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Ducati Scrambler Desert Sled

Wüster Schlitten

Mit der Desert Sled schickt Ducati seine Lifestyle-Marke Scrambler ins Gelände. Das klappt überraschend gut - nur eine Sache ist zu kurz gekommen.

Ducati
Von
Montag, 20.03.2017   04:51 Uhr

Der erste Eindruck: Goldene Felgen mit Chromspeichen, tropfenförmiger Tank mit silber-weißer Farbgebung: Lädt Ducati zu einer Revival-Ausfahrt auf der guten alten Yamaha XT500 ein?

Das sagt der Hersteller: "Nein, natürlich nicht", sagt Rocco Canosa etwas angespannt. Canosa ist Produktmanager bei Ducati und verantwortlich für die Scrambler-Familie. Er kann sie nicht mehr hören, die Frage nach der Wiedergeburt jener legendären Eintopf-Japanerin Yamaha XT, die in den Achtzigern zur Mutter und Inspiration aller Reise-Enduros wurde. "Die Desert Sled können Sie auch in roter Lackierung kriegen, dann wirkt sie ganz anders. Und schauen Sie auf den Motor und den Rahmen: Das sind andere Welten als bei der XT und den Einzylindern, die wir damals schon gebaut haben".

In der Tat hat Ducati schon lange vor Yamaha Einzylinder für den Geländeeinsatz ins Feld geschickt. Die Desert Sled ist tief in der Markenhistorie verwurzelt: 1969 gewannen zwei Werksfahrer das legendäre Baja-1000-Rennen in Mexiko auf einer Ducati 350 SS Einzylinder-Scrambler, einem damals typischen "Wüstenschlitten": Aufgebrezelte Serienmaschinen, ausgestattet mit Stollenreifen, härteren Federn und roh geschnittenem Motorschutz.

Mit der Desert Sled will Ducati nun die adäquate Nachfolgerin gefunden haben: Es wäre die erste Scrambler auf dem Markt, die das Versprechen vom Spaß im Gelände tatsächlich hält.

Fotostrecke

Ducati Desert Sled: Ducatis gelungene Dreckschleuder

Das ist uns aufgefallen: Zum Beweis der Allrounder-Tauglichkeit hat sich Ducati das passende Wetter ausgesucht - es regnet in Strömen. Die Desert Sled lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Die Bremsen sind trotz der einfachen 330-mm-Scheibe vorne völlig ausreichend dimensioniert, das abschaltbare Ducati-ABS erledigt seine Dienst auch auf der nassen Straße zuverlässig. Passend zum hemdsärmligen Scrambler-Charakter gibt es weder elektronische Fahrmodi noch eine Traktionskontrolle.

Bei der Fahrt in die in die Berge wird es dann holprig, die Straßenverhältnisse sind eher drittklassig. Auch hier hat das Wüstenschlitten-Fahrwerk keine Probleme und behält seine Stabilität und Spurtreue bei.

Dann geht es rein ins Gelände: bucklige 4x4-Pisten, sandige Canyon-Pfade, schnelle Hoppelpassagen mit fiesen Schlaglöchern, enge Turns auf schlüpfrigem Tongestein. Eine richtige Herausforderung.

Der Motor ist - erste Überraschung - sehr offroadtauglich. Der Zweizylinder mit 803 Kubik, mittels Drosselklappenkörpern und modifizierten Nockenwellen für Euro 4 fit gemacht, leistet 75 PS, aber entscheidend in Dreck und Schlamm ist das durchzugstarke Drehmoment von 68 Nm bei 5.750 U/min. Das reicht allemal, um die 207 Kilo Leergewicht stoisch über alle Hindernisse zu schieben. Die Desert Sled spricht dabei sehr direkt aufs Gas an, aber gibt ihre Kraft sehr linear, fast sanft ab.

Auch Schwungmasse kann der Desert Sled-Motor genügend vorweisen; fahrtechnisch diffizile Passagen im ersten Gang und ganz niedriger Drehzahl meistert die Italienerin bravourös fast ohne Kupplungsschleifen. Vergleichbare Fahrzeuge wie die 700er oder 800er Enduros von BMW gehen in solchen Situationen gerne mal schlagartig aus. Die Desert Sled nicht.

Ducati

Testfahrt im Gelände

Zweite Überraschung bei der Desert Sled: das leichte Handling in schwieriger Spur. Wenn es auf schnellen Passagen schlingert oder im Sand anfängt zu wobbeln, genügt ein Gasstoß. Er richtet das Fahrwerk aus und die Desert Sled ist schnell wieder auf Kurs.

Die Ducati-Entwickler haben die Scrambler diesmal konsequent fürs Gelände gerüstet. Vom Standard-Baukasten sind nur Motor, Tank, Schalldämpfer (tauschbar im Zubehör) und kleinere Bauteile übrig geblieben. Der Rest ist neu und auf Offroad getrimmt: Die Desert Sled hat einen eigenständigen Rahmen mit verstärktem Hinterbau, eine 2,5 Zentimeter längere Schwinge, ein 19-Zoll-Vorderrad und wesentlich längere Federwege.

Vor dem Gang ins Gelände sollte man allerdings nicht nur über das etwas verschachtelte Elektronik-Menü das ABS ausschalten, sondern auch per Hand die voll justierbaren Federelemente härter vorspannen: werksseitig sind Gabel und hinterer Dämpfer nämlich viel zu weich eingestellt.

Das muss man wissen: Für Ducati hat die Desert Sled das Potenzial, die unerwartete Erfolgsstory der Scrambler fortzuschreiben. Seit Ende 2014 haben die Italiener weltweit über 32.000 Maschinen mit dem luftgekühlten Zweiventil-Zweizylinder verkauft - also just jenem Motor, der einige Jahre davor noch ganz oben auf der Streichliste der Geschäftsführung gestanden hatte. Nur noch moderne, flüssiggekühlte Aggregate, lautete damals die Devise.

Inzwischen expandiert die Retro-Marke Scrambler fast schneller als das Mutterhaus: Seit 2015 sind jährlich rund 30 Prozent aller weltweit verkauften Ducatis in Wahrheit Scrambler. Tendenz: steigend. Mächtig nach oben strebt bei den Scramblern inzwischen allerdings auch der Verkaufspreis; für die nackte Desert Sled - Performance-Zubehör und entsprechende Bekleidung gibt es in Hülle und Fülle - sind 10.990 Euro zuzüglich Nebenkosten fällig.

Dafür liefert Ducati allerdings einen Schlitten, der überraschend potent und gutmütig auch im dreckigeren Gelände ist. Und wenn die Desert Sled dann gekärchert ist - oder vielleicht besser auch nicht - dann ist sie allemal das Fahrzeug, nach dem man sich vor der Szenebar umdreht.

Das werden wir nicht vergessen: dass lästige Kleinigkeiten einem den Alltag versauen können. Bei der Desert Sled ist der vordere Kotflügel zu kurz, bei manchen Geschwindigkeiten spritzt der Dreck nach oben weg und dem Fahrer voll ins Gesicht.

Hersteller: Ducati
Typ: Scrambler Desert Sled
Karosserie: Motorrad
Motor: 90-Grad-V-Zweizylinder-Viertaktmotor
Hubraum: 803 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 68 Nm
Höchstgeschw.: 175 km/h
Preis: 10.990 EUR
insgesamt 34 Beiträge
Flying Rain 20.03.2017
1. Naja
Naja die Ducati Scrambler die Feldweg sehen wird man wohl leider an der Hand abzählen können. Gebauso wie etwa die meisten Brutale von MV vorwiegend in der Stadt verkauft werden und selten für mehr als Eisessen benutzt werden. [...]
Naja die Ducati Scrambler die Feldweg sehen wird man wohl leider an der Hand abzählen können. Gebauso wie etwa die meisten Brutale von MV vorwiegend in der Stadt verkauft werden und selten für mehr als Eisessen benutzt werden. ... naja wenigstens hatt sie die Fähigkeit dazu.
3-plus-1 20.03.2017
2. Hurra, noch ein Kleine-Menschen-Motorrad ...
... für das man die 1,75m nicht überschritten haben darf. Davon gibt es ja viel zu wenige zumal hierzulande hauptsächlich sehr kleine Männer und vor allem Frauen Motorrad fahren ... Äh, Moment mal, das stimmt ja gar nicht [...]
... für das man die 1,75m nicht überschritten haben darf. Davon gibt es ja viel zu wenige zumal hierzulande hauptsächlich sehr kleine Männer und vor allem Frauen Motorrad fahren ... Äh, Moment mal, das stimmt ja gar nicht und in Deutschland ist BMWs R 1200 GS meistverkaufte Maschine. Hm, dann ist das also vor allem ein Motorrad für Blindbesteller und Dekorateure, die es als Accessoir im Schaufenster benötigen. Damit sind die Fahreigenschaften dann ja im Prinzip egal.
hackebeilchen 20.03.2017
3. Hurra
wieder mal ein faktensicherer Beitrag eines Kenners der Materie: Aber leider schaut´s so aus 3-plus-1: Sitzhöhe BMW R1200GS 850 -870 Sitzhöhe Ducati Desert Sled 850. Aber heutzutage sind Fakten ja sowas von old school [...]
Zitat von 3-plus-1... für das man die 1,75m nicht überschritten haben darf. Davon gibt es ja viel zu wenige zumal hierzulande hauptsächlich sehr kleine Männer und vor allem Frauen Motorrad fahren ... Äh, Moment mal, das stimmt ja gar nicht und in Deutschland ist BMWs R 1200 GS meistverkaufte Maschine. Hm, dann ist das also vor allem ein Motorrad für Blindbesteller und Dekorateure, die es als Accessoir im Schaufenster benötigen. Damit sind die Fahreigenschaften dann ja im Prinzip egal.
wieder mal ein faktensicherer Beitrag eines Kenners der Materie: Aber leider schaut´s so aus 3-plus-1: Sitzhöhe BMW R1200GS 850 -870 Sitzhöhe Ducati Desert Sled 850. Aber heutzutage sind Fakten ja sowas von old school oder ? Und an alle "kleinen Menschen" da draußen auf ihren 1200er GS : "Ihr traut Euch ja was. "
ompo58 20.03.2017
4. Schönes Spielzeug
Ist ein wirklich schönes Bike, aber eher was für Wichtel und Zwerge. Aber ca. 1,80 m sieht es eher lustig aus. Potthässlich und billig wirkend ist das digitale Rundinstrument. Passt überhaupt nicht zu dem übrigen wertigen [...]
Ist ein wirklich schönes Bike, aber eher was für Wichtel und Zwerge. Aber ca. 1,80 m sieht es eher lustig aus. Potthässlich und billig wirkend ist das digitale Rundinstrument. Passt überhaupt nicht zu dem übrigen wertigen Anspruch des Scramblers und sieht aus, wie von einem Fahrrad abmontiert....
frenchie3 20.03.2017
5. @4 Schönheit liegt im Auge des Betrachters
Aber auch für mich, als Retro-Fan, ist ein digitales Rundinstrument ein Graus. Wenn schon Bildschirm dann wenigstens mit imitierten Zeigern. Persönlich finde ich Umdrehungs- und Geschwindigkeitsanzeige in der [...]
Aber auch für mich, als Retro-Fan, ist ein digitales Rundinstrument ein Graus. Wenn schon Bildschirm dann wenigstens mit imitierten Zeigern. Persönlich finde ich Umdrehungs- und Geschwindigkeitsanzeige in der "analogen" Form schneller erfaßbar und übersichtlicher. Zugegeben, hätte ich das Geld, das Mopped wäre meins

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