Schrift:
Ansicht Home:
Auto

Kompakt-SUV Peugeot 2008

Der weiche Kern

Selten begegnet man Autos, die innen größer wirken als außen. Der Peugeot 2008 ist so ein Fall: Das schlanke Mini-SUV macht auf dickes Raubein, doch wer es näher kennenlernt, trifft ein geräumiges, kuscheliges Auto.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Donnerstag, 20.04.2017   05:55 Uhr

Schwarze Plastikplanken ranken sich um die Radhäuser, vorn und hinten gibt es Unterfahrschutzattrappen, und als Krönung des Geländelooks sitzt eine Dachreling auf dem Auto. Das sieht rustikal, robust, fast schon urig aus - wie eine Blockhütte in den Bergen. Das imaginäre Kaminfeuer dazu prasselt auch im Peugeot 2008. Denn drinnen ist der äußerlich auf SUV getrimmte Wagen flauschig eingerichtet und strahlt das aus, was sich offenkundig viele Menschen auch im Auto wünschen: Heimeligkeit.

Immerhin ist das Mini-SUV 2008 zusammen mit dem Kompaktwagen 308 Peugeots meistverkauftes Modell in Deutschland (mit 14.455 Neuzulassungen im Jahr 2016). Vieles spricht dafür, dass der clevere Mix aus Geländeoptik, kompakten Maßen, geräumigem Innenraum und attraktiver Einrichtung der Grund dafür ist. Im Sommer des vergangenen Jahres erschien die überarbeitete Version des Wagens, der seither - der Beplankung und dem steiler positionierten Kühlergrill sei Dank - noch ein bisschen hemdsärmeliger wirkt als zuvor.

Man darf sich davon nicht täuschen lassen. Selbstverständlich handelt es sich nach wie vor um einen technisch durchschnittlichen Kleinwagen. Ohne Allradantrieb natürlich, und im Fall unseres Testwagens angetrieben von einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 110 PS Leistung, der mit einem Sechsgang-Automatik-Getriebe (Aufpreis 2700 Euro) gekoppelt war. Letztere agiert allerdings ziemlich träge, was dem Motor die Spritzigkeit raubt und das Vorwärtskommen in manchen Situationen ein wenig hemmt.

Das Fahrgefühl ist anders

Insgesamt jedoch passt diese Motorisierung - fast jeder dritte 2008-Kunde in Deutschland entscheidet sich für den 110-PS-Turbobenziner - prima zum Auto. Auch wenn der Durchschnittsverbrauch, den Peugeot mit 4,8 Liter angibt, nicht annähernd erreicht wird (zumindest nicht in der kalten, dunklen Jahreszeit bei überwiegendem Kurzstreckenbetrieb). Rund 6,5 Liter genehmigte sich der Testwagen im Schnitt.

Foto: Jürgen Pander

Das Fahrgefühl im 2008 ist dennoch erfrischend, was nach wie vor am Peugeot-Sonderweg des so genannten i-Cockpit liegt. Das heißt: Der Fahrer hält ein kleines, leicht oval geformtes Lenkrad in der Hand und blickt über den Lenkradkranz hinweg auf die nach oben versetzt angeordneten Cockpit-Instrumente. Das ähnelt jenem Gefühl, das man in einem Autoscooter oder auf einem Kart hat, gelenkt wird praktisch gleich oberhalb der Knie. Das erzeugt einen angenehmen Effekt der Griffigkeit und Wendigkeit, die beim 2008 tatsächlich hervorgehoben werden muss.

Man flutscht mit dem Auto regelrecht durch den Stadtverkehr, was nichts mit Geschwindigkeit, sondern mit Übersichtlichkeit und vernünftigen Abmessungen zu tun hat. Leider wurde von den Entwicklern das Rückwärtsfahren offenbar vergessen, denn nach hinten ist der 2008 eher unübersichtlich. Vermutlich weiß Peugeot um dieses Manko, im Testauto jedenfalls war eine Rückfahrkamera (Aufpreis 280 Euro) verbaut.

Fotostrecke

Peugeot 2008: Platz ist in der kleinsten Kiste

Es gibt im Interieur ein paar Details, an denen man beispielhaft sieht, wie Peugeot den ersten, eher rustikalen Eindruck von außen in eine wohlige Bequemlichkeit drinnen verwandelt. Etwa die Leuchtbänder um die beiden ovalen Cockpit-Instrumente, die wahlweise in blau oder weiß glimmen sowie die blauen LED-Leuchtstreifen an den Seiten den Panoramaglasdaches (Aufpreis 550 Euro). Auch der breite, belederte Handbremsgriff ist eine kleine Schmeichelei des Autos für den Fahrer. Und wer vorne rechts sitzt, wird sich über den starken Einzug des Handschuhfachs freuen. Das schmälert zwar dessen Volumen, vergrößert aber die Beinfreiheit des Beifahrers erheblich.

Kommodes Fahrwerk und dezente Geräusche

In Fahrt leistet das entgegenkommend abgestimmte Fahrwerk einen Beitrag zum behaglichen Gefühl der Insassen. Der 2008 bietet einen ausgesprochen guten Abrollkomfort, und auch die Geräuschkulisse bleibt bis zirka 130 km/h angenehm dezent. Man hat dieses Erlebnis immer wieder: Der Mini-SUV basiert eigentlich auf dem Kleinwagen 208, doch es fühlt sich an, als säße und führe man im nächstgrößeren Modell 308.

Auch beim Kofferraum erlebt man dies. Denn das Volumen des Gepäckabteil lässt sich von 350 bis 1400 Liter variieren, je nachdem, wie die Rücksitzlehnen positioniert sind und wie hoch die Ladung gestapelt wird. Bei umgeklappten Lehnen ergibt sich übrigens ein ebener Ladeboden; die Ladekante wiederum ist 60 Zentimeter hoch und von einer Edelstahlleiste geschützt.

Der Peugeot 2008 ist ein Auto für Menschen, die Gummistiefeloptik mögen, auf ein gutes Verhältnis zwischen Größe und Innenraum Wert legen und die es gern behaglich haben, wenn sie Auto fahren. Der Wagen gibt sich ernsthafter als der Nissan Juke und feiner als der Renault Captur und ist damit eine Alternative zu beiden.

Hersteller: Peugeot
Typ: 2008 1.2 Puretech Allure
Karosserie: SUV
Motor: Dreizylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.199 ccm
Leistung: 110 PS (81 kW)
Drehmoment: 205 Nm
Von 0 auf 100: 10,3 s
Höchstgeschw.: 188 km/h
Verbrauch (ECE): 4,8 Liter
CO2-Ausstoß: 110 g/km
Kofferraum: 410 Liter
umgebaut: 1.400 Liter
Preis: 21.950 EUR
insgesamt 34 Beiträge
willhelm.schmitz 20.04.2017
1. Auch wenn ich jetzt pauschalisiere....
aber ich halte so ziemlich alle französischen Fahrzeuge für ausgemachte Ramschkarren. Ich habe in meinem Leben bisher 2 französische PKW besessen, einmal einen Peugeot 205 GTI und einmal einen Renault Scenic. Beide PKW waren [...]
aber ich halte so ziemlich alle französischen Fahrzeuge für ausgemachte Ramschkarren. Ich habe in meinem Leben bisher 2 französische PKW besessen, einmal einen Peugeot 205 GTI und einmal einen Renault Scenic. Beide PKW waren sehr angenehm zu fahren, zumindest die ersten drei Jahre, aber nach Ablauf der Garantiezeiten sind sie buchstäblich auseinander gefallen.... und das Thema Service und Kundendienst wird auch bei den Franzosen nicht besonders gross geschrieben. (genau wie VW sich einen Dreck um die Kunden kümmert) Wer heutzutage Fahrzeuge mit armseligen Gewährleistungsfristen oder Garantiezeiten kauft (siehe deutsche oder französische Fahrzeuge), dem ist eh nicht mehr zu helfen, oder er hat zu viel Geld. Da nützt auch keine "kuschelige" Atmosphäre, oder ein lederner Schaltknauf, um überteuerte oder aufgehübschte Karren unters Volk zu bringen....
mielforte 20.04.2017
2. Mit der Zahl 2008 assoziiert man ein großes Krisenjahr,
überhaupt finde ich diese tausender Bezeichnungen bei Peugeot unglücklich gewählt. Ansonsten der übliche Run auf die eierlegende Wollmilchsau Crossover SUV und weiß der Geier, umrühren nicht vergessen. Wünsche den Franzosen [...]
überhaupt finde ich diese tausender Bezeichnungen bei Peugeot unglücklich gewählt. Ansonsten der übliche Run auf die eierlegende Wollmilchsau Crossover SUV und weiß der Geier, umrühren nicht vergessen. Wünsche den Franzosen ToiToiToi beim Verkauf.
l/d 20.04.2017
3. Ein Kleinwagen
mit über 4 m Länge ist für mich kein Kleinwagen, denn vernünftige Viersitzer mit 4 Türen gibt es schon unter 3,7 m. Man fahre zum Beispiel mal den Panda von Fiat Probe, am besten mit dem 0,8 l Aggregat, dann weiß man, wie [...]
mit über 4 m Länge ist für mich kein Kleinwagen, denn vernünftige Viersitzer mit 4 Türen gibt es schon unter 3,7 m. Man fahre zum Beispiel mal den Panda von Fiat Probe, am besten mit dem 0,8 l Aggregat, dann weiß man, wie wenig Auto man tatsächlich braucht. Kostet rund 8.200 Euro im Reimport inkl. Klima und hat 4 Jahre Garantie. Hätte ich mir tatsächlich gekauft, hätte ich den vor 2 Jahren in Betracht gezogen. Tolles Auto für das Geld und auf der Auitobahn läuft er gut mit.
Tingletangle 20.04.2017
4.
Zum Fahrzeug: Ich saß auf Genfer Autosalon drin und war angenehm überrascht, insbesondere von der Innenraumqualität. Fahren konnte ich ihn noch nicht aber es scheint ein gelungener Kompromiss aus dem aktuellen Offroad-Trend bei [...]
Zum Fahrzeug: Ich saß auf Genfer Autosalon drin und war angenehm überrascht, insbesondere von der Innenraumqualität. Fahren konnte ich ihn noch nicht aber es scheint ein gelungener Kompromiss aus dem aktuellen Offroad-Trend bei bescheidenen Abmessungen gelungen zu sein. Fahren konnte ich ihn zwar noch nicht aber als Zweitwagen könnte ich ihn mir durchaus vorstellen. Bin mal auf Vegleichstests mit z.B. Mazda CX-3 gespannt!
RobMcKenna 20.04.2017
5. Gemütlichkeit?
Kann mir mal bitte jemand erklären, was an dieser Plastikwüste im Cockpit "heimelig" oder "behaglich" ist?
Kann mir mal bitte jemand erklären, was an dieser Plastikwüste im Cockpit "heimelig" oder "behaglich" ist?
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP