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Mobilität

Voller Kaufpreis erstattet

Was das Urteil für VW-Kunden bedeutet

Erstmals muss Volkswagen einem Autofahrer den vollen Kaufpreis seines manipulierten Diesel erstatten. Das entschied das Landgericht Augsburg. Das Urteil könnte auch für andere VW-Fahrer Folgen haben.

picture alliance/Franziska Kraufmann/dpa
Von und
Freitag, 23.11.2018   16:42 Uhr

Was hat das Gericht entschieden?

Das Landgericht Augsburg hat geurteilt, dass Volkswagen einem Autokäufer den vollen Kaufpreis in Höhe von 29.907,66 Euro für seinen manipulierten Diesel zurückerstatten muss - also exakt die Summe, die der Besitzer vor sechs Jahren für den VW Golf TDI gezahlt hatte. Zusätzlich muss VW dem Besitzer die Zinsen zahlen.

Was unterscheidet das aktuelle Urteil von vorangegangenen Urteilen?

Erstmals wurde ein Autohersteller dazu verurteilt, den kompletten Kaufpreis zu erstatten. Zwar wurde bereits anderen erfolgreichen Klägern der Kaufpreis mit Zinsen erstattet, allerdings abzüglich eines sogenannten Nutzungsausgleichs, also einer bestimmten Summe, die sich aus dem Gebrauch des Autos ergibt. Dieser richtet sich nach der Zahl der gefahrenen Kilometer und kann schnell mehrere Tausend Euro umfassen.

Warum muss VW in diesem Falle den vollen Kaufpreis erstatten?

Das Gericht unter Richter Rudolf Weigell hielt einen solchen Nutzungsausgleich nicht für angemessen. Der Richter begründete, dass im vorliegenden Fall ein sittenwidriges Verhalten von VW zu erkennen sei, da der Autobauer eine Software verwendet habe, die zur Manipulation der Abgaswerte geführt habe. VW habe mit der Täuschung der Kunden das Ziel verfolgt, Umsatz und Gewinn zu erzielen und sei daher zu Schadensersatz verpflichtet.

Was bedeutet das Urteil nun für andere VW-Kunden?

Das Urteil hat keinen direkten Einfluss auf andere Prozesse oder die Aussichten anderer Kläger, da die Gerichte immer über den jeweiligen Einzelfall entscheiden. So haben in ähnlichen Fällen die Kläger auch bei einem Erfolg bisher nur den Kaufpreis abzüglich des Nutzungsausgleichs erhalten.

Wird VW das Urteil akzeptieren?

Nein, Volkswagen erklärte, man halte das Urteil für fehlerhaft und werde dagegen Berufung einlegen. Außerdem gebe es für die Klagen der Kunden aus der Sicht von Volkswagen keine Rechtsgrundlage. "Die Kunden haben weder Verluste noch Schäden erlitten", erklärte ein Sprecher des Konzerns. "Die Fahrzeuge sind sicher und fahrbereit."

Was können andere VW-Fahrer jetzt unternehmen?

Ab der kommenden Woche können sich Dieselfahrer der Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen anschließen. Dann wird nach Angaben der Verbraucherzentrale das Klageregister beim Bundesamt für Justiz eröffnet. "Es geht voran", sagte Vorstand Klaus Müller. Dieselfahrer, die sich gegen eine Einzelklage entschieden, hätten nun die Möglichkeit, "ohne Kostenrisiko ihr Recht durchzusetzen".

Die Verbraucherschützer klagen stellvertretend für die Betroffenen des Dieselskandals gegen Volkswagen. Sie wollen erreichen, dass diese für den Wertverlust ihrer Fahrzeuge entschädigt werden. Mitmachen können alle Dieselfahrer, die vom Volkswagen-Pflichtrückruf betroffen waren und noch nicht selbst geklagt haben. Das betrifft Diesel von VW , Audi , Skoda und Seat mit Motoren des Typs EA 189 (Vierzylinder, Hubraum: 1,2 oder 1,6 oder 2,0 Liter), die nach dem 1. November 2008 verkauft wurden. Auch wer sein Auto inzwischen verkauft hat oder verschrotten ließ, kann sich kostenlos eintragen.

insgesamt 57 Beiträge
jmore 23.11.2018
1. Was bedeutet das Urteil für VW...
...und den Rest der deutschen Automobilindustrie. Könnte man ja ergänzend auch mal fragen. Am besten einen Betriebswirt, und wenn man die Antwort hat, gerne auch noch einen Volkswirt.
...und den Rest der deutschen Automobilindustrie. Könnte man ja ergänzend auch mal fragen. Am besten einen Betriebswirt, und wenn man die Antwort hat, gerne auch noch einen Volkswirt.
harald441 23.11.2018
2. Hier stimme ich VW zu.
Niemand kauft ein Auto wegen ganz bestimmter Abgaswerte, die weder für das Fahren relevant sind noch sonst eine Schädigung oder Beeinträchtigung des Autofahrens bedeuten. Wie jederman will ich mit einem Auto sicher von A nach B [...]
Niemand kauft ein Auto wegen ganz bestimmter Abgaswerte, die weder für das Fahren relevant sind noch sonst eine Schädigung oder Beeinträchtigung des Autofahrens bedeuten. Wie jederman will ich mit einem Auto sicher von A nach B gebracht werden, und wenn es das tut, dann geht das für mich in Ordnung. Schließlich habe ich keine Parfümflasche auf vier Rädern erstanden, die mir oder der Umwelt eine bestimmte Duftnote garantiert hat. Dieses Urteil ist lächerlich, entbehrt jeder Grundlage und entehrt die BRD-Justiz immer mehr. Und noch etwas: Ich habe nie einen VW gefahren.
pirx64 23.11.2018
3.
Eben, und wenn es wegen Fahrverboten nicht mehr nach B geht, was dann?
Zitat von harald441Niemand kauft ein Auto wegen ganz bestimmter Abgaswerte, die weder für das Fahren relevant sind noch sonst eine Schädigung oder Beeinträchtigung des Autofahrens bedeuten. Wie jederman will ich mit einem Auto sicher von A nach B gebracht werden, und wenn es das tut, dann geht das für mich in Ordnung. Schließlich habe ich keine Parfümflasche auf vier Rädern erstanden, die mir oder der Umwelt eine bestimmte Duftnote garantiert hat. Dieses Urteil ist lächerlich, entbehrt jeder Grundlage und entehrt die BRD-Justiz immer mehr. Und noch etwas: Ich habe nie einen VW gefahren.
Eben, und wenn es wegen Fahrverboten nicht mehr nach B geht, was dann?
mussich 23.11.2018
4. gut, dass nicht alle so denken
manchmal geht es um's Prinzip und wenn es auch nur das Prinzip der Nachhaltigkeit ist. Die Kläger machen das auch für mich und meine Nachkommen. Danke dafür.
Zitat von harald441Niemand kauft ein Auto wegen ganz bestimmter Abgaswerte, die weder für das Fahren relevant sind noch sonst eine Schädigung oder Beeinträchtigung des Autofahrens bedeuten. Wie jederman will ich mit einem Auto sicher von A nach B gebracht werden, und wenn es das tut, dann geht das für mich in Ordnung. Schließlich habe ich keine Parfümflasche auf vier Rädern erstanden, die mir oder der Umwelt eine bestimmte Duftnote garantiert hat. Dieses Urteil ist lächerlich, entbehrt jeder Grundlage und entehrt die BRD-Justiz immer mehr. Und noch etwas: Ich habe nie einen VW gefahren.
manchmal geht es um's Prinzip und wenn es auch nur das Prinzip der Nachhaltigkeit ist. Die Kläger machen das auch für mich und meine Nachkommen. Danke dafür.
makeup 23.11.2018
5. @2 harald441 - Wer hat sie denn bezahlt ?
Ich habe vor 4 + 5 Jahren für mich und meine Frau 2 Diesel von VW gekauft. Unser Aspekt war - zwei umweltfreundliche Autos zu kaufen. Der gleiche Verkäufer hat uns beide Diesel als umweltfreundlichstes Auto überhaupt verkauft. [...]
Ich habe vor 4 + 5 Jahren für mich und meine Frau 2 Diesel von VW gekauft. Unser Aspekt war - zwei umweltfreundliche Autos zu kaufen. Der gleiche Verkäufer hat uns beide Diesel als umweltfreundlichstes Auto überhaupt verkauft. Seltsame Ansicht jetzt - die Praktiken von VW gutzuheißen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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