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Mobilität

Studie eines Verbrauchermagazins

Hunderte Verletzte bei Unfällen mit Elektro-Tretrollern in den USA

Es ist nur eine erste Momentaufnahme, aber die gibt Grund zur Sorge: Einer US-Studie zufolge steigt die Zahl der Unfälle mit E-Scootern rapide an. Ärzte berichten von Knochenbrüchen - und sogar Todesfällen.

Getty Images

Leih-Scooter von Lime (Archivfoto)

Donnerstag, 07.02.2019   07:43 Uhr

Der Boom um Elektro-Tretroller hat auch eine Kehrseite: In den USA mussten seit Ende 2017 nach Unfällen mit E-Scootern mehr als 1500 Menschen wegen Verletzungen behandelt werden, wie es in einer Untersuchung des Verbrauchermagazins "Consumer Reports" heißt. Ärzte berichteten von Verletzungen wie Prellungen, Nasenbrüchen und Unterarmbrüchen. Es gab zudem Medienberichte über Todesfälle beim E-Scooter-Fahren.

Die Zahlen seien nicht vollständig, betont "Consumer Reports". Kontaktiert wurden 110 Krankenhäuser und fünf Behörden in 47 US-Städten, in denen die beiden größten Elektro-Tretroller-Verleiher aktiv sind.

In den USA erfreuen sich Leih-Elektro-Tretroller, die für kurze Strecken genutzt und überall wieder abgestellt werden können, großer Beliebtheit. Sie gelten als umweltfreundliche Alternative im Stadtverkehr. Die US-Start-Ups Bird und Lime haben großen Erfolg und wachsen inzwischen auch international. (Einen Bericht über die erste deutsche Stadt mit Scooter-Sharing finden Sie hier.)

Immer wieder gibt es aber auch Sicherheitsbedenken. Unfallzahlen sind allerdings nur schwer zu ermitteln. So schreibt "Consumer Reports", mehr als die Hälfte der kontaktierten Krankenhäuser habe keine detaillierten Zahlen zu Elektro-Tretroller-Unfällen vorlegen können, weil diese schlicht nicht als solche erfasst würden.

Schwer zu ermitteln ist auch die Häufigkeit von Unfällen im Vergleich zur zurückgelegten Strecke, wie es bei anderen Verkehrsmitteln berechnet wird. Damit ist schwer festzustellen, ob ein Elektro-Tretroller gefährlicher ist als beispielsweise ein Fahrrad.

Fotostrecke

Roller-Sharing: Elektrischer Hype aus den USA

Unfälle mit E-Fahrrädern

In Deutschland ist eine vergleichbare Entwicklung bei den E-Fahrrädern zu beobachten. Mit der schnellen Zunahme der motorgetriebenen Bikes steigt auch die Zahl der Unfälle. Wie das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr berichtete, wurden 2017 Tausende Unfälle mit Personenschäden registriert. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres sind dabei 55 Fahrer der auch als Pedelec (Pedal Electric Cycle) bezeichneten Räder ums Leben gekommen.

Unfallforscher weisen vor allem auf die steigende Zahl älterer Verkehrsteilnehmer hin, die Fahrräder mit zusätzlichem Elektromotor nutzen. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, hat festgestellt: "Viele ältere Menschen fahren durch die Unterstützung des Elektromotors viel schneller, als es ihre Fähigkeiten eigentlich erlauben." Das führe vielfach zu Kontrollverlust und Stürzen.

oka/AFP

insgesamt 103 Beiträge
Cailean 07.02.2019
1. Statistik und kausale Zusammenhänge
Allein aus einer gestiegenen Anzahl von Unfällen darauf zu schließen, dass die ehr älteren Fahrer das E-Bike nicht beherrschen ist nicht zulässig. Andere Erklärungen müssen zumindest in Betracht gezogen werden. In [...]
Allein aus einer gestiegenen Anzahl von Unfällen darauf zu schließen, dass die ehr älteren Fahrer das E-Bike nicht beherrschen ist nicht zulässig. Andere Erklärungen müssen zumindest in Betracht gezogen werden. In Deutschland ist die bisher von der Bevölkerung mit dem Fahrrad zurückgelegte Strecke nicht erfasst. Es ist gut möglich, dass durch die E-Bikes jetzt die Menschen generell mehr Rad fahren und allein dadurch der Anstieg der Unfälle zu erklären ist. Außerdem ist bei den Unfällen zu betrachten, in wie weit Autos mit beteiligt waren. Vielleicht liegt der Anstieg der Unfallzahlen an der Zunahme des Autoverkehrs. Dazu kommt die Tatsache, dass viele Autofahrer die Geschwindigkeiten der Radfahrer falsch einschätzen. Gerade für offensichtlich ältere Radfahrer ist dieser Effekt untersucht worden. Das führt z.B. dazu, dass ein älterer Radfahrer, der z.B. 18 km/h fährt und das Rad auch unter Kontrolle hat, von einem Auto geschnitten wird. Und dann evtl. stürzt! Die meisten älteren Menschen haben ein hohes Interesse an einem sturzfreien Fahren und neigen wohl er nicht zu riskantem Verhalten. Der im Artikel gezogene Schluss ist eine Unterstellung, die durch eine offenere Ursachenforschung evtl. widerlegt werden wird.
Martuk 07.02.2019
2. kein Inhalt
Es gibt Unfälle mit allen Verkehrsmitteln, ob der E-Scooter dabei besonders negativ auffällt wissen wir nicht. Zu den Teil mit den Älteren: Die Alternative zum E-Bike könnte das Fahrrad mit Hilfsmotor sein. Das haben [...]
Es gibt Unfälle mit allen Verkehrsmitteln, ob der E-Scooter dabei besonders negativ auffällt wissen wir nicht. Zu den Teil mit den Älteren: Die Alternative zum E-Bike könnte das Fahrrad mit Hilfsmotor sein. Das haben früher die alten Leute benutzt, wenn ihnen das Radfahren ohne Unterstützung zu schwer/schmerzhaft wurde. Aber ob man sich damit seltener die Knochen bricht? Vielleicht gibt es auch einfach nur mehr alte Leute die noch mobil sein möchten.
demwz 07.02.2019
3. Kein Wunder
Hoher Schwerpunkt, kaum Bremsen, kleine Räder, die kaum einen Stein überrollen können, ohne dass ein Überschlag droht. Von einem Fußgänger aus den Augenwinkeln kaum zu unterscheiden. So praktisch diese Dinger sind, so [...]
Hoher Schwerpunkt, kaum Bremsen, kleine Räder, die kaum einen Stein überrollen können, ohne dass ein Überschlag droht. Von einem Fußgänger aus den Augenwinkeln kaum zu unterscheiden. So praktisch diese Dinger sind, so gefährlich sind sie auch.
agreatwaytofly 07.02.2019
4. Nicht die Scooter sind gefährlich...
...sondern die nicht vorhandene Infrastruktur. Ganz egal ob Rad- oder Scooter: die Infrastruktur in deutschen Städten ist auf Autoverkehr ausgelegt. Es gibt für Radfahrer kaum 100m Wegstrecke ohne gefährliches [...]
...sondern die nicht vorhandene Infrastruktur. Ganz egal ob Rad- oder Scooter: die Infrastruktur in deutschen Städten ist auf Autoverkehr ausgelegt. Es gibt für Radfahrer kaum 100m Wegstrecke ohne gefährliches Verkehrshindernis. Insofern kann ich alle Diskussionen nicht verstehen. Auch die Diskussion um die Höchstgeschwindigkeit ist lächerlich, solange eine Autobahnfahrt gefühlt 100x sicherer ist als 10 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Stadt.
frankasten 07.02.2019
5. Interessant wäre
zu erfahren, wie hoch der Anteil an Kollateralschäden an den ermittelten Gesamtzahlen ist? Wieviele Fußgänger wurden verletzt/getötet? Weil sich solche E-Rollerfahrer auf Straßen mit Autoverkehr sehr gefährdet/unterlegen [...]
zu erfahren, wie hoch der Anteil an Kollateralschäden an den ermittelten Gesamtzahlen ist? Wieviele Fußgänger wurden verletzt/getötet? Weil sich solche E-Rollerfahrer auf Straßen mit Autoverkehr sehr gefährdet/unterlegen fühlen, das auch sind, und ein Hindernis darstellen, weichen diese eigentlich immer auf Gehwege aus, weil Fußgänger für E-Rollerfahrer eben keine Gefahr darstellen. Nur eben leider umgekehrt. Mir reichen schon die nicht haftenden, nicht strafmündigen Kinder, welche die Fußgängerwege bergab rasen, wenn ich versuche, mit meinem blinden Sohn spazieren zu gehen. Der Fußweg ist für Fußgänger sehr gefährlich geworden. Da fehlen diese E-Raser gerade noch.

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