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Autogramm Jaguar XF Sportbrake

Das Ersatzmodell

Auch Jaguar schwimmt mit seinen Typen F-, E- und i-Pace erfolgreich auf der SUV-Welle. Umso überraschender ist da das Comeback des Kombimodells XF Sportbrake. Der Witz bei dem Wagen: Er ist der bessere SUV.

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Dienstag, 10.10.2017   04:41 Uhr

Der erste Eindruck: Das Auto sieht von hinten beinahe besser aus als von vorn.

Das sagt der Hersteller: "Eigentlich hätte es dieses Modell gar nicht geben sollen", sagt Jaguar-Projektleiter Alan Hill. Nur in England und Deutschland lassen sich Kombis im großen Stil verkaufen. Hill weiter: "Außerdem hatten wir erwartet, dass viele bisherige Sportbrake-Käufer lieber ein SUV wollen und deshalb auf den F-Pace umsteigen würden." Doch der Anteil der Kombimodelle sei langsamer gefallen als erwartet und habe Jaguar zum Umdenken gezwungen, erklärt der Projekteiter.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn der Sportbrake ist nicht ein SUV- sondern auch ein Limousinen-Ersatz: Das Modell XF droht seit dem Erscheinen des ersten Jaguar-SUV vollends in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. In Deutschland stehen den 2267 Neuzulassungen für den F-Pace im ersten Halbjahr 2017 lediglich 921 Anmeldungen für den XF gegenüber. Da kommt der Kombi gerade recht, um die Produktion besser auszulasten.

Foto: Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Im Grunde ist der XF Sportbrake der bessere SUV. Erst recht, wenn man das Auto so nutzt, wie es die Hochglanzbroschüren der Hersteller gerne vorgaukeln. "Aktive Freizeitsportler" und "Outdoorliebhaber" jedenfalls werden Fahrräder, Surfbretter oder Ski lieber in die Dachbox auf einem 1,50 Meter hohen Kombi packen, als die Gerätschaften mindestens 1,65 Meter auf einen SUV wie den F-Pace zu wuchten. Und Hinterbänkler sitzen im Kombi allemal komfortabler als im SUV, weil sie durch größere Türen einsteigen, mehr Kopffreiheit genießen und im XF auch zudem unterm aktuell größten Panoramadach

Fotostrecke

Jaguar XF Sportbrake: Entscheidend ist, was hinten reinpasst

der Autowelt chauffiert werden.

Auch der Fahrer ist im Kombi besser dran. Denn die höhere Sitzposition und die bessere Übersicht in einem SUV bezahlt man immer mit Einschränkungen beim Fahrspaß. Im neuen Jaguar-Kombi ist man der Straße buchstäblich näher als in einem höhergelegten Modell und hat ein besseres Gefühl für die Fahrbahn.

Auf die Errungenschaften aus dem SUV F-Pace muss man dabei trotzdem nicht verzichten. Das gilt für den optionalen Allradantrieb genauso wie für die gehobene Ausstattung. Der XF Sportbrake hat ein digitales Cockpit mit animierten Instrumenten und großem Touchscreen samt eigenem App-Store, es gibt ein Heer von Assistenzsystemen bis hin zu einem neuen Müdigkeitswarner, im Angebot ist außerdem eine Gestensteuerung für das Rollo vor dem Panoramadach sowie für die Heckklappe.

Als erste Pkw-Baureihe von Jaguar bekommt er außerdem den sogenannten Activity Key: Wer will, kann damit die Schlüsselgewalt auf ein wasserdichtes, stoßfestes Armband übertragen und den ebenso klobigen wie empfindlichen Zündschlüssel im Auto lassen - vor allem die Kernzielgruppe der Freizeitsportler dürfte das goutieren.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Jaguar XF Sportbrake - mit unserem 360-Grad-Foto:

Den Vergleich mit seinem SUV-Zwilling muss der XF Sportbrake also nicht scheuen, doch im Konkurrenzvergleich tut sich der Wagen schwer. Der Audi A6 Avant wirkt trotz seines mittlerweile hohen Alters innen wertiger, der BMW 5er Touring ist schlauer und sportlicher und das T-Modell der Mercedes E-Klasse bietet mehr Platz. Und alle drei sind variabler, etwa aufgrund einer etwas steileren und deshalb ladefreundlichen Stellung der Rücksitzlehnen oder einer Mulde im Wagenboden, in der die Kofferraumabdeckung verschwindet, wenn man sie nicht braucht. Auf diese Lösung beim BMW 5er Touring ist Projektleiter Hill aufrichtig neidisch - im XF wäre das jedoch schlicht zu aufwendig und teuer gewesen.

Die ausgefeilte Ausstattung der Platzhirsche hat auch einen Nachteil: Man sieht die deutschen Kombis an jeder Ecke, mit dem XF Sportbrake hingegen hebt man sich ab.

Das muss man wissen: Bestellen kann man den XF Sportbrake seit ein paar Wochen, ausgeliefert wird das Auto ab Oktober. Die Preise beginnen bei 43.960 Euro und liegen damit etwa 2500 Euro über denen der Limousine. Angeboten wird der Kombi mit fünf Motorisierungen, die weniger der aktuellen Stimmungslage als den Anforderungen der Flottenkunden gerecht werden. Denn es gibt nur einen Benziner, einen 2-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 250 PS, und gleich vier Diesel von 163 bis 300 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Wie detailversessen und gleichzeitig schlampig die Entwickler bei diesem Auto gearbeitet haben. Dass man die elektrische Anhängerkupplung vom Touchscreen im Cockpit aus hervorsurren lassen kann, ist großes Kino. Dass es für individuell gekennzeichnete Schalter im Kombi nicht gereicht hat, ist um so peinlicher: Der vordere Schalter zur Betätigung der Heckklappe zeigt eine Limousine, der Schalter in der Klappe selbst einen SUV.

Hersteller: Jaguar
Typ: XF Sportbrake (2017)
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.999 ccm
Leistung: 240 PS (177 kW)
Drehmoment: 500 Nm
Von 0 auf 100: 6,7 s
Höchstgeschw.: 241 km/h
Verbrauch (ECE): 5,5 Liter
CO2-Ausstoß: 144 g/km
Kofferraum: 565 Liter
umgebaut: 1.700 Liter
Preis: 58.460 EUR
insgesamt 64 Beiträge
chrismuc2011 10.10.2017
1.
Schick! Schön das es noch einen Kombi gibt, für Leute, denen ein Sedan zu spießig ist und die einen SUV nicht mögen und die Platz brauchen. Hätte meinen Chrysler 300C Touring ersetzen können, wenn ein 6 Zylinder Benziner [...]
Schick! Schön das es noch einen Kombi gibt, für Leute, denen ein Sedan zu spießig ist und die einen SUV nicht mögen und die Platz brauchen. Hätte meinen Chrysler 300C Touring ersetzen können, wenn ein 6 Zylinder Benziner angeboten würde. Allerdings hat er viel nettes BlingBling, was nur kaputt gehen kann, es aber nicht wirklich nötig ist, z.B. die elektrische Schließung der Lüftungsklappen. Das schaffe ich mit 62Jahren gerade noch so mit der Hand.
Maaark 10.10.2017
2. Fahrspaß?
Ob der XF Sportbreak auch für den Fahrer besser ist, sei mal dahin gestellt. Der Sportbreak vermittelt also mehr "Gefühl für die Fahrbahn" und mehr "Fahrspaß". Egal ob Kombi, Limousine oder SUV - mir [...]
Ob der XF Sportbreak auch für den Fahrer besser ist, sei mal dahin gestellt. Der Sportbreak vermittelt also mehr "Gefühl für die Fahrbahn" und mehr "Fahrspaß". Egal ob Kombi, Limousine oder SUV - mir persönlich rollen sich bei Begrifflichkeiten wie "Fahrspaß" und "Gefühl für die Fahrbahn" mittlerweile sämtliche Zehennägel nach oben. Ich möchte beim Autofahren absolut kein "Gefühl für die Straße" vermittelt bekommen. Bei der deutschen Motor-Journaille heißt das zusammen mit "Fahrspaß" übersetzt nichts anderes als dass den Fahrer ein knüppelhartes Fahrwerk mit minimalem Restkomfort erwartet. Womöglich noch garniert mit einer "direkten" (übermäßig nervösen) Lenkung, einem "drehfreudigen" (im unteren und mittleren Drehzahlbereich schlappen) Motor und "straffen" (hart wie eine Holzbank) oder gar "gut ausgeformten" (unbequem engen) Sitzen. Wie sieht es also beim Jaguar in Sachen Komfort, insbesondere im Vergleich zum hauseigenen SUV? Völliges Schweigen im, na ja, Testbericht möchte ich es kaum nennen. Auszug aus der herstellereigenen PR-Abteilung trifft es wohl eher. Aber immerhin wurde so elementar wichtigen Dingen wie dem Symbol auf der Taste für den Kofferraumdeckel Platz im Artikel gewidmet.
deranaluest 10.10.2017
3. Hübsche Karre
würd ich sofort kaufen wenn ich Bedarf an einem eigenen Auto hätte. Hab ich aber dank 2er gesunder Beine, Fahrrad und ÖPNV nicht. Für den Rest gibts Mietwagen. Und an den Preis kommt auch nicht per Dienstwagenregelung ran.
würd ich sofort kaufen wenn ich Bedarf an einem eigenen Auto hätte. Hab ich aber dank 2er gesunder Beine, Fahrrad und ÖPNV nicht. Für den Rest gibts Mietwagen. Und an den Preis kommt auch nicht per Dienstwagenregelung ran.
DerBlicker 10.10.2017
4. nicht nachvollziehbar
Der XF Kombi hat nur 565 Liter Kofferraum und ist dafür 25 cm länger als der SUV F-Pace, der satte 650 Liter Kofferraum in der Grundstellung hat. Wieso soll da der freizeitzorientierte Mensch zum innen kleineren Kombi greifen, [...]
Der XF Kombi hat nur 565 Liter Kofferraum und ist dafür 25 cm länger als der SUV F-Pace, der satte 650 Liter Kofferraum in der Grundstellung hat. Wieso soll da der freizeitzorientierte Mensch zum innen kleineren Kombi greifen, der dafür wegen seiner viel größeren Länge in der Stadt kaum einen Parkplatz findet? Nein, der Erfolg der SUV spricht für sich, einen längeren Kombi mit weniger Platz braucht nun wirklich niemand mehr.
BiggusDickus 10.10.2017
5. Da isser wieder....
Und wieder beweisen Sie, dass Sie in der Grundschule gut in Mathe aufgepasst haben und in wirklich traumwandlerischer Sicherheit Zahlen hinsichtlich Ihrer Größe miteinander vergleichen können. Von 0 auf 100 in 7 Sekunden [...]
Zitat von DerBlickerDer XF Kombi hat nur 565 Liter Kofferraum und ist dafür 25 cm länger als der SUV F-Pace, der satte 650 Liter Kofferraum in der Grundstellung hat. Wieso soll da der freizeitzorientierte Mensch zum innen kleineren Kombi greifen, der dafür wegen seiner viel größeren Länge in der Stadt kaum einen Parkplatz findet? Nein, der Erfolg der SUV spricht für sich, einen längeren Kombi mit weniger Platz braucht nun wirklich niemand mehr.
Und wieder beweisen Sie, dass Sie in der Grundschule gut in Mathe aufgepasst haben und in wirklich traumwandlerischer Sicherheit Zahlen hinsichtlich Ihrer Größe miteinander vergleichen können. Von 0 auf 100 in 7 Sekunden ist schneller als in 8 Sekunden, und 565 Liter sind weniger als 650 Liter. Chapeau! Jedoch stellt sich dem Autofahrer mit Realitätssinn die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Vergleiche. Speziell Ihr immer wieder vorgebrachtes Argument, SUVs hätten ja so deutlich größere Kofferräume als vergleichbare Kombis, ist vergleichbar mit der berühmten Milchmädchenrechnung. Ja, die Literzahl ist oft höher. Nur was bringt das in der Praxis? SUV-Kofferräume generieren ihr Volumen deutlich mehr als Kombis aus der Höhe des Kofferraums. Einfach weil sie höher aufbauen. Nur bringt mir das in der Praxis relativ wenig, es sei den ich transportierte regelmäßig Waschmaschinen aufrecht stehend. Viel entscheidender ist doch für nie Nutzbarkeit des Kofferraums die Grundfläche, also Breite mal Tiefe. Und da sieht kein SUV gegen einen vergleichbaren(!) Kombi Land. Selbst relativ große SUV erreichen in den wenigsten Fällen 1 Meter Kofferraumtiefe (VW Touareg 96cm, Mercedes GLE immerhin 1,02m) während vergleichbare Kombis immer weit darüber liegen (Passat Variant 1,16m, E-Klasse 1,17m und selbst der alte Jaguar XF Sportbrake noch 1,11m). Möchte man normales Reisegepäck nicht stapeln oder hat man gar sperrige Gegenstände wie Kinderwagen dabei, bleibt also deutlich mehr Platz in einem Kombi. Und das noch kurz zur Einordnung: ich bin kein verbissener SUV-Gegner, sondern habe 3 Jahre lang selbst einen gefahren und könnte mich auch heute noch für einige Modelle erwärmen. Aber als zweifacher Familienvater bleibt derzeit nur ein großer Kombi (Ein Van kommt mir nicht ins Haus).
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