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Mobilität

Elektroautos

Deutsche Hersteller übermitteln Positionsdaten an Chinas Regierung

Chinas Regierung weiß jederzeit, wo Elektroautos von VW, BMW, Daimler und Co. in der Volksrepublik unterwegs sind. Die Hersteller übermitteln permanent sensible Fahrzeugdaten - und geben sich machtlos.

AFP

Volkswagen-Logo in Beijing

Mittwoch, 05.12.2018   06:38 Uhr

Mehr als 200 Unternehmen aus der Autoindustrie übermitteln chinesischen Behörden laut einem Agenturbericht Daten von Autofahrern in Echtzeit. Darunter seien Autohersteller wie Tesla, Ford und General Motors, aber auch die deutschen Autoriesen Volkswagen, BMW und Daimler, schreibt die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf mehrere Unternehmen und Branchenkenner.

Allein in Shanghai werden demnach auf diese Weise 220.000 Fahrzeuge und landesweit sogar 1,1 Millionen Fahrzeuge überwacht. Die wenigsten Autofahrer wissen dem Bericht zufolge von dem Datentransfer.

Mehr als 60 verschiedene Datenpunkte leiten die Autohersteller dabei an das Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting and Research Center (SHEVDC) weiter. Darunter sind dem Bericht zufolge auch Standortinformationen, die in Echtzeit abgerufen werden. Mit ihnen lassen sich Bewegungsprofile der Autofahrer erstellen. Auch Rückschlüsse auf Wohnort oder Arbeitsplatz sind möglich.

Volkswagen bestätigt Datenübertragung

Die Hersteller verweisen darauf, dass sie lediglich spezielle Gesetze für Elektroautos befolgten. "In China gibt es Echtzeit-Überwachungssysteme, bei denen wir Autodaten an ein Regierungssystem liefern müssen ", sagt Jochem Heizmann, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group China. Sein Unternehmen könne nicht ausschließen, dass die Daten für die staatliche Überwachung verwendet werden. Mit den Daten lasse sich auch der Halter des überwachten Fahrzeugs ermitteln, wie ein VW-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigt.

Allerdings sichere Volkswagen persönliche Daten - wie die Identität der Fahrer - mit eigenen Systemen. Zudem gäben Autos nicht mehr Informationen preis als Smartphones. "Ohne diese Echtzeit-Überwachungssysteme darf in China kein einziges Elektroauto zugelassen werden", bestätigt der VW-Sprecher weiter. In Deutschland gebe es eine derartige Praxis nicht.

Auch Daimler gibt an, Daten in Übereinstimmung mit den Branchenvorschriften zu übermitteln. Zuvor informiere das Unternehmen die Autokäufer aber über die Datenweitergabe. BMW, Ford und Mitsubishi waren zu einer Stellungnahme zunächst nicht bereit, schreibt AP.

Überwachung angeblich für bessere Infrastruktur

Die Daten der E-Autos würden für die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und die Entwicklung der Infrastruktur benötigt, erklärt die chinesische Regierung. Peking erhebe sie, "um Vorfälle im Zusammenhang mit einer Fehlfunktion der Batterie zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen". Die Erhebung verhindere zudem Subventionsbetrug. In der Vergangenheit hatte es Berichte über Firmen gegeben, die Fördergelder für Elektroautos kassierten, die es gar nicht gab.

Ding Xiaohua, stellvertretender Direktor der Datenbehörde SHEVDC sieht ebenfalls keine staatliche Überwachung: Die Regierung sei nicht auf diese Daten angewiesen, wenn sie Bürger überwachen wolle, sagt Ding. Die Sicherheitskräfte hätten "ihre eigenen Wege", um Verdächtige zu überwachen.

Hersteller sehen kein Handlungsbedarf

Experten sehen den Datentransfer dagegen kritisch: "Man erfährt sehr viel über die täglichen Aktivitäten der Menschen", sagt Michael Chertoff, ehemaliger Heimatschutzminister unter Ex-US-Präsident George W. Bush. Die Methode sei Teil einer allgemeinen Überwachungsstrategie. Dabei würden fast alle Information aufgezeichnet, die dem Staat helfen, die Freiheit der Menschen einzuschränken.

Die Autobauer sollten sich selbst grundlegend hinterfragen, "wenn sie einer Regierung eines autoritären Landes die Werkzeuge für eine massive Überwachung geben", sagt US-Experte Chertoff. Die Hersteller selbst sehen erst einmal keinen Handlungsbedarf. Nahezu alle haben angekündigt, ihr Angebot an E-Autos in China massiv auszubauen.

cfr/AP

insgesamt 129 Beiträge
dirkcoe 05.12.2018
1. Schöne neue Autowelt?
Dann sind wir wohl gut beraten und Autos ohne Vernetzung, ohne viel Elektronik und ohne Handy Schnittstelle zu kaufen? Wann ich wohin fahre geht einfach niemanden etwas an. Und glaubt wirklich jemand, die Daten werden nur in China [...]
Dann sind wir wohl gut beraten und Autos ohne Vernetzung, ohne viel Elektronik und ohne Handy Schnittstelle zu kaufen? Wann ich wohin fahre geht einfach niemanden etwas an. Und glaubt wirklich jemand, die Daten werden nur in China erfasst?
The Restless 05.12.2018
2. Immernin gibt es jetzt ...
... zunehmend viele E-Autos auf Chinas Straßen. Bin gerade einen Monat dort gereist: Viele Großstädte können nicht mehr unbegrenzt Lizenzen für neue Autos ausgeben, weil die Straßen voll sind und die Luft schlecht. Wer ein [...]
... zunehmend viele E-Autos auf Chinas Straßen. Bin gerade einen Monat dort gereist: Viele Großstädte können nicht mehr unbegrenzt Lizenzen für neue Autos ausgeben, weil die Straßen voll sind und die Luft schlecht. Wer ein Auto kaufen möchte, muss erst an einer Verlosung teilnehmen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ausgenommen sind E-Autos, die dadurch extrem schnell an Beliebtheit gewinnen (man erkennt sie an den grünen Nummernschildern). Auch die vielen kleinen Leihwagen (die man einfach per App aktiviert und bezahlt) sind elektrisch, Busse und Taxis zunehmend auch. In China werden die E-Autos bald in der Überzahl sein.
dbeck90 05.12.2018
3. Einfach mal nachdenken
Man könnte daraus bspw. auch Rückschlüsse auf Straßennutzung haben, da man in echtzeit sehen kann zu wieviel % welche Straße belastet wird. Das führt zu besseren Instandhaltungsmaßnahmen, effizienteren Ampelsystemen, [...]
Man könnte daraus bspw. auch Rückschlüsse auf Straßennutzung haben, da man in echtzeit sehen kann zu wieviel % welche Straße belastet wird. Das führt zu besseren Instandhaltungsmaßnahmen, effizienteren Ampelsystemen, besserer Auswertung bei Unfällen, etc. Ich habe keine Ahnung, was China mit den Daten machen will, aber man könnte sie tatsächlich weitreichend sinnvoll einsetzen.
ayee 05.12.2018
4. Zur Verbesserung der Infrastruktur
Ja klar, der Social Score in China soll auch zur Verbesserung des Verhaltens führen.... im besten Falle. Man sollte einen der Manager, die sowas auch noch verteidigen, doch mal fragen, ob er sich auch gerne so überwachen lassen [...]
Ja klar, der Social Score in China soll auch zur Verbesserung des Verhaltens führen.... im besten Falle. Man sollte einen der Manager, die sowas auch noch verteidigen, doch mal fragen, ob er sich auch gerne so überwachen lassen wollte.... im Sinne der Infrastruktur.
rosinenzuechterin 05.12.2018
5. Typisch deutsch
Man stelle sich vor, welche Berichterstattung abliefe, wenn die Hersteller wegen "typisch deutscher" Datenschutzbedenken den Multimilliardenmarkt China brachliegen lassen würden. Wer auf fremden Märkten unterwegs sein [...]
Man stelle sich vor, welche Berichterstattung abliefe, wenn die Hersteller wegen "typisch deutscher" Datenschutzbedenken den Multimilliardenmarkt China brachliegen lassen würden. Wer auf fremden Märkten unterwegs sein will, muss sich an die dortigen Gesetze halten, ob uns das gefällt oder nicht. Genau das erwarten wir ja auch von chinesischen Unternehmen auf dem europäischen Markt (Produktsicherheit, Schutz des geistigen Eigentums etc.). Hier nun mit dem Finger auf die Autohersteller zu zeigen, stellt den Falschen an den Pranger. Auch wieder typisch deutsch.

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