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Auto

Autogramm VW ID Buzz

So fährt sich der Elektro-Bulli

Der Bulli kehrt zurück - als E-Mobil. Bis der ID Buzz auf den Markt kommt, dauert es zwar noch. Aber wenn das Serienauto so wird wie die Studie, lohnt sich das Warten.

Volkswagen
Von
Dienstag, 22.08.2017   09:37 Uhr

Der erste Eindruck: Operation Retro geglückt. Der ID Buzz ist der VW-Bus in frisch.

Das sagt der Hersteller: Bemühungen, den ewigen Liebling der Massen neu zu erfinden, gab es von VW zuhauf. "Aber keine unserer vielen Studien in den letzten Jahren hat ins Schwarze getroffen", räumt Markenchef Herbert Diess ein. Mal lag es am Design, mal an der Technik, mal wäre er zu teuer geworden - und manchmal trafen alle drei Probleme zu. Jetzt glaubt Diess ans Happy End beim Bulli-Comeback: "Mit dem ID Buzz haben wir endlich die Lösung." Einen Sympathieträger mit Elektroantrieb hat der Konzern auch dringend nötig - Dieselskandal und Abgasbetrug dürften einen Teil dazu beigetragen haben, dass man sich in Wolfsburg endlich zu einer Entscheidung durchringen konnte.

Die Rückkehr war seit Anfang des Jahres etappenweise eingeleitet worden: Im Januar zeigte VW auf der Detroit Motor Show erstmals das Konzeptfahrzeug, im Juni kündigte Diess dann in einem Interview mit einem britischen Automagazin an, dass die Studie in Serie geht, und im Rahmen des Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach gab es jetzt die offizielle Bestätigung.

Ging es zuletzt Schlag auf Schlag, dauert es bis zur nächsten Etappe leider wieder ziemlich lange - auf den Markt kommen soll der ID Buzz nämlich erst im Jahr 2022.

Das ist uns aufgefallen: Sollte es bis 2022 tatsächlich klappen, wäre der ID Buzz aus heutiger Sicht futuristisch - und gleichzeitig noch retro. Denn mehr noch als von außen erinnert der ID Buzz von innen an den Bulli von einst. Natürlich sind weder Ambiente noch Ausstattung vergleichbar, dafür überrascht die Reinkarnation - genau wie das Original - aber mit schier unendlich viel Platz.

Das gilt unter anderem fürs Cockpit. 1950 lag das noch daran, dass es einfach nicht viel gab, was anzuzeigen oder zu bedienen gewesen wäre. Heute liegt es am Minimalstil von Chefdesigner Klaus Bischoff. "Wir haben alles weggelassen, was nicht wirklich nötig ist", sagt er. Es gibt zum Beispiel keinen Tacho mehr, sondern nur noch ein großes Head-up-Display. Und wo bislang Schalter, Taster oder Regler waren, gibt es jetzt allenfalls noch unauffällige Sensorfelder. Die meisten davon sind - inklusive Blinker und Gangwahl - im Lenkrad integriert.

Fotostrecke

Autogramm VW ID Buzz: Aus Bus wird Buzz

Das eckige Lenkrad sieht zwar cool aus, ist aber ebenso ungewohnt wie die schmalen, dafür aber 22 Zoll großen Reifen. Bei der ersten kurzen Ausfahrt mit dem Vorboten des Serienmodells erweist sich beides prompt als unpraktisch. Die Räder rumpeln und poltern wegen ihrer Größe, und beim Lenkrad weiß man in Kurven nicht so recht, wo man zum Kurbeln hinfassen soll. Beim Rangieren mit starkem Einschlag greift man jedenfalls schnell ins Leere.

Einem Konzeptauto sollte man solche Mängel allerdings nicht verübeln, schließlich beschränken sich die meisten Studien nur aufs bloße Rumstehen und können überhaupt keine Kurven fahren. Designchef Klaus Bischoff schiebt noch hinterher, dass sich das Lenkproblem von selbst erledigen soll, schließlich sei geplant, dass der ID Buzz spätestens ab 2025 auch autonom fahre. Schon heute kann man das Lenkrad im Cockpit verschwinden lassen und den Fahrersitz nach hinten drehen, allerdings nur im Stand.

Foto: Volkswagen

Der Blick ins hintere Abteil ist unbedingt zu empfehlen, denn er macht bereits jetzt viel Freude. Das liegt daran, dass jede Menge Platz für Passagiere und Gepäck vorhanden ist. Man kann lässig auf dem Sofa im Fond lümmeln, bis zu sieben Mitfahrer an Bord holen oder maximal 4600 Liter Gepäck einladen - das 200 Liter große Staufach unter der Fronthaube noch nicht mitgerechnet.

Die Raumausnutzung sei so effizient, dass das Serienmodell gar nicht mehr die Länge der knapp fünf Meter messenden Studie erreichen werde, sagt Dzemal Sjenar, der den Aufbau des Konzeptautos geleitet hat. "Außen wird der ID Buzz so groß wie ein Touran, innen bietet er trotzdem mehr Platz als ein T6." Zu verdanken ist das Raumwunder dem Elektroantrieb, denn die gesamte Antriebstechnik samt Akku ist im Wagenboden untergebracht.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des VW ID Buzz - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der ID Buzz wird eines von mindestens fünf Elektroautos, mit denen VW bis zum Jahr 2025 den Mief des Abgasskandals loswerden möchte. Der Van basiert genau wie der beim Autosalon in Paris gezeigte ID, mit dem die Stromsause zum Ende dieses Jahrzehnts beginnen soll, auf dem sogenannten modularen Elektrizitätsbaukasten (MEB), den auch die anderen Konzernmarken nutzen werden. Schließlich soll es bei allen VW-Marken zusammen bald mindestens 25 E-Autos geben.

Für den ID Buzz, der auch als Transporter angeboten werden soll, reizen die Entwickler die Plattform bis ans Limit aus. Sie nehmen die mit 111 kWh größte verfügbare Batterie und versprechen so Reichweiten von mehr als 600 Kilometern. Und sie installieren auf Wunsch auch eine zweite, 150 kW starke E-Maschine, sodass der Bulli mit Heck- oder Allradantrieb verfügbar sein wird und in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt. Das Spitzentempo wird mit Rücksicht auf die Reichweite auf 160 km/h limitiert. Dabei sollte sich das Problem Reichweite bis zur Markteinführung ohnehin entspannt haben, denn bis 2022 dürfte es genügend 150-kW-Ladesäulen geben, an denen man in einer halben Stunde Strom für 450 Kilometer zapfen kann.

Das werden wir nicht vergessen: Den kleinen Buddha, der bei unserer Probefahrt im Prototyp über dem Armaturenbrett schwebte. Dessen scheinbare Schwerelosigkeit war zwei entgegengesetzten Magneten zu verdanken - ein kleiner Taschenspielertrick nur, aber VW beweist damit, dass ihnen der Spaß am Bulli noch nicht verlorengegangen ist. Selbst wenn sie es diesmal tatsächlich ernst meinen.

Hersteller: VW
Typ: ID Buzz
Karosserie: Van
Motor: zwei E-Maschinen
Getriebe: Einganggetriebe
Antrieb: Allrad
Leistung (E-Motor): 374 PS (275 kW)
Von 0 auf 100: 4,9 s
Höchstgeschw.: 160 km/h
Kofferraum: 860 Liter
umgebaut: 4.600 Liter
insgesamt 277 Beiträge
hughw 22.08.2017
1. Der idBuzz
nimmt nicht so sehr die Formensprache des Bulli (VW Bus erste Generation) auf, sondern die des Lloyd LT 600 Bus. VW schmückt sich da mit fremden Federn. Aber, kein schlechtes Vorbild. [...]
nimmt nicht so sehr die Formensprache des Bulli (VW Bus erste Generation) auf, sondern die des Lloyd LT 600 Bus. VW schmückt sich da mit fremden Federn. Aber, kein schlechtes Vorbild. https://de.wikipedia.org/wiki/Lloyd_(Automarke)#/media/File:MHV_Lloyd_LT600.jpg
huchaholonge 22.08.2017
2. zukunft
Meiner Meinung nach das Konzept der Zukunft. Orientiert sich nicht mehr so an den alten Zwängen. Weiter so. Mehr davon!
Meiner Meinung nach das Konzept der Zukunft. Orientiert sich nicht mehr so an den alten Zwängen. Weiter so. Mehr davon!
benh 22.08.2017
3. Das werden wir nicht vergessen
"ein kleiner Taschenspielertrick" damit kennt sich VW ja aus
"ein kleiner Taschenspielertrick" damit kennt sich VW ja aus
W/Mutbürger 22.08.2017
4. Die Studie
hiess 2005 "Microbus" und war natürlich nicht elektrisch. http://www.kaeferblog.com/volkswagen-microbus-neuer-alter-vw-bus 12 Jahre für ein Konzept sind wirklich lang. Egal, als E-Auto mit 600 km Reichweite hat [...]
hiess 2005 "Microbus" und war natürlich nicht elektrisch. http://www.kaeferblog.com/volkswagen-microbus-neuer-alter-vw-bus 12 Jahre für ein Konzept sind wirklich lang. Egal, als E-Auto mit 600 km Reichweite hat dieses Auto bestimmt Erfolg.
PolitBarometer 22.08.2017
5.
Dieses Fahrzeug ist die Ausgeburt der Idiotie, mit einem echten Auto hat das nichts mehr zu tun. Ein rIchtiges Lenkrad? Fehlanzeige! Kino an Bord? Ja, ganz viel davon, aber sehr schlecht umgesetzt. Zieladressaten dürften junge [...]
Dieses Fahrzeug ist die Ausgeburt der Idiotie, mit einem echten Auto hat das nichts mehr zu tun. Ein rIchtiges Lenkrad? Fehlanzeige! Kino an Bord? Ja, ganz viel davon, aber sehr schlecht umgesetzt. Zieladressaten dürften junge Hipster und Leute sein, denen es nichts ausmacht, auch mal ein paar Zehntausend für ein absolut sinnloses Gadget rauszuhauen. VW will damit nur von den massiven Problemen im Konzern ablenken. Ernstzunehmen sind solche Schnellschüsse ganz bestimmt nicht.
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