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Auto

Autogramm Peugeot 5008

Sicher verwandelt

Das nennt man Radikalumbau: Peugeot hat aus dem Van-Model 5008 einen SUV gemacht. Eigentlich ganz angenehm.

Peugeot
Von
Mittwoch, 15.03.2017   05:06 Uhr

Der erste Eindruck: Wie, Van, wo? Was ist denn mit dem passiert? Seit Mercedes die A-Klasse umgeformt hat, wurde wohl kein Auto mehr so radikal verändert wie der Peugeot 5008.

Das sagt der Hersteller: Bis auf den Namen sei nichts mehr, wie es war beim alten 5008, sagt Laurent Blanchet, der bei Peugeot die Produktplanung verantwortet. Man habe den Van in einen SUV umgemodelt, weil mittlerweile jeder vierte Neuwagen in Europa zu diesem Fahrzeugtyp gehört.

Einerseits räumt Blanchet ein, dass Peugeot den SUV-Trend lange ignoriert habe, andererseits sei das neue Auto einer der Vorreiter einer neuen Klasse, die Blanchet "Adventure-SUV" nennt. In diesem Segment gebe es bislang nur den Nissan X-Trail und den Skoda Kodiaq. Das klingt jetzt wirklich ein bisschen abenteuerlich, doch mal abgesehen von der Phrasenhaftigkeit solcher Wortkreationen lohnen sich die SUV-Modelle, sei es mit oder ohne "Adventure". Für das Modell 3008 - eine Nummer kleiner als der 5008 - liegen laut Blanchet vier Monate nach dem Debüt europaweit bereits 80.000 Bestellungen vor. "So einen Ansturm haben wir seit dem Kleinwagen 206 nicht mehr erlebt - und das war vor 20 Jahren."

Das ist uns aufgefallen: Außen mag der 5008 nach Freiheit und Abenteuer aussehen, doch innen geben Kind und Kegel den Ton an. Das Auto wird mit wahlweise fünf oder sieben Sitzen ausgeliefert, dazu gibt es mehr Ablagen und Staufächer als in einer Einbauküche. Und es gibt reichlich Platz für die Passagiere. Vom klassischen Van unterscheidet sich das Auto eigentlich nur durch die größere Bodenfreiheit und, damit einhergehend, die höhere Sitzposition. Für die Insassen ist das eine ausgesprochen angenehme Veränderung.

Mehr Details zum Peugeot 5008 im Video:

Foto: Peugeot

Der 4,64 Meter lange 5008 hat zwar ziemlich stattliche Ausmaße, aber das Platzangebot im Innern überrascht dann doch ein bisschen. Das liegt vor allem an zwei Kunstgriffen von Designern und Ingenieuren: In der ersten Reihe ist es das sogenannte i-Cockpit, das mit hoch gesetzten Digitalanzeigen, tief platziertem Mini-Lenkrad und weitgehendem Verzicht auf Schalter und Tasten einen ungestörten Ausblick und ein aufgeräumtes Ambiente bedeutet und zugleich Platz schafft.

In der zweiten Reihe herrscht ein gutes Raumgefühl, weil bei den dort installierten Einzelsitzen der Neigungwinkel der Lehne separat in fünf Stufen verstellt werden kann. Außerdem lässt sich jeder Sitz auch einzeln um eine Handbreit verschieben.

Naturgemäß geht es in der dritten Reihe enger zu. Wer sich auf die dünnen Klappsitze im Fond zwängen mag, der muss die Knie zwischen die Ohren nehmen und auch noch mit der schlechten Laune der Mitfahrer leben. Denn während der 5008 als Fünfsitzer solide 780 Liter Kofferraum bietet, bleibt bei sieben Menschen im Auto kaum mehr Stauraum für sieben Jacken.

Es gibt neben den Verstaumöglichkeiten und der Variabilität noch einen Punkt, in dem der 5008 einem Van doch näher ist als einem SUV: beim Antrieb. Peugeot hat bislang keinen Pkw mit echter Allradtechnik im Angebot - und dabei bleibt es auch. Allradtechnik sei zu teuer, zu schwer, zu verbrauchssteigernd und vor allem in den meisten Landstrichen überflüssig, argumentieren die Franzosen.

Stattdessen bietet Peugeot das neue System "Advanced Grip Control": Ein Drehschalter mit Piktogrammen wie ein Kaktus, eine Schneeflocke oder eine Geröllpiste soll dabei Geländetauglichkeit vorgaukeln. Doch auch wenn der Schalter noch so eifrig bedient wird, das Auto bleibt ein Fronttriebler. Verändert wird durch das System lediglich die Empfindlichkeit der Traktionskontrolle. Das macht aus dem 5008 noch keinen Defender, aber im Schlamm oder im Schnee kommt man damit tatsächlich ein bisschen weiter als ohne Traktionshilfe.

Fotostrecke

Autogramm Peugeot 5008: Die Geschlechtsumwandlung

Das muss man wissen: Das Design ist zwar vor allem nach hinten hin eigenständig, doch im Grunde ist der 5008 nur die gestreckte Version des 3008 - mit 16 Zentimetern mehr Radstand und 18 Zentimeter zusätzlicher Länge. Die Verwandtschaft der beiden Modelle erkennt man insbesondere am Antrieb und an der Ausstattung. So gibt es auch für den 5008 in Deutschland zwei Benzin- und drei Dieselmotorisierungen, die ein Leistungsspektrum von 120 bis 180 PS abdecken.

Wie keine anderen Peugeot-Modelle vor ihnen pflegen die beiden neuen SUV 3008 und 5008 die elektronische Aufrüstung. Neben dem digitalen Cockpit und einem großen Touchscreen samt Smartphone-Integration mit Apple Car Play oder Android Auto sind auch zahlreiche Assistenzsysteme im Angebot - von der automatischen Abstandsregelung bis zur Einparkautomatik.

Während der 3008 bereits im Handel ist, soll die Auslieferung des 5008 im Juni beginnen. Die Preise beginnen bei 24.650 Euro und liegen damit gut 1700 Euro über denen des kleineren Kompakt-SUVs 3008.

Das werden wir nicht vergessen: Die Sitze in der dritten Reihe. Nicht, weil sie sonderlich bequem wären - das hat in dieser Fahrzeugklasse noch kein Hersteller hinbekommen -, sondern, weil man die jeweils elf Kilo leichten Sitze tatsächlich mit einem Handgriff ausbauen kann. Das bringt dann pro Sitz je 40 Liter mehr Stauraum.

Egal, was Design und Marketing uns erzählen wollen - zumindest im wörtlichen Sinne bleibt der 5008 eine Großraumlimousine.

Hersteller: Peugeot
Typ: 5008 (2017)
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 9,1 s
Höchstgeschw.: 211 km/h
Verbrauch (ECE): 4,8 Liter
CO2-Ausstoß: 124 g/km
Kofferraum: 780 Liter
umgebaut: 1.940 Liter
Preis: 41.550 EUR
insgesamt 94 Beiträge
der.willi 15.03.2017
1. Wenn ich denn ...
... die Knie zwischen die Ohren nehme, hole ich mir eine böse blutende Nase.
... die Knie zwischen die Ohren nehme, hole ich mir eine böse blutende Nase.
friespeace 15.03.2017
2. Schön gemacht
Von hinten zwar gar nicht meins, aber ansonsten prima. Allrad habe ich bisher nicht gebraucht, dabei bleibt es auch. Aber Platz brauche ich und gute Assistenzsysteme. Dazu gibt es auch noch ein ansprechendes Interieur. Einzige [...]
Von hinten zwar gar nicht meins, aber ansonsten prima. Allrad habe ich bisher nicht gebraucht, dabei bleibt es auch. Aber Platz brauche ich und gute Assistenzsysteme. Dazu gibt es auch noch ein ansprechendes Interieur. Einzige Wermutstropfen aus meiner Sicht die Kombination der Motoren, Getriebe und Assistenzsysteme: Den hoch gelobten kleinen Benziner gibt es zwar mit Automatik, aber trotzdem nicht mit ACC - für mich eine Notwendigkeit. Den mittleren Diesel wiederum gibt es gar nicht mit Automatik und damit auch ohne ACC. Jetzt bleibt die frage ob 120 PS ausreichen oder es doch 180 werden müssen, obwohl ich so viel nicht brauche.
seikor 15.03.2017
3. reichlich Platz?
Jetzt wäre statt der üblichen SUV-Lobeshymne für den Leser schon ein Vergleich des Raumangebots mit dem Vorgängermodell interessant... aber da gab wohl die Pressemitteilung des Herstellers nicht mehr her...
Jetzt wäre statt der üblichen SUV-Lobeshymne für den Leser schon ein Vergleich des Raumangebots mit dem Vorgängermodell interessant... aber da gab wohl die Pressemitteilung des Herstellers nicht mehr her...
spon_1644724 15.03.2017
4. Sauber gemacht. Und die Motoren ?
Mal wieder ein hübsches Auto, das proper dasteht. Kein Wort über die Antriebsalternativen - ach ja, das übliche: Diesel und Benziner. Natürlich werden die meisten Käufer wieder zum Diesel greifen, denn der braucht weniger [...]
Mal wieder ein hübsches Auto, das proper dasteht. Kein Wort über die Antriebsalternativen - ach ja, das übliche: Diesel und Benziner. Natürlich werden die meisten Käufer wieder zum Diesel greifen, denn der braucht weniger Sprit. Setzen, 6 Peugeot: Wer 2017 ein neues Auto mit alter Antriebstechnik auf den Markt bringt, liefert den Offenbarungseid. Seht her, wir haben nichts mordernes. Nur die gleichen Diesel, die bisher auch schon viel zu viel NOx emittieren und in den nächsten Jahren keine blaue Plakette mehr bekommen. Wer das kauft, ist kein Opfer sonder selber Schuld.
DerBlicker 15.03.2017
5. die Zahlen stehen doch im Text
Die Kofferraum Größe des 5008 ist angegeben, vergleichen Sie sie doch einfach mit der Größe des Vorgängers und Ihre Frage ist beantwortet. Ich sehe für den Wagen aber kaum Chancen gegen den Skoda Kodiaq, denn der ist mit [...]
Zitat von seikorJetzt wäre statt der üblichen SUV-Lobeshymne für den Leser schon ein Vergleich des Raumangebots mit dem Vorgängermodell interessant... aber da gab wohl die Pressemitteilung des Herstellers nicht mehr her...
Die Kofferraum Größe des 5008 ist angegeben, vergleichen Sie sie doch einfach mit der Größe des Vorgängers und Ihre Frage ist beantwortet. Ich sehe für den Wagen aber kaum Chancen gegen den Skoda Kodiaq, denn der ist mit dem 190 PS Diesel und Automatik glatte 2000 Euro günstiger und hat zudem einen über 100 Liter größeren maximalen Kofferraum. Zudem hat der Kodiaq für das Geld auch noch Allrad an Bord, und einen SUV ohne Allrad würde ich niemals kaufen, denn das wäre mir im Winter dann doch zu peinlich, mit einem SUV hängen zu bleiben.
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