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Auto

Fahrbericht Mitsubishi Pajero

Einer zum Pferdestehlen

In der Stadt wirkt der Mitsubishi Pajero wie ein Bauer beim Ballett. Auf dem Land jedoch passen die Größenverhältnisse. Hier gehört ein Auto auch hin, das 91 Prozent der Käufer mit Anhängerkupplung bestellen.

Jürgen Pander
Von Jürgen Pander
Freitag, 04.08.2017   04:52 Uhr

Der Mitsubishi Pajero ist ein Auto zum Pferdestehlen. Oder zumindest zum Gäule ziehen. Im Speckgürtel von Hamburg jedenfalls sieht man dieses Modell häufig mit einer Pferdebox im Schlepp. Dreieinhalb Tonnen Anhängelast kriegt der Wagen vom Fleck. Wenn es sein muss, auch von einer matschigen Wiese: Per Hebel auf der Mittelkonsole kann von Hinterachsantrieb auf Allradantrieb umgeschaltet und dank Mitteldifferenzialsperre und zusätzlicher Geländeuntersetzung die Traktion in vier Stufen gesteigert werden. Der Pajero sieht nicht nur aus, als ob er sich von kaum etwas aufhalten ließe.

Man könnte dem Auto (und vor allem seinen Besitzern) vorwerfen, dass ein Fahrzeuggewicht von 2,4 Tonnen, 3,2 Liter Hubraum und 245 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer nicht mehr zeitgemäß sind. Beim Pajero läge man damit falsch. Das Trumm ist nämlich ein Malocher alter Schule und kein modischer SUV: groß, kräftig, robust und vor allem ehrlich.

Foto: Jürgen Pander

Der kantige Brocken versucht gar nicht erst, auf Lifestyle zu machen. Der sieht auch in der vierten, seit 2007 gebauten Generation so aus, als käme er gerade aus dem Stall und kenne keinen Feierabend. Diese Mentalität überträgt sich auch auf den Fahrer. Schon allein deshalb, weil man hinaufsteigt ins Auto und dann dort oben wie auf einem Hochsitz thront. Soll es losgehen, schwenken erst die Außenspiegel zur Seite, dann kollert der Dieselmotor los.

Das Grundgefühl in diesem Auto ist: Farmer. Und wenn man jetzt durch ein breites Hoftor rollen und die eigenen Ländereien auf einsamen Straßen abfahren könnte, wäre alles wunderbar. Aber das Leben ist weder Pony-, noch Pferde-, noch Großbauernhof. In unserem Fall zum Beispiel ist es ein von Gentrifizierung geplagter Großstadtbezirk, belebt, eng bebaut und keine freien Parkplätze. Logisch, dass man sich mit dem Pajero in dieser Umgebung fühlt wie in Gummistiefeln auf einer Gala; und genau so wird man auch beäugt.

Bloß raus aus der Stadt!

Es stimmt: Gewisse Autos gehören in spezielle Umfelder. Und der Pajero wurde Anfang der Achtzigerjahre vor allem als Arbeitsgerät konzipiert. Später schuf sich das Auto einen einzigartigen "Das Ziel ist das Ziel"-Nimbus, in dem Rennversionen des Allrad-Brockens insgesamt zwölf Mal die Extrem-Rallye Paris-Dakar gewannen. Das passende Umfeld für den Pajero also liegt jenseits der Stadtgrenzen. Und dort, wo Autos auch mal dreckig werden, als Zugmaschinen malochen müssen oder im Hauptberuf eigentlich Lastwagen sind.

In diesen Disziplinen ist der Mitsubishi Pajero ziemlich gut. Vor allem, weil die Technik dem Fahrer genug Freiheit gibt, sich auf das ganze Drumherum zu konzentrieren - das Fahren selbst nämlich lässt sich erstaunlich beiläufig erledigen. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung macht das Kurbeln am Lenkrad zum Fingerspiel. Ums Schalten muss man sich überhaupt nicht mehr kümmern, seit Mitsubishi mit dem neuen Modelljahr die Fünfgang-Automatik zur Standardausstattung gemacht und das Fünfgang-Schaltgetriebe aus dem Angebot gestrichen hat.

Fotostrecke

Mitsubishi Pajero: Pfundskerl aus Japan

Mitsubishi bietet den Pajero als Dreitürer (ab 35.990 Euro) und als Fünftürer ab 39.550 Euro an. Sämtliche Modelle sind mit dem 3,2-Liter-Vierzylinder-Diesel und dem vierstufigen Allradantrieb ausgerüstet. Unterschiede gibt es allein bei der Ausstattung. Der fünftürige Testwagen, den wir zum Kennenlernen erhielten, war auf höchstem Niveau ausstaffiert (ab 50.990 Euro) und außerdem im Perleffekt-Farbton "Malachit-Grün" lackiert (800 Euro Aufpreis).

860-Watt-Musikanlage - und zugleich die Ruhe selbst

Die Details, mit denen Mitsubishi den höheren Preis der Top-Version rechtfertigt, sind zum Beispiel 18-Zoll-Räder, Dachreling, Wurzelholz-Optik an der Armaturentafel, gläsernes Schiebe-Hub-Dach, Ledersitze, 7-Zoll-Touchscreen mit dahinter verstecktem CD-Schacht sowie eine 860-Watt-Musikanlage der Firma Rockford inklusive eines Subwoofers mit 25 Zentimeter Durchmesser links hinten im Kofferraum.

Gewiss sind das alles angenehme Dinge, doch das Wesentliche des Pajero bleibt sein rustikal-verlässliches Wesen. Es gibt schnellere, handlichere, komfortablere und selbstverständlich elegantere Autos. Aber nur wenige ruhen derart in sich wie der kolossale Mitsubishi.

Was noch erwähnt werden muss, ist dies: Seit langer Zeit war das dicke Ding mal wieder ein Auto, bei dem es uns nicht nur gelang, den offiziell angegebenen Durchschnittsverbrauch von 9,3 Liter Diesel je 100 Kilometer zu erreichen, sondern zeitweise sogar zu unterbieten. Dies freilich auf befestigter Straße und nur mit Heckantrieb. Und klar, das ist immer noch jede Menge Sprit, aber dafür auch für jede Menge Auto. Wer lediglich ein paar Kilometer zur Arbeit und zurück juckeln möchte und am Wochenende vielleicht mal ins Grüne, für den ist ein Pajero sowieso ein paar Nummern zu groß.

Hersteller: Mitsubishi
Typ: Pajero 3.2 DI-D 4WD
Karosserie: Geländewagen
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Fünfgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.200 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 441 Nm
Von 0 auf 100: 11,1 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter
CO2-Ausstoß: 245 g/km
Kofferraum: 215 Liter
umgebaut: 1.789 Liter
Preis: 39.990 EUR
insgesamt 83 Beiträge
Worldwatch 04.08.2017
1. Werte der Reinheit und Sauberkeit
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter (Diesel) CO2-Ausstoß: 245 g/km Staub: ??? Also, der Diesel-Ausländer ist nun was ... Ohne Bedenken auf Deutschlands Straßen erlaubt und betriebs-zulassungssicher?
Verbrauch (ECE): 9,3 Liter (Diesel) CO2-Ausstoß: 245 g/km Staub: ??? Also, der Diesel-Ausländer ist nun was ... Ohne Bedenken auf Deutschlands Straßen erlaubt und betriebs-zulassungssicher?
luciusvoldemort 04.08.2017
2. Nun, ich habe inzwischen meinen dritten
nicht Pajero, sondern Montero. Warum Montero? Weil Pajero hier in den südamerikanisch spanisch sprechenden Ländern ein Schimpfwort ist. Niemand würde sein Auto "Masturbist" nennen. Aber nichts dest trotz, mein Montero [...]
nicht Pajero, sondern Montero. Warum Montero? Weil Pajero hier in den südamerikanisch spanisch sprechenden Ländern ein Schimpfwort ist. Niemand würde sein Auto "Masturbist" nennen. Aber nichts dest trotz, mein Montero ist ein 3.5 liter Benziner (hier gibt es kaum Diesel Monteros das liegt am Import aus den USA) den ich zusätzlich mit Gas fahre. Sparsam, sauber und preiswert. Wobei der Montero hier im Land, auch wegen der häufig sehr schlechten Strassen einfach ideal ist. Komfortabler 5 Sitzer mit der Möglichkeit daraus schnell einen 7 Sitzer zu machen. Und ganz sicher, mein nächstes Auto wird wieder ein Montero sein. Lucius
spon_3607221 04.08.2017
3. Dieselskandal war gestern, oder?
Wie schön, hier wird ein bestimmt 2 Tonnen schwerer automobiler Dinosaurier mit dem gefühlten Resourcenverbrauch eines Kreuzfahrtschiffs bejubelt. Und nur ein oder zwei Klicks entfernt wird der Dieselmotor samt der daran [...]
Wie schön, hier wird ein bestimmt 2 Tonnen schwerer automobiler Dinosaurier mit dem gefühlten Resourcenverbrauch eines Kreuzfahrtschiffs bejubelt. Und nur ein oder zwei Klicks entfernt wird der Dieselmotor samt der daran hängenden heimischen Industrie in die Hölle geschrieben. Und da sag noch einer, es wäre nicht abwechslungsreich hier...
M.Weith 04.08.2017
4. Bitte.....
....hören Sie auf über Autos zu berichten. Dieser Bericht aus der SPON-Feder ist einfach nur lächerlich. Sie verteufeln ausschließlich deutsche Automobilhersteller und berichten hier über japanische Dieselschleudern.
....hören Sie auf über Autos zu berichten. Dieser Bericht aus der SPON-Feder ist einfach nur lächerlich. Sie verteufeln ausschließlich deutsche Automobilhersteller und berichten hier über japanische Dieselschleudern.
napoleonwilson 04.08.2017
5. Pajero
Um was geht es derzeit in der BRD ? Und hier gibt es einen Lobgesang auf einen Asia Stinker. Man trohnt in dem Stinker..So so. Nur unsichere oder ältere Autofahrer benötigen ein SUV. Das der Verbrauch absolut unzeitgemäss ist , [...]
Um was geht es derzeit in der BRD ? Und hier gibt es einen Lobgesang auf einen Asia Stinker. Man trohnt in dem Stinker..So so. Nur unsichere oder ältere Autofahrer benötigen ein SUV. Das der Verbrauch absolut unzeitgemäss ist , tut hier nichts zur Sache.
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