielerlei Hinsicht: Das Auto mit Doppelkupplungsgetriebe fährt sich seidenweich, 1,6-Liter-Benziner und E-Maschine leisten zusammen 141 PS und die elektrische Energie wird in einem Lithium-Polymer-Akku unter der Rücksitzbank gespeichert. Fährt man das Auto so, dass die Technik ihre spezifischen Stärken ausspielen kann, erlebt man Folgendes: Ein zügiges und zugleich entspanntes Vorwärtskommen bei einem Durchschnittsverbrauch von allerhöchstens fünf Litern Sprit - oft etwas weniger.

Klar, ein Hybridauto ist ein Kompromiss, das gilt auch für den Ioniq. Entscheidend ist jedoch: Das hier ist ein guter Kompromiss, der zugleich zeigt, dass Fortschritt möglich ist und dabei manchmal etwas unerwartet daher kommt.

von Jürgen Pander


Volkswagen

VW Atlas

Viel Auto fürs Geld - das ist eine Tugend, die im VW-Konzern allenfalls noch die tschechische Tochter Skoda beherrscht. Und selbst dort sind die Ausstattungslisten mittlerweile so lang, dass man die Preise in schwindelnde Höhen treiben kann. Von der Muttermarke ganz zu schweigen. Doch während VW bei uns noch immer unter den Premium-Phantasien der Ex-Herrscher Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch zu leiden hat und die Autos aus Wolfsburg alles andere als volkstümlich sind, haben die Niedersachsen für Amerika in diesem Jahr einen Volkswagen entwickelt, der diesen Namen wieder zurecht trägt: Den Atlas.

Als Geländewagen - mit seinen 5,04 Metern nach US-Maßstäben noch Mid-Size - zielt er nicht nur ins größte Segment des Marktes. Sondern er hat obendrein einen ausgesprochen attraktiven Preis von gerade mal 30.500 Dollar. Dafür gibt es eine ganze Menge Auto: drei Sitzreihen, riesiger Kofferraum, klasse Design - und die Ausstattung bietet von der Abstandsregelung bis zur Online-Navigation alles, was man heute braucht. Selbst an den Motoren gibt es nichts zu mäkeln, immerhin bietet VW einen 235 PS starken 2,0-Liter-Turbo an oder einen V6 mit 3,6 Litern und 276 PS. Weil auch der Atlas aus dem Modularen Querbaukasten stammt, passen auch alle Diesel aus dem Tiguan hinein.

Natürlich weiß ich selbst, dass man den US-Preis für Europa nicht einfach umrechnen darf und es den Wagen bei uns nie und nimmer für 26.000 Euro geben könnte. Und ein bisschen Feinschliff bräuchte der Atlas für die europäischen Straßen auch noch. Doch selbst wenn er 4000 oder gar 8000 Euro teurer würde, wäre so ein stattliches SUV mit sieben ehrlichen Sitzen noch ein echter Renner und könnte der etablierten Premium-Konkurrenz das Leben schwermachen. Dummerweise gilt das allerdings nicht nur für Mercedes GLE oder BMW X5, sondern auch für den Touareg, der dann plötzlich überflüssig wäre. Und weil die Entwickler mit der Neuauflage gerade fertig geworden sind, wird es für uns wohl auch künftig nichts mit dem Atlas aus Amerika.

von Tom Grünweg


SPIEGEL ONLINE

Hochrad

Ganz oben - und das ist in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen - stand bei mir die Fahrt auf einem Hochrad. Es gehört etwas Übung dazu, unfallfrei auf- und abzusteigen und die Fahrt kostet ein paar Nerven, obwohl man nun wirklich nicht schnell unterwegs ist. Aber genau das macht dieses seltsame Gefährt so aufregend wie einen 400-PS-Sportwagen.

Das Schöne an Fortbewegungsmitteln jeder Art ist ja, dass man sie nicht nur aus rationalen Erwägungen auswählt, sondern oft völlig irrational entscheidet. Das Hochrad ist das Extrembeispiel dafür: Es ist unpraktisch, gefährlich und teuer (mein Testrad kostete 1500 Euro); man kann damit nicht mal risikofrei Brötchen holen. Aber dafür kann man damit in die Vergangenheit reisen - ich fühlte mich jedenfalls wie damals als kleiner Junge, als ich das erste Mal auf einem Fahrrad saß.

von Christoph Stockburger


Ducati

Ducati Scrambler Desert Sled

Mit der Scrambler Desert Sled hat Ducati vergangenes Frühjahr die Messlatte ziemlich hoch gehängt. Eine kleine Hipster-Allrounderin, die sowohl vor dem Bioladen, auf der Landstraße und endlich auch im rauen Terrain jenseits der Feldwege eine gute Figur macht; das war schon verdammt viel Anforderung an ein einziges Motorrad.

Das Resultat der italienischen Geländeübung: Viel besser als bei der Desert Sled kann man es nicht hinkriegen. Der klassische luftgekühlte Zweizylindermotor, 75 PS sowie jede Menge Drehmoment bei 803 Kubik Hubraum, dazu ein akzeptables Gewicht von knapp über 200 Kilogramm, das waren schon mal sehr gute Grundzutaten zur Top-Melange.

Daran, dass dem Wüstenschlitten auch gute Bremsen und vor allem ein hochbeiniges Fahrwerk mit genügend Bodenfreiheit und eine fein dosierbare Dämpfung spendiert wurde, merkt man: Die Entwickler im Bologneser Ducati-Werk haben viel Hirnschmalz in die Desert Sled investiert. Deshalb sind Bauteile wie etwa der verstärkte Rahmenhinterbau, die längere Schwinge und entscheidende Offroad-Details wie das 19 Zoll-Vorderrad auch Sled-exklusiv und werden bei den anderen Scrambler-Modellen nicht verbaut.

Was aber wirklich den Unterschied macht: der unverwechselbare historische Charakter, signalisiert durch goldene Felgen, tropfenförmigen Tank und viele liebevolle Details wie etwa die hohe Bowdenzugführung über der Querstrebe des Lenkers. Genau so wurden die Desert Racer vor fünfzig Jahren gebaut. Dass die Desert Sled dieses Jahr ihre ganz moderne Inkarnation geworden ist, macht sie zum Top-Motorrad 2017.

von Jochen Vorfelder


Honda

Honda Urban EV Concept

Bei der Elektroauto-Studie Honda Urban EV Concept treffen Zukunft und Vergangenheit aufeinander. Das Auto aus Japan sieht ein wenig aus wie aus den Siebzigerjahren. Irgendwie erinnert es an einen aufgemotzten Golf I. Das Retrodesign gepaart mit einem Elektroantrieb und einem übersichtlichen Innenraum zeigt, wie E-Mobilität in naher Zukunft aussehen könnte: Während andere Hersteller geradezu krampfhaft versuchen, den E-Charakter im Design nach außen zu tragen, wirkt der Urban EV unaufgeregt, lässig und dennoch innovativ.

Auch das Interieur mit einem Display über die komplette Armaturentafel, wenigen Bedienelementen und schmalen A- und B-Säulen sieht eben nicht nach Science-Fiction-Film aus. Das "Gesicht" des Autos aus zwei runden LED-Scheinwerfern und dazwischenliegendem Display mit beleuchtetem Honda-Logo und Platz für Nachrichten an die Außenwelt sowie die hinten angeschlagenen Türen machen das E-Auto zum absoluten Hingucker.

Wenn Honda dann noch die jüngst angekündigte Ladezeit von 15 Minuten realisieren kann, könnte das Auto zum geplanten Marktstart 2019 ein Erfolg werden. Dass ein E-Auto für die Stadt eben nicht 2,5 Tonnen wiegen und gleichzeitig den Spurt von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden schaffen muss, haben bis dahin hoffentlich auch die anderen großen Hersteller begriffen.

von Christian Frahm

insgesamt 13 Beiträge
renci 28.12.2017
1. Verbrauch?
Alle reden von Spritsparen. Aber niemand erwähnt das bei Motorrädern? Bei einem Gewicht von 200kg liegt der Verbrauch bei dem eines Kleinwagens oder mehr.
Alle reden von Spritsparen. Aber niemand erwähnt das bei Motorrädern? Bei einem Gewicht von 200kg liegt der Verbrauch bei dem eines Kleinwagens oder mehr.
mikko11 28.12.2017
2.
SPON ist keine Motorrad-Zeitung. Wenn Sie sich ein bisschen mit dem Thema befassen, finden Sie auch spritsparende Modelle, deren Verbrauch mit einer "3" beginnt. Die sind aber etwa so aufregend, wie ein Nissan Micra [...]
Zitat von renciAlle reden von Spritsparen. Aber niemand erwähnt das bei Motorrädern? Bei einem Gewicht von 200kg liegt der Verbrauch bei dem eines Kleinwagens oder mehr.
SPON ist keine Motorrad-Zeitung. Wenn Sie sich ein bisschen mit dem Thema befassen, finden Sie auch spritsparende Modelle, deren Verbrauch mit einer "3" beginnt. Die sind aber etwa so aufregend, wie ein Nissan Micra und machen als Artikel wenig her. Modelle, die hier beschrieben werden, könnte man eher mit Sportwagen vergleichen. Einen Kleinwagen, der, mit der Dynamik eines Motorrad bewegt, einen ähnlichen Verbrauch aufweist, müssen Sie mir mal nennen. Nächster Fehler: der Hinweis auf das Gewicht. Diese physikalische Größe beeinflusst den Verbrauch eher wenig. Bewegen Sie den Kleinwagen einmal leer und dann mit dem höchst zulässigen Gesamtgewicht - der Unterschied im Verbrauch ist eher gering. Ein Motorrad hat bei wesentlich kleinerer Stirnfläche etwa den Luftwiderstand eines Autos. Der Widerstandsbeiwert ist hoch, da der Fahrer aerodynamisch schlecht integriert ist. Aber fahren Sie mit dem Motorrad mal Pässe in den Alpen und versuchen Sie das Gleiche dann mit Ihrem Auto ... von so einen Verbrauch können Sie nur träumen!
bullet69 28.12.2017
3. Lustig fand ich den Honda EV Concept
die Reinkarnation des VW Golf I. Honda, ihr könnt gar nix mehr. Eure Tage sind, dank dem unfähigen japanischen Managements, gezählt.
die Reinkarnation des VW Golf I. Honda, ihr könnt gar nix mehr. Eure Tage sind, dank dem unfähigen japanischen Managements, gezählt.
Papazaca 28.12.2017
4. Lieber SPON: Ein Fahrrad ist kein Auto. Ehrlich!
Euer Beharrungsvermögen, einmal etablierte Kategorien beizubehalten, hier Auto, ist schon bewundernswert. Aber ein Fahrrad ist nie ein Auto, auch wenn es bei Euch in der Schublade Auto landet. Ihr wisst das sicher selbst, [...]
Euer Beharrungsvermögen, einmal etablierte Kategorien beizubehalten, hier Auto, ist schon bewundernswert. Aber ein Fahrrad ist nie ein Auto, auch wenn es bei Euch in der Schublade Auto landet. Ihr wisst das sicher selbst, ändert das doch mal. Oder findet einen guten Sammelbegriff. Oder: Auto, Fahrräder u.a. Gebt Euch einen Ruck. 2018 ist ein guter Anlass, Eure Kategorien zu optimieren. Oder ist bei Euch, bezogen auf die Kategorien, alles gleich geblieben? Hat sich die Welt nicht verändert. Denkt an das Poppenbüttel-Syndrom. Wie lösen die anderen das (SZ, NYT, Guardian)? Bin gespannt!
jasper366 28.12.2017
5.
Wie kommen Sie darauf? In den USA hat Honda mit 9,5% Marktanteil z.B. mehr als VW, Daimler und BMW zusammen, selbst Subaru hat im ersten Halbjahr 2017 drüben mehr Fahrzeuge verkauft als VW. Honda ist gleich mit drei [...]
Zitat von bullet69die Reinkarnation des VW Golf I. Honda, ihr könnt gar nix mehr. Eure Tage sind, dank dem unfähigen japanischen Managements, gezählt.
Wie kommen Sie darauf? In den USA hat Honda mit 9,5% Marktanteil z.B. mehr als VW, Daimler und BMW zusammen, selbst Subaru hat im ersten Halbjahr 2017 drüben mehr Fahrzeuge verkauft als VW. Honda ist gleich mit drei Fahrzeugen in der Top Ten in der USA Zulassungsstatistik vertreten, Platz 4 CR-V, Civic auf 8 und Accord auf 10. Der CR-V ist somit der erste Nicht-Pickup und zugleich erstes ausländisches Fahrzeug in der Top Ten. Neben Toyota ist Honda der einzige unabhänge Automobilhersteller in Japan und zudem auch recht breit aufgestellt, von daher glaube ich kaum das Hondas tage gezählt sind ;-).

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