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Auto

Kia Sorento Masterpiece

Mit viel Bling-Bling aufgebrezelt

Kia hat einen beachtlichen Aufstieg hingelegt und feiert sich selbst - leider mit dem falschen Auto. Der Luxus-Zubehör-Schnickschnack der Masterpiece-Edition steht dem grundsoliden SUV Sorento einfach nicht.

Kia/ Thorsten Weigl
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Donnerstag, 10.08.2017   04:49 Uhr

Mit künstlich knapp gehaltenen Luxus-Sondereditionen hantieren bislang vor allem Hersteller wie Rolls-Royce, Bentley, Lamborghini oder andere Luxusfirmen. Aber ein Kia, der auf 200 Stück begrenzt ist und fast doppelt so viel kostet wie das Basismodell? Was ist denn hier los? Die Verwunderung nimmt nicht ab, wenn man im Kofferraum die Reisetasche entdeckt, die aus den gleichen Materialien geschneidert ist wie die Verkleidung des Auto-Innenraums und die fett und prominent das Kia-Logo eingeprägt bekommen hat. Exquisite Accessoires zum Auto - klar, auch das kennt man. Aber bislang nicht von einer Marke wie Kia.

Der koreanische Hersteller hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. Unter der Feder des bei VW abgeworbenen Designers Peter Schreyer hat sich die Schwesterfirma von Hyundai zum Seriensieger beim anerkannten "Red Dot"-Award aufgeschwungen. Autos wie der kompakte Cee'd, die Mittelklasse-Limousine Optima oder eben der Sorento sind technisch auf der Höhe der Zeit. Die Garantie von sieben Jahren gibt es immer noch, aber das Image des vernünftigen, aber langweiligen Preisbrechers haben die Autos von Kia längst abgelegt.

Foto: Kia/ Thorsten Weigl

Analysten wie Jan Burgard von Berylls in München sehen den Konzern deswegen in der Offensive: "KIA bereitet den etablierten europäischen Volumenherstellern, aber auch Importeuren zunehmend Kopfschmerzen." Das ist keine bloße Behauptung, sondern lässt sich an den Zulassungszahlen ablesen: Weltweit bereits Nummer zehn, hat Kia in Deutschland allein im letzten Jahr 8,7 Prozent zugelegt und zum ersten Mal mehr als 60.000 Autos verkauft. Das sind fast dreimal so viele Zulassungen wie bei Honda, immerhin 4000 mehr als Peugeot und nur 10.000 weniger als bei Nissan.

Angesichts solcher Erfolge kann man sich schon mal selbst feiern. Aber warum mit einem Modelle wie dem Sorento Masterpiece? Einerseits war die Wahl irgendwie logisch. Der Wagen ist das Flaggschiff in der europäischen Flotte und steht in Prestige und Preis deutlich über dem Optima. Außerdem strebte schon der erste Sorento nach höheren Weihen und war als günstige Alternative zum damals noch als M-Klasse geführten Mercedes GLE so akzeptiert, dass viele Kunden - oft gleich noch beim offiziellem Händler - einen neuen Kühlergrill ohne Kia-Logo nachrüsteten.

Bling-Bling wie im Bentley eines russischen Neureichen

Die Zeiten sind mittlerweile vorbei. Der neutrale Grill ist aus dem Zubehör verschwunden. Die Koreaner sind so stolz auf ihr Meisterstück, dass sie den Schriftzug sogar auf die Sitze prägen. "Das ist der exklusivste Kia, den wir je in Deutschland angeboten haben", sagt Deutschlandchef Steffen Cost. "Er macht deutlich, auf welchem Level sich Kia inzwischen bewegt und welches Ansehen unsere Marke gewonnen hat." Und das Konzept scheint aufzugehen: Binnen weniger Monate war die Sonderserie des Masterpiece ausverkauft.

Fotostrecke

Kia Sorento "Masterpiece": Das Bling-Bling-SUV aus Südkorea

Aber was sagt uns dieses Auto über Kia? Statt mit Substanz zu überzeugen, setzt das Masterpiece nur auf den Schein, das Flaggschiff ist mit so viel Bling-Bling behängt wie der Bentley eines russischen Neureichen. Der aktuelle Sorento, den es ohne den Schnickschnack schon ab knapp 35.000 Euro gibt, ist ein grundsolider, in vielen Details sogar richtig guter SUV, der es als eines der wenigen Importmodelle tatsächlich mit Vorbildern wie einem BMW X5 oder einem Mercedes GLE aufnehmen kann - zumindest, wenn man einen voll ausstaffierten Kia mit den dann etwa gleich teuren Basismodellen der Deutschen vergleicht.

Er fährt sich mit einem 200 PS starken 2,2-Diesel wunderbar entspannt und hat trotzdem genügend Dampf für einen engen Terminkalender. Er bietet so viel Platz auf allen Plätzen, dass man für den bis zu 1732 Liter großen Kofferraum auch noch eine dritte Sitzreihe bestellen kann. Er sieht innen genauso gut aus wie außen und hat neben den üblichen elektrischen Helfern fast alle Assistenzsysteme an Bord, die einem auch Mercedes & Co bieten.

Verpasste Chance

Aber gerade deshalb hätte der große Geländewagen den Budenzauber des Masterpiece überhaupt nicht nötig gehabt. Denn die von Hand vernähten Alcantara-Bezüge vom Dachhimmel bis zu den Haltegriffen, die silberne Naht am ledernen Sack um den Schaltknauf, die Prägung in den Sitzen, die glanzschwarz polierten 20-Zöller, die aluminiumfarbenen Trittleisten unter den Türen, die imitierten Karbonblenden auf den Endrohren aus Edelstahl und die Masterpiece-Projektion auf dem Asphalt - all das macht das Auto keinen Deut besser. Sondern nur teurer.

Tom Grünweg

Leider nicht in Deutschland erhältlich: Limousine Kia K7

Interessant wäre es gewesen, hätten die Koreaner andere Autos auserkoren. Zum Beispiel die beiden Luxuslimousinen K7 und K9, die in einer Liga mit der Mercedes E-Klasse oder dem Audi A8 antreten und nur für den koreanische Markt und die USA gebaut werden. Ein Tag auf Dienstreise in Seoul im K7 mit seinen bequemen Sitzen, dem wolkenweichen Fahrwerk und einer schallschluckenden Kabine der Welt enthoben, ein faszinierendes Infotainment-System mit fast zentimetergenauen Hinweisen und fotografisch präzisen 3D-Karten vor Augen - das schindet mehr Eindruck als die längste Fahrt mit dem aufgebrezelten Sorento. Natürlich wären mit einem Auto wie dem K7 im Mutterland von Mercedes & Co keine großen Sprünge drin. Doch 200 Exemplare wie vom Masterpiece hätte Kia auch davon verkaufen und so sehr viel glaubwürdiger für den Aufstieg werben können.

Alternativ hätte man dem Sorento auch einen anderen, innovativeren Antrieb spendieren können, denn auch in dieser Disziplin haben die Koreaner viele Konkurrenten längst überflügelt: "Der Konzern hat sich schon früh mit ausgelagerten Entwicklungszentren für eine schnelle Internationalisierung positioniert und zählt heute bereits zu den Innovationsführern. Nicht umsonst spielt er zum Beispiel beim Thema Brennstoffzellen-Technologie in der ersten Liga mit", lobt Burgard.

Das neureiche Premium-Bling-Bling jedenfalls können die Koreaner künftig gerne wieder einpacken. Zum Beispiel in eine Designertasche. Die liegt nämlich im Kofferraum des Sorento ohnehin nur im Weg herum.

Hersteller: Kia
Typ: Sorento Masterpiece
Karosserie: Geländewagen
Motor: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.199 ccm
Leistung: 200 PS (147 kW)
Drehmoment: 441 Nm
Von 0 auf 100: 9,6 s
Höchstgeschw.: 205 km/h
Verbrauch (ECE): 6,6 Liter
CO2-Ausstoß: 174 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 660 Liter
umgebaut: 1.732 Liter
Preis: 60.990 EUR
insgesamt 40 Beiträge
mazzmazz 10.08.2017
1. Egal
Diese Ausstattungspielereien kann man machen. Stört mich nciht, ich konfiguriere mir mein Auto meist sowieso selbst und lasse dann halt Bling-Bling das ich nicht möchte, weg. Viel spannender ist, dass Kia den wirklich guten [...]
Diese Ausstattungspielereien kann man machen. Stört mich nciht, ich konfiguriere mir mein Auto meist sowieso selbst und lasse dann halt Bling-Bling das ich nicht möchte, weg. Viel spannender ist, dass Kia den wirklich guten Sorento hierzulande nicht mit einem brauchbaren Motor anbietet. In solche Autos gehören keine 4-Zylinder und mittlerweile auch keine Diesel mehr. Das Modell ist in anderen Märkten mit einem V6 Benziner verfügbar, soweit ich weiß. Was soll also dieser Unsinn, hier nur einen 4-Zylinder Nageldiesel anzubieten? Natürlich geht es um den Flottenverbrauch. Deshalb gibt es hier auch den K7 und den K9 nicht. Diese Autos sind nicht als Diesel erhältlich. Die Entwicklung einer Dieselversion für Europa würde sich nicht lohnen, denn hier wollen die Leute SUV und Kombis. Also verzichtet man auf den Verkauf. Hyundai hat ja den Genesis hierzulande auch so eingepreist, dass keiner ihn kauft. Schade, denn ein Genesis oder ein K7 zum umgerechneten US-Inklusiv-Preis von 35.000 Eur mit V6 wäre schon was. Aber selbst wenn diese Autos hierher kämen, könnten sich Kia und Hyundai wohl nicht gegen den Reflex wären, den preis für Deutschland um 50% hochzuziehen. Was dann auch den Sorento völlig unattraktiv macht. Für 60.000 Eur fahre ich Range Rover Sport, von mir aus ein Jahr alt. Aber sicher keinen Kia. Der erste Sorento war ein Erfolg, weil er solide, nett gemacht und günstig war. Wenn Kia nun denkt, sie könnten auf das Preisniveau von VW aufspringen, wird das nichts. Auch nciht mit 7 Jahren Garantie. Dafür wird Deutschland auch in 20 Jahren nicht reif sein.
DerBlicker 10.08.2017
2. und wer solte den in Europa kaufen?
Die Frage haben Sie doch selbst beantwortet. Den lahmen und durstigen V6 will in Europa niemand. Kia verkauft den Motor nur in Ländern, wo der Sprit nichts kostet. Leider zeigt auch der Sorrento mit seinen 200 Diesel PS, dass [...]
Zitat von mazzmazzDiese Ausstattungspielereien kann man machen. Stört mich nciht, ich konfiguriere mir mein Auto meist sowieso selbst und lasse dann halt Bling-Bling das ich nicht möchte, weg. Viel spannender ist, dass Kia den wirklich guten Sorento hierzulande nicht mit einem brauchbaren Motor anbietet. In solche Autos gehören keine 4-Zylinder und mittlerweile auch keine Diesel mehr. Das Modell ist in anderen Märkten mit einem V6 Benziner verfügbar, soweit ich weiß. Was soll also dieser Unsinn, hier nur einen 4-Zylinder Nageldiesel anzubieten? Natürlich geht es um den Flottenverbrauch. Deshalb gibt es hier auch den K7 und den K9 nicht. Diese Autos sind nicht als Diesel erhältlich. Die Entwicklung einer Dieselversion für Europa würde sich nicht lohnen, denn hier wollen die Leute SUV und Kombis. Also verzichtet man auf den Verkauf. Hyundai hat ja den Genesis hierzulande auch so eingepreist, dass keiner ihn kauft. Schade, denn ein Genesis oder ein K7 zum umgerechneten US-Inklusiv-Preis von 35.000 Eur mit V6 wäre schon was. Aber selbst wenn diese Autos hierher kämen, könnten sich Kia und Hyundai wohl nicht gegen den Reflex wären, den preis für Deutschland um 50% hochzuziehen. Was dann auch den Sorento völlig unattraktiv macht. Für 60.000 Eur fahre ich Range Rover Sport, von mir aus ein Jahr alt. Aber sicher keinen Kia. Der erste Sorento war ein Erfolg, weil er solide, nett gemacht und günstig war. Wenn Kia nun denkt, sie könnten auf das Preisniveau von VW aufspringen, wird das nichts. Auch nciht mit 7 Jahren Garantie. Dafür wird Deutschland auch in 20 Jahren nicht reif sein.
Die Frage haben Sie doch selbst beantwortet. Den lahmen und durstigen V6 will in Europa niemand. Kia verkauft den Motor nur in Ländern, wo der Sprit nichts kostet. Leider zeigt auch der Sorrento mit seinen 200 Diesel PS, dass Kia noch nicht auf Augenhöhe mit den deutschem Wettbewerbern ist, denn die Fahrleistungen sind eher müde, der Verbrauch deutlich höher las bei einem 190 PS Skoda Kodiaq Diesel, der mit 2050 Litern zudem den viel größeren Kofferraum hat und nicht teurer ist. Da gehen Kia die Kaufargumente schnell aus. Übrigens haben sich bei Messungen auf der Straße die "legalen" Diesel von Kia nicht als sauberer als die alten VW Schummel Diesel erwiesen.
schlauchschelle 10.08.2017
3. Wem er gefällt (und auf Wiederverkaufswert pfeift),
soll ihn sich kaufen. Persönlich sage ich: ouhwei. Ein Koreaner zum Preis eines kleineren MB / BMW / AUDI, voll mit Bling-Bling (wie lange der wohl blinkt und funktioniert?) und einem aufgeblasenen 4-Banger unter der Haube. Man [...]
soll ihn sich kaufen. Persönlich sage ich: ouhwei. Ein Koreaner zum Preis eines kleineren MB / BMW / AUDI, voll mit Bling-Bling (wie lange der wohl blinkt und funktioniert?) und einem aufgeblasenen 4-Banger unter der Haube. Man merkt, dass KIA (und Hyundai) von bräsigen Altherrenmanagern aus Deutschland unterminiert wurde, welche glauben, ein modernes Auto braucht mindestens 1.8 Tonnen, die Maße und das Design einer Schrankwand, eine Ölheizung mit Zwangsbeatmung, damit die Truhe unter 10 Sekunden vor dem LKW auf die Bahn kommt und an den Kasseler Bergen nicht verröchelt, Hauptsache aber, der Bling-Bling funkelt. Ich habe die Hoffnung, dass in der deutschen Autoindustrie bald mal echte Innovation und Fortschritt kommt, aufgegeben und teile Muttis Dystopie, dass es die Autoindustrie in D in 10-20 Jahren nicht mehr gibt wie wir sie ansatzweise kennen, Motto: Der Zug verlässt den Bahnhof und die deutschen Manager suchen noch den Fahrkartenautomat....
valmel 10.08.2017
4.
"Statt mit Substanz zu überzeugen, setzt das Masterpiece nur auf den Schein" Unter dem Schein liegt, im Gegensatz zu manchen "Premium" Herstellern, Substanz. Das erkennt man schon an den 7 Jahren Garantie.
"Statt mit Substanz zu überzeugen, setzt das Masterpiece nur auf den Schein" Unter dem Schein liegt, im Gegensatz zu manchen "Premium" Herstellern, Substanz. Das erkennt man schon an den 7 Jahren Garantie.
g_bec 10.08.2017
5. Wiederverkaufswert.
Zum Thema "Wiederverkaufswert" mal `ne Frage: Ist das Alles, was Ihnen zu KIA einfällt? So öde! Nach Garantieablauf ist das Auto sieben (!) Jahre alt. Wen interessiert da als Privatperson noch ernsthaft der [...]
Zitat von schlauchschellesoll ihn sich kaufen. Persönlich sage ich: ouhwei. Ein Koreaner zum Preis eines kleineren MB / BMW / AUDI, voll mit Bling-Bling (wie lange der wohl blinkt und funktioniert?) und einem aufgeblasenen 4-Banger unter der Haube. Man merkt, dass KIA (und Hyundai) von bräsigen Altherrenmanagern aus Deutschland unterminiert wurde, welche glauben, ein modernes Auto braucht mindestens 1.8 Tonnen, die Maße und das Design einer Schrankwand, eine Ölheizung mit Zwangsbeatmung, damit die Truhe unter 10 Sekunden vor dem LKW auf die Bahn kommt und an den Kasseler Bergen nicht verröchelt, Hauptsache aber, der Bling-Bling funkelt. Ich habe die Hoffnung, dass in der deutschen Autoindustrie bald mal echte Innovation und Fortschritt kommt, aufgegeben und teile Muttis Dystopie, dass es die Autoindustrie in D in 10-20 Jahren nicht mehr gibt wie wir sie ansatzweise kennen, Motto: Der Zug verlässt den Bahnhof und die deutschen Manager suchen noch den Fahrkartenautomat....
Zum Thema "Wiederverkaufswert" mal `ne Frage: Ist das Alles, was Ihnen zu KIA einfällt? So öde! Nach Garantieablauf ist das Auto sieben (!) Jahre alt. Wen interessiert da als Privatperson noch ernsthaft der "Wiederverkaufswert"? Und wenn Sie alle drei Jahre ein neues Auto brauchen: Prima, können Sie privat ein Auto "mit Werksgarantie" verkaufen. Das ist eher verkaufsfördernd. Ausgehend vom ohnehin niedrigeren Neupreis wage ich also hier Probleme doch zu bezweifeln. Und auf Autoscout24 z.B. sind jüngere Kias eher kein Schnäppchen, es sei denn als Grauimport. Zum Sorento: Das Auto sei unnütz, sagt der Autor. Offensichtlich fanden sich aber 200 Käufer und die Edition ist ausverkauft. Neidisch, weil keinen abbekommen (nur ein Scherz!). Blöder ist hingegen, dass KIA den Carnival in Europa aus dem Programm genommen hat. Der war ein echtes Hammerangebot für junge Familien. In den USA fahren die gefühlt zu Tausenden rum. Aber V6-Benziner bzw. 3l-Diesel für 'ne top ausgestattete 5m-Familienkutsche gehen wohl in D nicht so gut. Schade.

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