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Auto

Rolls-Royce Phantom VIII

Komm in meine Arme

Nach 15 Jahren bringt BMW einen neuen Rolls-Royce Phantom. Den Verantwortlichen ist ein echtes Kunststück gelungen - zumindest im Cockpit.

Rolls-Royce
Von
Dienstag, 01.08.2017   11:51 Uhr

Bei Rolls-Royce ticken die Uhren langsamer. Während andere Hersteller ihre Modelle alle paar Jahre hektisch erneuern, leistet sich die Luxusmarke konkurrenzlos lange Laufzeiten. Den Phantom gibt es bereits seit 1925, bis dato wurden nur sieben Modell-Generationen aufgelegt. Die jüngste ist mittlerweile nun auch schon fast 15 Jahre alt. Ein Grund für die zähe Generationenfolge: Dem Phantom wurde bereits vor 92 Jahren das Etikett vom "besten Automobil der Welt" angehängt. So ein Superlativ macht es den Entwicklern nicht leicht, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Trotzdem versuchen sie es erneut - beim Phantom Nummer acht.

Den präsentierte die BMW-Tochter in London. Bei der Technik griffen die Ingenieure tief ins Regal des BMW-Konzerns. Sie rüsteten den neuen Rolls mit einem auf Turbotechnik umgestellten V12-Motor mit 6,75 Litern Hubraum und 571 PS aus. Dazu kommt eine satellitengestützte Achtgangautomatik und ein ganzes Heer von Assistenzsystemen. Künftig werden alle Rolls-Royce-Modelle auf der neu entwickelten Aluminium-Spaceframe-Plattform stehen.

Schwieriger als die Techniker hatte es Designchef Giles Taylor. Seine Aufgabe war es, das Auto noch auffälliger, noch luxuriöser, noch glamouröser zu zeichnen, ohne aus dem Phantom eine Karikatur zu machen.

Ganz der Alte

Offenbar hat er vor der Aufgabe kapituliert und außen einfach alles so gelassen, wie es war. Beinahe zumindest. Der aus handpoliertem Edelstahl gefertigte Pantheon-Grill ist zwar jetzt etwas bündiger integriert, die auf Lasertechnik umgestellten Scheinwerfer sind schmaler und schauen strenger, und die eigenwillige Chromlinie um Motorhaube und Frontscheibe betont die Länge der Limousine - doch im Grunde sieht der neue Phantom ganz nach dem alten aus.

Fotostrecke

Autogramm Rolls-Royce Phantom VIII: Außen alt, innen neu

Innen dagegen ist Taylor buchstäblich ein Kunststück gelungen, die Marketingabteilung jubelt. Einfach einsteigen in einen Rolls-Royce? Nein, die Passagiere erleben "The Embrace", eine Umarmung, wenn sie die riesigen und natürlich wieder entgegen der Fahrtrichtung angeschlagenen Türen nach Berührung eines Sensors aktivieren. Diese schließen automatisch und auf die Mitfahrenden warten hohe Sofas als Sitze. Das Armaturenbrett bezeichnet Rolls-Royce als "The Gallery", eine Galerie, die Kunst ausstellt. Während die Instrumente dem Zeitgeist folgen und jetzt selbst bei Rolls-Royce nur noch digital animiert werden, spielen nur noch die Orgelzüge für die Lüfter und die Drehräder der Klimaanlage mit den alten Schrullen. Neu ist auch, dass der Platz vor dem Beifahrer zur Leinwand wird, auf der sich die unterschiedlichsten Künstler austoben können.

Ölgemälde aus China, vergoldeter 3D-Druck oder Porzellanrosen aus Nymphenburg - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, sagt Taylor. Viele der Rolls-Royce-Kunden hätten respektable Sammlungen zusammengetragen. Damit biete Rolls-Royce einen Grad der Individualisierung an, wie es kein anderer Hersteller tut. Aber es gibt auch keine Marke, mit derart individuellen Kunden, wie Taylor gerne betont. Unter dem Alublech ein Siebener im Smoking und drinnen ein Kunstwerk auf Rädern - das ganze garnieren die Briten mit einem Fahrgefühl, das majestätisch ist und abgehoben wie in keinem anderen Auto.

130 Kilo Dämmmaterial schotten den Insassen von der Außenwelt ab

War man schon im letzten Phantom der Welt buchstäblich entrückt, wird man im neuen Modell gar vollends in Watte gepackt und auf Wolken gebettet, verspricht Firmenchef Torsten Müller-Ötvös. Nicht umsonst liest das Fahrwerk mit speziellen Kameras förmlich die Straße und bügelt Unebenheiten mit seiner Luftfederung aus, bevor sie den Aufbau anregen könnten. Nicht ohne Grund sind die Isolierglasscheiben volle sechs Millimeter dick. Ohne jede Skrupel leisten sich die Entwickler den Luxus, allein 130 Kilo für Dämmmatten und Isolierfolien zu verschwenden, damit die erlauchten Insassen nichts von der schnöden Welt da draußen mitbekommen. Selbst in den Reifen ist ein Spezialschaum eingearbeitet, damit sich eine Fahrt im Phantom am Ende anfühlt wie eine Reise auf dem fliegenden Teppich.

Mit dem neuen Phantom hat es Rolls-Royce geschafft, das Modell glaubwürdig zu modernisieren und trotzdem alte Ideale zu konservieren.

insgesamt 108 Beiträge
Donald Knapp 01.08.2017
1. Tolles Auto für alte Männer.....
....sie chick aus, fährt sich der Hammer aber wirkliche Innovationen sucht man vergeblich. Die deutsche Automobilindustrie fährt auf dem Feldweg.
....sie chick aus, fährt sich der Hammer aber wirkliche Innovationen sucht man vergeblich. Die deutsche Automobilindustrie fährt auf dem Feldweg.
fx33 01.08.2017
2. Misslungen!
"Seine Aufgabe war es, das Auto noch auffälliger, noch luxuriöser, noch glamouröser zu zeichnen, ohne aus dem Phantom eine Karikatur zu machen." Aufgabe voll vermasselt.
"Seine Aufgabe war es, das Auto noch auffälliger, noch luxuriöser, noch glamouröser zu zeichnen, ohne aus dem Phantom eine Karikatur zu machen." Aufgabe voll vermasselt.
Additiva 01.08.2017
3. Genau das ist ja das Problem:
"damit die erlauchten Insassen nichts von der schnöden Welt da draußen mitbekommen. " Der ein oder andere Rolls Royce Fahrer sollte mal, wie einst Buddha, das wahre Leben kennenlernen. Vielleicht erkennt er dann auch [...]
"damit die erlauchten Insassen nichts von der schnöden Welt da draußen mitbekommen. " Der ein oder andere Rolls Royce Fahrer sollte mal, wie einst Buddha, das wahre Leben kennenlernen. Vielleicht erkennt er dann auch die Sinnlosigkeit seines Tun. Denn der letzte Wagen ist immer ein Kombi.
hersp58 01.08.2017
4. Dickschiff für den chinesischen Geschmack
Die Front hat die Ambiente eines Schneeschiebers. Wie Eleganz geht, kann sich RR/BMW von den Italienern abgucken. Auch BMW kann es für seine Oberklasse besser.
Die Front hat die Ambiente eines Schneeschiebers. Wie Eleganz geht, kann sich RR/BMW von den Italienern abgucken. Auch BMW kann es für seine Oberklasse besser.
Dude38 01.08.2017
5. Und wie ist das so mit den Abgasen...
...Feinstaub? Wie ist der Verbrauch? Darf das Auto auch in die Umweltzonen? Muss es dann auch so einen hässlichen grünen Aufkleber haben? Grüße, Dude
...Feinstaub? Wie ist der Verbrauch? Darf das Auto auch in die Umweltzonen? Muss es dann auch so einen hässlichen grünen Aufkleber haben? Grüße, Dude
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