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Autogramm Suzuki V-Strom 650XT

Einfach goldig

Auch nach der Überarbeitung ist die Suzuki V-Strom 650XT keine Schönheit. Beim Fahren glänzt sie dennoch - und das nicht nur wegen goldener Felgen.

Suzuki
Von
Freitag, 11.08.2017   05:05 Uhr

Der erste Eindruck: Bieder und brav.

Das sagt der Hersteller: Die V-Strom mit 645-Kubik-Motor ist ein Dauerbrenner aus dem Hause Suzuki. Sie gehört zu jenen Motorrädern, die im Design zwar unauffällig sind, aber wegen ihrer schieren Masse zur Präsenz einer Marke auf der Straße beitragen: Seit der Markteinführung im Jahr 2004 haben die Japaner mehr als 170.000 Stück des günstigen Allrounders gebaut.

Gerald Steinmann, Marketing Manager bei Suzuki Europe, schwört deshalb auf die Maschine: "Mit der 650er V-Strom hat man eigentlich alles, was man an Motorrad braucht. Es ist bezahlbar, passt für Einsteiger, für Pendler, für Weltreisende. Und ins Gelände kann man damit auch."

Doch der Markt hat sich in den letzten Dutzend Jahren stark verändert: Die Abverkäufe der kleinen V-Strom gingen massiv zurück. Fahrer haben inzwischen in dieser Klasse Alternativen von Kawasaki, BMW und Yamaha zur Auswahl oder wollen gleich ein Retrobike, das mehr hermacht.

Fotostrecke

Suzuki V-Strom 650XT: Treue Seele

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt für Motorräder die Euro-4-Norm mit unter anderem verschärften Abgas-, Verbrauchs- und Lärmwerten. Suzuki hat deshalb die Zäsur genutzt, die V-Strom 650 noch einmal - auch stilistisch - aufzufrischen: Die Maschine hat jetzt einen veränderten V2-Motor mit 71 PS, eine Traktionskontrolle und etwas mehr Elektronik an Bord.

Das ist uns aufgefallen: Optisch ist die V-Strom 650 näher an die große Schwester, die V-Strom mit 1000-Kubik-Motor, herangerückt. Die Front beider Versionen ist jetzt ziemlich identisch. Gemein ist ihnen der Entenschnabel, die seitlichen Verkleidungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Der Schalldämpfer liegt bei der V-Strom 650 weiter unten, was mehr Platz für den Koffer schafft. Aber wirklich hübsch oder gar aufregend haben die Eingriffe ins Detail auch das Modelljahr 2017 nicht gemacht.

Positiv ist allenfalls zu vermelden: Der Bugspoiler steht dem Aggregat sehr gut und die XT-Variante, die wir gefahren sind, ist mit auffälligen Goldfelgen und Drahtspeichen versehen. Auch die Details im Cockpit sind allesamt ansprechend. Der neu geformte und mehrfach verstellbare Windschild schützt tatsächlich vor Verwirbelungen. Das digitale Instrument mit allen nötigen Informationen wird ergänzt von einem analogen Drehzahlmesser und einer nützlichen 12-Volt-Steckdose.

Ihre echten Werte spielt die V-Strom 650 bei der Probefahrt aus. Schon das Platznehmen auf einer etwas härteren Bank ist angenehm, man sitzt aufrecht mit idealem Kniewinkel. Alles passt, man fühlt sich sofort Zuhause. Der V2-Motor ist mit seinen 62 Newtonmetern von jeher sehr kultiviert, agil und geschmeidig. Er lebt von seinem breiten nutzbaren Drehzahlband. Schalten ist eher unwichtig, es gibt schon ab etwa 3.000 Umdrehungen pro Minute genügend Schub. Das reicht allemal, um unaufgeregt und souverän auch im Tross mit PS-stärkeren Maschinen mitzufahren. Unterstützt wird der Antrieb vom erprobten Fahrwerk, der einfachen Schwinge und der tief eintauchenden Gabel. Insgesamt sind keine Spitzenkomponenten verbaut, doch die Abstimmung ist perfekt.

Die V-Strom funktioniert also immer noch bestens, obwohl Suzuki weiterhin auf verschiedene Motormappings oder Fahrmodi verzichtet. Spendiert haben die Suzuki-Techniker statt dessen eine relativ früh zugreifende Traktionskontrolle. Das Modul ist abschaltbar, was sich spätestens auf lockerem Untergrund auszahlt. Eher im Hintergrund arbeiten zwei weitere feine Technikneuerungen: Statt dem bisherigen System ist ab 2017 ein ABS von Bosch mit Kurvenfunktion verbaut. Das verträgt sich blendend mit der Kombi-Bremse von Suzuki - wer vorne hart in die Eisen geht, bremst hinten gleich elektronisch gesteuert mit.

In der Summe ist nach den Testkilometern unter widrigen Umständen im Regen zu vermerken: Die V-Strom 650XT ist kein Motorrad, das man in der Garage anhimmelt. Ihre Stärken spielt sie beim Fahren aus. Und: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt wie bei fast keiner anderen Mittelklasse-Maschine.

Das muss man wissen: Suzuki baut die V-Strom 650 in der Standardversion mit 10-Speichen-Gussrädern (8390 Euro) und als XT (mit Speichenrädern, Handprotektoren, Kunststoff-Motorspoiler sowie neuen Reifen des Typs Bridgestone Battlax Adventure A 40) für erschwingliche 8990 Euro.

Die drei Farben Weiß, Schwarz und Kanariengelb sind lieferbar - seltsamerweise ist aber nur die Kombination mit gelb und goldgelben Felgen möglich. Wer Weiß oder Schwarz wählt, muss mit schwarzen Felgen Vorlieb nehmen. Das Zubehörsortiment ist gut bestückt.

Das werden wir nicht vergessen: den Lenker der V-Strom 650XT. Der törnt total ab. Mal ehrlich: Wer verbaut in dieser Fahrzeugklasse noch billiges, verchromtes Stahlrohr?

Hersteller: Suzuki
Typ: Suzuki V-Strom 650XT
Karosserie: Motorrad
Motor: Zweizylinder-V2-Motor
Getriebe: 6-Gang-Getriebe
Hubraum: 645 ccm
Leistung: 71 PS (52 kW)
Drehmoment: 62 Nm
Höchstgeschw.: 190 km/h
Preis: 8.990 EUR
insgesamt 43 Beiträge
solna 11.08.2017
1. Strom?
Ich lese immer nur 'Strom' und denke mir, hier wird der Weg aus der Diesel- und Umweltkrise gezeigt, und dann stellt sich heraus, dass es sich um ein Motorrad mit Verbrennungsmotor handelt. So wie in 'tödlicher Motorradunfall'. [...]
Ich lese immer nur 'Strom' und denke mir, hier wird der Weg aus der Diesel- und Umweltkrise gezeigt, und dann stellt sich heraus, dass es sich um ein Motorrad mit Verbrennungsmotor handelt. So wie in 'tödlicher Motorradunfall'. Ich tue mir schwer, mir einen Menschen vorzustellen, der ein derartiges Fahrzeug schön, praktisch und preiswert findet. Selbst die Rechtfertigung der Kaufentscheidung über irrationale Faktoren (alles von Liebe bis Freiheit auf zwei Rädern) erzeugt bei mir keine Empathie: dieses Fahrzeug ist einfach nur schlimm, und die Welt wäre erträglicher, wenn es dieses Motorrad nicht gäbe.
power.piefke 11.08.2017
2. @solna
gehen sie mal wieder etwas vom Gas, oder Strom, wie ihnen beliebt. ab der nächsten gehypten vogelgrippe, Läusemasern oder katzenschnupfen sind verbrennen auch nicht mehr böse, weil weniger interessant.
gehen sie mal wieder etwas vom Gas, oder Strom, wie ihnen beliebt. ab der nächsten gehypten vogelgrippe, Läusemasern oder katzenschnupfen sind verbrennen auch nicht mehr böse, weil weniger interessant.
power.piefke 11.08.2017
3. Suzuki eben
nichts dolles, nichts spektakuläres, fährt aber solide. schickes mopped zum guten Preis. Allerdings sollte man für solche Bilder jemanden nehmen, der auch in Sachen Motorrad fahren ein Vorbild ist: wer seinen Hut in kurven so [...]
nichts dolles, nichts spektakuläres, fährt aber solide. schickes mopped zum guten Preis. Allerdings sollte man für solche Bilder jemanden nehmen, der auch in Sachen Motorrad fahren ein Vorbild ist: wer seinen Hut in kurven so weit über den mittelstreifen hängt, dem wird schon mal ein neuer Scheitel gezogen....
astsaft 11.08.2017
4. Bieder und brav
Das scheint die Design Philosophie von Suzuki zu sein. Das passt zu echt jedem Motorrad von denen.
Das scheint die Design Philosophie von Suzuki zu sein. Das passt zu echt jedem Motorrad von denen.
friedrichipp 11.08.2017
5. @solna
Sie sind aber ein besonders freundlicher Zeitgenosse. Was man sich bei Suzuki vor vielen Jahren bei der Namensgebung gedacht hat ist das Eine. Ob es dieses Motorrad gibt, entscheiden die Kaeufer, wohl weil sie es fuer gut [...]
Zitat von solnaIch lese immer nur 'Strom' und denke mir, hier wird der Weg aus der Diesel- und Umweltkrise gezeigt, und dann stellt sich heraus, dass es sich um ein Motorrad mit Verbrennungsmotor handelt. So wie in 'tödlicher Motorradunfall'. Ich tue mir schwer, mir einen Menschen vorzustellen, der ein derartiges Fahrzeug schön, praktisch und preiswert findet. Selbst die Rechtfertigung der Kaufentscheidung über irrationale Faktoren (alles von Liebe bis Freiheit auf zwei Rädern) erzeugt bei mir keine Empathie: dieses Fahrzeug ist einfach nur schlimm, und die Welt wäre erträglicher, wenn es dieses Motorrad nicht gäbe.
Sie sind aber ein besonders freundlicher Zeitgenosse. Was man sich bei Suzuki vor vielen Jahren bei der Namensgebung gedacht hat ist das Eine. Ob es dieses Motorrad gibt, entscheiden die Kaeufer, wohl weil sie es fuer gut halten, ob Sie Empathie dafuer empfinden tut nichts zur Sache. Nebenbei, wenn die Dieselfahrer dieser Welt mit diesem Motorrad in Stuttgart einfielen waere die Luft dort besser.

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