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Auto

Autogramm Mercedes E-Klasse Cabrio

Ewiger Sommer

Zwischen die offenen Versionen von C- und S-Klasse zwängt Mercedes jetzt auch noch das E-Klasse Cabrio. Der Clou an diesem offenen Wagen? Der Fahrspaß hängt fast gar nicht mehr von gutem Wetter ab.

Daimler
Von
Dienstag, 08.08.2017   05:42 Uhr

Der erste Eindruck: Sex on the Beach!

Das sagt der Hersteller: Andere Open-Air-Modelle kommen und gehen - die offene Mercedes E-Klasse bleibt. "Sie ist der Kern unserer Cabrio-Palette", sagt Baureihenchef Christian Früh. Kern trifft es ganz gut, denn um die offene E-Klasse herum hat Mercedes weitere Cabrios positioniert. Etwa die offene Variante der C-Klasse, die mit identischem Antrieb etwa 10.000 Euro billiger ist; und neuerdings auch wieder ein Cabrio der S-Klasse. Das ist zwar mehr als doppelt so teuer und glamouröser, hat aber beinahe dieselbe Größe. Fragt man Früh, weshalb es trotzdem noch eine offene E-Klasse gibt, gibt er diese Antwort: "Anders als C- und S-Klasse haben wir die E-Klasse auf vier vollwertige Sitze ausgelegt."

Das ist für Früh nicht nur eine Frage des Formats und der Platzverhältnisse, sondern auch der Finessen für die Fondpassagiere. Im E-Klasse Cabrio gibt es daher eine Sitzheizung für die Rückbank und kleine Leseleuchten, die im Dachhimmel integriert sind. Für die Modellpositionierung mag das sinnvoll sein, der Kunde allerdings wird das kaum goutieren, muss der Baureihenchef ein bisschen zerknirscht einräumen: "Auch in der offenen E-Klasse werden wohl nur selten mehr als zwei Personen sitzen."

Das ist uns aufgefallen: Draußen müffelt es nach Großstadt, doch drinnen riecht es nach Sommerfrische. Denn aus einer Kartusche im Handschuhfach duftet das Parfüm "Daybreak", das - so steht es auf dem Beipackzettel - aus Pfefferminze, Grapefruit, Mandarine und Zitrone mit einer Note von Muskat, Sandel- und Zedernholz sowie Jasmin und Vetivergras komponiert ist. Gegen diese "belebende Mischung, die den Eindruck würziger und aromatischer" macht, kann die schnöde Realität nun wirklich nicht anstinken.

Foto: Daimler

Auch sonst tut Mercedes alles dafür, dass man sich mit diesem Cabrio von der Wirklichkeit, und vor allem vom Wetter, weitgehend entkoppelt. Der Fahrtwind etwa wird von einem Air-Cap-System ausgesperrt, das aus einem Netzspoiler über der Frontscheibe und einem elektrisch ausfahrbaren Schott hinter den Rücksitzen besteht. Gegen zu große Hitze bringen die Schwaben Kühlgebläse in den Sitzen in Stellung. Und wenn's eigentlich zu kalt ist zum Cabrio-Fahren, bläst ein Heißluftföhn im Nacken der Passagiere alle Zweifel hinweg, zusätzlich wärmen Glühdrähte Rückenpolster und Armauflagen. Selbst die Lichtinszenierung trägt zur Realitätsflucht bei: Wird die Ambientebeleuchtung auf Blau programmiert, wirkt das Innenleben des Cabrios in der Dämmerung nach einem Sommertag erfrischend. Und wenn die mehrere Meter langen LED-Bänder unter den Konsolen rot glühen, wird einem wohlig warm.

Einerseits ist das grandios, weil so in der E-Klasse wirklich immer ideales Klima herrscht. Selbst leichter Nieselregen wischt folgenlos übers offene Auto und die Scheibenwaschanlage ist so programmiert, dass die Wischer alles Wasser hinwegfegen, bevor es über den Rahmen nach innen spritzen kann. Aber andererseits muss man sich für solcherart sterile Sonnenstunden natürlich auch kein Cabrio kaufen.

Doch es gibt aus diesem Dilemma einen einfachen Ausweg. Die beiden Knöpfe neben dem Verdeckschalter auf den Mitteltunnel. Mit dem einen klappt man die Air-Cap ein und mit dem anderen versenkt man alle vier Seitenfenster. Und schon sitzt man wieder mitten im Leben. Es zieht wie Hechtsuppe, wenn's dumm läuft, klatschen einem die Fliegen an die Stirn und der Daybreak-Duft wird vom Fahrtwinde verweht.

Das muss man wissen: Nach den Varianten Limousine, Kombi, All-Terrain und Coupé ist das in jeder Dimension deutlich gewachsene Cabrio nun die fünfte und letzte Spielart der E-Klasse. Es kommt im September in den Handel und kostet mindestens 54.228 Euro - das sind rund 8000 Euro mehr als beim Coupé.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes E-Klasse Cabrio - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dafür gibt's vor allem das große Stoffverdeck, das ebenfalls einen Beitrag zur Sinnestäuschung leistet. Denn es ist so gut gegen Geräusche isoliert, dass man bei geschlossenem Dach kaum einen Unterschied zum Coupé bemerkt. Es verschwindet binnen 20 Sekunden, bis Tempo 50 auch während der Fahrt, unter einer hübsch verzierten Klappe im Heck und lässt von den 385 Litern Kofferraumvolumen immerhin 310 Liter übrig.

Ausstattung und Antrieb orientieren sich weitgehend an Limousine, Kombi und Coupé. So gibt es das Cabrio ebenfalls mit dem Cinemascope-Cockpit und der kompletten Heerschar an Assistenzsystemen. Als Motorisierung bietet Mercedes zunächst zwei Diesel mit 194 oder 258 PS und drei Benziner - vom E 200 mit 184 PS bis zum E 400 mit 333 PS an. Die jeweils stärksten Aggregate werden, das ist neu, auf Wunsch auch mit Allradantrieb angeboten.

Das werden wir nicht vergessen: Ambientelicht, temperierte Sitze, beduftete Innenraumluft - soweit funktioniert das mit der Sinnlichkeit beim Cabrio der E-Klasse. Nur die Ohren kommen nicht auf ihre Kosten. Denn so souverän der E 300 mit 245 PS auch fahren und sich nach Sechszylinder anfühlen mag, so angestrengt und asthmatisch klingt er, wenn man ihn herausfordert. Weil es eben doch nur ein Vierzylindermotor ist. Und so gut der Air-Cap-Bügel über der Frontscheibe den Fahrwind aussperrt, so laut rauscht dafür der Fahrtwind durchs Netz. Akustisch ist das Auto jedenfalls keine Offenbarung.

Hersteller: Mercedes
Typ: E-Klasse Cabrio
Karosserie: Cabriolet
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 245 PS (180 kW)
Drehmoment: 370 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,8 Liter
CO2-Ausstoß: 154 g/km
Kofferraum: 385 Liter
umgebaut: 310 Liter
Preis: 60.214 EUR
insgesamt 75 Beiträge
brunosacco 08.08.2017
1. Daybreak
Daybreak hilft vermutlich auch wenn aus dem eigenen Haus ein Diesel mit Betrugssoftware vor einem fährt und die Luft verpestet. Der Autor hat die Sinnlosigkeit des E-Klasse Cabriolet neben dem C-Klasse Cabriolet gut [...]
Daybreak hilft vermutlich auch wenn aus dem eigenen Haus ein Diesel mit Betrugssoftware vor einem fährt und die Luft verpestet. Der Autor hat die Sinnlosigkeit des E-Klasse Cabriolet neben dem C-Klasse Cabriolet gut beschrieben. Eins von beiden ist überflüssig. Die frühere Ikone SL vernachlässigt MB dagegen sträflich. Gottlieb Daimler würde sich im Grabe umdrehen wenn er wuesste was aus seiner Firma geworden ist: Eine Ansammlung ehrloser und geschmacksverirrter Gesellen zerstört das Image DER deutschen Marke - pfui!
herm16 08.08.2017
2. die Angst
vor Diesel. Berichten Sie doch bitte wie sauber die Diesel sind Todschweigen ist nicht der richtige Weg
vor Diesel. Berichten Sie doch bitte wie sauber die Diesel sind Todschweigen ist nicht der richtige Weg
archpunkt 08.08.2017
3. Nett
Obwohl man über den Sinn eines solchen Fahrzeugs zu Recht diskutieren kann, gibt es aktuell kaum ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse, das sich so wohltuend vom Design Einerlei der KFZ-Industrie abhebt. Bei aller [...]
Obwohl man über den Sinn eines solchen Fahrzeugs zu Recht diskutieren kann, gibt es aktuell kaum ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse, das sich so wohltuend vom Design Einerlei der KFZ-Industrie abhebt. Bei aller Diesel-Betrügerei: Das hat Daimler wirklich nett gemacht!
dolfi 08.08.2017
4. Für das Geld...
bekomme ich 3 BMW Cabrios der absoluten Oberklasse. Nämlich die, mit 2 Rädern.
bekomme ich 3 BMW Cabrios der absoluten Oberklasse. Nämlich die, mit 2 Rädern.
kassandra21 08.08.2017
5. Wie war das doch...
...mit dem "Abstand halten" zur Autoindustrie, verehrte Redaktion? Aber weiterhin Jubel-Quartettkarten in Form solcher Artikel bringen.
...mit dem "Abstand halten" zur Autoindustrie, verehrte Redaktion? Aber weiterhin Jubel-Quartettkarten in Form solcher Artikel bringen.
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